Weihnachtsdeko muss halt auch manchmal improvisiert werden: Schild hängt am Heizungsregulator
Im absoluten Halbschlaf stand ich heute früh auf. Das erste, was ich tat war, den Staubsauger anzuschmeißen und meinen Laptop abzusaugen. Das ist noch so die letzte Chance die ich habe, vielleicht ist der Lüfter so verstaubt dass er nicht mehr richtig tut? Ich sah nicht wirklich, dass da was rauskam, aber naja. Einen Versuch war es wert. Während der PC dann hochfuhr zog ich mich an, und schon bald saß ich mitten am Abendessentisch meiner Familie. Zumindest so gut wie. Es dauerte eine Weile, bis wir heraushatten, wie man mich halbwegs verstehen konnte, auch wenn es immer noch nicht so einfach war. Witzig war, wenn kein einziger am Tisch mich verstehen konnte außer meiner Mutter... aber ja. Es war wirklich, als wäre ich mittendrin. Noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Wirklich. Ich war auch überhaupt nicht traurig, nicht dazu sein, ich freute mich einfach nur darüber dabeizusein. Egal, auf welche Art. Irgendwann mittendrin war allerdings dann mein Internet weg. Ich weiß nicht, wie spät es hier mittlerweile war, aber ich glaube, es war nach halb elf. Ich wartete einige Minuten, bis ich schließlich zu meinen Vermietern ging. Wo mir die Tochter im Morgenmantel und mit Zahnbürste die Tür öffnete. Und dann ihren Vater holte, der, wie es aussah, bis eben noch geschlafen hatte. Ups. Aber kann ich ja nicht ahnen, um die Uhrzeit... normal werde ja immer ich früh morgens geweckt, weil bei denen so ein Radau ist. Aber gut. Tut mir ja Leid, aber nicht meine Schuld.
Das Internet tat ein paar Minuten später wieder und ich war wieder mitten im Trubel. Ich hätte nie gedacht, dass ich das sagen würde, aber ja, ich vermisse den Lärm zu Hause. Schon bald hatte ich raus, wie ich den einzelnen Unterhaltungen folgen konnte. Anfangs war alles nur ein großes Chaos in meinen Ohren gewesen, jetzt aber verstand ich das Meiste. Meine Geschwister taten mir sogar den Gefallen, wenigstens ein Weihnachtslied zu singen, total lieb! Schon bald war Bescherung, es war ein wenig seltsam, dem ganzen Chaos nur über die Webcam zu folgen, aber es machte Spaß. Dieses Jahr ging auch keiner in die Abendmesse - das kommt davon, wenn ich nicht da bin :D Kleiner Scherz. Bald gingen meine Großeltern nach Hause, und ich würde unglaublich müde. Wirklich unglaublich müde. Meine Nacht war einfach zu kurz gewesen. Also legte ich mich ins Bett, mit Kopfhörern auf meinen Ohren, und lauschte der Diskussion zwischen meinem Bruder, meinem Vater und meinem Onkel. Sie diskutierten über das gleiche Thema, über das sie immer diskutieren, und glaubt mir. Ich habe seit Monaten nicht so gut geschlafen, geschweige denn gedöst. Wirklich. Es war einfach toll, als würde ich zu Hause auf dem Sofa liegen.
Gegen halb vier legten wir dann auf. Wir hatten die Verbindung mehr als sechs Stunden laufen gehabt - das reichte glaube ich aus. Und ich war einfach nur froh, dass mein PC durchgehalten hatte. Ich fragte mich, wo das Geschenk für A. blieb, das ich schon vor eineinhalb Wochen bestellt hatte. Angeblich sollte es heute noch geliefert werden... Hoffentlich. Wäre ja irgendwie sonst doof.
Mittlerweile hatte ich auch richtig Hunger bekommen. A. wollte um sechs kommen, und ich dachte mir, es macht wenig Sinn, vorher noch groß was zu essen. Also machte ich mir einfach nur Brot - wobei ich mich mal wieder schnitt. Was ist nur los mit mir, herrje? Das wird langsam wirklich ein bisschen viel. Und ich stellte fest, ich hab gar keine deutschen Pflaster mehr - alle aufgebraucht. Ich räumte mein Zimmer und die Küche auf, und nachdem ich von A. die Mitteilung bekommen hatte, dass sie sich um einiges verspäten würde, saß ich dann herum. Das Internet teilte mir mit, dass mein Geschenk schon geliefert sein sollte. Tja. Da war aber nichts. Also fragte ich mal bei meinen Vermietern nach, die dann im Briefkasten nachsahen - da lags drin. Puh! Das wurde also auch noch schnell eingepackt und unter meinen improvisierten Weihnachtsbaum gelegt.

Und ich saß dann wirklich herum, ohne Ahnung, was ich tun sollte, denn - das Internet war weg. Auf Anfrage bei meinen Vermietern hieß es, der Sohn würde dran arbeiten. Mmmhpf. Auf jeden Fall war das nicht sonderlich effektiv. Also wartete ich und spielte ein bisschen Spider Solitär. Hab ich schon lang nicht mehr gemacht... Was blieb mir auch anderes übrig? Gegen acht fing ich dann an, unser Heiligabendessen zu machen - Maccaroni mit Käse :D Ist schließlich Heiligabend, da gibts traditionell kein Fleisch bei uns. Pünktlich als das Essen fertig war stand auch A. vor der Tür. Perfektes Timing. Wir aßen also unser wahnsinnig exklusives Weihnachtsmahl und verbrachten die restliche Zeit mit quatschen. War ein bisschen doof, dass das Internet nicht tat, denn so konnten wir keine Weihnachtslieder hören, aber was solls. Mein Pseudo-Adventskranz brannte immerhin und versuchte so, ein wenig Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Wir waren nicht wirklich in einer, aber als Mitternacht näher rückte tauchte sie zumindest bei mir langsam auf. Heiligabend ist einfach, wenns draußen dunkel und still wird. Und ich müde :DUm halb 12 klopfte es an meiner Tür - der Sohn meiner Vermieter. Mit einem Zettel in der Hand. Mit Namen und Passwort für das W-lan. Oh mein Gott! Gesichertes W-lan! Wahnsinn! Das ich das noch erleben darf. Ein tolles Weihnachtsgeschenk! Jetzt kann ich meine ganzen Bankangelegenheiten selber regeln und muss das nicht erst umständlich über meine Mutter machen. Juhu!
Kurz bevor wir in die Kirche gingen öffneten wir dann die Geschenke. A. hatte von mir eine Kalifornien-Fahne bekommen, mir hatte ich auch gleich eine bestellt. Nur irgendwie muss ich das mit dem amerikanische-Maße-Umrechnen noch lernen, denn diese Fahne war riesig. Richtig riesig. So von der Größe, dass man sie problemlos an öffentliche Fahnenmaste hängen kann... Wandgroß. Ui. Mist... Naja. Habs ja gut gemeint ;) Von A. bekam ich eine Karte und Musikerohrringe. Ich hab schon welche, aber nur in quietschbunt. Die sind super, ich liebe sie - aber für seriöse Dinge nicht geeignet. A.s sind jetzt dezent in unauffälligeren Farben wie schwarz, das ist super! :)
Ich hatte keine Ahnung, wie voll hier die Mitternachtsmesse sein würde. Von daheim bin ich es gewöhnt, mindestens eine Viertelstunde vorher da zu sein, sonst kriegt man keinen Sitzplatz mehr. Also dachte ich mir, wir gehen hier auch mal lieber etwas früher los. 15 Minuten vorher brachen wir in eisiger Kälte auf, die Kirche war aber noch... ziemlich leer. Nicht komplett, aber schon nicht gerade voll. Übrigens, ich weiß nicht, ob ich das schon irgendwann erwähnt habe, aber vor dem Gottesdienst steht immer eine Dame draußen vor der Kirche, öffnet die Tür und begrüßt jeden. Finde ich total nett :) In der Kirche wurden wir damit beschäftigt, indem Lieder gesungen wurden. Eine nette Idee! Mit der Zeit füllte sich die (übrigens überaus warme) Kirche, aber voll war es dennoch nicht. Ich würde sagen... so voll wie bei mir daheim in etwa bei einer Advents-Sonntags-Messe. Die Kirche war außerdem, finde ich, recht schön geschmückt, mir grünen Girlanden über den Mittelgangplätzen (also mit irgendwelchem Grünzeug, kein Papier) und ein paar kleinen Weihnachtsbäumen vorne am Altar. Außerdem stand am Eingang eine Krippe.
Der Pfarrer begrüßte uns stilecht mit einem "Guten Morgen" - hab ich so auch noch nicht gehört. War irgendwie witzig :D Wir sangen "Adeste Fidelis", das war schön, das singen wir zu Hause ja auch... auf deutsch, nicht auf englisch, aber egal. Ich war etwas traurig, weil ich sah, dass "Stille Nacht" nicht auf der Liste stand, aber man kann ja nicht alles haben! Die Weihnachtsgeschichte auf englisch und zum ersten Mal von einem anderen Pfarrer als meinem zu Hause zu hören war dann auch irgendwie seltsam. Aber nicht doof-seltsam. Irgendwie sogar schön. Die Predigt war leider etwas leise, die Mikros waren wohl nicht so gut eingestellt. Daher konnte ich nicht alles verstehen, aber macht nichts. Trotz allem war der Gottesdienst sehr, sehr schön, und ich bin froh, um Mitternacht gegangen zu sein.
Als ich dann von der Kommunion wiederkam war dann in mir die Freude groß - wir sangen doch Stille Nacht! Das Lied ist für mich einfach der Inbegriff von Weihnachten, ohne Stille Nacht geht das nicht. Daher freute ich mich riesig. Noch mehr freute ich mich, das kann man sich kaum vorstellen, als wir nach den drei englischen Strophen noch weitersangen. Im Liederbuch waren auch alle drei Strophen auf deutsch abgedruckt! Alle drei sangen wir zwar nicht, aber immerhin die erste. Ich hab mich selten so... schwer zu sagen. So vollkommen gefühlt. So, als ob für diese eine Minute alles in Ordnung wäre. Ich freute mich einfach nur wahnsinnig, dieses Lied zu singen. Gut, außer A., der Vorsängerin und mir hatten nach den englischen Strophen, glaube ich, alle aufgehört zu singen. Aber egal, ich sang mit voller Inbrunst und war einfach nur glücklich und gerührt.
Der Gottesdienst endete dann noch stilecht mit einem "Joy to the world", und als draußen dann so gut wie jeder zum Pfarrer ging, um ihm frohe Weihnachten zu wünschen, tat ich das dann doch auch mal. Er meinte, er hätte bei dem Stille Nacht an mich denken müssen. Lieb! Ich brachte A. dann noch zur Straße, weil sie noch zu einer Karaokebar aufbrechen wollte. Bis das Taxi kam dauerte es aber eine ganze Weile, währenddessen lief uns sogar eine Maus über den Weg... Und ich fühlte mich gut. Richtig gut. Ich hatte sogar Lust, einfach auf der Straße loszutanzen. Ich alte Pseudo-Rhythmikerin, ich... Irgendwann kam dann auch ein Taxi, wenn auch nicht das von A. bestellte. Macht nix, sie stieg trotzdem ein und bestellte das andere wieder ab. Und ich ging nach Hause. Wo ich dann leise schleichend Santa Claus spielte und meinen Vermietern die kleinen Weihnachtsgeschenke vor die Tür legte. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich ich es liebe, anderen Geschenke zu machen? ;) Am Ende telefonierte ich dann noch mal kurz mit daheim, bevor ich mich dann bettfertig machte.
Dieses Heilig Abend war wirklich schön (okay, irgendwie waren's ja zwei...). So schön, wie es im Ausland und mit der Familie 9 Stunden entfernt nur sein kann, das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich hatte ja überhaupt keine Erwartungen an diese Tage, eher Angst davor, vielleicht war das gut so. Denn dafür war heute umson schöner. Ich bin jetzt richtig erleichtert, dass ich hiergeblieben bin und mir noch die letzten Wochen Amerika gönne. Klar, daheim wäre es noch schöner gewesen. Aber dann hätte ich auf dieses einmalige Fest und weitere tolle Ausflüge verzichten müssen. Ne. Das war schon gut so.
Ich bin gespannt, wie es morgen weitergeht.

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