Mittwoch, 14. Dezember 2011

Tag 129 (14.12.)

Ich schlief heute erst mal aus, und entspannte dann während einer guten Runde Herr der Ringe. Nichts ist besser, um sich von einer bevorstehenden Prüfung abzulenken! Außerdem wusch ich nebenbei meine Wäsche, die ich dann fast vergessen hätte, noch in den Trockner zu schmeißen... gerade rechtzeitig bevor es zu knapp geworden wäre fiel es mir aber noch ein. Puh!
Gegen zwei, eine Stunde vor der Prüfung, lief ich dann los. Ich spielte mich ein, und eigentlich ging es mir ganz gut. Die Finger taten etwas weh, aber lang nicht mehr so sehr wie gestern. Netterweise begann aber das eine Pflaster sich jetzt zu lösen. Ich wollte es nicht ganz abmachen da ich mich, wenn ich längere Zeit ein Pflaster getragen habe, danach ganz komisch fühle, wenn das Ding plötzlich weg ist. Ich hoffte also nur, dass es noch halten würde.
Ich machte mich auf den Weg zum Umziehen. Unterwegs traf ich meinen Theaterlehrer, der sich noch von mir verabschiedete und sich dafür bedankte, dass ich immer anwesend gewesen war und so gut mitgemacht hatte. Für mich ist das ja selbstverständlich, aber ja, man hat gemerkt, das ist nicht für alle so... einer aus meinem Kurs zum Beispiel tauchte in den letzten Wochen nur noch ein oder zwei Mal auf. Keine Ahnung, was der für eine Note kriegen wird... ist ihm ja aber auch vermutlich egal. Mir tat nur seine Partnerin in der Szene ein bisschen Leid, die sich immer fragte, wo er denn steckte.
Wie dem auch sei. Hinter der Bühne traf ich dann auch A., die ihre Prüfung schon um zwei gehabt hatte und mir netterweise umblättern würde. Ihre Prüfung schien ganz gut gelaufen zu sein. Ehe ich mich versah stand ich dann auch schon plötzlich im Saal. Mensch, waren die hier pünktlich, alles genau nach Zeitplan! Damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Ich war etwas überrumpelt, muss ich zugeben. Ich bekam mitgeteilt, dass ich die Stücke in der Reihenfolge spielen konnte wie ich wollte - perfekt. Ich hatte mir meine Noten für den Fall schon genau geordnet. Das fing ja schon mal gut an!
Im wahrsten Sinne. Denn gleich im ersten Stück, welches ich als Einziges auswendig spielte, machte ich einen riesigen Fehler. Ich wiederholte einige Takte drei (!) Mal, weil ich aus der Schleife einfach nicht heraus kam. Ich wusste melodisch, wo ich hinwollte, aber weder mein Hirn wusste die richtigen Noten, noch meine Finger die richtigen Tasten. Black out. Wunderbar. Dabei war es bis dahin so gutgelaufen! Irgendwie kam ich dann weiter, fragt mich nicht wie. Ich glaube, ich übersprang ein bisschen was und spielte nur die Hälfte, aber egal - ich kam auf jeden Fall an der richtigen Stelle raus. Ach ja, und - mein Pflaster nervte mich wahnsinnig. Ganz toll.
Das nächste Stück, Clair de Lune, holte mich aber wieder zurück. Ich finde, trotz kleiner Fehlerchen klappte das ziemlich gut, und vor allem musikalisch hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Genau so hatte ich auch das erste Stück spielen wollen, aber nun gut. Scarlatti und Mozart waren mittelmäßig - Fehlerchen, musikalisch nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Ich war nur unzufrieden weil ich eben weiß, dass ich es besser kann. Wer das nicht weiß - für den klang es vielleicht gar nicht so übel ;) Mitten im Mozart wurde ich aber unterbrochen, die Zeit raste davon - ich solle doch noch den Liszt spielen. Mist. Lieber hätte ich da die zweite Hälfte weggelassen ;) Aber war ja klar, dass der ganz verlangt wird. Noch auf der ersten Seite passierte mir ebenfalls ein ziemlich doofer Fehler - trotz Noten. Dieser eine Takt war mir schon immer ein Dorn im Auge, mittlerweile klappt er aber eigentlich insofern, dass ich ihn "überspielen" kann - also egal was da passiert, danach gehts immer weiter. Und manchmal klappt er sogar fehlerfrei. Heute aber nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn wiederholte, weil es einfach nicht weiterging. Oft genug zumindest, dass A., die daneben saß, ihrem inneren Drang nachgab (ich kenne diesen Drang nur zu gut) und mir zuflüsterte, was jetzt kommen würde. Gerade in dem Moment hatte ich es aber glücklicherweise überwunden und konnte weiterspielen. Das Ende klappte mittelmäßig. Geht besser, aber auch weitaus schlechter. Von daher kann ich eigentlich zufrieden sein.
Insgesamt war ich nach dem Clair de Lune doch arg nervös geworden. Keine Ahnung wieso. Jede kleine Bewegung, jedes kleine Geräusch schmiss mich aus der Bahn, und die Schuhe rutschten auf dem komischen Parkett da auch noch wahnsinnig.
Aber egal, jetzt war es vorbei. Ich fühlte mich - ja, wie eigentlich? Meine Arme zitterten noch vom Liszt, und ich bereute meine doofen Fehler. Andererseits war ich froh, dass nichts noch Schlimmeres passiert war, und ich war stolz auf mein Clair de Lune. Sehr gemischte Gefühle also. Alles in allem war ich einfach nur froh, dass es vorbei war.
Und, es ist gar nicht sooo hart, 30 Minuten zu spielen. Die Zeit verging schneller als ich gedacht hätte. Bisher habe ich das ja noch nicht oft gemacht und daher ein bisschen Angst vor meiner Abschlussprüfung mit 45 Minuten, aber so lange ich den Liszt am Ende spiele dürfte das hinhauen. Auch wenn der Prokofieff irgendwie eindrucksvoller wäre. Mal sehen.
Das Problem jetzt war mein Abschiedsgeschenk. Wie sollte ich das meiner Lehrerin geben? Ich dachte ja, ich stelle es in ihren Raum. Der war natürlich abgeschlossen und mir wurde gesagt, vermutlich geht sie da heute eh nicht mehr rein. Ich wollte es ihr dann in einer kurzen Prüfungspause geben, also zwischen zwei Studenten, aber die Pause war nicht da, wo ich es vermutet hatte, und die Zeit rannte mir davon - ich wollte mich nämlich mit A. und N. treffen um gemeinsam ins Kino zu gehen. Schließlich stellte ich das Zeug in mein Schließfach und beschloss, morgen noch mal zu kommen. Ich schaute mir den Prüfungsplan an und merkte mir, wann Schluss war - da würde ich sie dann vielleicht kurz abfangen können.
Ich hatte noch etwa sieben Minuten, und war am Verhungern. Letztes Mal war das mit den Pommes so schnell gegangen, also dachte ich mir, ich hole mir wieder welche. Unterwegs traf ich N., welche mit mir mitkam. Während ich so länger als gedacht auf meine Pommes wartete gab mir N. ein Abschiedsgeschenk - ein Buch, welches sie gerade liest und von dem sie denkt, dass es mir gefallen würde. Oh man, war ich gerührt! Ich hatte auch eine Kleinigkeit für sie, aber das war lange nicht so besonders, finde ich.
Ein bisschen zu spät kamen wir dann schließlich an unserem Treffpunkt mit A. an, wo wir zum Auto eines Kommilitonen aufbrachen. Er war auf dem Weg nach Hause und würde uns unterwegs beim Kino absetzen. Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, brauchten dann aber eeewig an der Snackbar. Schließlich schafften wir es aber dann doch noch auf den Weg zum Kinosaal. Und unterwegs sah ich es. Ein 3D-Episode1-in-3D-Poster. Whaaaaa! Da musste ich nach dem Film unbedingt noch ein Foto machen...
Im Kino dann sah ich eine Vorschau für den neuen Mission Impossible. Huch, ich wusste gar nicht, dass der dieses Jahr noch rauskommt... juhu! Und "Die Schöne und das Biest" kommt im Januar. In 3D zwar, aber ich würde den Film schon gerne im Kino sehen... Mal gucken, vielleicht frag ich C., ob sie mit mir reingeht. So weit ich weiß liebt sie Disney :)
Auf dem Rückweg entstand dann doch noch ein Foto

Nach dem Film war es schon wieder ziemlich kalt geworden und wir machten uns direkt auf den Weg zur Busstation. N. würde mit der Bart heimfahren, A. und ich würden den Bus nehmen. Wi verabschiedeten uns von N., ich in der Hoffnung, dass wir uns auf jeden Fall noch ein Mal sehen würden. A. und ich nahmen denn nicht den normalen Bus sondern den Shuttlebus. Die Uni bietet einen Shuttlebus zur Bartstation an, für Studenten und kostenlos. Wir brauchen diesen Service ja nicht, aber heute benutzten wir ihn mal. Das war irgendwie schon ein wenig komfortabler als der normale Linienbus! Und wärmer.
An der Uni kam mein Bus auch schon in wenigen Minuten und ich kam unterwegs dann dazu, den Text zu lesen, welchen N. in das Buch geschrieben hatte. Total rührend und nett... wegen ihr würde ich schon gerne noch etwas länger bleiben. Obwohl... Naja. Wenn ich ehrlich bin, dann doch nicht, ich glaube, nichts hält mich hier, wenn ich an meine Heimat denke :D Aber eine Überlegung wäre es wert. Und ich freue mich sehr, dass ich es doch geschafft habe, Freundschaften hier zu schließen. Ich hoffe, dass diese auch ein wenig länger halten.
Als ich heimkam fühlte ich mich gut. So gut wie schon seit langer, langer Zeit nicht mehr. War wohl eine Kombination aus "Prüfungen und Uni sind vorbei", "ich hab hier gute Freunde" und "jetzt gehts in wenigen Wochen nach Hause". Ich sang sogar vor mich hin :D Das Tüpfelchen auf dem i war dann noch ein Brief meiner Oma mit Weihnachtskarte und aus Zeitschriften ausgeschnittenen Weihnachtsliedtexten. Meine Oma kann Gedanken lesen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Schon vor ein paar Wochen habe ich nämlich auf amazon nachgesehen, ob man hier nicht ein billiges Weihnachtsliederheft kaufen kann oder so... und mich letztendlich heute früh (!) dafür entschieden, mit ein Kindle-Book für 99 Cent runterzuladen. Das ist nicht schlecht, aber die Texte auf Papier und in der Hand zu haben ist doch was anderes :) Ich mein, die ersten Strophen kriege ich immer hin, aber dann wirds bei einigen Liedern doch kritisch. Schon seltsam, wenn man bedenkt, dass ich die Lieder schon seit 23 Jahren Dauerhöre... Übrigens konnte ich heute zum ersten Mal den von mir neu erworbenen Brieföffner nutzen. Funktioniert doch besser als mit der Stimmgabel. Und ich brachte endlich die Kraft auf, meinen ganzen Berg an Dreckgeschirr abzuspülen. Dauerte eine Weile, aber jetzt herrscht in meiner Küche wieder Ordnung...
Das wars dann wohl endgültig mit der Uni. Komplett. Abgehakt. Ab jetzt: Nur noch Freizeit. Das gibt noch Freizeitstress, das weiß ich genau, denn bei der Liste was ich hier noch alles erledigen will wird mir Angst und Bange. Und auch wenn es so aussieht, als hätte ich massig Zeit, so ist das doch auch nicht ganz wahr. Denn die Zeit ist schon ziemlich verplant... in eineinhalb Wochen ist schon Weihnachten (was ich mit Schrecken festgestellt habe). Und ab da gehts rapide auf den Heimflug zu. Erst kommen nämlich A.s Mutter und Schwester, und auf ein paar Ausflüge werde ich sie begleiten. Dann ist schon Silvester, und am 2. Januar brechen wir auf auf unseren Trip nach Los Angeles. Dort werde ich dann noch 3, 4 Tage länger bleiben und mir Disneyland ansehen. Ich weiß, es ist teuer, aber ich habe hier so wenig gemacht, da gönne ich mir das einfach. Star Tours inklusive ;) Immerhin ist das hier das originale Disneyland! Und wenn ich dann heimkomme... dann sinds nur noch eineinhalb Wochen, ungefähr, bis es nach Hause geht. Und die Zeit werde ich damit verbringen vielleicht noch ein paar Freunde zu treffen, meine Koffer zu packen, die Behördengänge zu erledigen und noch auf den letzten Drücker ein paar Sachen in San Francisco anschauen. Ich war zum Beispiel bisher nur an einem Strand, ist das denn zu glauben?!? Und den Golden Gate Park habe ich bisher auch nur von draußen oder beim durchfahren aus Bus oder Auto gesehen. Mal schaun, ob ich das noch schaffe. Ich seh da ja fast schwarz, aber wer weiß ;)

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