Auch wenn ich eigentlich keine Lust hatte und mich etwas krank fühlte, aber heute stand Ernährungsberatung auf dem Programm. Natürlich kam ich mal wieder fast zu spät ;) Durch ein bisschen rennen konnte ich das zu spät loslaufen aber problemlos einholen, außerdem kam ich auch nur fast zu spät weil ich 20 Minuten früher da sein sollte. Somit konnte ich gar nicht wirklich zu spät kommen ;) Die Ernährungsberaterin wirkte sehr nett, nahm meine Anamnese auf und fragte mich dann, was sie für mich tun könne. Dummerweise stellte es sich heraus, dass sie keine Ahnung von einer Fruktosemalabsorption (FM) hat. Es war ihr noch nicht einmal bekannt, dass es so etwas gibt... Hmpf. Sie kannte die Heriditäre Fruktoseintoleranz, das ist die, die man von Geburt an hat aber mit meiner Erkrankung eigentlich nichts am Hut hat, denn diese Leute können wirklich gar keine Fruktose essen, und zwar aus irgendwelchen anderen Gründen als ich. Diese Krankheit ist aber relativ selten, im Normalfall hat man eben die FM. Also war mir schon von Anfang an klar - dieser Besuch bringt rein gar nichts. Es tat ihr dann auch Leid, dass sir mir nicht weiterhelfen konnte, und sie versuchte, mit mir eine Lösung zu finden. Aber so weit, in den Supermarkt zu gehen und die Zutatenliste zu lesen war ich auch schon.
Am Ende meinte sie noch einmal entschuldigend betreffend der laktosefreien Kuhmilchprodukte, dass sie keine Ahnung hat, ob es so etwas gibt, im Normfalfall verweist sie Laktoseintolerante eben zu Sojaprodukten. Hm, finde ich schon etwas grenzwertig. Nicht nur wegen mir und weil ich Soja eben nicht kann, sondern weil Soja ja allgemein für viele Menschen unverträglich ist. Vielleicht sind wir in Deutschland in den Punkten doch ein wenig weiter, auch wenn die USA weiter sind, was Deklaration betrifft? Würde mich zwar wundern, aber momentan sieht es mir doch ziemlich danach aus. Ungefähr eine dreiviertelstunde war ich bei ihr drin gewesen, dann verließ ich ergebnislos das Gesundheitszentrum. Ich wollte noch etwas üben, bis ich dann um elf zum Chor ging. Das war ja die erste Chorstunde heute, dementsprechend neugierig war ich. Überrascht war ich von der Tatsache, dass es einen Korrepetitor für den Chor gibt. Wow, das nenne ich mal Luxus... In unserem Fall ist es eine Korrepetitorin, die ziemlich nett zu sein scheint. Auch der Vertretungschorleiter, der dieses Semester den eigentlichen vertritt (wieso läuft eigentlich nichts normal, wenn ich mal EIN Semester was abenteuerliches mache?), scheint ein ganz netter Kerl zu sein, wenn er auch während der Chorzeit große Disziplin verlangt. Das stellte ich gleich einmal fest, und das zweite, was mich ein wenig erstaunte, war das Können. Dieser Chor scheint mir doch anspruchsvoll zu sein, also nichts mit schlafen. Sehr gut! Ich will schließlich auch gefordert werden. Übrigens singen wir auch ein deutsches Lied, eines von Mendelssohn. Wir haben bisher nur auf Tonsilben geübt und noch nicht mit Wörtern, aber das wird sicher lustig :D Mal ausnahmsweise werde dann ich eine derjenigen sein, die alles richtig ausspricht. Ein paar Wörter hat unser Chorleiter schon von sich gegeben um uns anzusagen, wo wir gerade sind - es klingt wirklich ganz komisch, wenn da in einem amerikanischen Satz plötzlich ein deutsches Wort auftaucht. Ich habe nämlich festgestellt, teils muss ich an der Aussprache mancher Wörter arbeiten, ich singe manchmal anders als die anderen. Das muss sich noch dringend ändern!
In der Mensa mittags lud ich mir meinen Teller ziemlich voll - schließlich würde mein Tag noch laaang dauern, und ich wollte ja nicht verhungern... Während ich dann in meiner kurzen Mittagspause über den Campus schlenderte hörte ich vertraute Klänge. Battle of the Heroes! DAS Stück aus Episode 3. Neugierig geworden musste ich natürlich schauen, woher das kommt. Vor dem Studentcenter sind jetzt am Anfang des Semesters immer mehrere Stände aufgebaut, bei denen die verschiedenen Organisationen und Clubs sich präsentieren. Und von einem dieser Stände kam die Musik. Irgendeine Impro-Theater-Gruppe ist das, ich hatte mich schon vor zwei Wochen mal auf deren Mailverteilerliste setzen lassen. Und die vertrieben sich jetzt die Zeit mit Zeitlupenkämpfen in ihren Kostümen. Fragt mich nicht, was die so anhatten, einer hatte auf jeden Fall starke Ähnlichkeit mit Spiderman ;) Auf jeden Fall finde ich es allgemein sehr faszinierend hier, wie sehr Star Wars Teil der Gesellschaft ist. Ich weiß nicht ob das an den USA allgemein liegt oder an der Tatsache, dass ich mich eben in San Francisco, dem Herzen des Ganzen, befinde. Ich glaube zumindest, man ist hier nicht der totale Freak, wenn man auf so was abfährt ;)
Ab gings zu meiner hoffentlich letzten Jazz-Vorlesung. Die ich dann auch gleich mit gaaanz viel Augen-ausruhen hinter mich brachte. Ich versuchte wirklich, meinen Augen das auszureden, aber... ich war nicht so sonderlich erfolgreich. Fragt mich nicht wie ich es schaffte, dennoch 3 Seiten mitzuschreiben. Teils schrieb mein Kuli nämlich, während sich die Augen (und manchmal sogar das Gehirn...) ausruhten :D
Gleich nach Jazz wurde es aber ernst. Meine erste Klavierstunde hier! Ich war ja schon etwas nervös. Bei einem neuen Lehrer ist man das, verständlicherweise, denke ich, immer - man weiß ja nicht, wie die Person arbeitet und was sie von einem erwartet. Und vor allem hier wollte ich natürlich einen guten Eindruck hinterlassen, denn dass ich nun Unterricht habe ist ja keine Selbstverständlichkeit.
Ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht. Meine Lehrerin ist einfach wunderbar, sie ist aufbauend und freundlich. Sie hat mir sehr viele positive Dinge gesagt, und die Art, wie sie mit einem arbeitet liegt genau auf meiner Wellenlänge. Es ist ein gutes Miteinander, auch wenn die Rangordnung immer klar bleibt. Einfach nur toll. Wenn das so weiter geht war es die beste Entscheidung, die ich je treffen konnte für meine Klavierentwicklung - vielleicht kriege ich die Kurve ja doch noch irgendwie. Ich bin richtig begeistert und schöpfe ein ganz, ganz, ganz bisschen Hoffnung. Das Beste aber kam dann noch mittendrin, als sie erzählte, dass sie zu Thanksgiving ihre internationalen Studenten einladen würde. Manchmal kämen auch ein, zwei der amerikanischen Studenten. Ich hatte ja fast Tränen in den Augen, als sie mir das erzählte... sie ist so lieb! Und wenn ich jetzt niemanden finde, der mich zu einem echten Familienthanksgiving mitnimmt (bitten werde ich darum niemanden, ich bräuchte schon eine Einladung^^), dann weiß ich jetzt zumindest, wo ich an diesem für Amerikaner so wahnsinnig wichtigen Tag aufgehoben sein werde.
Nach dem Unterricht fand ich A., und wir schwatzten ein bisschen - viel zu viel, denn so kam keine von uns dazu, noch etwas zu üben. Vor unserem Yogakurs huschten wir noch kurz in den Bookstore, da wir beide noch Kleinigkeiten brauchten. Wir erstanden unter anderem beide so einen lustigen 3er-Locher, wie sie hier eben benutzt werden. Papier hat ja hier eine ganz andere Größe als in Europa, und es gibt keine zweier- oder vierer-Locher, sondern dreier. Bei Gelegenheit mache ich mal ein Foto!
Nach einer kleinen Portion Reis (ich war am verhungern, eigentlich sollen wir vor Yoga nichts mehr essen, aber nun ja - ein knurrender Magen wäre, glaube ich, schon sehr störend) machten wir uns dann auf den Weg zum Yogaraum. Dachten wir. Denn manchmal sind die Flure in den Gebäuden, besonders die im Untergeschoss, schon ganz schön verwirrend. Wir nahmen dieses Mal einen anderen Eingang, nur um uns dann in dem Gebäude völlig zu verlaufen. Wir waren schon drauf und dran das Gebäude zu verlassen um durch den Eingang der letzten Woche wieder reinzukommen, als A. einen Aufzug mit der richtigen Raumaufschrift und ich gleichzeitig daneben eine mir bekannt vorkommende Treppe entdeckte. Puh, Glück gehabt! Wir kamen gerade noch rechtzeitig, nachdem wir uns auch noch umziehen mussten (es gibt hier übrigens keine Umkleide, umziehen auf der Toilette ist angesagt :D). Heute lernten wir unsere ersten Asanas, also die Yoga-Positionen. Zwischendurch legten wir uns immer wieder mit geschlossenen Augen auf den Boden zum Entspannen. Dabei war außerdem das Licht im Raum aus, nur das Licht vom Flur strömte herein. Perfekte Aussichten zum schlafen ;) Was ich auch ganz am Anfang schier tat. Es war ein sehr witziges Gefühl, ich hörte, dass unsere Lehrerin etwas sagte, ich sah, wie sich alle auf die Seite drehten, und dachte mir noch benommen "wie witzig, alle drehen sich...", als A. mir einen Stupser gab um mich aufzuwecken. Wirklich geschlafen habe ich nicht, es war wohl gerade der Übergang zwischen wach und Schlaf. Ein wirklich sehr, sehr merkwürdiges Gefühl war das!
Es war außerdem wahnsinnig kalt. Ich glaube, ich brauche doch eine Yogamatte. Wir machen die Übungen in einem Karate/Judo/wasweißichwas-Raum, also liegen solche Matten auf dem Boden. Ich glaube, mit einer Yogamatte wäre es aber unter Umständen ein wenig wärmer... Mal sehen. Zwischenzeitlich habe ich nämlich ganz schön gezittert.
Außerdem merkte ich, wie es mir immer schlechter ging. Besonders die Übungen, bei denen der Kopf nach unten zeigt behagten mir gar nicht. Und am Ende der Stunde merkte ich das Ausmaß des Desasters - es meldete sich ein Schnupfen, außerdem hatte ich starke Kopf- und Halsschmerzen. Diese Stunde war definitiv nicht so schlau gewesen...
Ich wankte also nach Hause, wo ich vor dem zu Bett gehen dann schon schön glasige Augen meinerseits feststellen durfte. Außerdem war ich, für meine Verhältnisse, wirklich sehr früh im Bett, es dürfte so halb elf, elf gewesen sein. Das ist für mich wirklich früh ;)
Mittwoch, 31. August 2011
Dienstag, 30. August 2011
Tag 22 (29.08.)
Obwohl ich gestern relativ früh im Bett war war das Licht doch ziemlich spät aus. Verdammt... ich sollte aufhören, so viel zu lesen. Das ist überhaupt nicht gut... Vielleicht war es eine Quittung dafür, vielleicht habe ich gestern auch zu viel (oder zu wenig?) geredet - jedenfalls war mein Halsweh wieder schön präsent. Man, was für ein Auf und Ab...
Gerade noch rechtzeitig kam ich auf dem Campus an, irgendwie war ich später losgekommen als geplant - obwohl ich mal ausnahmsweise relativ pünktlich aufgestanden war. Wahrscheinlich war das der Fehler ;) Sogar das Schloss an meinem Ceramics-Schließfach ließ mich gleich nach dem ersten Versuch an den Inhalt meines Schrankes, ich glaube, das ist mir noch nie passiert. Bisher brauche ich immer einige Versuche, bis ich kapiere, was ich wie rum drehen muss... Dieser Schlösser sind eine Wissenschaft für sich. Rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn saß ich also an meinem Platz. Ein wenig außer Atem, aber hey, pünktlich! Der Unterricht begann mit einer Vorführung aller möglicher Arten von Ton - vom Ursprung bis hin zum fertigen Produkt, mit einer Erklärung aller möglicher verschiedener fertiger Produkte. Schließlich kann man das Zeug auf verschiedene Arten brennen und bemalen. War schon ziemlich spannend! Wäre da nicht mein sich verabschiedender Kreislauf gewesen. Um die große Peinlichkeit, in der ersten Stunde in Ohnmacht zu fallen, zu verhindern, nahm ich eine kleine in Kauf und setzte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf einen Stuhl. Ansonsten, da bin ich mir sicher, wäre ich in den nächsten zwei Minuten horizontal gelegen. Aber das kenne ich ja schon ;) Sitzend ging es mir dann langsam auch ein wenig besser, es befiel mich nur eine bleiernde Müdigkeit. Bloß nicht einschlafen - dass wäre nämlich nicht minder peinlich...
Ich schaffte es, mich wach zu halten, und dann ging es auch schon los mit dem Töpfern. Einfach so. Aus drei verschiedenen Bollen machten wir einen Becher, eine Schale und eine Eckschale. Anfangs hatte ich noch das positive Gefühl, gut mit dabei zu sein - meine Schöpfungen waren nicht die Schönsten, aber es gab auch welche, vor denen sich meine nicht verstecken brauchten. Ein zweiter Becher brachte mir noch ein bisschen mehr Erfahrung, und dann war die Stunde auch schon vorbei. Als ich diesmal meinen Blick schweifen ließ wurde mir doch etwas mulmig... ich meine, meine Sachen sahen jetzt nicht so schlimm aus. Sie hatten glatte Wände, keine Risse und auch eine Form, aber - die anderen hatten irgendwie glattere Wände und eine perfekte Form. Wirklich perfekt. Wenn die am Ende so aussehen könnte man das Zeug verkaufen... Nun gut, ich hoffe einfach mal, dass dieser Blick nur die guten Produkte erfasst hat und dass da noch ein paar auf meinem Niveau herumgurken ;) Und ich hoffe auch, dass ich meine Ergüsse so gut eingepackt habe, dass sie am Mittwoch noch bearbeitbar sind. Drückt mir die Daumen! Zum Glück hatte ich mir übrigens den Pulli gekauft, so musste ich nicht auf meine Klamotten aufpassen. Schuhe und Jeans bekamen zwar einiges an Tonstaub ab, aber das ist ja nicht schlimm. Mehr geärgert hätten mich da die, zwar minimalen, aber vorhandenen, Tonflecken an den Ärmeln meines Pullis.
Um 12 war ich dann schon am verhungern, also zischte ich ab in die Mensa. Wo ich auch auf A. traf. Wieder mal das gleiche Spielchen mit der Tischsuche... bloß nicht ärgern ;)
Nach dem essen war ich brav, und ging üben. Zumindest so ein bisschen. Denn ich war so todmüde, dass ich zwischenzeitlich oft meinen Kopf etwas "ausruhen" musste, wenn ihr versteht... besonders die Augen waren stark beansprucht.
So ganz das Wahre war das zwar nicht, aber immerhin schlief ich dafür im folgenden Theatre-Kurs nicht ein. Und das, obwohl wir ziemlich viel über "to dare" redeten - und ich einfach nicht darauf kam, was diese verdammte Vokabel denn nun bedeuten sollte (ich würde es mittlerweile übrigens mit "sich etwas trauen, etwas wagen" übersetzen). Ich stellte wieder einmal fest - ohne Wörterbuch geht hier nix. Also ging ich in der Pause zu unserem Dozenten und wies ihn darauf hin, dass ich in Zukunft hin und wieder mit meinem eBook-Reader arbeiten würde, wenn mir ein paar Wörter fehlen. Der hat nämlich immerhin ein Wörterbuch, also kein Übersetzungsding sondern so was wie der Duden. Er meinte dann, ich solle einfach fragen, wenn ich etwas nicht weiß, das sei überhaupt kein Problem, er kenne das schließlich (er ist aus Chile). Naja... ehrlich gesagt will ich aber nicht dauernd nach Wörtern fragen, das nervt irgendwann sicher ziemlich.
Bei der Folgeübung aber musste ich darauf gleich mal zurückgreifen. Die Aufgabe war es, seinen Namen zu nehmen, mit dem Anfangsbuchstaben des Namen ein Adjektiv zu suchen und dieses mit einer Geste begleiten. Ich grübelte und grübelte, aber bis ich an der Reihe war fiel mir einfach kein blödes Adjektiv mit O ein. Ich stand völlig auf dem Schlauch (hinterher ist mir auch klar, ich hätte einfach irgendwas nehmen können, das mit "over-" oder "out-" beginnt...). Also musste ich mir helfen lassen, die Lösung fand sich dann im "outspoken", dumm nur, dass ich in meiner Panik auch nicht kapierte, was dieses Wort bedeutet (offen, geradeheraus) und somit keine Geste dazu formen konnte. Aber irgendwann war auch diese Übung vorbei und ich konnte aufatmen ;)
Im Anschluss sollte jeder von uns etwas vorführen. Das sollte unser "Geschenk" an unsere Klasse sein, jeder sollte das zeigen, worin er oder sie gut ist. Eigentlich hatte ich etwas singen wollen, aber mein Halsweh machte mir da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Also hatte ich vorher, während ich schlief, auch wirklich ein wenig Klaviergeübt und mir noch einmal Clair de Lune reingezogen. Welches ich dann auch zum Besten gab, zum Glück steht in diesem Raum ein Klavier. Es klappte wirklich erstaunlich gut, dafür, dass ich es eigentlich gar nicht mag, Klavier vorzuspielen. Hinterher waren auch alle voller Lob, allerdings, mal ehrlich - da steht natürlich keiner auf und sagt "ich fand das echt bescheuert!" ;) Mein Theaterdozent musste an seine Enkeltochter namens Luna denken, und eine Aussage, das muss ich schon sagen, hat mir sehr gefallen: "Deine Hände waren wie Schmetterlinge!" Das hört man natürlich erstens gerne und zweitens finde ich diesen Vergleich irgendwie sehr schön und passend. Das muss ich mir merken...
Nach Theater ging es gleich weiter zum Gospelchor. Jaja, keine Zeit zum Atmen hier ;) Ich setzte mich irgendwo hin, wo gerade Platz war, und wo ich nicht völlig abseits sitzen würde. Man will sich ja eingliedern ;) Nach fünf Minuten stellte sich heraus, dass meine Nebensitzerin ebenfalls aus Deutschland ist, weitere 10 Sekunden später wusste ich, sie ist aus meiner Heimatstadt, und noch mal 10 Sekunden später erfuhr ich, dass sie im Stadtteil fast neben meinem wohnt. Oh man. Da fliegt man um die halbe Welt und dann das ;) Sie ist ebenfalls Austauschstudentin und studiert Schulmusik. Hach ja, ich finde das schon sehr witzig :D
Der Chor an sich war dann eigentlich ganz nett. Wir standen ziemlich viel, was mich sehr anstrengte, aber das bringen Chöre leider meist mit sich... Die Methode, wie hier Stücke einstudiert werden, ist auch neu für mich - ohne Noten. Ich habe aber nicht ganz kapiert, wie wir unser Zeug jetzt üben sollen, aber okay. Wird sich schon klären, darüber mache ich mir frühestens Sorgen, wenn ich auch wirklich aufgenommen bin in den Chor. Denn das war erst eine Art Probestunde, Auditions sind ja erst Mittwoch/Donnerstag. Wo man übrigens a capella (also ohne Begleitung) etwas vorsingen muss - zum Glück ist die Stilrichtung egal! Ich werde dann wohl wieder mal die Barbarina auspacken. Das ist so praktisch!
Um halb neun abends war ich dann, nach einem vollen und langen Tag, endlich zu Hause. Und war so durstig, dass ich die Flasche mit dem Chemizeug in einer halben Stunde runterstürzte. Wer mich kennt weiß, dass ich dann schon wirklich außerordentlich durstig gewesen sein muss, oftmals trinke ich so viel an einem dreiviertel Tag... Naja, jedenfalls, über den Tag verteilt vertrage ich das Zeug war vermutlich, aber das war dann wohl doch zu viel für meinen Bauch. Diese Art von Bauchweh hatte ich schon lange nicht mehr - es ist nämlich ein Bauchweh das ich davon kenne, wenn ich zu viel Zucker gegessen habe. Also nicht als Fruktoseintolerant-geplagter Mensch, sondern als "Normalo". Ein ganz normales Zuckerbauchweh also. Das aber auch ganz schön fies war... Nach einer Stunde kam ich dann mangels Wärmeflasche auf die Idee, meinen ohnehin schon sehr warmen Laptop auf meinen Bauch zu packen, und siehe da - innerhalb von 15 Minuten war das Bauchweh auf ein Minimum reduziert. Juhu! Das nennt man dann moderne Wärmeflasche... Als dann noch Kopfweh hinzukam wusste ich - das wird eine tolle Woche. Hals- und Kopfweh, na ich danke. Das musste nun wirklich nicht wieder sein, ich dachte, ich sei auf dem Wege der Besserung... die Woche hat doch eben erst angefangen! Mist.
Es blieb mir nichts anderes übrig als mich in mein Bett zu verkrümeln und zu hoffen...
Gerade noch rechtzeitig kam ich auf dem Campus an, irgendwie war ich später losgekommen als geplant - obwohl ich mal ausnahmsweise relativ pünktlich aufgestanden war. Wahrscheinlich war das der Fehler ;) Sogar das Schloss an meinem Ceramics-Schließfach ließ mich gleich nach dem ersten Versuch an den Inhalt meines Schrankes, ich glaube, das ist mir noch nie passiert. Bisher brauche ich immer einige Versuche, bis ich kapiere, was ich wie rum drehen muss... Dieser Schlösser sind eine Wissenschaft für sich. Rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn saß ich also an meinem Platz. Ein wenig außer Atem, aber hey, pünktlich! Der Unterricht begann mit einer Vorführung aller möglicher Arten von Ton - vom Ursprung bis hin zum fertigen Produkt, mit einer Erklärung aller möglicher verschiedener fertiger Produkte. Schließlich kann man das Zeug auf verschiedene Arten brennen und bemalen. War schon ziemlich spannend! Wäre da nicht mein sich verabschiedender Kreislauf gewesen. Um die große Peinlichkeit, in der ersten Stunde in Ohnmacht zu fallen, zu verhindern, nahm ich eine kleine in Kauf und setzte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf einen Stuhl. Ansonsten, da bin ich mir sicher, wäre ich in den nächsten zwei Minuten horizontal gelegen. Aber das kenne ich ja schon ;) Sitzend ging es mir dann langsam auch ein wenig besser, es befiel mich nur eine bleiernde Müdigkeit. Bloß nicht einschlafen - dass wäre nämlich nicht minder peinlich...
Ich schaffte es, mich wach zu halten, und dann ging es auch schon los mit dem Töpfern. Einfach so. Aus drei verschiedenen Bollen machten wir einen Becher, eine Schale und eine Eckschale. Anfangs hatte ich noch das positive Gefühl, gut mit dabei zu sein - meine Schöpfungen waren nicht die Schönsten, aber es gab auch welche, vor denen sich meine nicht verstecken brauchten. Ein zweiter Becher brachte mir noch ein bisschen mehr Erfahrung, und dann war die Stunde auch schon vorbei. Als ich diesmal meinen Blick schweifen ließ wurde mir doch etwas mulmig... ich meine, meine Sachen sahen jetzt nicht so schlimm aus. Sie hatten glatte Wände, keine Risse und auch eine Form, aber - die anderen hatten irgendwie glattere Wände und eine perfekte Form. Wirklich perfekt. Wenn die am Ende so aussehen könnte man das Zeug verkaufen... Nun gut, ich hoffe einfach mal, dass dieser Blick nur die guten Produkte erfasst hat und dass da noch ein paar auf meinem Niveau herumgurken ;) Und ich hoffe auch, dass ich meine Ergüsse so gut eingepackt habe, dass sie am Mittwoch noch bearbeitbar sind. Drückt mir die Daumen! Zum Glück hatte ich mir übrigens den Pulli gekauft, so musste ich nicht auf meine Klamotten aufpassen. Schuhe und Jeans bekamen zwar einiges an Tonstaub ab, aber das ist ja nicht schlimm. Mehr geärgert hätten mich da die, zwar minimalen, aber vorhandenen, Tonflecken an den Ärmeln meines Pullis.
Um 12 war ich dann schon am verhungern, also zischte ich ab in die Mensa. Wo ich auch auf A. traf. Wieder mal das gleiche Spielchen mit der Tischsuche... bloß nicht ärgern ;)
Nach dem essen war ich brav, und ging üben. Zumindest so ein bisschen. Denn ich war so todmüde, dass ich zwischenzeitlich oft meinen Kopf etwas "ausruhen" musste, wenn ihr versteht... besonders die Augen waren stark beansprucht.
So ganz das Wahre war das zwar nicht, aber immerhin schlief ich dafür im folgenden Theatre-Kurs nicht ein. Und das, obwohl wir ziemlich viel über "to dare" redeten - und ich einfach nicht darauf kam, was diese verdammte Vokabel denn nun bedeuten sollte (ich würde es mittlerweile übrigens mit "sich etwas trauen, etwas wagen" übersetzen). Ich stellte wieder einmal fest - ohne Wörterbuch geht hier nix. Also ging ich in der Pause zu unserem Dozenten und wies ihn darauf hin, dass ich in Zukunft hin und wieder mit meinem eBook-Reader arbeiten würde, wenn mir ein paar Wörter fehlen. Der hat nämlich immerhin ein Wörterbuch, also kein Übersetzungsding sondern so was wie der Duden. Er meinte dann, ich solle einfach fragen, wenn ich etwas nicht weiß, das sei überhaupt kein Problem, er kenne das schließlich (er ist aus Chile). Naja... ehrlich gesagt will ich aber nicht dauernd nach Wörtern fragen, das nervt irgendwann sicher ziemlich.
Bei der Folgeübung aber musste ich darauf gleich mal zurückgreifen. Die Aufgabe war es, seinen Namen zu nehmen, mit dem Anfangsbuchstaben des Namen ein Adjektiv zu suchen und dieses mit einer Geste begleiten. Ich grübelte und grübelte, aber bis ich an der Reihe war fiel mir einfach kein blödes Adjektiv mit O ein. Ich stand völlig auf dem Schlauch (hinterher ist mir auch klar, ich hätte einfach irgendwas nehmen können, das mit "over-" oder "out-" beginnt...). Also musste ich mir helfen lassen, die Lösung fand sich dann im "outspoken", dumm nur, dass ich in meiner Panik auch nicht kapierte, was dieses Wort bedeutet (offen, geradeheraus) und somit keine Geste dazu formen konnte. Aber irgendwann war auch diese Übung vorbei und ich konnte aufatmen ;)
Im Anschluss sollte jeder von uns etwas vorführen. Das sollte unser "Geschenk" an unsere Klasse sein, jeder sollte das zeigen, worin er oder sie gut ist. Eigentlich hatte ich etwas singen wollen, aber mein Halsweh machte mir da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Also hatte ich vorher, während ich schlief, auch wirklich ein wenig Klaviergeübt und mir noch einmal Clair de Lune reingezogen. Welches ich dann auch zum Besten gab, zum Glück steht in diesem Raum ein Klavier. Es klappte wirklich erstaunlich gut, dafür, dass ich es eigentlich gar nicht mag, Klavier vorzuspielen. Hinterher waren auch alle voller Lob, allerdings, mal ehrlich - da steht natürlich keiner auf und sagt "ich fand das echt bescheuert!" ;) Mein Theaterdozent musste an seine Enkeltochter namens Luna denken, und eine Aussage, das muss ich schon sagen, hat mir sehr gefallen: "Deine Hände waren wie Schmetterlinge!" Das hört man natürlich erstens gerne und zweitens finde ich diesen Vergleich irgendwie sehr schön und passend. Das muss ich mir merken...
Nach Theater ging es gleich weiter zum Gospelchor. Jaja, keine Zeit zum Atmen hier ;) Ich setzte mich irgendwo hin, wo gerade Platz war, und wo ich nicht völlig abseits sitzen würde. Man will sich ja eingliedern ;) Nach fünf Minuten stellte sich heraus, dass meine Nebensitzerin ebenfalls aus Deutschland ist, weitere 10 Sekunden später wusste ich, sie ist aus meiner Heimatstadt, und noch mal 10 Sekunden später erfuhr ich, dass sie im Stadtteil fast neben meinem wohnt. Oh man. Da fliegt man um die halbe Welt und dann das ;) Sie ist ebenfalls Austauschstudentin und studiert Schulmusik. Hach ja, ich finde das schon sehr witzig :D
Der Chor an sich war dann eigentlich ganz nett. Wir standen ziemlich viel, was mich sehr anstrengte, aber das bringen Chöre leider meist mit sich... Die Methode, wie hier Stücke einstudiert werden, ist auch neu für mich - ohne Noten. Ich habe aber nicht ganz kapiert, wie wir unser Zeug jetzt üben sollen, aber okay. Wird sich schon klären, darüber mache ich mir frühestens Sorgen, wenn ich auch wirklich aufgenommen bin in den Chor. Denn das war erst eine Art Probestunde, Auditions sind ja erst Mittwoch/Donnerstag. Wo man übrigens a capella (also ohne Begleitung) etwas vorsingen muss - zum Glück ist die Stilrichtung egal! Ich werde dann wohl wieder mal die Barbarina auspacken. Das ist so praktisch!
Um halb neun abends war ich dann, nach einem vollen und langen Tag, endlich zu Hause. Und war so durstig, dass ich die Flasche mit dem Chemizeug in einer halben Stunde runterstürzte. Wer mich kennt weiß, dass ich dann schon wirklich außerordentlich durstig gewesen sein muss, oftmals trinke ich so viel an einem dreiviertel Tag... Naja, jedenfalls, über den Tag verteilt vertrage ich das Zeug war vermutlich, aber das war dann wohl doch zu viel für meinen Bauch. Diese Art von Bauchweh hatte ich schon lange nicht mehr - es ist nämlich ein Bauchweh das ich davon kenne, wenn ich zu viel Zucker gegessen habe. Also nicht als Fruktoseintolerant-geplagter Mensch, sondern als "Normalo". Ein ganz normales Zuckerbauchweh also. Das aber auch ganz schön fies war... Nach einer Stunde kam ich dann mangels Wärmeflasche auf die Idee, meinen ohnehin schon sehr warmen Laptop auf meinen Bauch zu packen, und siehe da - innerhalb von 15 Minuten war das Bauchweh auf ein Minimum reduziert. Juhu! Das nennt man dann moderne Wärmeflasche... Als dann noch Kopfweh hinzukam wusste ich - das wird eine tolle Woche. Hals- und Kopfweh, na ich danke. Das musste nun wirklich nicht wieder sein, ich dachte, ich sei auf dem Wege der Besserung... die Woche hat doch eben erst angefangen! Mist.
Es blieb mir nichts anderes übrig als mich in mein Bett zu verkrümeln und zu hoffen...
Sonntag, 28. August 2011
Tag 21 (28.08.)
Das lange Ausschlafen hat mir richtig gutgetan, denn mir geht es wirklich viel besser heute. Viel stand heute nicht auf dem Plan, entsprechend kurz wird dieser Eintrag auch werden. Nach dem langen Schlafen gabs erst mal ein Frühstück, ich sortierte etwas Müll (ich blicke immer noch nicht genau, welches Plastik nun in welchen Eimer kommt), denn Montag früh kommt die Müllabfuhr. Außerdem telefonierte ich mit Deutschland. Juhu!
Zum Mittagessen gabs wieder mal Pita mit Käse, Test Nummer zwei mit der Laktrase. Ich habe immer noch kein einwandfreies Gefühl, aber ich glaube, es funktionierte heute besser als gestern abend... hm. Weitertesten ist angesagt.
Quelle: http://sfpl.org/
Na, was denkt ihr, welches habe ich genommen? Ganz genaues hinschauen ist hier gefragt. Ich will ein paar Tips hören ;)
Das ging alles ziemlich schnell, Pass vorzeigen und einen Brief aus dem letzten Monat als Beweis, dass ich hier wirklich wohne - denn ich habe ja keinen kalifornischen Ausweis. Und dann durfte ich auch schon stöbern gehen. Ich fand sofort meine Lieblingsabteilung. Viele Star Wars Bücher gab es ja nicht - aber welche ist das Entscheidende ;) Ich entdeckte die zwei Neuesten, die noch gar nicht in Deutschland erschienen sind (eines davon kommt die Tage). Keine Ahnung, ob ich das auf englisch packe, aber einen Versuch ist es wert. Außerdem gab es noch ein paar Comics - Omnibusbände! Sechs Stück! Juhu! Ich werde mir hier ein wenig Comicbuchkenntnisse anlesen ;) Und dann fiel mir etwas positives ins Auge - DVDs. Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht, dass Büchereien so was ja auch haben. Und ich hatte mich schon gefragt was ich mache, wenn mein mitgebrachter Vorrat zu Ende ist. Ich glaube, das Problem hat sich soeben erledigt... Es gibt hier sogar ein paar Serien, nur muss man die sich teils aus allen möglichen Filialen zusammentragen. Ob und wie viel das kostet habe ich noch nicht rausgefunden. Ausleihen darf man übrigens 3 Wochen.
Groß finde ich diese Filiale jetzt nicht unbedingt, definitiv kleiner als meine "Privatbücherei" am Studienort und ohnehin kleiner als die an meinem Heimatort, aber sie ist okay. Und wenn ich mal was Besonderes will kann ich ja immer noch wo anders hinfahren. Probleme habe ich momentan nur, etwas anderes außerhalb meiner Lieblingssparte zu finden. In Deutschland gehe ich einfach die Regale ab und überfliege die Titel - was mir dann spannend erscheint hole ich raus. Sollte hier ja nicht anders sein, nur klappt das mit dem Titelüberfliegen einfach nicht :D Ich muss mir jeden Titel genau ansehen und überlegen, was das denn jetzt bedeutet. Das wird anstrengend... daher habe ich auch noch nichts anderes ausgeliehen, auch wenn ich gerne hätte. Aber ich fühle mich da einfach noch etwas zu überfordert. Ich hoffe, das ändert sich die nächsten Wochen dann mal.
Mit einem vollen Rucksack zog ich dann also nach Hause, wo ich bis zum Schlafengehen (ja, eine ganz schön lange Zeit) noch einige Sachen erledigte. Und ein wenig faulenzte ;) Mein Problem mit dem Tisch ist immer noch nicht gelöst - ich bin ja mal gespannt ob ich noch einen finde, bis ich nach Deutschland zurückgehe ;) Ansonsten werden das auch mal fünf spannende Monate ohne Schreibtisch. Und zur Not ist da ja immer noch der Küchentisch.
Abends dachte ich endlich mal dran, zur örtlichen Star Wars Gruppe Kontakt aufzunehmen - da das per Forum nicht klappe, es lebe Facebook ;) Ich bin mal gespannt, ob ich da mal endlich irgendwo ein bisschen Anschluss finde, vor allem eben zu Amerikanern. Mein Xter verzweifelter Versuch, mein Handy mit meinem PC zu vernetzen und endlich mal die paar Fotos runterzuladen, die ich damit gemacht habe, schlug wieder einmal fehl. Selbst ein Anruf im Servicecenter (nachts um halb elf an einem Sonntag... so was gibts nur in den USA :D ) brachte mich nicht weiter, der Typ meinte, ich solle in einem Laden vorbeigehen. Muss ich sowieso bald mal machen, denn mein Handy hat jetzt schon eine Macke, es geht manchmal wenn ich im Internet bin einfach so aus. Nicht ganz aus, aber in so eine Art komischen Standby-Zustand.
Morgen ist der erste "richtige" Unitag! Oh je, mal schauen wie das wird...
Zum Mittagessen gabs wieder mal Pita mit Käse, Test Nummer zwei mit der Laktrase. Ich habe immer noch kein einwandfreies Gefühl, aber ich glaube, es funktionierte heute besser als gestern abend... hm. Weitertesten ist angesagt.
Irgendwann machte ich mich dann endlich zur Bücherei auf. Ja, an einem Sonntag ;) Das ist sooo cool. Mein Ausweise war schnell gemacht, ich durfte mir sogar unter sechs Designs eines aussuchen.
Quelle: http://sfpl.org/
Das ging alles ziemlich schnell, Pass vorzeigen und einen Brief aus dem letzten Monat als Beweis, dass ich hier wirklich wohne - denn ich habe ja keinen kalifornischen Ausweis. Und dann durfte ich auch schon stöbern gehen. Ich fand sofort meine Lieblingsabteilung. Viele Star Wars Bücher gab es ja nicht - aber welche ist das Entscheidende ;) Ich entdeckte die zwei Neuesten, die noch gar nicht in Deutschland erschienen sind (eines davon kommt die Tage). Keine Ahnung, ob ich das auf englisch packe, aber einen Versuch ist es wert. Außerdem gab es noch ein paar Comics - Omnibusbände! Sechs Stück! Juhu! Ich werde mir hier ein wenig Comicbuchkenntnisse anlesen ;) Und dann fiel mir etwas positives ins Auge - DVDs. Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht, dass Büchereien so was ja auch haben. Und ich hatte mich schon gefragt was ich mache, wenn mein mitgebrachter Vorrat zu Ende ist. Ich glaube, das Problem hat sich soeben erledigt... Es gibt hier sogar ein paar Serien, nur muss man die sich teils aus allen möglichen Filialen zusammentragen. Ob und wie viel das kostet habe ich noch nicht rausgefunden. Ausleihen darf man übrigens 3 Wochen.
Groß finde ich diese Filiale jetzt nicht unbedingt, definitiv kleiner als meine "Privatbücherei" am Studienort und ohnehin kleiner als die an meinem Heimatort, aber sie ist okay. Und wenn ich mal was Besonderes will kann ich ja immer noch wo anders hinfahren. Probleme habe ich momentan nur, etwas anderes außerhalb meiner Lieblingssparte zu finden. In Deutschland gehe ich einfach die Regale ab und überfliege die Titel - was mir dann spannend erscheint hole ich raus. Sollte hier ja nicht anders sein, nur klappt das mit dem Titelüberfliegen einfach nicht :D Ich muss mir jeden Titel genau ansehen und überlegen, was das denn jetzt bedeutet. Das wird anstrengend... daher habe ich auch noch nichts anderes ausgeliehen, auch wenn ich gerne hätte. Aber ich fühle mich da einfach noch etwas zu überfordert. Ich hoffe, das ändert sich die nächsten Wochen dann mal.
Mit einem vollen Rucksack zog ich dann also nach Hause, wo ich bis zum Schlafengehen (ja, eine ganz schön lange Zeit) noch einige Sachen erledigte. Und ein wenig faulenzte ;) Mein Problem mit dem Tisch ist immer noch nicht gelöst - ich bin ja mal gespannt ob ich noch einen finde, bis ich nach Deutschland zurückgehe ;) Ansonsten werden das auch mal fünf spannende Monate ohne Schreibtisch. Und zur Not ist da ja immer noch der Küchentisch.
Abends dachte ich endlich mal dran, zur örtlichen Star Wars Gruppe Kontakt aufzunehmen - da das per Forum nicht klappe, es lebe Facebook ;) Ich bin mal gespannt, ob ich da mal endlich irgendwo ein bisschen Anschluss finde, vor allem eben zu Amerikanern. Mein Xter verzweifelter Versuch, mein Handy mit meinem PC zu vernetzen und endlich mal die paar Fotos runterzuladen, die ich damit gemacht habe, schlug wieder einmal fehl. Selbst ein Anruf im Servicecenter (nachts um halb elf an einem Sonntag... so was gibts nur in den USA :D ) brachte mich nicht weiter, der Typ meinte, ich solle in einem Laden vorbeigehen. Muss ich sowieso bald mal machen, denn mein Handy hat jetzt schon eine Macke, es geht manchmal wenn ich im Internet bin einfach so aus. Nicht ganz aus, aber in so eine Art komischen Standby-Zustand.
Morgen ist der erste "richtige" Unitag! Oh je, mal schauen wie das wird...
Samstag, 27. August 2011
Tag 20 (27.08.)
Mein Kopfweh meldete sich heute früh zum Glück kaum zurück. Der Hals schrie leider immer noch nach Aufmerksamkeit, aber immerhin ein kleines bisschen leiser als gestern. Ich schien also definitiv auf dem Wege der Besserung zu sein, juhu! Allerdings wusste ich aus Erfahrung - nicht zu früh freuen, oftmals ist das Kopfweh nach einer Stunde wieder da. Abwarten und Tee trinken, im wahrsten Sinne...
Als ich dann heute meinen Computer hochgeladen und Skype geöffnet hatte, erwartete mich schon eine Überraschung. Anstatt meiner Eltern blickte ich in die versammelten Gesichter meiner Großeltern und meines Onkels - meine Mutter war auch irgendwo in dem Getümmel ;) Na, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet! Immerhin hatte ich vorher meine Haare gekämmt, aber trotzdem saß ich da noch im Schlafanzug. Naja, macht nix - sie kannten mich als Kind ja auch nicht anders. Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie alle da versammelt zu sehen und mit ihnen reden zu können. Ich glaube, manchmal merkt man selber gar nicht, wie sehr man manches vermisst - oder man will es gar nicht merken oder darüber nachdenken. Damit nichts aufreißt und man nicht in ein Tief stürzt. Immerhin, seit meinem ersten Zusammenbruch in diesem Zimmer hier hatte ich kein so starkes Heimweh mehr, dass ich weinen musste. Das verwundert mich selbst einerseits ein wenig, andererseits denke ich, dass ich Schutzmauern hochgefahren habe. Würde ich allzuviel darüber nachdenken (so wie momentan... das sollte ich lieber bleiben lassen...), glaube ich, dass die Mausen bröckeln würden und eine tiefe Traurigkeit mich erfassen würde. So sehe ich das momentan eher als Abenteuer - und so, als würde ich in zwei Wochen wieder zu Hause, in Deutschland sein.
Jedenfalls, meine Familie zu sehen hat mir sehr gut getan. Ich hoffe, meinen Großeltern gehts jetzt auch ein wenig besser, nachdem sie mich gesehen haben. Ich zeigte ihnen per Webcam ein wenig mein Zimmer und wir redeten ein wenig, und meine Mutter erzählte mir, sie würde ihnen gerade meinen Blog vorlesen. Wenn das wieder mal vorkommt und ihr an diese Stelle hier kommt - ich hab euch alle furchtbar lieb!
Nach dem Telefonat erledigte ich noch ein paar Sachen, frühstückte - und dann fiel mir endlich ein, dass ich doch mal nachsehen wollte, wo hier die nächste Bücherei ist. Ha! Die ist gar nicht so weit weg! Wenn ich das recht sehe, müsste die nächste Filiale gute 10 Minuten von hier sein, und eine weitere beim Einkaufszentrum, ungefähr 25 Minuten entfernt. Mit dem Bus natürlich schneller ;) Die Öffnungszeiten meiner Filiale sind nicht die prickelndsten, teils nur fünf Stunden am Tag, aber immerhin, haltet euch fest - angeblich hat sie auch Sonntags offen. Ich glaube, morgen werde ich den Mitarbeitern dort gleich mal einen Besuch abstatten. Wenn ich das recht gesehen habe ist der Ausweis für Einwohner SFs kostenlos. Und selbst die Mahngebühren sind ziemlich gering - 0,10 $ pro Tag! Ausnahme machen da DVDs oder Videos, da liegt die Gebühr bei einem Dollar/Tag. Das wiederum finde ich ziemlich hoch ;) Die Abrechnung pro Tag gefällt mir aber, muss ich sagen. Ist irgendwie fairer als die pro Woche wie bei uns. Ich bin gespannt, was die so in ihrem Sortiment haben!
Irgendwann mochte mein Internet mich mal wieder nicht mehr (dieses W-LAN hier regt mich teils schon etwas auf), und das, bevor ich nachschauen konnte, wo die nächste Post ist. Die ersten Postkarten trage ich nämlich schon seit einer Woche mit mir herum... Die Postfilialen sind hier fast noch rarer als die in Deutschland. Unvorstellbar aber wahr ;) Naja, dann eben ohne nachschauen - auf die paar Tage kommts nun auch nicht mehr an. Ich machte mich auf den Weg zur Uni, wo ich im bookstore mal nachsah, ob die Noten für den Chor endlich bereit liegen. Taten sie - und mich traf der Schlag. Das kann nicht deren Ernst sein! Ich kann es, ehrlich gesagt, immer noch nicht fassen. Nein, es ist nichts Schlimmes, keine Sorge, es ist nur frustrierend. Denn ich habe das verdammte (entschuldigung!) Gloria von Vivaldi schon mindestens zwei Mal gesungen. Ich weiß, das ist nicht sonderlich viel vielleicht, aber es gibt sooo viele Messen, die ich noch nicht gesungen habe. Und das Gloria kann ich immer noch fast auswendig, weil wir das in der Schule so verdammt intensiv geprobt haben. Damals habe ich sogar ein Solo gesungen (nicht so sonderlich gut... ich war ja auch nur zweite Wahl, aber immerhin ;) ). Eins ist sicher, dafür werde ich nicht üben müssen. Keinesfalls. Die anderen drei Stücke kenne ich, glaube ich, noch nicht, auch wenn mir die Titel bekannt vorkommen. Die Noten habe ich in meinem Schließfach an der Uni zurückgelassen, kann also leider gerade nicht nachschauen, was es war.
Aber Mensch. Das ist doch doof... da komme ich in die USA, um was Tolles zu machen, wollte was tolles, neues mit dem Chor singen, und dann das. Ach je... das Glück verfolgt mich ;)
Obwohl ich noch viel zu früh dran war machte ich mich auf den Weg zum Meeting mit dem IEEC. Ihr erinnert euch, diese Gruppe, der sich jeder Austauschstudent anschließen muss? Sehr gut. Da musste ich heute nämlich hin, die hatten ihr erstes Treffen. Und da mir meine Sonderaufgabe mit dem Klavierunterricht zugestanden wurde hatte es geheißen, ich solle zu dem ersten Treffen kommen, wenn sich die einzelnen Unterorganisationen bilden würden. Ich bin jetzt, logischerweise, in der Unterorga "Musik".
Ich platzte genau in die Mittagspause, gerade wurde Freipizza verteilt. Man, die roch so guuut... und sah so lecker aus... ich hatte noch kein Mittagessen gehabt und ich war nah dran, es zu probieren. Ich hatte aber die stark dosierten Laktrasekapseln zu Hause gelassen, und meine verbliebenen schwachen wollte ich dafür jetzt nicht verpulvern. Also setzte ich mich an einen Tisch, sah den anderen beim schlemmen zu und wartete darauf, dass die Veranstaltung weiterging. Ich überspringe das ganze jetzt mal, denn es war richtig öde ;) Am Ende fand ich es ziemlich sinnlos, da hingegangen zu sein - ich trug mich nämlich nur in der Liste ein und das wars. Hm. Okay... Außerdem erfuhr ich, dass mein Klavierunterricht wohl aus Gruppenunterricht bestehen würde. Hui. Ja so was bin ich ja gar nicht gewohnt... Und das finde ich ehrlich gesagt auch sehr schwer. Erstens habe ich das noch nie gemacht, und zweitens habe ich hier kein Material. Mir da jetzt einfach so was aus den Fingern zu saugen... Das wird entweder eine Katastrophe oder schlichtweg genial. Ich hoffe auf letzteres, befürchte aber ersteres. Abwarten, vielleicht darf ich ja doch Einzelunterricht geben.
Eigentlich wollte ich mit A. nach dem Meeting einkaufen gehen. Schon wieder? Ja, schon wieder, denn ich brauchte einen Pulli für Ceramics (Töpfern), der dreckig werden darf. Ich dachte mir, ich kaufe mir einfach einen günstigen, den ich in der Uni lasse und mir dann immer wieder überziehe. Ist wohl die beste Lösung. A. war aber nicht zu erreichen, so stolperte ich erst einmal zum McDonalds, um Mittag zu essen. Stolperte? Ja, mittlerweile waren meine Kräfte irgendwie ein bisschen aufgebraucht. War wohl doch kränker als ich zugeben wollte ;) Aber ich schaffte es ohne Kreislaufkollaps bis zum rettenden Essen. Endlich erreichte dann auch A. mich und wir verabredeten, uns beim Ross zu treffen. Diesmal aber eine weitere neue Filiale. Die sollte eigentlich nicht so weit weg sein... Dummerweise nahm ich aber, wie ich hinterher kapierte, den falschen Bus, fuhr einen riesigen Umweg, stieg zu spät aus und musste eine ganze Strecke laufen. Dabei ist die Filiale eigentlich gar nicht so weit weg von der Uni. A. erging es aber nicht viel besser, auch sie gondelte einmal in der Weltgeschichte umher, bis sie schließlich am Ross ankam. Bevor sie allerdings auftauchte entdeckte ich in diesem kleinen Areal von Einkaufsläden etwas, das mein Herz höher schlagen ließ - eine Post! Endlich! Das Suchen hat ein Ende.
Die Schlange in der Filiale ähnelte wirklich stark denen in unseren Postfilialen. Als ich schließlich dran war kaufte ich gleich noch zusätzliche zehn extra Briefmarken - wer weiß, wann ich hier wieder herkomme!
Im Ross dann ging eine neue Suche los, die nach einem günstigen Pulli. Günstig ist hier ja kein Problem, Pulli schon eher. Günstig und Pulli dann zu finden ist schon eine starke Herausforderung, schließlich aber hielt ich zwei Modelle in der Hand. Eines für 11, ein anderes für 17 Dollar. Das für 17 gefiel mir mehr, das für 11 war aber wohl praktischer für den gesuchten Zweck. Und am Ende war die Entscheidung eine einfache, denn der Pulli für 17 passte schlichtweg nicht. Damit wars aber nicht getan. Außerdem fand ich einen Cardigan für 9 Dollar (ich liebe Cardigans einfach... und langärmlige Sachen habe ich wirklich nicht so viele mitgenommen. Eindeutiger Hinweis an alle, die nach mir kommen - nehmt langärmlige Sachen mit!!!). Und endlich entdeckte ich auch mal Hausschuhe! Ich habe zwar Teppich in meinem Zimmer, aber Fliesen in Küche und Bad, und abends wirds dann doch manchmal etwas kalt. Ich kaufte schließlich welche für sieben Dollar, nachdem ich die für zehn wieder zurückgestellt hatte. Es waren richtige Schuhe (nicht nur so Schlüpfschuhe) gewesen - und außerdem waren da Entchen drauf! Oh man... ich hätte sie wirklich sehr gerne gekauft, aber ich weiß genau, hätte ich das getan hätte ich sie später nach Deutschland mitnehmen wollen. Und das geht nun mal wirklich nicht, dass ich alles mitnehme. Also lieber günstigere Schuhe, die ich auch hier lasse. Zusätzlich kaufte ich noch ein Brotmesser und Socken. Also eigentlich alles Dinge, die ich wirklich brauche. Bis auf... ja, da kommts wieder. Ich sollte nicht einkaufen gehen, dann gebe ich auch kein Geld aus. Mensch. Aber vielleicht bringe ich es auch wieder zurück. Ich muss mal meine Mutter um Rat fragen... ;) Die einzige Sache, die ich wirklich nicht brauchte, war ein Kleid. Ein wunderschönes, lila Abendkleid. Oh man... es ist so wunderschön! Ich hatte es von weitem gesehen und gar nicht anders gekonnt als da hin zu gehen, es vom Ständer zu nehmen und dann anzuprobieren. Das war überhaupt nicht geplant, aber es sprang mich einfach so an. Es war ja auch nicht wirklich teuer - original kostete das Ding mal 100 Dollar, ich bekam es aber für weniger als ein Drittel. 23 Euro für ein wunder-wunderschönes bodenlanges Abendkleid! Mal sehen. Ich kanns ja noch zurückbringen ;) Und wenn nicht, ich muss hier eine Prüfung spielen am Ende des Semesters - vielleicht eine gute Gelegenheit.
Als auch A. ihren Einkauf beendet hatte war es schon Abend. Und ich merkte deutlich meine Schwäche. Aber das Einkaufen war noch nicht vorbei, ich brauchte noch weitere Lebensmittel vom Safeway, A. wollte ebenfalls mit. Draußen herrschte wahnsinniger Nebel vor, fast schon unheimlich. Gemeinsam warteten wir dann auf den Bus, der, laut Anzeige, in 5 Minuten kommen sollte. Ich habs ja schon einmal erwähnt, dass mit den Öffis ist hier so eine Sache. Die fahren, wann immer sie wollen - einen wirklichen Fahrplan gibt es nicht. Es gibt eine Internetseite die meistens recht behält, aber auch nicht immer. Die wenigen Anzeigen an den paar Haltestellen, wo sie installiert sind, haben aber meistens wirklich Recht. Meistens. Heute nicht. Denn als die Anzeige schon bei einer Minute war stieg sie wieder. 2 Minuten, dann 3. Dann wieder 2. Und da blieb sie dann eine gaaaaanze lange Weile. Wir hatten schon fast aufgegeben und wollten bald die Haltestelle in Richtung einer anderen verlassen, von der wir dann heimfahren konnten, da kam der Bus. Endlich! Im Safeway ging es für mich dann ganz schnell, ich weiß ja jetzt schon die wenigen Lebensmittel, die ich essen kann. Und als ich dann um halb neun endlich heimfuhr war ich heilfroh darum. Erschöpfung lässt grüßen! Andererseits war ich auch froh, das Einkaufen jetzt noch gemacht zu haben. Morgen noch mal deswegen losziehen... ne.
Zuhause erwartete mich dann schon ein bekanntes Gefühl in der Magengegend - Hunger! Und so machte ich dann gleich mal den Test mit meinen neuen Lactrasetabletten, denn ich wusste, drei Sandwichscheiben Käse würden heute nicht reichen. Die optimale Gelegenheit zum Test. Eigentlich wollte ich heute ja den Zuckerlosen Vanillepudding testen, den ich letzte Woche gekauft habe, aber seis drum, vielleicht morgen. Heute waren die Lactrasekapseln dran! Und zumindest bis ich ins Bett ging waren da kaum Probleme zu vermelden - allerdings finde ich "kaum" auch zu viel dafür, dass ich die Dinger nehme, um eigentlich keine Probleme zu haben. Mal sehen, ob das nur tagesabhängig war oder dauerhaft so sein wird. Falls nämlich ja werde ich mich nach Alternativlaktrase umsehen müssen.
Als ich dann heute meinen Computer hochgeladen und Skype geöffnet hatte, erwartete mich schon eine Überraschung. Anstatt meiner Eltern blickte ich in die versammelten Gesichter meiner Großeltern und meines Onkels - meine Mutter war auch irgendwo in dem Getümmel ;) Na, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet! Immerhin hatte ich vorher meine Haare gekämmt, aber trotzdem saß ich da noch im Schlafanzug. Naja, macht nix - sie kannten mich als Kind ja auch nicht anders. Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie alle da versammelt zu sehen und mit ihnen reden zu können. Ich glaube, manchmal merkt man selber gar nicht, wie sehr man manches vermisst - oder man will es gar nicht merken oder darüber nachdenken. Damit nichts aufreißt und man nicht in ein Tief stürzt. Immerhin, seit meinem ersten Zusammenbruch in diesem Zimmer hier hatte ich kein so starkes Heimweh mehr, dass ich weinen musste. Das verwundert mich selbst einerseits ein wenig, andererseits denke ich, dass ich Schutzmauern hochgefahren habe. Würde ich allzuviel darüber nachdenken (so wie momentan... das sollte ich lieber bleiben lassen...), glaube ich, dass die Mausen bröckeln würden und eine tiefe Traurigkeit mich erfassen würde. So sehe ich das momentan eher als Abenteuer - und so, als würde ich in zwei Wochen wieder zu Hause, in Deutschland sein.
Jedenfalls, meine Familie zu sehen hat mir sehr gut getan. Ich hoffe, meinen Großeltern gehts jetzt auch ein wenig besser, nachdem sie mich gesehen haben. Ich zeigte ihnen per Webcam ein wenig mein Zimmer und wir redeten ein wenig, und meine Mutter erzählte mir, sie würde ihnen gerade meinen Blog vorlesen. Wenn das wieder mal vorkommt und ihr an diese Stelle hier kommt - ich hab euch alle furchtbar lieb!
Nach dem Telefonat erledigte ich noch ein paar Sachen, frühstückte - und dann fiel mir endlich ein, dass ich doch mal nachsehen wollte, wo hier die nächste Bücherei ist. Ha! Die ist gar nicht so weit weg! Wenn ich das recht sehe, müsste die nächste Filiale gute 10 Minuten von hier sein, und eine weitere beim Einkaufszentrum, ungefähr 25 Minuten entfernt. Mit dem Bus natürlich schneller ;) Die Öffnungszeiten meiner Filiale sind nicht die prickelndsten, teils nur fünf Stunden am Tag, aber immerhin, haltet euch fest - angeblich hat sie auch Sonntags offen. Ich glaube, morgen werde ich den Mitarbeitern dort gleich mal einen Besuch abstatten. Wenn ich das recht gesehen habe ist der Ausweis für Einwohner SFs kostenlos. Und selbst die Mahngebühren sind ziemlich gering - 0,10 $ pro Tag! Ausnahme machen da DVDs oder Videos, da liegt die Gebühr bei einem Dollar/Tag. Das wiederum finde ich ziemlich hoch ;) Die Abrechnung pro Tag gefällt mir aber, muss ich sagen. Ist irgendwie fairer als die pro Woche wie bei uns. Ich bin gespannt, was die so in ihrem Sortiment haben!
Irgendwann mochte mein Internet mich mal wieder nicht mehr (dieses W-LAN hier regt mich teils schon etwas auf), und das, bevor ich nachschauen konnte, wo die nächste Post ist. Die ersten Postkarten trage ich nämlich schon seit einer Woche mit mir herum... Die Postfilialen sind hier fast noch rarer als die in Deutschland. Unvorstellbar aber wahr ;) Naja, dann eben ohne nachschauen - auf die paar Tage kommts nun auch nicht mehr an. Ich machte mich auf den Weg zur Uni, wo ich im bookstore mal nachsah, ob die Noten für den Chor endlich bereit liegen. Taten sie - und mich traf der Schlag. Das kann nicht deren Ernst sein! Ich kann es, ehrlich gesagt, immer noch nicht fassen. Nein, es ist nichts Schlimmes, keine Sorge, es ist nur frustrierend. Denn ich habe das verdammte (entschuldigung!) Gloria von Vivaldi schon mindestens zwei Mal gesungen. Ich weiß, das ist nicht sonderlich viel vielleicht, aber es gibt sooo viele Messen, die ich noch nicht gesungen habe. Und das Gloria kann ich immer noch fast auswendig, weil wir das in der Schule so verdammt intensiv geprobt haben. Damals habe ich sogar ein Solo gesungen (nicht so sonderlich gut... ich war ja auch nur zweite Wahl, aber immerhin ;) ). Eins ist sicher, dafür werde ich nicht üben müssen. Keinesfalls. Die anderen drei Stücke kenne ich, glaube ich, noch nicht, auch wenn mir die Titel bekannt vorkommen. Die Noten habe ich in meinem Schließfach an der Uni zurückgelassen, kann also leider gerade nicht nachschauen, was es war.
Aber Mensch. Das ist doch doof... da komme ich in die USA, um was Tolles zu machen, wollte was tolles, neues mit dem Chor singen, und dann das. Ach je... das Glück verfolgt mich ;)
Obwohl ich noch viel zu früh dran war machte ich mich auf den Weg zum Meeting mit dem IEEC. Ihr erinnert euch, diese Gruppe, der sich jeder Austauschstudent anschließen muss? Sehr gut. Da musste ich heute nämlich hin, die hatten ihr erstes Treffen. Und da mir meine Sonderaufgabe mit dem Klavierunterricht zugestanden wurde hatte es geheißen, ich solle zu dem ersten Treffen kommen, wenn sich die einzelnen Unterorganisationen bilden würden. Ich bin jetzt, logischerweise, in der Unterorga "Musik".
Ich platzte genau in die Mittagspause, gerade wurde Freipizza verteilt. Man, die roch so guuut... und sah so lecker aus... ich hatte noch kein Mittagessen gehabt und ich war nah dran, es zu probieren. Ich hatte aber die stark dosierten Laktrasekapseln zu Hause gelassen, und meine verbliebenen schwachen wollte ich dafür jetzt nicht verpulvern. Also setzte ich mich an einen Tisch, sah den anderen beim schlemmen zu und wartete darauf, dass die Veranstaltung weiterging. Ich überspringe das ganze jetzt mal, denn es war richtig öde ;) Am Ende fand ich es ziemlich sinnlos, da hingegangen zu sein - ich trug mich nämlich nur in der Liste ein und das wars. Hm. Okay... Außerdem erfuhr ich, dass mein Klavierunterricht wohl aus Gruppenunterricht bestehen würde. Hui. Ja so was bin ich ja gar nicht gewohnt... Und das finde ich ehrlich gesagt auch sehr schwer. Erstens habe ich das noch nie gemacht, und zweitens habe ich hier kein Material. Mir da jetzt einfach so was aus den Fingern zu saugen... Das wird entweder eine Katastrophe oder schlichtweg genial. Ich hoffe auf letzteres, befürchte aber ersteres. Abwarten, vielleicht darf ich ja doch Einzelunterricht geben.
Eigentlich wollte ich mit A. nach dem Meeting einkaufen gehen. Schon wieder? Ja, schon wieder, denn ich brauchte einen Pulli für Ceramics (Töpfern), der dreckig werden darf. Ich dachte mir, ich kaufe mir einfach einen günstigen, den ich in der Uni lasse und mir dann immer wieder überziehe. Ist wohl die beste Lösung. A. war aber nicht zu erreichen, so stolperte ich erst einmal zum McDonalds, um Mittag zu essen. Stolperte? Ja, mittlerweile waren meine Kräfte irgendwie ein bisschen aufgebraucht. War wohl doch kränker als ich zugeben wollte ;) Aber ich schaffte es ohne Kreislaufkollaps bis zum rettenden Essen. Endlich erreichte dann auch A. mich und wir verabredeten, uns beim Ross zu treffen. Diesmal aber eine weitere neue Filiale. Die sollte eigentlich nicht so weit weg sein... Dummerweise nahm ich aber, wie ich hinterher kapierte, den falschen Bus, fuhr einen riesigen Umweg, stieg zu spät aus und musste eine ganze Strecke laufen. Dabei ist die Filiale eigentlich gar nicht so weit weg von der Uni. A. erging es aber nicht viel besser, auch sie gondelte einmal in der Weltgeschichte umher, bis sie schließlich am Ross ankam. Bevor sie allerdings auftauchte entdeckte ich in diesem kleinen Areal von Einkaufsläden etwas, das mein Herz höher schlagen ließ - eine Post! Endlich! Das Suchen hat ein Ende.
Die Schlange in der Filiale ähnelte wirklich stark denen in unseren Postfilialen. Als ich schließlich dran war kaufte ich gleich noch zusätzliche zehn extra Briefmarken - wer weiß, wann ich hier wieder herkomme!
Im Ross dann ging eine neue Suche los, die nach einem günstigen Pulli. Günstig ist hier ja kein Problem, Pulli schon eher. Günstig und Pulli dann zu finden ist schon eine starke Herausforderung, schließlich aber hielt ich zwei Modelle in der Hand. Eines für 11, ein anderes für 17 Dollar. Das für 17 gefiel mir mehr, das für 11 war aber wohl praktischer für den gesuchten Zweck. Und am Ende war die Entscheidung eine einfache, denn der Pulli für 17 passte schlichtweg nicht. Damit wars aber nicht getan. Außerdem fand ich einen Cardigan für 9 Dollar (ich liebe Cardigans einfach... und langärmlige Sachen habe ich wirklich nicht so viele mitgenommen. Eindeutiger Hinweis an alle, die nach mir kommen - nehmt langärmlige Sachen mit!!!). Und endlich entdeckte ich auch mal Hausschuhe! Ich habe zwar Teppich in meinem Zimmer, aber Fliesen in Küche und Bad, und abends wirds dann doch manchmal etwas kalt. Ich kaufte schließlich welche für sieben Dollar, nachdem ich die für zehn wieder zurückgestellt hatte. Es waren richtige Schuhe (nicht nur so Schlüpfschuhe) gewesen - und außerdem waren da Entchen drauf! Oh man... ich hätte sie wirklich sehr gerne gekauft, aber ich weiß genau, hätte ich das getan hätte ich sie später nach Deutschland mitnehmen wollen. Und das geht nun mal wirklich nicht, dass ich alles mitnehme. Also lieber günstigere Schuhe, die ich auch hier lasse. Zusätzlich kaufte ich noch ein Brotmesser und Socken. Also eigentlich alles Dinge, die ich wirklich brauche. Bis auf... ja, da kommts wieder. Ich sollte nicht einkaufen gehen, dann gebe ich auch kein Geld aus. Mensch. Aber vielleicht bringe ich es auch wieder zurück. Ich muss mal meine Mutter um Rat fragen... ;) Die einzige Sache, die ich wirklich nicht brauchte, war ein Kleid. Ein wunderschönes, lila Abendkleid. Oh man... es ist so wunderschön! Ich hatte es von weitem gesehen und gar nicht anders gekonnt als da hin zu gehen, es vom Ständer zu nehmen und dann anzuprobieren. Das war überhaupt nicht geplant, aber es sprang mich einfach so an. Es war ja auch nicht wirklich teuer - original kostete das Ding mal 100 Dollar, ich bekam es aber für weniger als ein Drittel. 23 Euro für ein wunder-wunderschönes bodenlanges Abendkleid! Mal sehen. Ich kanns ja noch zurückbringen ;) Und wenn nicht, ich muss hier eine Prüfung spielen am Ende des Semesters - vielleicht eine gute Gelegenheit.
Als auch A. ihren Einkauf beendet hatte war es schon Abend. Und ich merkte deutlich meine Schwäche. Aber das Einkaufen war noch nicht vorbei, ich brauchte noch weitere Lebensmittel vom Safeway, A. wollte ebenfalls mit. Draußen herrschte wahnsinniger Nebel vor, fast schon unheimlich. Gemeinsam warteten wir dann auf den Bus, der, laut Anzeige, in 5 Minuten kommen sollte. Ich habs ja schon einmal erwähnt, dass mit den Öffis ist hier so eine Sache. Die fahren, wann immer sie wollen - einen wirklichen Fahrplan gibt es nicht. Es gibt eine Internetseite die meistens recht behält, aber auch nicht immer. Die wenigen Anzeigen an den paar Haltestellen, wo sie installiert sind, haben aber meistens wirklich Recht. Meistens. Heute nicht. Denn als die Anzeige schon bei einer Minute war stieg sie wieder. 2 Minuten, dann 3. Dann wieder 2. Und da blieb sie dann eine gaaaaanze lange Weile. Wir hatten schon fast aufgegeben und wollten bald die Haltestelle in Richtung einer anderen verlassen, von der wir dann heimfahren konnten, da kam der Bus. Endlich! Im Safeway ging es für mich dann ganz schnell, ich weiß ja jetzt schon die wenigen Lebensmittel, die ich essen kann. Und als ich dann um halb neun endlich heimfuhr war ich heilfroh darum. Erschöpfung lässt grüßen! Andererseits war ich auch froh, das Einkaufen jetzt noch gemacht zu haben. Morgen noch mal deswegen losziehen... ne.
Zuhause erwartete mich dann schon ein bekanntes Gefühl in der Magengegend - Hunger! Und so machte ich dann gleich mal den Test mit meinen neuen Lactrasetabletten, denn ich wusste, drei Sandwichscheiben Käse würden heute nicht reichen. Die optimale Gelegenheit zum Test. Eigentlich wollte ich heute ja den Zuckerlosen Vanillepudding testen, den ich letzte Woche gekauft habe, aber seis drum, vielleicht morgen. Heute waren die Lactrasekapseln dran! Und zumindest bis ich ins Bett ging waren da kaum Probleme zu vermelden - allerdings finde ich "kaum" auch zu viel dafür, dass ich die Dinger nehme, um eigentlich keine Probleme zu haben. Mal sehen, ob das nur tagesabhängig war oder dauerhaft so sein wird. Falls nämlich ja werde ich mich nach Alternativlaktrase umsehen müssen.
Tag 19 (26.08.)
Heute früh wollte ich mich nach dem Weckerklingen eigentlich gleich wieder ins Bett legen. Mein Kopf tat weh und der Hals stand dem in nichts nach. Das ist doch echt Mist, hier jetzt gleich krank zu werden! Immerhin biss ich die Zähne zusammen und machte weiter - zu Hause bleiben war keine Option. Ich musste dringend üben, außerdem gabs heute ein Konzert in der Uni und Nachmittags stand der Spaziergang mit B. auf dem Plan! Nein, aufgeben und zu Hause rumgammeln? No chance.
Also machte ich mich fertig und telefonierte noch ein wenig mit Deutschland. Was sich da alles in den letzten zwei Wochen geändert hat! Umzüge, Hauskäufe, Krankheiten im engen Kreis - die Tatsache, dass nun eine Solaranlage auf unserem Dach liegt ist da wirklich noch das geringste der Veränderungen. Wenn das so weitergeht ist alles komplett anders, wenn ich wieder da bin.
Schon bald musste ich mich aber auf den Weg in die Uni machen. Ich wollte ja noch vor dem Konzert ein bisschen üben! Zuerst stattete ich aber unserer Ansprechpartnerin an der Uni einen Besuch ab. Ich wollte sichergehen, dass es von der amerikanischen Seite keine Probleme geben würde, sollte ich wirklich drei Chöre belegen. Nicht, dass da hinterher wieder irgendwas rauskommt... die Erfahrung jetzt hat mir gereicht. Bevor ich mit ihr reden konnte musste ich aber erst ihr Büro finden und damit das zugehörige Haus. Ich lief einmal komplett um das Gebäude herum, denn erst nach der Hälfte hatte ich kapiert, dass es ja das Gesuchte ist. Mist ;) Immerhin entdeckte ich so den Campuseigenen Subway und ein Noodlehouse - irgendwas asiatisches. Beim Gespräch kam dann raus, dass alles okay ist, ich darf gerne drei Chöre belegen. Ich frage mich nur, wie das mit der Notengebung dann funktioniert... kriegt man da dann echt eine Note für? Ich werds ja nächste Woche hoffentlich erfahren.
Schließlich kam ich tatsächlich noch zum üben. Nicht so viel wie ich eigentlich wollte, aber immerhin ein bisschen was... Da aber sowohl A. als auch ich schon am verhungern waren aßen wir mal ausnahmsweise ziemlich früh zu Mittag, sogar vor 12 Uhr. Hui! Dementsprechend pünktlich tauchten wir dann auch vor dem Saal auf, hinter dessen Türen das Konzert stattfinden sollte. Es war ein Preisträgerkonzert mit drei Pianisten von einem Wettbewerb, den unsere neue Lehrerin organisiert. Sie war es auch gewesen, die uns immer wieder darauf hingewiesen hatte. Ich finde es total faszinierend, dass so ein Konzert mittags um eins (!) stattfindet. Ich meine, ich fands total angenehm, ich mag es nicht so sehr, abends dann noch mal aus dem Haus zu gehen und irgendwohin zu dackeln. Faszinierend-seltsam finde ich es trotzdem ;)
Schon im Konzert merkte ich dann aber, wie meine Kopfschmerzen zunahmen. Die meiste Zeit hielt ich die Augen geschlossen. Nach einer Stunde war das wirklich großartige Konzert vorbei - und ich ging wieder üben. Brav wie ich bin ;) Nur leider war das keine besonders produktive Zeit. Ich versuchte mein Bestes, aber schmerzende Nackenmuskulatur, Kopfschmerzen und Kratzen im Hals sorgten dafür, dass meine magere Konzentration nicht wirkliche Höchstleistungen hervorbrachte. Die halbe Zeit verbrachte ich liegend auf der Holzbank vor dem Klavier, in der Hoffnung, irgendwas in meinem Rücken oder am Nacken würde sich wieder einrenken und mir würde es besser gehen. Schließlich gab ich auf - so hatte das alles keinen Wert. Den Spaziergang konnte ich mich wohl abschminken, jetzt war eher angesagt, nach Hause zu gehen und sich auszuruhen. In einem solchen Zustand sind drei Chöre nämlich keine wirklich gute Idee ;) Also wartete ich im Flur, bis A. aus ihrem ersten Kammermusiktreffen kam und überbrachte ihr die Hiobsbotschaft. Sie machte sich dann auf den Weg zu B., ich fuhr nach Hause. Wo ich tatsächlich etwas schlief, mich ausruhte, Medikamente nahm (zum Glück hab ich mir was mitgenommen!) und versuchte, mich zu entspannen. Besonders jetzt fiel mir der wahnsinnige Lärm von meinen Vermietern auf. Sie haben ja zwei Kinder - und das hört man meistens. Ziemlich sogar ;) Die rennen und schreien teilweise im Haus rum, dass einem hören uns sehen vergeht! Zum Glück sind sie nachts leise (sie müssen schließlich irgendwann schlafen...), und tagsüber stört mich das eigentlich nicht. Zumindest nicht, solange ich nicht lernen muss! Aber ich werde ja vermutlich nicht so viel lernen müssen, wenn mein Plan aufgeht. Drückt mir die Daumen!
Später als ich wollte, früher als normalerweise lag ich dann schließlich im Bett, in der Hoffnung, dass ein wenig Schlaf das Schlimmste beseitigen würde.
Also machte ich mich fertig und telefonierte noch ein wenig mit Deutschland. Was sich da alles in den letzten zwei Wochen geändert hat! Umzüge, Hauskäufe, Krankheiten im engen Kreis - die Tatsache, dass nun eine Solaranlage auf unserem Dach liegt ist da wirklich noch das geringste der Veränderungen. Wenn das so weitergeht ist alles komplett anders, wenn ich wieder da bin.
Schon bald musste ich mich aber auf den Weg in die Uni machen. Ich wollte ja noch vor dem Konzert ein bisschen üben! Zuerst stattete ich aber unserer Ansprechpartnerin an der Uni einen Besuch ab. Ich wollte sichergehen, dass es von der amerikanischen Seite keine Probleme geben würde, sollte ich wirklich drei Chöre belegen. Nicht, dass da hinterher wieder irgendwas rauskommt... die Erfahrung jetzt hat mir gereicht. Bevor ich mit ihr reden konnte musste ich aber erst ihr Büro finden und damit das zugehörige Haus. Ich lief einmal komplett um das Gebäude herum, denn erst nach der Hälfte hatte ich kapiert, dass es ja das Gesuchte ist. Mist ;) Immerhin entdeckte ich so den Campuseigenen Subway und ein Noodlehouse - irgendwas asiatisches. Beim Gespräch kam dann raus, dass alles okay ist, ich darf gerne drei Chöre belegen. Ich frage mich nur, wie das mit der Notengebung dann funktioniert... kriegt man da dann echt eine Note für? Ich werds ja nächste Woche hoffentlich erfahren.
Schließlich kam ich tatsächlich noch zum üben. Nicht so viel wie ich eigentlich wollte, aber immerhin ein bisschen was... Da aber sowohl A. als auch ich schon am verhungern waren aßen wir mal ausnahmsweise ziemlich früh zu Mittag, sogar vor 12 Uhr. Hui! Dementsprechend pünktlich tauchten wir dann auch vor dem Saal auf, hinter dessen Türen das Konzert stattfinden sollte. Es war ein Preisträgerkonzert mit drei Pianisten von einem Wettbewerb, den unsere neue Lehrerin organisiert. Sie war es auch gewesen, die uns immer wieder darauf hingewiesen hatte. Ich finde es total faszinierend, dass so ein Konzert mittags um eins (!) stattfindet. Ich meine, ich fands total angenehm, ich mag es nicht so sehr, abends dann noch mal aus dem Haus zu gehen und irgendwohin zu dackeln. Faszinierend-seltsam finde ich es trotzdem ;)
Schon im Konzert merkte ich dann aber, wie meine Kopfschmerzen zunahmen. Die meiste Zeit hielt ich die Augen geschlossen. Nach einer Stunde war das wirklich großartige Konzert vorbei - und ich ging wieder üben. Brav wie ich bin ;) Nur leider war das keine besonders produktive Zeit. Ich versuchte mein Bestes, aber schmerzende Nackenmuskulatur, Kopfschmerzen und Kratzen im Hals sorgten dafür, dass meine magere Konzentration nicht wirkliche Höchstleistungen hervorbrachte. Die halbe Zeit verbrachte ich liegend auf der Holzbank vor dem Klavier, in der Hoffnung, irgendwas in meinem Rücken oder am Nacken würde sich wieder einrenken und mir würde es besser gehen. Schließlich gab ich auf - so hatte das alles keinen Wert. Den Spaziergang konnte ich mich wohl abschminken, jetzt war eher angesagt, nach Hause zu gehen und sich auszuruhen. In einem solchen Zustand sind drei Chöre nämlich keine wirklich gute Idee ;) Also wartete ich im Flur, bis A. aus ihrem ersten Kammermusiktreffen kam und überbrachte ihr die Hiobsbotschaft. Sie machte sich dann auf den Weg zu B., ich fuhr nach Hause. Wo ich tatsächlich etwas schlief, mich ausruhte, Medikamente nahm (zum Glück hab ich mir was mitgenommen!) und versuchte, mich zu entspannen. Besonders jetzt fiel mir der wahnsinnige Lärm von meinen Vermietern auf. Sie haben ja zwei Kinder - und das hört man meistens. Ziemlich sogar ;) Die rennen und schreien teilweise im Haus rum, dass einem hören uns sehen vergeht! Zum Glück sind sie nachts leise (sie müssen schließlich irgendwann schlafen...), und tagsüber stört mich das eigentlich nicht. Zumindest nicht, solange ich nicht lernen muss! Aber ich werde ja vermutlich nicht so viel lernen müssen, wenn mein Plan aufgeht. Drückt mir die Daumen!
Später als ich wollte, früher als normalerweise lag ich dann schließlich im Bett, in der Hoffnung, dass ein wenig Schlaf das Schlimmste beseitigen würde.
Donnerstag, 25. August 2011
Tag 18 (25.08.)
Ich wollte ausschlafen. Hatte ich mir so gedacht. Denn da der Chor erst nächste Woche losgeht hatte ich heute vormittag frei. Ich stellte meinen Wecker als großzügigerweise auf 10:30 Uhr - in der sicheren Annahme, ich würde ohnehin vorher aufwachen. Pustekuchen ;) Immerhin hatte ich so zehn Stunden geschlafen, als der Wecker schließlich klingelte. Whä, aufstehen ist blöd ;) Ich tat es dennoch, ging aber alles etwas ruhiger an. Jetzt würde es sich eh nicht mehr lohnen, vor dem Mittagessen noch üben zu gehen... Mist. Also frühstückte ich in Ruhe, chattete ein wenig mit Daheimgebliebenen und machte mich dann auf die Socken. Um in der Mensa Mittag essen zu gehen ;) Und um A. kurz zuzuhören, wie sie ihre Auditionstücke spielt, sie hatte nämlich heute Nachmittag Audition für Kammermusik. Hui!
Wir hatten Schwierigkeiten, einen Tisch zum Essen zu finden - kein Wunder, wenn ein Drittel der Leute, die an den Tischen sitzen, gar nicht essen sondern entweder quatschen oder mit ihrem Laptop arbeiten. Finde ich etwas doof, das in der Mensa zur Mittagszeit zu machen, aber gut... Zu guter Letzt fragten wir ein Mädchen, dass alleine an einem Tisch saß und mit ihrem Handy spielte, ob da noch frei wäre. War es, und das Mädchen war zwei Minuten später mit einer Freundin abgezischt. Auch gut.
Nach dem Mittagessen durfte ich wieder in meine Lieblingsvorlesung gehen - Jazz. Wofür ich mir ja extra schon das Buch gekauft hatte, welches jetzt zu Hause in der Tüte lag. Gut gemacht. So schlimm wars dann aber nicht, ich hätte das Buch gar nicht gebraucht. Hab ich mir wenigstens das Schleppen gespart ;) Ich kam heute wieder so mit wie letztes Mal - vieles verstand ich, aber sobald dann das Tempo ein bisschen angezogen wurde hatte ich Probleme, gleichzeitig mitzuschreiben und mitzudenken. Weswegen wohl ein bisschen was auf der Strecke geblieben ist, aber mir ist noch etwas aufgefallen: Ich glaube, ich habe so viel mitgeschrieben wie kaum jemand anderes. Ich weiß nicht, ob die Mentalität, was Notizen machen angeht hier einfach ein bisschen anders ist, ob ich übereifrig bin oder keine Ahnung... aber so hab ichs eigentlich schon immer gemacht. In Vorlesungen schreibe ich einfach alles auf, was der Vortragende so an Infos rausschleudert. Streichen kann mans ja immer noch, wenns überflüssig war... Nach der Vorlesung ging ich wenigstens noch ein bisschen Klavierüben. Und ich muss sagen, ich überrasche mich selbst immer mehr. Ich begann heute, ein altes Stück zu wiederholen. Anfangs war es die reinste Katastrophe, aber schon nach einer Viertelstunde konnte ich Teile gut spielen. Und es wurde immer besser. Meine Finger erinnerten sich noch ziemlich gut an alles, ich bin wirklich sehr erstaunt. Ich habe das Stück vor etwa zwei Jahren das letzte Mal gespielt. Gut, so schwer ist es nicht unbedingt. Aber ich frage mich gerade, ob meine langsame Art, Stücke zu lernen, hier vielleicht von Vorteil ist - ich scheine die Sachen länger im Gedächtnis zu behalten. Nach einer Stunde üben (nach der ich K.O. war, ich bins einfach nicht mehr gewohnt) konnte ich schon viele Teile des Stückes spielen. Nicht alle und nicht alles flüssig, aber es wird. Eindeutig.
Nach dem Üben überredete ich mich selbst, noch Wasser und Brot (klingt wie Gefängnisnahrung...) einkaufen zu gehen. Eigentlich war ich zu fertig, aber naja... mein Trinkwasser ist langsam alle, und das Leitungswasser hier schmeckt mir mal absolut gar nicht. Und Brot kann auch nicht schaden ;) Bei der Gelegenheit kaufte ich auch gleich noch mal eine Riesenpackung Milch, Müsli hats mir ja echt angetan. Ich esse jeden Tag mindestens eine Portion, meistens eher zwei, eine morgens und eine abends. Das werde ich in Deutschland sicher waaaahnsinnig vermissen! Zu Hause dann erholte ich mich ein wenig und tat das Übliche - duschen, Zimmer aufräumen und gleichzeitig wieder verunstalten, surfen. Immerhin spülte ich endlich mal meine neuen Töpfe ab, der Berg an neuen Dingen, die ich noch putzen muss, ist somit auf die Tupperschüsseln und die Pfanne reduziert. Es wird...
Außerdem erkundigte ich mich im Netz nach dem Pres für ein Päckchen nach Deutschland. Hui. Definitiv werde ich nichts schicken - ich glaube, die Option des dritten Gepäckstückes ist definitiv günstiger. Bei manchen Anbietern kam ich auf 200 $ für ein normalgroßes Päckchen mit 5 kg Gewicht - ich frage mich, ob ich die günstigen Sachen einfach nicht finde oder ob es wirklich so teuer ist. Das kann ich mir ja fast nicht vorstellen... Immerhin fand ich auch etwas für 80 Dollar, aber da komme ich mit 200 $ für das dritte Gepäckstück wirklich billiger weg. Das sind dann nämlich 23 kg ;) Auch schaute ich ein wenig nach Wörterbüchern. Ich ging ja davon aus, dass ich keines brauchen würde, wofür auch? Man kann sich ja mit Händen und Füßen verständigen, und um etwas zu schreiben gibts so was ja immer noch online. Im Alltag, habe ich jetzt aber festgestellt, könnte so ein kleines Pocket-Dictionary nicht schaden. Oft fehlt mir nämlich, vor allem in der Jazzvorlesung, ein Wort, um alles zu verstehen. Da hilft dann auch der Versuch es zu erschließen nichts. Ganz toll war es gestern im Theaterkurs. Wir machten gestern ja diese Emotionsübung - durch den Raum gehen, er sagt eine Emotion und diese sollen wir dann ausleben. Funktioniert ganz gut bei Dingen wie "traurig" oder "glücklich". Sobald die Emotionen aber ein bisschen komplexer werden laufe ich Gefahr, die Wörter dafür nicht zu kennen. Und da ist dann nichts mit erschließen, wenn nur ein Wort fällt ;) Gestern konnte ich das lösen indem ich die anderen beobachtete, versuchte, ihren schauspielerischen Leistungen abzulesen, was die Emotion denn nun war und das mit den Assoziazionen in meinem Kopf mit dem genannten Wort zu verbinden. Klar, in der Situation hätte mir ein Wörterbuch auch nicht unbedingt geholfen. Aber ich denke mir, schaden kann so ein kleines Ding nicht. Mal sehen, ob ich mir das im Netz bestelle oder irgendwo in einer Buchhandlung suchen gehe.
Abends dann wurden meine Kopf- und Halsschmerzen immer stärker. Ich mein, ich kenne das ja ein bisschen, ich hab das immer wieder, aber das war jetzt eine Stufe über der normalen Stärke. Beim schlafengehen also hoffte ich sehr, dass sich das alles bis zum nächsten Morgen ein wenig gelegt haben würde - denn schließlich wollten A. und ich am Abend mit B. einen kleinen Spaziergang machen...
Wir hatten Schwierigkeiten, einen Tisch zum Essen zu finden - kein Wunder, wenn ein Drittel der Leute, die an den Tischen sitzen, gar nicht essen sondern entweder quatschen oder mit ihrem Laptop arbeiten. Finde ich etwas doof, das in der Mensa zur Mittagszeit zu machen, aber gut... Zu guter Letzt fragten wir ein Mädchen, dass alleine an einem Tisch saß und mit ihrem Handy spielte, ob da noch frei wäre. War es, und das Mädchen war zwei Minuten später mit einer Freundin abgezischt. Auch gut.
Nach dem Mittagessen durfte ich wieder in meine Lieblingsvorlesung gehen - Jazz. Wofür ich mir ja extra schon das Buch gekauft hatte, welches jetzt zu Hause in der Tüte lag. Gut gemacht. So schlimm wars dann aber nicht, ich hätte das Buch gar nicht gebraucht. Hab ich mir wenigstens das Schleppen gespart ;) Ich kam heute wieder so mit wie letztes Mal - vieles verstand ich, aber sobald dann das Tempo ein bisschen angezogen wurde hatte ich Probleme, gleichzeitig mitzuschreiben und mitzudenken. Weswegen wohl ein bisschen was auf der Strecke geblieben ist, aber mir ist noch etwas aufgefallen: Ich glaube, ich habe so viel mitgeschrieben wie kaum jemand anderes. Ich weiß nicht, ob die Mentalität, was Notizen machen angeht hier einfach ein bisschen anders ist, ob ich übereifrig bin oder keine Ahnung... aber so hab ichs eigentlich schon immer gemacht. In Vorlesungen schreibe ich einfach alles auf, was der Vortragende so an Infos rausschleudert. Streichen kann mans ja immer noch, wenns überflüssig war... Nach der Vorlesung ging ich wenigstens noch ein bisschen Klavierüben. Und ich muss sagen, ich überrasche mich selbst immer mehr. Ich begann heute, ein altes Stück zu wiederholen. Anfangs war es die reinste Katastrophe, aber schon nach einer Viertelstunde konnte ich Teile gut spielen. Und es wurde immer besser. Meine Finger erinnerten sich noch ziemlich gut an alles, ich bin wirklich sehr erstaunt. Ich habe das Stück vor etwa zwei Jahren das letzte Mal gespielt. Gut, so schwer ist es nicht unbedingt. Aber ich frage mich gerade, ob meine langsame Art, Stücke zu lernen, hier vielleicht von Vorteil ist - ich scheine die Sachen länger im Gedächtnis zu behalten. Nach einer Stunde üben (nach der ich K.O. war, ich bins einfach nicht mehr gewohnt) konnte ich schon viele Teile des Stückes spielen. Nicht alle und nicht alles flüssig, aber es wird. Eindeutig.
Nach dem Üben überredete ich mich selbst, noch Wasser und Brot (klingt wie Gefängnisnahrung...) einkaufen zu gehen. Eigentlich war ich zu fertig, aber naja... mein Trinkwasser ist langsam alle, und das Leitungswasser hier schmeckt mir mal absolut gar nicht. Und Brot kann auch nicht schaden ;) Bei der Gelegenheit kaufte ich auch gleich noch mal eine Riesenpackung Milch, Müsli hats mir ja echt angetan. Ich esse jeden Tag mindestens eine Portion, meistens eher zwei, eine morgens und eine abends. Das werde ich in Deutschland sicher waaaahnsinnig vermissen! Zu Hause dann erholte ich mich ein wenig und tat das Übliche - duschen, Zimmer aufräumen und gleichzeitig wieder verunstalten, surfen. Immerhin spülte ich endlich mal meine neuen Töpfe ab, der Berg an neuen Dingen, die ich noch putzen muss, ist somit auf die Tupperschüsseln und die Pfanne reduziert. Es wird...
Außerdem erkundigte ich mich im Netz nach dem Pres für ein Päckchen nach Deutschland. Hui. Definitiv werde ich nichts schicken - ich glaube, die Option des dritten Gepäckstückes ist definitiv günstiger. Bei manchen Anbietern kam ich auf 200 $ für ein normalgroßes Päckchen mit 5 kg Gewicht - ich frage mich, ob ich die günstigen Sachen einfach nicht finde oder ob es wirklich so teuer ist. Das kann ich mir ja fast nicht vorstellen... Immerhin fand ich auch etwas für 80 Dollar, aber da komme ich mit 200 $ für das dritte Gepäckstück wirklich billiger weg. Das sind dann nämlich 23 kg ;) Auch schaute ich ein wenig nach Wörterbüchern. Ich ging ja davon aus, dass ich keines brauchen würde, wofür auch? Man kann sich ja mit Händen und Füßen verständigen, und um etwas zu schreiben gibts so was ja immer noch online. Im Alltag, habe ich jetzt aber festgestellt, könnte so ein kleines Pocket-Dictionary nicht schaden. Oft fehlt mir nämlich, vor allem in der Jazzvorlesung, ein Wort, um alles zu verstehen. Da hilft dann auch der Versuch es zu erschließen nichts. Ganz toll war es gestern im Theaterkurs. Wir machten gestern ja diese Emotionsübung - durch den Raum gehen, er sagt eine Emotion und diese sollen wir dann ausleben. Funktioniert ganz gut bei Dingen wie "traurig" oder "glücklich". Sobald die Emotionen aber ein bisschen komplexer werden laufe ich Gefahr, die Wörter dafür nicht zu kennen. Und da ist dann nichts mit erschließen, wenn nur ein Wort fällt ;) Gestern konnte ich das lösen indem ich die anderen beobachtete, versuchte, ihren schauspielerischen Leistungen abzulesen, was die Emotion denn nun war und das mit den Assoziazionen in meinem Kopf mit dem genannten Wort zu verbinden. Klar, in der Situation hätte mir ein Wörterbuch auch nicht unbedingt geholfen. Aber ich denke mir, schaden kann so ein kleines Ding nicht. Mal sehen, ob ich mir das im Netz bestelle oder irgendwo in einer Buchhandlung suchen gehe.
Abends dann wurden meine Kopf- und Halsschmerzen immer stärker. Ich mein, ich kenne das ja ein bisschen, ich hab das immer wieder, aber das war jetzt eine Stufe über der normalen Stärke. Beim schlafengehen also hoffte ich sehr, dass sich das alles bis zum nächsten Morgen ein wenig gelegt haben würde - denn schließlich wollten A. und ich am Abend mit B. einen kleinen Spaziergang machen...
Tag 17 (24.08.)
Oh je. Heute habe ich immerhin nicht verschlafen, aber morgens um sieben war es dann doch... ziemlich kalt. Ziemlich ziemlich kalt. Ich zitterte vor mich hin und wollte so gar nicht das Haus verlassen. Wie sehr ich euch da drüben in Deutschland beneide mit euren 30 Grad! Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr es habt. Ich vermisse die Wärme so sehr. Kurze Sachen tragen, sich wohlig warm fühlen und keine kalten Finger oder eine kalte Nase haben. Brrr! Mittlerweile gehe ich wirklich immer mit vier Schichten oberhalb aus dem Haus, mit Mütze und Kaputze zusätzlich. Heieiei, und das, wo ich doch in einer ziemlich kalten Stadt in Deutschland studiere ;)
Immerhin war ich pünktlich zu meiner Gruppenstunde Klavierunterricht. Ich stellte mich der Dozentin vor und meinte, dass ich leider nicht bei der Audition gewesen sei (die war Freitag, ich hatte mich aber erst Sonntag eingetragen). Sie meinte, sie wird schauen, was sich machen lässt, ich soll einfach mal mitmachen. Ich wollte ihr zwar klarmachen, dass ich normalerweise Klavier als Hauptfach habe, aber irgendwie ging das wohl unter. Naja.
Beim Check der Anwesenheit dann stellte ich fest - hier waren alle Musiker, aber alle mit verschiedenen Instrumenten. Das deshalb, weil sie jeden nach seinem Instrument fragte. Das war also wohl eine Art "Pflichtfach Klavier", wie bei uns, nur in der Gruppe. Hm, okay. Nicht ganz meine Leistungsklasse. Als sie zu meinem Namen auf der Liste kam konnte ich dann den zweiten Versuch starten. Ich bin die J1-Studentin, die Klavier studiert, keinen Platz bekommen hat und so... diesmal fiel der Groschen und sie entschuldigte sich für das ganze Chaos an dieser Uni und dafür, dass ich keinen Unterricht habe. Wow, fand ich echt nett, immerhin war es nicht ihr Fehler. Was ich ihr auf versuchte klar zu machen, also, dass ich auf sie keinesfalls sauer bin oder so.
Sie ist eine sehr nette Person, muss ich sagen. Humorvoll und freundlich. Sie hat eine angenehme, eher leise Stimme, aber ihr Unterricht war wirklich nicht schlecht. Sie meinte, diese Klasse wird wohl unter meinem Niveau sein, ich soll nach dem Unterricht mal mit ihr reden. Und ja, es war unter meinem Niveau - einerseits. Es wurden Tonleitern geübt. Aber ehrlich gesagt, wie meine engen Freunde wissen, Tonleitern habe ich ja nie richtig beigebracht bekommen. Also verfolgte ich alles mit großem Interesse, und ich glaube, in der einen Stunde habe ich sogar mehr gelernt als sonst, zumindest über Tonleitern.
Nach der Stunde bot sie mir dann an, dass ich ihr doch vorspielen solle, dann könne sie schauen, was sich machen lässt, ob ich in dem Kurs bleibe oder wie auch immer. Sie wollte, dass ich um 12 komme, ich verschob es auf 12:30 Uhr, denn ich dachte, ich habe so lange Unterricht. Stimmt ja gar nicht, Ceramics geht nur bis 11:55 Uhr... naja. Egal. Zum Glück hatte ich meine Noten dabei, andererseits ärgerte ich mich schon ziemlich, gestern nciht geübt zu haben. Naja, es musste halt eben so gehen. Das war meine Chance!!!
Erst eilte ich aber zu Ceramics. Ich war wirklich intelligent in meiner Kurswahl - die einzigen Kurse außerhalb des "Creative Arts"-Buildings sind Ceramics und Yoga, und die sind beide in einem Gebäude ziemlich nach dran. Ich hätte es schlimmer treffen können! Ich fand, nach kurzer Suche, den Raum dann auch tatsächlich. Bevor der Dozent auftauchte unterhielt ich mich ganz kurz mit meiner Nebensitzerin, sie studiert Kinesiologie und macht Ceramics zur Entspannung. Oh gut, dachte ich mir insgeheim - zum Glück bin ich nicht die Einzige hier mit dieser Intention. Wir bekamen eine kurze Einführung, in der wir auch erfuhren, was wir alles bezahlen müssten. Bezahlen? Ja, in der Anmeldung stand drin, das wir 40 $ Materialkosten zu entrichten haben würden. Tja, nur blieb es nicht dabei - keine Ahnung, wofür die Materialkosten sind, denn Material müssen wir uns selber kaufen. Zumindest den Ton und das "Starter Kit" an Werkzeugen. Für erst einmal 30 $, aber die Menge Ton wird wohl nicht ganz ausreichen. Hmpf. Na gut. Finds nur etwas doof, dass das nirgendwo stand... Nicht, dass mich das abgehalten hätte, vermutlich nicht, aber naja.
Der Dozent bläute uns ein, bloß nie zu fehlen. Zwar könne man ja mal eine Erkältung kriegen oder so, klar... "aber versucht bitte, trotzdem immer zu kommen". Na toll. Das war nicht das erste Mal, dass ich so was höre, langsam frage ich mich, wie die sich das eigentlich vorstellen. Werden die Dozenten nie krank?!? A. ist der Meinung, dass diese strenge Haltung darauf beruht, dass viele Studenten hier wirklich recht viel schwänzen. Und ich bin geneigt, ihr da Recht zu geben, denn diese Ermahnungen sind wirklich krass.
Zusätzlich zu den zwei mal fast drei Stunden Unterricht werden wir auch angehalten, außerhalb der Unterrichtszeit noch ungefähr 6 Stunden zu arbeiten. Öhm, okay... wenn das ernst gemeint ist und diese Zeit wirklich nötig ist - wie soll ich das packen? Das war dann wieder so ein Moment, in dem mich die unruhigen Gedanken von gestern und diese leichte Panik wieder erfassten (nachdem ich gestern abend eigentlich der Meinung war - was solls wenn ich in Jazz keine gute Note kriege, ich gebe mein Bestes, aber wenns nicht reicht, dann halt nicht). Und diese leichte Panik wuchs und wuchs. Ein Männlein im Kopf zappelte und tobte - wie sollte ich das bloß schaffen? Es war einfach zu viel, ich wollte doch noch ein bisschen Freizeit! Ceramics machen, Klavier üben, Jazz aufarbeiten - und Theater und Chor hatte ich noch gar nicht gehabt. Von Chor erwartete ich keine großen Hausaufgaben (hoffentlich!), aber Theater würde sicher auch nicht ohne sein. Oh oh! Ich bezweifelte, dass meine Kurswahl wirklich so gut gewesen war. Ich hätte lieber Gehörbildung oder so nehmen sollen - zwar völlig unnötig, aber wenigstens etwas, mit dem ich mich auskannte!
Das andere Männchen in meinem Kopf aber beruhigte mich. Ich habe drei Tage in der Woche frei, und an einem nur 3 Stunden Unterricht. Da muss das doch alles zu schaffen sein! Klar, dass das am Anfang alles bedrohlich aussieht, aber hey, leb dich erst mal ein, dann wird das schon alles! Und während diese zwei Stimmen so hin und her stritten lief ich zum Student Center, bezahlte meine 30 $, lief zurück, holte mein Starter Kit und meinen ersten Klumpen Ton (wow, war der schwer!) und legte letzteren in mein neues Schließfach im Fine Arts-Building - wenigstens müssen wir dafür nichts zahlen. Die sind nötig, weil wir da eben unsere Werkzeuge und den Ton lagern. Allerdings teilen wir uns ein Fach, ich schloss mich gleich mal mit meiner neuen Bekanntschaft zusammen. Sie meinte, sie würde ein Schloß besorgen, so lange liegt mein Ton da eben jetzt unverschlossen drin. Sie kommt vermutlich morgen noch mal her. Meine Werkzeuge nahm ich lieber mal mit - die sind ja auch nicht schwer. Immerhin, ich besitze jetzt Werkzeuge zum Ton bearbeiten ;)
Viel früher als auf dem Plan waren wir heute fertig, schließlich gab es noch nichts zu arbeiten. Das würde Montag losgehen, wenn wir auch, nach Bedarf, Arbeitskleidung dabei haben würden. Ich werde mir wohl einfach nur einen billigen Pulli kaufen und den dann immer drüber ziehen. Ton ist ja nichts, was fürchterlich dreckig wäre - der Dozent meinte, einige würden auch in normalen Sachen arbeiten. Zusätzlich zum Töpfern lernen wir übrigens auch Theorie - Geschichte und so was. Davor habe ich auch ein wenig Angst, denn die Akustik in dem Raum war wieder mal sehr schlecht. Ich werde wohl nur die Hälfte verstehen... ob wir einen Test schreiben habe ich nicht ganz kapiert, das muss ich bei Gelegenheit mal herausfinden.
Nachdem das alles so seltsam verlaufen war begann ich auch, Angst vor meinem Theaterkurs am Nachmittag zu haben. Zwar hatte ich mich darauf am Meisten gefreut - aber plötzlich beschlich mich die Angst, dass es zu viel werden würde.
Egaaaal - jetzt musste ich erst einmal die Gelegenheit beim Schopf packen und vor dem Vorspielen noch etwas üben! Schließlich war es erst 10:45 Uhr. Ich übte brav eine halbe Stunde, mehr wollte ich meinen Armen dann aber auch nicht zumuten. Ich bin überhaupt nicht mehr in Form, das ist wirklich schlimm. Aber ich dachte mir, wenn ich vorspielen muss dann lieber nicht völlig ausgepowert... Also lungerte ich schon ab ungefähr 11:30 Uhr vor der Tür der Dozentin herum, und tatsächlich - sie hatte wirklich schon frei, denn irgendwann lief sie durch den Flur. Ich durfte ihr gleich sofort vorspielen. Ich hatte mich vorher für Mozart und Clair de Lune entschieden - die Stücke, die ich einfach am meisten mag. Ich denke, das sind gute Voraussetzungen :) Zwischen denen konnte ich mich nicht entscheiden und dachte, das lasse ich sie einfach tun. Sie meinte, ich solle ihr beide einmal anspielen.
Ich begann mit Mozart - und machte ein paar Fehler, aber nichts Schlimmes. Musikalisch hatte ich ein gutes Gefühl, und richtig, als sie mich nach ungefähr einer Seite abbrach meinte sie, ich sei sehr musikalisch (*rotwerd*), es ginge nicht, dass ich in ihrer Klaviergruppe bleibe, ich brauche Unterricht. Ich sollte ihr aber doch auch noch Clair de Lune spielen... allerdings erst ab Seite zwei. Verstehe ich voll und ganz, auf Seite eins passiert ja auch nicht viel :D Auch das lief gut, erstaunlich gut, dafür, dass ich seit Wochen eigentlich nicht mehr gespielt habe.
Danach meinte sie, die Sache sei klar - sie müsse nur schauen, wo sie mich reinquetschen könne. Ich konnte mein Glück noch gar nicht fassen. Ich meine, ich weiß, manche Amerikaner loben oft und viel, auch wenn es gar nicht so angebracht ist. Aber dennoch, sie ist keinesfalls verpflichtet, mir Unterricht zu geben, vor allem nicht, wenn sie schon hoffnungslos überbucht ist. Und - dann auch noch gleich eine ganze Stunde! Es wäre ja schon ein Traum gewesen, eine halbe Stunde zu bekommen, und dann gleich eine ganze! Wow!
Ich holte meinen Stundenplan heraus und übergab ihn ihr, um einen passenden Termin zu finden. Das war wohl die einfachste Lösung, mir war es schließlich egal, WANN es sein würde - hauptsache, DASS! Kurze Probleme gab es noch, weil ich meinen Plan natürlich mit deutschen Uhrzeiten geschrieben hatte (also 18 Uhr anstatt 6 pm), aber das löste sich schnell. Und schon hatte ich meinen Termin! Ich konnte mich nicht genug bei ihr bedanken. Diese Frau ist so wunderbar, nett und hilfsbereit - und sie gibt mir Unterricht, wo ich mir fast sicher bin, dass sie das Überdeputatsmäßig macht.
Da ich jetzt eine ganze Stunde bekomme kriege ich dafür auch zwei Punkte - und mir fiel auf, dass ich, wenn ich in den Gospelchor komme, meinen ganzen Plan umschmeißen könnte - anstatt der Jazzvorlesung dann noch in den Frauenchor und voilà - keine Jazzvorlesung mehr, dafür drei Chöre. Wenn das so gehen würde wäre das total super, ich wäre happy - ich liebe singen, und nein, ich denke nicht, dass mir das zu viel werden würde. Ich würde genau auf die geforderten 12 Punkte kommen. Das heißt, ich dürfte natürlich in keinem Kurs durchfallen, aber mal ehrlich, das erwartet ohnehin keiner. Denke ich. Ich muss das noch mal abklären, ob das wirklich geht, aber ich hoffe es sehr. Ich hoffe natürlich auch, dass da keine Einwände von meiner Heimuni kommen, aber da erreiche ich auf Grund der Semesterferien momentan ohnehin niemanden. Und mal ehrlich - es hat sie nicht mal gejuckt, dass ich keinen Hauptfachunterricht kriege, dann sollte es sie auch nicht interessieren, was ich sonst so belege. Denke ich mir.
Zur Feier der Stunde gab es dann auch gleich Mittagessen ;) Endlich! Unglaublich, dass ich so lange durchgehalten hatte ohne zu verhungern. Was ich zum Mittagessen hier sagen muss - es bewarheitet sich, was mir vor der Reise gesagt wurde. Man isst hier nicht anders als Zuhause. Man isst einfach nur mehr. Ehrlich wahr. Ich esse ja jeden Tag das Gleiche, kann also gut abschätzen, wie viel ich esse ;) Und ja, jeden Tag ist mehr auf meinem Teller. Verrückt. Mittlerweile kostet mein Teller schon 80 Cent mehr als der allererste (es wird hier nach Gewicht gezahlt). Ich hoffe mal, dass sich das nicht irgendwie negativ auswirkt, und sobald ich mich hier fest eingelebt habe muss dringend Sport her. Ich wollte ja eigentlich Fußballspielen, auf Grund fehlender Hallenschuhe wird das wohl aber eher scheitern. Mal schauen, vielleicht ergibt sich ja noch was, ansonsten wirds halt das Schwimmbad.
Nach dem Essen gings gleich weiter, es gab eine Versammlung vom Music-Department. Dort wurden uns essentielle Dinge erzählt - die aber auf A. und mich meistens nicht zutrafen. Ein bisschen Zeitverschwendung, aber gut - kann man ja vorher nicht wissen. Gleich im Anschluss zischte ich ab, denn jetzt würde gleich mein Theaterkurs losgehen. Ui, war ich nervös! Schließlich hatte ich Angst, es würde zu anstrengend werden.
Bevor der Kurs begann unterhielt ich mich kurz mit einer hinter mir sitzenden Italienerin, die in London studiert und auch gerade auf Austausch hier ist. Wir haben mal gleich Nummern ausgetauscht, bin mal gespannt, ob sich da was entwickelt. Sie will unter Umständen nämlich auch in den Gospelchor.
Meine Befürchtungen erwiesen sich erst einmal als unbegründet. Der Lehrer, ein Chilene (ist das richtig?), scheint mir einerseits recht locker zu sein, wenn man gewisse Regeln eben einhält. Wie Pünktlichkeit und so. Das kriege ich hin ;) Wir machten ein paar wenige Übungen, die ich zum Teil schon kannte - und ich traute mich sogar, etwas zu sagen! Ich bin ja echt stolz auf mich. Ich fiel aber natürlich gleich auf durch meinen Akzent, denn in der Pause fragten mich zwei Jungs gleich, woher ich denn kommen würde. Immerhin, dadurch ergeben sich immer wieder nette Gesprächseinstiege. Und bevor hier gleich irgendwelche Gerüchte und Spekulationen in gewissen Geistern entstehen (ja, genau, dich meine ich ;) ) - nein, ich suche nicht nach irgendwelchen Kerlen, und der eine steht ohnehin nicht auf Frauen ;) Es war auf jeden Fall nett, sich endlich mal mit Leuten aus einem Kurs richtig zu unterhalten. Das hat mir bisher irgendwie gefehlt. Ich hoffe, der doch sehr kommunikative Theaterkurs wird da ein bisschen Abhilfe schaffen.
Nach der Pause standen Emotionen auf dem Plan, und unsere Aufgabe in den nächsten Wochen soll es unter anderem sein, lachen und weinen zu üben. Zu Hause, in Ruhe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll - beziehungsweise, ob ich es tun werde. Lachen, ja. Sicher ;) Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber ich weiß nicht, ob ich mich momentan psychisch dazu in der Lage fühle, mit Absicht zu weinen. Das könnte momentan Tiefen aufreißen, die ich erst mal geschlossen halten will - man muss das Heimweh ja nicht unbedingt erzwingen ;) Mal schauen. Vielleicht, wenn ich mich mal rundum gut fühle. Dann könnte ich das ja mal riskieren ;)
Etwas früher als nach Plan war der Kurs dann für heute vorbei. Und ich war echt erschöpft ;) Immerhin hatte ich heute acht Stunden Unterricht gehabt oder geübt, das ist schon eine lange Zeit, wie ich finde. Und ich hatte mir einen Feierabend verdient! Morgen schließlich würde ich nur die Jazzvorlesung haben, denn der Chor beginnt erst nächste Woche. Da würde ich dann gut üben können, für heute sollte erst mal Schluss sein.
Zu Hause gabs dann auch gleich Abendessen - endlich hatte ich letztens alls komischen Hühnchenwürstchen aufgegessen und konnte mich dem nächsten Experiment zuwenden. Reis war noch von vorgestern da, diesmal gab es Wiener Würstchen. Zumindest glaube ich, dass die so heißen... muss nachher mal nachsehen gehen ;) Es sind keine Wiener Würstchen wie wir sie zu Hause kennen, zumindest vom Aussehen und der Konsistenz. Vom Geschmack her... Ja. Endlich. Würstchen! Ja! Jippie! Das ist doch mal ein toller Fortschritt, schmeckende Würstchen. Und das gleich im zweiten Anlauf. Jetzt müssen sie nur noch vertragen werden, aber da sieht es ganz gut aus an dieser Front. Auch das Shampoo wurde heute ausprobiert, von der Kämmbarkeit ganz okay. Jetzt muss ich nur noch abwarten ob es meinen Haaren insgesamt auch guttut.
Die Welt sieht nach der Klaviersache schon viel freundlicher aus. Jetzt muss ich natürlich zeigen, dass die Dozentin sich in mir nicht getäuscht hat, das ist wieder etwas Druck, aber das ist okay. Drucklos wäre das Leben ja wohl langweilig ;) Und ich muss schauen, dass ich meine Noten, die ich noch brauche, irgendwie hier her bekomme. Hab nämlich die Hälfte zu Hause liegen lassen, schlau wie ich bin. Ein bisschen was habe ich da, aber ein Sonatensatz und eine Sonate fehlen mir. Da werde ich mich dann morgen drum kümmern.
Mittlerweile war es schon spät, und auch wenn ich am nächsten Tag erst um 14 Uhr Uni hatte - ganz verschlafen wollte ich den Vormittag ja auch nicht. Zwar hatte ich es nicht mehr vor Mitternacht geschafft (beim Skype-Telefonat mit den Eltern hatte das Mikrofon rumgezickt und musste erst mal zur Ordnung gerufen werden), aber kurz danach ist auch okay.
Immerhin war ich pünktlich zu meiner Gruppenstunde Klavierunterricht. Ich stellte mich der Dozentin vor und meinte, dass ich leider nicht bei der Audition gewesen sei (die war Freitag, ich hatte mich aber erst Sonntag eingetragen). Sie meinte, sie wird schauen, was sich machen lässt, ich soll einfach mal mitmachen. Ich wollte ihr zwar klarmachen, dass ich normalerweise Klavier als Hauptfach habe, aber irgendwie ging das wohl unter. Naja.
Beim Check der Anwesenheit dann stellte ich fest - hier waren alle Musiker, aber alle mit verschiedenen Instrumenten. Das deshalb, weil sie jeden nach seinem Instrument fragte. Das war also wohl eine Art "Pflichtfach Klavier", wie bei uns, nur in der Gruppe. Hm, okay. Nicht ganz meine Leistungsklasse. Als sie zu meinem Namen auf der Liste kam konnte ich dann den zweiten Versuch starten. Ich bin die J1-Studentin, die Klavier studiert, keinen Platz bekommen hat und so... diesmal fiel der Groschen und sie entschuldigte sich für das ganze Chaos an dieser Uni und dafür, dass ich keinen Unterricht habe. Wow, fand ich echt nett, immerhin war es nicht ihr Fehler. Was ich ihr auf versuchte klar zu machen, also, dass ich auf sie keinesfalls sauer bin oder so.
Sie ist eine sehr nette Person, muss ich sagen. Humorvoll und freundlich. Sie hat eine angenehme, eher leise Stimme, aber ihr Unterricht war wirklich nicht schlecht. Sie meinte, diese Klasse wird wohl unter meinem Niveau sein, ich soll nach dem Unterricht mal mit ihr reden. Und ja, es war unter meinem Niveau - einerseits. Es wurden Tonleitern geübt. Aber ehrlich gesagt, wie meine engen Freunde wissen, Tonleitern habe ich ja nie richtig beigebracht bekommen. Also verfolgte ich alles mit großem Interesse, und ich glaube, in der einen Stunde habe ich sogar mehr gelernt als sonst, zumindest über Tonleitern.
Nach der Stunde bot sie mir dann an, dass ich ihr doch vorspielen solle, dann könne sie schauen, was sich machen lässt, ob ich in dem Kurs bleibe oder wie auch immer. Sie wollte, dass ich um 12 komme, ich verschob es auf 12:30 Uhr, denn ich dachte, ich habe so lange Unterricht. Stimmt ja gar nicht, Ceramics geht nur bis 11:55 Uhr... naja. Egal. Zum Glück hatte ich meine Noten dabei, andererseits ärgerte ich mich schon ziemlich, gestern nciht geübt zu haben. Naja, es musste halt eben so gehen. Das war meine Chance!!!
Erst eilte ich aber zu Ceramics. Ich war wirklich intelligent in meiner Kurswahl - die einzigen Kurse außerhalb des "Creative Arts"-Buildings sind Ceramics und Yoga, und die sind beide in einem Gebäude ziemlich nach dran. Ich hätte es schlimmer treffen können! Ich fand, nach kurzer Suche, den Raum dann auch tatsächlich. Bevor der Dozent auftauchte unterhielt ich mich ganz kurz mit meiner Nebensitzerin, sie studiert Kinesiologie und macht Ceramics zur Entspannung. Oh gut, dachte ich mir insgeheim - zum Glück bin ich nicht die Einzige hier mit dieser Intention. Wir bekamen eine kurze Einführung, in der wir auch erfuhren, was wir alles bezahlen müssten. Bezahlen? Ja, in der Anmeldung stand drin, das wir 40 $ Materialkosten zu entrichten haben würden. Tja, nur blieb es nicht dabei - keine Ahnung, wofür die Materialkosten sind, denn Material müssen wir uns selber kaufen. Zumindest den Ton und das "Starter Kit" an Werkzeugen. Für erst einmal 30 $, aber die Menge Ton wird wohl nicht ganz ausreichen. Hmpf. Na gut. Finds nur etwas doof, dass das nirgendwo stand... Nicht, dass mich das abgehalten hätte, vermutlich nicht, aber naja.
Der Dozent bläute uns ein, bloß nie zu fehlen. Zwar könne man ja mal eine Erkältung kriegen oder so, klar... "aber versucht bitte, trotzdem immer zu kommen". Na toll. Das war nicht das erste Mal, dass ich so was höre, langsam frage ich mich, wie die sich das eigentlich vorstellen. Werden die Dozenten nie krank?!? A. ist der Meinung, dass diese strenge Haltung darauf beruht, dass viele Studenten hier wirklich recht viel schwänzen. Und ich bin geneigt, ihr da Recht zu geben, denn diese Ermahnungen sind wirklich krass.
Zusätzlich zu den zwei mal fast drei Stunden Unterricht werden wir auch angehalten, außerhalb der Unterrichtszeit noch ungefähr 6 Stunden zu arbeiten. Öhm, okay... wenn das ernst gemeint ist und diese Zeit wirklich nötig ist - wie soll ich das packen? Das war dann wieder so ein Moment, in dem mich die unruhigen Gedanken von gestern und diese leichte Panik wieder erfassten (nachdem ich gestern abend eigentlich der Meinung war - was solls wenn ich in Jazz keine gute Note kriege, ich gebe mein Bestes, aber wenns nicht reicht, dann halt nicht). Und diese leichte Panik wuchs und wuchs. Ein Männlein im Kopf zappelte und tobte - wie sollte ich das bloß schaffen? Es war einfach zu viel, ich wollte doch noch ein bisschen Freizeit! Ceramics machen, Klavier üben, Jazz aufarbeiten - und Theater und Chor hatte ich noch gar nicht gehabt. Von Chor erwartete ich keine großen Hausaufgaben (hoffentlich!), aber Theater würde sicher auch nicht ohne sein. Oh oh! Ich bezweifelte, dass meine Kurswahl wirklich so gut gewesen war. Ich hätte lieber Gehörbildung oder so nehmen sollen - zwar völlig unnötig, aber wenigstens etwas, mit dem ich mich auskannte!
Das andere Männchen in meinem Kopf aber beruhigte mich. Ich habe drei Tage in der Woche frei, und an einem nur 3 Stunden Unterricht. Da muss das doch alles zu schaffen sein! Klar, dass das am Anfang alles bedrohlich aussieht, aber hey, leb dich erst mal ein, dann wird das schon alles! Und während diese zwei Stimmen so hin und her stritten lief ich zum Student Center, bezahlte meine 30 $, lief zurück, holte mein Starter Kit und meinen ersten Klumpen Ton (wow, war der schwer!) und legte letzteren in mein neues Schließfach im Fine Arts-Building - wenigstens müssen wir dafür nichts zahlen. Die sind nötig, weil wir da eben unsere Werkzeuge und den Ton lagern. Allerdings teilen wir uns ein Fach, ich schloss mich gleich mal mit meiner neuen Bekanntschaft zusammen. Sie meinte, sie würde ein Schloß besorgen, so lange liegt mein Ton da eben jetzt unverschlossen drin. Sie kommt vermutlich morgen noch mal her. Meine Werkzeuge nahm ich lieber mal mit - die sind ja auch nicht schwer. Immerhin, ich besitze jetzt Werkzeuge zum Ton bearbeiten ;)
Viel früher als auf dem Plan waren wir heute fertig, schließlich gab es noch nichts zu arbeiten. Das würde Montag losgehen, wenn wir auch, nach Bedarf, Arbeitskleidung dabei haben würden. Ich werde mir wohl einfach nur einen billigen Pulli kaufen und den dann immer drüber ziehen. Ton ist ja nichts, was fürchterlich dreckig wäre - der Dozent meinte, einige würden auch in normalen Sachen arbeiten. Zusätzlich zum Töpfern lernen wir übrigens auch Theorie - Geschichte und so was. Davor habe ich auch ein wenig Angst, denn die Akustik in dem Raum war wieder mal sehr schlecht. Ich werde wohl nur die Hälfte verstehen... ob wir einen Test schreiben habe ich nicht ganz kapiert, das muss ich bei Gelegenheit mal herausfinden.
Nachdem das alles so seltsam verlaufen war begann ich auch, Angst vor meinem Theaterkurs am Nachmittag zu haben. Zwar hatte ich mich darauf am Meisten gefreut - aber plötzlich beschlich mich die Angst, dass es zu viel werden würde.
Egaaaal - jetzt musste ich erst einmal die Gelegenheit beim Schopf packen und vor dem Vorspielen noch etwas üben! Schließlich war es erst 10:45 Uhr. Ich übte brav eine halbe Stunde, mehr wollte ich meinen Armen dann aber auch nicht zumuten. Ich bin überhaupt nicht mehr in Form, das ist wirklich schlimm. Aber ich dachte mir, wenn ich vorspielen muss dann lieber nicht völlig ausgepowert... Also lungerte ich schon ab ungefähr 11:30 Uhr vor der Tür der Dozentin herum, und tatsächlich - sie hatte wirklich schon frei, denn irgendwann lief sie durch den Flur. Ich durfte ihr gleich sofort vorspielen. Ich hatte mich vorher für Mozart und Clair de Lune entschieden - die Stücke, die ich einfach am meisten mag. Ich denke, das sind gute Voraussetzungen :) Zwischen denen konnte ich mich nicht entscheiden und dachte, das lasse ich sie einfach tun. Sie meinte, ich solle ihr beide einmal anspielen.
Ich begann mit Mozart - und machte ein paar Fehler, aber nichts Schlimmes. Musikalisch hatte ich ein gutes Gefühl, und richtig, als sie mich nach ungefähr einer Seite abbrach meinte sie, ich sei sehr musikalisch (*rotwerd*), es ginge nicht, dass ich in ihrer Klaviergruppe bleibe, ich brauche Unterricht. Ich sollte ihr aber doch auch noch Clair de Lune spielen... allerdings erst ab Seite zwei. Verstehe ich voll und ganz, auf Seite eins passiert ja auch nicht viel :D Auch das lief gut, erstaunlich gut, dafür, dass ich seit Wochen eigentlich nicht mehr gespielt habe.
Danach meinte sie, die Sache sei klar - sie müsse nur schauen, wo sie mich reinquetschen könne. Ich konnte mein Glück noch gar nicht fassen. Ich meine, ich weiß, manche Amerikaner loben oft und viel, auch wenn es gar nicht so angebracht ist. Aber dennoch, sie ist keinesfalls verpflichtet, mir Unterricht zu geben, vor allem nicht, wenn sie schon hoffnungslos überbucht ist. Und - dann auch noch gleich eine ganze Stunde! Es wäre ja schon ein Traum gewesen, eine halbe Stunde zu bekommen, und dann gleich eine ganze! Wow!
Ich holte meinen Stundenplan heraus und übergab ihn ihr, um einen passenden Termin zu finden. Das war wohl die einfachste Lösung, mir war es schließlich egal, WANN es sein würde - hauptsache, DASS! Kurze Probleme gab es noch, weil ich meinen Plan natürlich mit deutschen Uhrzeiten geschrieben hatte (also 18 Uhr anstatt 6 pm), aber das löste sich schnell. Und schon hatte ich meinen Termin! Ich konnte mich nicht genug bei ihr bedanken. Diese Frau ist so wunderbar, nett und hilfsbereit - und sie gibt mir Unterricht, wo ich mir fast sicher bin, dass sie das Überdeputatsmäßig macht.
Da ich jetzt eine ganze Stunde bekomme kriege ich dafür auch zwei Punkte - und mir fiel auf, dass ich, wenn ich in den Gospelchor komme, meinen ganzen Plan umschmeißen könnte - anstatt der Jazzvorlesung dann noch in den Frauenchor und voilà - keine Jazzvorlesung mehr, dafür drei Chöre. Wenn das so gehen würde wäre das total super, ich wäre happy - ich liebe singen, und nein, ich denke nicht, dass mir das zu viel werden würde. Ich würde genau auf die geforderten 12 Punkte kommen. Das heißt, ich dürfte natürlich in keinem Kurs durchfallen, aber mal ehrlich, das erwartet ohnehin keiner. Denke ich. Ich muss das noch mal abklären, ob das wirklich geht, aber ich hoffe es sehr. Ich hoffe natürlich auch, dass da keine Einwände von meiner Heimuni kommen, aber da erreiche ich auf Grund der Semesterferien momentan ohnehin niemanden. Und mal ehrlich - es hat sie nicht mal gejuckt, dass ich keinen Hauptfachunterricht kriege, dann sollte es sie auch nicht interessieren, was ich sonst so belege. Denke ich mir.
Zur Feier der Stunde gab es dann auch gleich Mittagessen ;) Endlich! Unglaublich, dass ich so lange durchgehalten hatte ohne zu verhungern. Was ich zum Mittagessen hier sagen muss - es bewarheitet sich, was mir vor der Reise gesagt wurde. Man isst hier nicht anders als Zuhause. Man isst einfach nur mehr. Ehrlich wahr. Ich esse ja jeden Tag das Gleiche, kann also gut abschätzen, wie viel ich esse ;) Und ja, jeden Tag ist mehr auf meinem Teller. Verrückt. Mittlerweile kostet mein Teller schon 80 Cent mehr als der allererste (es wird hier nach Gewicht gezahlt). Ich hoffe mal, dass sich das nicht irgendwie negativ auswirkt, und sobald ich mich hier fest eingelebt habe muss dringend Sport her. Ich wollte ja eigentlich Fußballspielen, auf Grund fehlender Hallenschuhe wird das wohl aber eher scheitern. Mal schauen, vielleicht ergibt sich ja noch was, ansonsten wirds halt das Schwimmbad.
Nach dem Essen gings gleich weiter, es gab eine Versammlung vom Music-Department. Dort wurden uns essentielle Dinge erzählt - die aber auf A. und mich meistens nicht zutrafen. Ein bisschen Zeitverschwendung, aber gut - kann man ja vorher nicht wissen. Gleich im Anschluss zischte ich ab, denn jetzt würde gleich mein Theaterkurs losgehen. Ui, war ich nervös! Schließlich hatte ich Angst, es würde zu anstrengend werden.
Bevor der Kurs begann unterhielt ich mich kurz mit einer hinter mir sitzenden Italienerin, die in London studiert und auch gerade auf Austausch hier ist. Wir haben mal gleich Nummern ausgetauscht, bin mal gespannt, ob sich da was entwickelt. Sie will unter Umständen nämlich auch in den Gospelchor.
Meine Befürchtungen erwiesen sich erst einmal als unbegründet. Der Lehrer, ein Chilene (ist das richtig?), scheint mir einerseits recht locker zu sein, wenn man gewisse Regeln eben einhält. Wie Pünktlichkeit und so. Das kriege ich hin ;) Wir machten ein paar wenige Übungen, die ich zum Teil schon kannte - und ich traute mich sogar, etwas zu sagen! Ich bin ja echt stolz auf mich. Ich fiel aber natürlich gleich auf durch meinen Akzent, denn in der Pause fragten mich zwei Jungs gleich, woher ich denn kommen würde. Immerhin, dadurch ergeben sich immer wieder nette Gesprächseinstiege. Und bevor hier gleich irgendwelche Gerüchte und Spekulationen in gewissen Geistern entstehen (ja, genau, dich meine ich ;) ) - nein, ich suche nicht nach irgendwelchen Kerlen, und der eine steht ohnehin nicht auf Frauen ;) Es war auf jeden Fall nett, sich endlich mal mit Leuten aus einem Kurs richtig zu unterhalten. Das hat mir bisher irgendwie gefehlt. Ich hoffe, der doch sehr kommunikative Theaterkurs wird da ein bisschen Abhilfe schaffen.
Nach der Pause standen Emotionen auf dem Plan, und unsere Aufgabe in den nächsten Wochen soll es unter anderem sein, lachen und weinen zu üben. Zu Hause, in Ruhe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll - beziehungsweise, ob ich es tun werde. Lachen, ja. Sicher ;) Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber ich weiß nicht, ob ich mich momentan psychisch dazu in der Lage fühle, mit Absicht zu weinen. Das könnte momentan Tiefen aufreißen, die ich erst mal geschlossen halten will - man muss das Heimweh ja nicht unbedingt erzwingen ;) Mal schauen. Vielleicht, wenn ich mich mal rundum gut fühle. Dann könnte ich das ja mal riskieren ;)
Etwas früher als nach Plan war der Kurs dann für heute vorbei. Und ich war echt erschöpft ;) Immerhin hatte ich heute acht Stunden Unterricht gehabt oder geübt, das ist schon eine lange Zeit, wie ich finde. Und ich hatte mir einen Feierabend verdient! Morgen schließlich würde ich nur die Jazzvorlesung haben, denn der Chor beginnt erst nächste Woche. Da würde ich dann gut üben können, für heute sollte erst mal Schluss sein.
Zu Hause gabs dann auch gleich Abendessen - endlich hatte ich letztens alls komischen Hühnchenwürstchen aufgegessen und konnte mich dem nächsten Experiment zuwenden. Reis war noch von vorgestern da, diesmal gab es Wiener Würstchen. Zumindest glaube ich, dass die so heißen... muss nachher mal nachsehen gehen ;) Es sind keine Wiener Würstchen wie wir sie zu Hause kennen, zumindest vom Aussehen und der Konsistenz. Vom Geschmack her... Ja. Endlich. Würstchen! Ja! Jippie! Das ist doch mal ein toller Fortschritt, schmeckende Würstchen. Und das gleich im zweiten Anlauf. Jetzt müssen sie nur noch vertragen werden, aber da sieht es ganz gut aus an dieser Front. Auch das Shampoo wurde heute ausprobiert, von der Kämmbarkeit ganz okay. Jetzt muss ich nur noch abwarten ob es meinen Haaren insgesamt auch guttut.
Die Welt sieht nach der Klaviersache schon viel freundlicher aus. Jetzt muss ich natürlich zeigen, dass die Dozentin sich in mir nicht getäuscht hat, das ist wieder etwas Druck, aber das ist okay. Drucklos wäre das Leben ja wohl langweilig ;) Und ich muss schauen, dass ich meine Noten, die ich noch brauche, irgendwie hier her bekomme. Hab nämlich die Hälfte zu Hause liegen lassen, schlau wie ich bin. Ein bisschen was habe ich da, aber ein Sonatensatz und eine Sonate fehlen mir. Da werde ich mich dann morgen drum kümmern.
Mittlerweile war es schon spät, und auch wenn ich am nächsten Tag erst um 14 Uhr Uni hatte - ganz verschlafen wollte ich den Vormittag ja auch nicht. Zwar hatte ich es nicht mehr vor Mitternacht geschafft (beim Skype-Telefonat mit den Eltern hatte das Mikrofon rumgezickt und musste erst mal zur Ordnung gerufen werden), aber kurz danach ist auch okay.
Mittwoch, 24. August 2011
Tag 16 (23.08.)
Wenn man vor einem wichtigen Tag steht plagen einen oft Alpträume. Ich denke, der Schlimmste ist wohl, zu verschlafen, seine Kleidung nicht zu finden und dann nackt zu spät zu kommen. Tja... ganz so schlimm war es nicht. Der Teil mit dem verschlafen stimmte aber so ziemlich. Um 9:20 Uhr nämlich schaute ich auf mein Handy - fast eineinhalb Stunden nach der Zeit, zu der ich eigentlich hatte aufstehen wollen. Und 10 Minuten vor der Zeit, zu der ich aus dem Haus musste. Gott sei Dank nicht allzu spät! 10 Minuten reichen locker, um sich schnell anzuziehen, eine schnelle Morgentoilette zu machen und Zähne gründlich zu putzen, um sich dann schnell noch die Jacken anzuziehen und mit dem Rucksack auf dem Rücken pünktlich aus dem Haus zu wutschen. Zum Glück war ich gestern so weitsichtig und hatte schon alles tip top fertig gepackt... Das trockene Brot wurde dann auf dem Weg verzehrt, alles kein Problem ;) So begann also mein erster Unitag an der SFSU. Wie man es sich immer erträumt hat ;)
Ich war dann aber sogar noch überpünktlich - zu früh, würden andere wohl sagen. Fünf vor zehn stand ich, uneingesungen, vor der Tür, in der die Audition für den Chor abgehalten werden sollte. Und wartete. Bis dann fünf nach zehn schließlich der Chorleiter ankam (sah mir nicht viel älter aus als ich... hm. Ein fortgeschrittener Student vielleicht?), sich entschuldigte, uns (wir waren mittlerweile drei, die warteten, obwohl nach mir auf der Liste erst mal eeewig niemand sonst kam) Zettel zum ausfüllen gab (Name, Erfahrungen und so) und mich dann weitere fünf Minuten später in den Raum bat (Was gemerkt? Ich liebe Klammern einfach ;) ). Er fragte mich nach meiner Stimmeinschätzung - hoch oder tief? Ich meinte, eher hoch. Und da gings dann schon los - eine einfache Einsingübung in die Tiefe. Und danach eine in die Höhe. Ich kam bis zum a - halbwegs ohne brechen. Höher wäre kaum gegangen, das merkte er auch, hörte auf und fragte mich, wie hoch ich normalerweise komme. Ich meinte, so um den Dreh, bis zum g ziemlich sicher. Ich durfte noch etwas vom Blatt singen (in Moll), die ersten paar Takte liefen ziemlich gut, irgendwann verrutschte ich aber. Ich merkte es gleich, er merkte, dass ich es merkte, alles kein Problem. Dann die erleichternde Ankündigung - ich hätte auf jeden Fall das Zeug für den Uni-Chor, er würde mich wohl in den Sopran zwei stecken. Supi, danke :D Und wenn ich wöllte, könnte ich auch im Womans Chorus mitsingen. So weit ich das gelesen habe ist das wohl ein Chor, in dem jeder mitmachen darf, mit oder ohne Erfahrung. Ich würde gerne mitmachen, wenn ich dafür was anderes nicht machen müsste, aber leider ist zeitgleich meine einzige Vorlesung, Survey of Jazz. Wird wohl also nicht gehen, das sagte ich ihm auch. Er meinte, ich kanns mir ja mal überlegen. Ich glaube, die brauchen dringend Leute ;)
Nach ein paar Minuten war ich also wieder draußen, zum Glück war alles, trotz des schlechten Starts heute früh, noch gut gegangen. Jetzt hätte ich mir eigentlich bis um zwei frei nehmen können - denn um 11:10 Uhr war die Veranstaltung, die ich genommen hätte, wäre ich nicht in den Chor gekommen. Das Sicherheitsnetz, sozusagen. Ich dachte mir aber, reinschauen kann nicht schaden - dann weiß ich wenigstens, wie so was abläuft.
"Music for Children" hieß die Sache, ich stellte mir so was in Richtung theoretisches EMP vor. Also eigentlich etwas, das ich schon fertig studiert habe - aber man kann ja nie fertig gelernt haben. Ich fand es ganz interessant rauszufinden, wie die Amerikaner Musik unterrichten.
Statt der 30 zu erwartenden Studenten quetschten sich ganze 43 in den Raum - "Kurse crashen" nennt man das hier. Man taucht einfach auf, obwohl man offiziell keinen Platz bekommen hat, und versucht, den Dozenten davon zu überzeugen, doch noch einen weiteren Platz für sich zu eröffnen. Ziemlich bald bemerkte ich - dieser Kurs war völlig unter meinem Niveau. Ich war die Einzige, die als Hauptfach Musik hatte, alle anderen waren zukünftige Lehrer. Die teilweise noch nie etwas mit Musik zu tun gehabt hatten. Also würde in diesem Kurs unter anderem auch gelehrt werden, wie man einen Rhythmus hält, Noten lesen und - Blockflöte spielen. Natürlich auch etwas unterrichten, aber bevor man das kann müssen erst die Basics her. Ganz ehrlich, vermutlich hätte ich diesen Kurs bestanden ohne regelmäßig teilzunehmen. Und ohne zu lernen. Also absolut nichts für mich. Gut zum entspannen, aber lernen? Wird wenig.
Also ging ich nach dem Kurs zur Dozentin und erläuterte ihr, dass ich aus dem Kurs austreten würde. Sie fragte gleich, ob ich XY wäre, denn sie würde mir dazu raten, nicht diesen Kurs, sondern den Nachfolgekurs im nächsten Semester zu belegen. Tja, dummerweise bin ich da schon weg. Schade. Der wäre vielleicht wirklich was für mich gewesen. Jetzt freut sich wenigstens jemand von der Warteliste ;)
In der Mensa, die A. und ich jetzt besuchten, war schon die Hölle los. Eindeutig - es war der erste Unitag! Und soll ich euch was verraten? Sogar die Sonne hatte das kapiert. Und scheinte in ihrer schönsten Pracht. Wir konnten draußen essen, nur im T-Shirt (und natürlich in Hosen)! Ich hatte sogar Anst, Sonnenbrand zu kriegen. Der Wahnsinn. Ich hatte ja schon die Hoffnung, der Sommer würde hier endlich beginnen, aber - Pustekuchen, drei Stunden später sollte sie schon wieder verschwunden sein und das Wetter wurde wieder eiskalt. Beim Essen trafen wir auch auf einen Studenten aus unserer Heimuni, ein Amerikaner, der bei uns studiert und gerade hier auf Besuch ist. War wirklich witzig - trotz zehntausenden von Studenten liefen wir uns über den Weg. Während A. dann schnell zu ihrem nächsten Kurs huschte hatte ich noch eine Stunde Zeit und versuchte, im Bookstore die Yogaheftchen für uns beide zu besorgen. Das war ein Abenteuer für sich... denn da ich nicht genug Geld dabei hatte, musste ich erst einmal zum Automaten. Bei dem ich dann erst einmal zehn Minuten anstehen durfte. Währenddessen löste sich zum Glück die Schlange derer, die vor dem Bookstore standen - es wurde wieder eingelassen. Vorher war es zu voll gewesen. Ich schnappte also schnell mein Zeug und ging mich anstellen - einmal quer durch den halben Bookstore. Ich stand gute 25 Minuten in der Schlange. Oh je, das wird noch was hier... Gerade noch rechtzeitig konnte ich zahlen, dann wurde es aber auch schon Zeit für meine Vorlesung. Mittlerweile war ich im Mittagstief angekommen, und so saß ich dann in dem Theaterähnlichen Raum (normale Theatersessel, mitschreiben also auf dem Schoß) und versuchte mitzukommen. Auf englisch. Und gleichzeitig nicht einzuschlafen. Und alles mitzuschreiben. Hui. Hier packte mich zum ersten Mal dann wieder meine Panik und Angst. Wie sollte ich in der Lage sein, bei dieser Vorlesung gut mitzukommen und alles zu notieren? Ich war erst einmal damit beschäftigt, den Dozenten akustisch zu verstehen. Und dann musste ich auch inhaltlich noch kapieren, was er sagte. Manchmal nicht schwer, oftmals fehlte mir dann aber das eine oder andere Wort, und durch ein weiteres, das akustisch fehlte fehlten mir oft verständnishalber ganze Sätze. Ich versuchte, wenn möglich alles auf englisch mitzuschreiben - das grenzte schon fast an Musikwissenschaft, und das in der ersten Stunde. Die Vorlesung ist sicher spannend, aber es wird viel verlangt. Zumindest von mir, denn die doppelte Belastung von inhaltlichem Mitdenken und Sprachverständnis setzte mir doch sehr zu. Für englischsprachige war es vielleicht nicht so schlimm ;) Nach den 75 Minuten jedenfalls war ich fertig. Fix und. Und mein Männlein im Kopf fragte mich, wie ich das vier Monate lang durchhalten soll... Nach einem kurzen Treffen mit A., in dem sich meine Kopfschmerzen dann langsam zu erkennen gaben, ging ich mal wieder Geld ausgeben - im Bookstore ;) Schließlich musste jetzt auch noch das Buch für die Jazzvorlesung gekauft werden. Im entsprechenden Fach lag aber nur ein Hardcoverbuch, der Dozent hatte ganz sicher aber ein Softcover gehabt. In Deutschlant hätte ich das wohl einfach gekauft, hier aber war ich unsicher. Stimmte das nun? War das eine falsche Ausgabe? Also ging ich in dem Chaos auf die Suche nach einem Angestellten, der mir würde helfen können. Nach ein paar Minuten fand ich auch einen, sprach ihn an, erklärte mein Problem - und bekam als Antwort erst einmal ein "Are you German?". Whäm. Mist. "Ähm,, yes, I am..." - "Okay, dann komm mal mit. Ich bin auch aus Deutschland, ich lebe hier nur..." War ich doch tatsächlich an den wohl einzigen deutschen Bookstoremitarbeiter hier geraten. Naja, weiß ich natürlich nicht mit Sicherheit, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch hoch. Jedenfalls half er mir dann mehr oder weniger weiter (das würde schon stimmen, wenn nicht - eben bis zu einem bestimmten Termin zurückgeben). Diesmal musste ich nicht ganz so lange anstehen, der Mittagspausenansturm war vorbei, zehn Minuten waren es aber trotzdem.
Eigentlich hatte ich in der Pause zwischen Jazz und Yoga ein wenig üben wollen. Ich fühlte mich aber völlig ausgelaugt, leer und erschöpft - keine guten Voraussetzungen. Also beschloss ich, noch mal etwas zu "Mittag" zu essen und die restliche halbe Stunde zu lesen (wofür trage ich auch immer meinen Kindle mit mir rum). Ich wanderte von einem Ort zum nächsten - von draußen nach innen, vom Untergeschoss nach oben, aber nirgendwo blieb ich länger als fünf Minuten. Draußen zu kalt, unten zu dunkel, oben zu laut. Also gab ich auf und suchte A. auf, mit der ich dann gemeinsam zu Yoga lief. Dort warteten schon einige, und aus den einigen wurden viele. Im Raum dann (ausgelegt mit Matten für Judo, Karate oder so was) waren wir schließlich eine ganze Menge. A. und ich hatten uns auf der Toilette umgezogen, Umkleideräume schien es hier nicht zu geben. Die Dozentin sprach davon, dass sie letztendlich doch 55 Leute in diese Klasse lassen würde, das sei das äußerste Maximum. Ja, sehe ich ähnlich... 55 Leute in dem Raum sind wirklich ein Haufen. Wir besprachen den Stundenplan für das Semester und einige wenige Regeln (nicht mit Schuhen auf die Matten und so...), und dann machten wir noch eine Atemübung. Oder so. Wir legten uns in vier Reihen hin, das Licht wurde gelöscht und sie begann zu reden. Und ich - zu frieren. Es war so kalt, ich zitterte am ganzen Körper. Merke - ich brauche dringend einen warmen Yoga-Pulli für die ruhigen Übungen! Die Dunkelheit und meine Erschöpfung, gepaart mit Kopfweh und Müdigkeit führten schließlich dazu, dass ich - richtig, einschlief. Nicht richtig, nicht fest, aber ich fühlte mich schon ein wenig... weggetreten. Die erste Stunde endete dann auch schon recht früh - nämlich nach einer Stunde ( ;) ) anstatt nach zwei.
Und wieder führte mich mein Weg danach in den Bookstore, zum dritten Mal am heutigen Tage. Wieso? Weil ich beschlossen hatte, mir einen SFSU-Pulli zuzulegen, wenn es denn meinen Wunschpulli in meiner Größe gab, denn ich brauchte ja nun eh einen Schlabberpulli für Yoga, warum nicht zwei Fliegen... und so weiter. Tja, meinen gabs aber nicht, also zog ich dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Wo ich mal wirklich Glück hatte, denn kaum hatte ich die Bushaltestelle betreten fuhr meiner auch schon ein. Das nennt man Timing! Ich fahre ja immer nach Hause, zur Uni hin laufe ich. Ich finde, das ist ein guter Kompromiss :)
Ich freute mich darauf, mich nach meinem ersten Unitag ein wenig auszuruhen, was zu essen und im Internet zu surfen. Tja, zu früh gefreut, denn mein Internet funktionierte nicht. Probleme mit der Verbindung, was weiß ich... ich hoffe, das passiert nicht öfter. Ich wollte nämlich auch unbedingt meine Mails checken und in meinen Uniaccount, um zu schauen, ob sich wegen irgendwelcher Kurse (mit ganz viel Glück ja vielleicht auch was mit dem Klavierunterricht?) irgendetwas getan hatte. Nach einer Stunde dann war mein Internet weniger zickig und ich konnte loslegen - ich war unnötig hibbelig gewesen. Es war alles beim alten.
Irgendwann hatte ich Lust, noch ein bisschen was zu essen, also ging ich in die Küche und machte mir Müsli (hach, ich genieße es, wirklich! Das ist eine der wenigen tollen Sachen hier, was das Essen angeht). E. war zufällig auch gerade da. Und sie fragte mich, ob am Montag ein Päckchen für eine S. gekommen war. Hm, ja, sagte ich. Ich hatte nicht gewusst, wer das war und hatte den UPS-Menschen nach oben zu unseren Vermietern geschickt. Vielleicht war das ja meine Vormieterin? Tja, dummerweise ist E. auch S. Hier in Kalifornien, erzählte sie mir nämlich, habe sie ihren Zweitnamen zu ihrem Rufnamen gemacht. Und die Vermieterin hatte den UPS-Menschen abgewiesen, genau wie ich. Und das Päckchen war jetzt ganz wo anders gelandet. Oh man... das war mir schon sehr unangenehm. Ich meine, ich kann das ja nicht wissen, aber es ist trotzdem meine Schuld. Ganz schön dumm gelaufen. Sie machte mir auch keine Vorwürfe - einfach, dass ich es für die Zukunft wisse. Mist. Warum passiert so was auch immer mir ;)
Wenigstens war unsere Unterhaltung danach ganz nett. Wir unterhielten uns sicher mindestens eine halbe Stunde, wenn nicht länger - über dies und jenes.
Um elf beschloss ich, ins Bett zu gehen - und gerade in dem Moment riefen meine Eltern an. Nach einem doch recht kurzem Telefonat verließ ich dann mein Zimmer in Richtung Bad, und stolperte wieder über E. Die mich fragte, ob ich das Erdbeben gespürt hatte. Äh, hä? Erd... was? Hier? Jetzt? Gerade? Ne. Ups.
Ich meine, ja, ich hatte mich irgendwie seltsam auf meinen Beinen gefühlt, aber eher so, wie wenn man müde ist (oder beschwipst... zumindest stelle ich mir das vor). Von einer sich bewegenden Erde hatte ich nichts mitbekommen, und selbst ersteres kam mir erst beim hinterher-darüber-nachdenken in den Sinn. Immerhin war es ein Beben der Stärke 3,6 gewesen. Und ich habs halt einfach mal so verpasst, mein erstes Beben hier in SF.
Schließlich fand ich meinen Weg aber doch noch ins Bett. Morgen musste ich schließlich früh raus, schon um 8 würde mein erster Kurs beginnen: Class Piano. Da hatte ich mich letzte Woche zur Not eingeschrieben, weil ich keinen Unterricht hatte. Eigentlich hatte ich keine Lust, da hinzugehen - an Gruppenunterricht zu 20t hatte ich kein wirkliches Interesse. Und außerdem - Montags und Mittwochs immer so früh aufstehen? Wha! ;) Aber A. hatte gemeint, ich solle zumindest ein Mal hingehen. Das sagte ich mir auch - ein Mal kann nicht schaden. Und außerdem würde die einzige verbliebene Klavierdozentin an der SFSU dieses Fach unterrichten. Sie mal kennenzulernen wäre vielleicht auch mal ganz gut.
Nachdem ich mein erstes Buch auf dem Kindle gestern Abend fertiggelesen hatte, hatte ich mir heute Band zwei gekauft, damit machte ich es mir dann im Bett bequem und las noch ein, zwei Seiten, bis meine Augen vor Müdigkeit schließlich zufielen.
Ich war dann aber sogar noch überpünktlich - zu früh, würden andere wohl sagen. Fünf vor zehn stand ich, uneingesungen, vor der Tür, in der die Audition für den Chor abgehalten werden sollte. Und wartete. Bis dann fünf nach zehn schließlich der Chorleiter ankam (sah mir nicht viel älter aus als ich... hm. Ein fortgeschrittener Student vielleicht?), sich entschuldigte, uns (wir waren mittlerweile drei, die warteten, obwohl nach mir auf der Liste erst mal eeewig niemand sonst kam) Zettel zum ausfüllen gab (Name, Erfahrungen und so) und mich dann weitere fünf Minuten später in den Raum bat (Was gemerkt? Ich liebe Klammern einfach ;) ). Er fragte mich nach meiner Stimmeinschätzung - hoch oder tief? Ich meinte, eher hoch. Und da gings dann schon los - eine einfache Einsingübung in die Tiefe. Und danach eine in die Höhe. Ich kam bis zum a - halbwegs ohne brechen. Höher wäre kaum gegangen, das merkte er auch, hörte auf und fragte mich, wie hoch ich normalerweise komme. Ich meinte, so um den Dreh, bis zum g ziemlich sicher. Ich durfte noch etwas vom Blatt singen (in Moll), die ersten paar Takte liefen ziemlich gut, irgendwann verrutschte ich aber. Ich merkte es gleich, er merkte, dass ich es merkte, alles kein Problem. Dann die erleichternde Ankündigung - ich hätte auf jeden Fall das Zeug für den Uni-Chor, er würde mich wohl in den Sopran zwei stecken. Supi, danke :D Und wenn ich wöllte, könnte ich auch im Womans Chorus mitsingen. So weit ich das gelesen habe ist das wohl ein Chor, in dem jeder mitmachen darf, mit oder ohne Erfahrung. Ich würde gerne mitmachen, wenn ich dafür was anderes nicht machen müsste, aber leider ist zeitgleich meine einzige Vorlesung, Survey of Jazz. Wird wohl also nicht gehen, das sagte ich ihm auch. Er meinte, ich kanns mir ja mal überlegen. Ich glaube, die brauchen dringend Leute ;)
Nach ein paar Minuten war ich also wieder draußen, zum Glück war alles, trotz des schlechten Starts heute früh, noch gut gegangen. Jetzt hätte ich mir eigentlich bis um zwei frei nehmen können - denn um 11:10 Uhr war die Veranstaltung, die ich genommen hätte, wäre ich nicht in den Chor gekommen. Das Sicherheitsnetz, sozusagen. Ich dachte mir aber, reinschauen kann nicht schaden - dann weiß ich wenigstens, wie so was abläuft.
"Music for Children" hieß die Sache, ich stellte mir so was in Richtung theoretisches EMP vor. Also eigentlich etwas, das ich schon fertig studiert habe - aber man kann ja nie fertig gelernt haben. Ich fand es ganz interessant rauszufinden, wie die Amerikaner Musik unterrichten.
Statt der 30 zu erwartenden Studenten quetschten sich ganze 43 in den Raum - "Kurse crashen" nennt man das hier. Man taucht einfach auf, obwohl man offiziell keinen Platz bekommen hat, und versucht, den Dozenten davon zu überzeugen, doch noch einen weiteren Platz für sich zu eröffnen. Ziemlich bald bemerkte ich - dieser Kurs war völlig unter meinem Niveau. Ich war die Einzige, die als Hauptfach Musik hatte, alle anderen waren zukünftige Lehrer. Die teilweise noch nie etwas mit Musik zu tun gehabt hatten. Also würde in diesem Kurs unter anderem auch gelehrt werden, wie man einen Rhythmus hält, Noten lesen und - Blockflöte spielen. Natürlich auch etwas unterrichten, aber bevor man das kann müssen erst die Basics her. Ganz ehrlich, vermutlich hätte ich diesen Kurs bestanden ohne regelmäßig teilzunehmen. Und ohne zu lernen. Also absolut nichts für mich. Gut zum entspannen, aber lernen? Wird wenig.
Also ging ich nach dem Kurs zur Dozentin und erläuterte ihr, dass ich aus dem Kurs austreten würde. Sie fragte gleich, ob ich XY wäre, denn sie würde mir dazu raten, nicht diesen Kurs, sondern den Nachfolgekurs im nächsten Semester zu belegen. Tja, dummerweise bin ich da schon weg. Schade. Der wäre vielleicht wirklich was für mich gewesen. Jetzt freut sich wenigstens jemand von der Warteliste ;)
In der Mensa, die A. und ich jetzt besuchten, war schon die Hölle los. Eindeutig - es war der erste Unitag! Und soll ich euch was verraten? Sogar die Sonne hatte das kapiert. Und scheinte in ihrer schönsten Pracht. Wir konnten draußen essen, nur im T-Shirt (und natürlich in Hosen)! Ich hatte sogar Anst, Sonnenbrand zu kriegen. Der Wahnsinn. Ich hatte ja schon die Hoffnung, der Sommer würde hier endlich beginnen, aber - Pustekuchen, drei Stunden später sollte sie schon wieder verschwunden sein und das Wetter wurde wieder eiskalt. Beim Essen trafen wir auch auf einen Studenten aus unserer Heimuni, ein Amerikaner, der bei uns studiert und gerade hier auf Besuch ist. War wirklich witzig - trotz zehntausenden von Studenten liefen wir uns über den Weg. Während A. dann schnell zu ihrem nächsten Kurs huschte hatte ich noch eine Stunde Zeit und versuchte, im Bookstore die Yogaheftchen für uns beide zu besorgen. Das war ein Abenteuer für sich... denn da ich nicht genug Geld dabei hatte, musste ich erst einmal zum Automaten. Bei dem ich dann erst einmal zehn Minuten anstehen durfte. Währenddessen löste sich zum Glück die Schlange derer, die vor dem Bookstore standen - es wurde wieder eingelassen. Vorher war es zu voll gewesen. Ich schnappte also schnell mein Zeug und ging mich anstellen - einmal quer durch den halben Bookstore. Ich stand gute 25 Minuten in der Schlange. Oh je, das wird noch was hier... Gerade noch rechtzeitig konnte ich zahlen, dann wurde es aber auch schon Zeit für meine Vorlesung. Mittlerweile war ich im Mittagstief angekommen, und so saß ich dann in dem Theaterähnlichen Raum (normale Theatersessel, mitschreiben also auf dem Schoß) und versuchte mitzukommen. Auf englisch. Und gleichzeitig nicht einzuschlafen. Und alles mitzuschreiben. Hui. Hier packte mich zum ersten Mal dann wieder meine Panik und Angst. Wie sollte ich in der Lage sein, bei dieser Vorlesung gut mitzukommen und alles zu notieren? Ich war erst einmal damit beschäftigt, den Dozenten akustisch zu verstehen. Und dann musste ich auch inhaltlich noch kapieren, was er sagte. Manchmal nicht schwer, oftmals fehlte mir dann aber das eine oder andere Wort, und durch ein weiteres, das akustisch fehlte fehlten mir oft verständnishalber ganze Sätze. Ich versuchte, wenn möglich alles auf englisch mitzuschreiben - das grenzte schon fast an Musikwissenschaft, und das in der ersten Stunde. Die Vorlesung ist sicher spannend, aber es wird viel verlangt. Zumindest von mir, denn die doppelte Belastung von inhaltlichem Mitdenken und Sprachverständnis setzte mir doch sehr zu. Für englischsprachige war es vielleicht nicht so schlimm ;) Nach den 75 Minuten jedenfalls war ich fertig. Fix und. Und mein Männlein im Kopf fragte mich, wie ich das vier Monate lang durchhalten soll... Nach einem kurzen Treffen mit A., in dem sich meine Kopfschmerzen dann langsam zu erkennen gaben, ging ich mal wieder Geld ausgeben - im Bookstore ;) Schließlich musste jetzt auch noch das Buch für die Jazzvorlesung gekauft werden. Im entsprechenden Fach lag aber nur ein Hardcoverbuch, der Dozent hatte ganz sicher aber ein Softcover gehabt. In Deutschlant hätte ich das wohl einfach gekauft, hier aber war ich unsicher. Stimmte das nun? War das eine falsche Ausgabe? Also ging ich in dem Chaos auf die Suche nach einem Angestellten, der mir würde helfen können. Nach ein paar Minuten fand ich auch einen, sprach ihn an, erklärte mein Problem - und bekam als Antwort erst einmal ein "Are you German?". Whäm. Mist. "Ähm,, yes, I am..." - "Okay, dann komm mal mit. Ich bin auch aus Deutschland, ich lebe hier nur..." War ich doch tatsächlich an den wohl einzigen deutschen Bookstoremitarbeiter hier geraten. Naja, weiß ich natürlich nicht mit Sicherheit, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch hoch. Jedenfalls half er mir dann mehr oder weniger weiter (das würde schon stimmen, wenn nicht - eben bis zu einem bestimmten Termin zurückgeben). Diesmal musste ich nicht ganz so lange anstehen, der Mittagspausenansturm war vorbei, zehn Minuten waren es aber trotzdem.
Eigentlich hatte ich in der Pause zwischen Jazz und Yoga ein wenig üben wollen. Ich fühlte mich aber völlig ausgelaugt, leer und erschöpft - keine guten Voraussetzungen. Also beschloss ich, noch mal etwas zu "Mittag" zu essen und die restliche halbe Stunde zu lesen (wofür trage ich auch immer meinen Kindle mit mir rum). Ich wanderte von einem Ort zum nächsten - von draußen nach innen, vom Untergeschoss nach oben, aber nirgendwo blieb ich länger als fünf Minuten. Draußen zu kalt, unten zu dunkel, oben zu laut. Also gab ich auf und suchte A. auf, mit der ich dann gemeinsam zu Yoga lief. Dort warteten schon einige, und aus den einigen wurden viele. Im Raum dann (ausgelegt mit Matten für Judo, Karate oder so was) waren wir schließlich eine ganze Menge. A. und ich hatten uns auf der Toilette umgezogen, Umkleideräume schien es hier nicht zu geben. Die Dozentin sprach davon, dass sie letztendlich doch 55 Leute in diese Klasse lassen würde, das sei das äußerste Maximum. Ja, sehe ich ähnlich... 55 Leute in dem Raum sind wirklich ein Haufen. Wir besprachen den Stundenplan für das Semester und einige wenige Regeln (nicht mit Schuhen auf die Matten und so...), und dann machten wir noch eine Atemübung. Oder so. Wir legten uns in vier Reihen hin, das Licht wurde gelöscht und sie begann zu reden. Und ich - zu frieren. Es war so kalt, ich zitterte am ganzen Körper. Merke - ich brauche dringend einen warmen Yoga-Pulli für die ruhigen Übungen! Die Dunkelheit und meine Erschöpfung, gepaart mit Kopfweh und Müdigkeit führten schließlich dazu, dass ich - richtig, einschlief. Nicht richtig, nicht fest, aber ich fühlte mich schon ein wenig... weggetreten. Die erste Stunde endete dann auch schon recht früh - nämlich nach einer Stunde ( ;) ) anstatt nach zwei.
Und wieder führte mich mein Weg danach in den Bookstore, zum dritten Mal am heutigen Tage. Wieso? Weil ich beschlossen hatte, mir einen SFSU-Pulli zuzulegen, wenn es denn meinen Wunschpulli in meiner Größe gab, denn ich brauchte ja nun eh einen Schlabberpulli für Yoga, warum nicht zwei Fliegen... und so weiter. Tja, meinen gabs aber nicht, also zog ich dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Wo ich mal wirklich Glück hatte, denn kaum hatte ich die Bushaltestelle betreten fuhr meiner auch schon ein. Das nennt man Timing! Ich fahre ja immer nach Hause, zur Uni hin laufe ich. Ich finde, das ist ein guter Kompromiss :)
Ich freute mich darauf, mich nach meinem ersten Unitag ein wenig auszuruhen, was zu essen und im Internet zu surfen. Tja, zu früh gefreut, denn mein Internet funktionierte nicht. Probleme mit der Verbindung, was weiß ich... ich hoffe, das passiert nicht öfter. Ich wollte nämlich auch unbedingt meine Mails checken und in meinen Uniaccount, um zu schauen, ob sich wegen irgendwelcher Kurse (mit ganz viel Glück ja vielleicht auch was mit dem Klavierunterricht?) irgendetwas getan hatte. Nach einer Stunde dann war mein Internet weniger zickig und ich konnte loslegen - ich war unnötig hibbelig gewesen. Es war alles beim alten.
Irgendwann hatte ich Lust, noch ein bisschen was zu essen, also ging ich in die Küche und machte mir Müsli (hach, ich genieße es, wirklich! Das ist eine der wenigen tollen Sachen hier, was das Essen angeht). E. war zufällig auch gerade da. Und sie fragte mich, ob am Montag ein Päckchen für eine S. gekommen war. Hm, ja, sagte ich. Ich hatte nicht gewusst, wer das war und hatte den UPS-Menschen nach oben zu unseren Vermietern geschickt. Vielleicht war das ja meine Vormieterin? Tja, dummerweise ist E. auch S. Hier in Kalifornien, erzählte sie mir nämlich, habe sie ihren Zweitnamen zu ihrem Rufnamen gemacht. Und die Vermieterin hatte den UPS-Menschen abgewiesen, genau wie ich. Und das Päckchen war jetzt ganz wo anders gelandet. Oh man... das war mir schon sehr unangenehm. Ich meine, ich kann das ja nicht wissen, aber es ist trotzdem meine Schuld. Ganz schön dumm gelaufen. Sie machte mir auch keine Vorwürfe - einfach, dass ich es für die Zukunft wisse. Mist. Warum passiert so was auch immer mir ;)
Wenigstens war unsere Unterhaltung danach ganz nett. Wir unterhielten uns sicher mindestens eine halbe Stunde, wenn nicht länger - über dies und jenes.
Um elf beschloss ich, ins Bett zu gehen - und gerade in dem Moment riefen meine Eltern an. Nach einem doch recht kurzem Telefonat verließ ich dann mein Zimmer in Richtung Bad, und stolperte wieder über E. Die mich fragte, ob ich das Erdbeben gespürt hatte. Äh, hä? Erd... was? Hier? Jetzt? Gerade? Ne. Ups.
Ich meine, ja, ich hatte mich irgendwie seltsam auf meinen Beinen gefühlt, aber eher so, wie wenn man müde ist (oder beschwipst... zumindest stelle ich mir das vor). Von einer sich bewegenden Erde hatte ich nichts mitbekommen, und selbst ersteres kam mir erst beim hinterher-darüber-nachdenken in den Sinn. Immerhin war es ein Beben der Stärke 3,6 gewesen. Und ich habs halt einfach mal so verpasst, mein erstes Beben hier in SF.
Schließlich fand ich meinen Weg aber doch noch ins Bett. Morgen musste ich schließlich früh raus, schon um 8 würde mein erster Kurs beginnen: Class Piano. Da hatte ich mich letzte Woche zur Not eingeschrieben, weil ich keinen Unterricht hatte. Eigentlich hatte ich keine Lust, da hinzugehen - an Gruppenunterricht zu 20t hatte ich kein wirkliches Interesse. Und außerdem - Montags und Mittwochs immer so früh aufstehen? Wha! ;) Aber A. hatte gemeint, ich solle zumindest ein Mal hingehen. Das sagte ich mir auch - ein Mal kann nicht schaden. Und außerdem würde die einzige verbliebene Klavierdozentin an der SFSU dieses Fach unterrichten. Sie mal kennenzulernen wäre vielleicht auch mal ganz gut.
Nachdem ich mein erstes Buch auf dem Kindle gestern Abend fertiggelesen hatte, hatte ich mir heute Band zwei gekauft, damit machte ich es mir dann im Bett bequem und las noch ein, zwei Seiten, bis meine Augen vor Müdigkeit schließlich zufielen.
Montag, 22. August 2011
Tag 15 (22.08.)
Ein freier Tag! Nur für mich! Ich kann tun und lassen, was ich will, bevor der Ernst des Lebens losgeht, die Uni. Nach langem Ausschlafen (gut, so lang wars gar nicht für meine Verhältnisse) wollte ich mir heute Frühstück machen. Aufbackbrötchen, die ich noch aus Deutschland mitgebracht habe. Im Ofen. Im Gasofen. Ja, man kann sich denken, was jetzt kommt... Während ich mit dem Gasherd ja schon ganz gut zurechtkomme scheint der Ofen mich nicht zu mögen. Zwar hat mir niemand erklärt, wie dieser funktioniert, aber ich dachte mir, so schwer kann das nicht sein... Wars auch nicht. Hab eine Temperatur eingestellt, die Brötchen rein und gewartet. Bis ich nach ungefähr fünf Minuten ein schrilles, sehr schrilles Piepen aus der Küche hörte... Der Rauchmelder! Zu Tode erschrocken drehte ich den Ofen aus und öffnete das rauchende Ding. Mehr als Rauch kam da aber auch nicht heraus... ich weiß bis jetzt nicht, wieso der so rauchte. Als ich abends E. danach fragte meinte sie, der rauche öfters... es gab mal eine Zeit, da hatten sie den Rauchmelder abgestellt, weil er jedes Mal anging. Und sie zeigte mir, wie ich den Ofen benutzen solle - anders hatte ich es auch nicht gemacht. Hm. Naja, mal abwarten wann ich wieder Zeit zum experimentieren habe...
Jedenfalls gab es zum Frühstück dann "nur" Milch mit Müsli. Und zum Mittagessen auch, denn ich wollte endlich los. Heute standen CVS (eine Art Apotheke, angeblich) und Wholefoods, eine große Biomarktkette, auf dem Plan. Dafür fuhr ich mal wieder nach Downtown, wo ich nach dem Aussteigen mal wieder die Launenhaftigkeit SFs zu spüren bekam. In Downtown war nämlich, im Gegensatz zu meiner Gegend, mal wieder herrlichstes Wetter. Ich zog also Fließjacke und Jeansjacke aus - und öffnete sogar später meine Pullijacke! Das war vielleicht ein seltsames Gefühl. Ohne Witz, ich sah mehrmals an mir herunter, ob ich auch wirklich ein Shirt anhatte, denn ich fühlte mich so... nackt ;) Ungewohnt einfach. Von den Temperaturen, die momentan in Deutschland herrschen, kann ich ja nur träumen. Zumindest außerhalb von Downtown ;)
Auf dem Weg zur CVS lief ich an einem Ross vorbei. Diese Filiale gefiel mir irgendwie besser, keine Ahnung wieso... Eigentlich wollte ich nur schnell nach einem Brotmesser schauen, kam aber mal wieder mit unnötigem Kruscht heraus. Und ohne Brotmesser. Mist. Ross ist einfach schrecklich...
Ich stellte dann fest, dass die CVS keine gewöhnliche Apotheke ist, wie wir sie kennen. Diese Kette ist aufgebaut wie ein gewöhnlicher Supermarkt, nur mit nicht allzuvielen Lebensmitteln (auch wenn es ein paar wenige gibt), sondern eher mit anderen Artikeln. Drogerieartikel, Getränke und so. Und natürlich Pharmaziezeug ;) Hier fand ich endlich das Tierversuchs- und Silikonfreie Shampoo, dass ich schon lange gesucht habe. Ich hatte drei Marken auf meiner Liste, das war die letzte. Ich hatte die Hoffnung, dass ich noch was günstigeres finden würde, unter 8 $, aber da hab ich wohl umsonst gehofft. Ich erstand also je einen Conditioner und ein Shampoo für 8 $ - oh mein Gott. Wenigstens riecht das Zeug gut... Außerdem kaufte ich noch eine Portion Vitamine. Die brauche ich ja dringend, und mein Vorrat geht langsam zur Neige. Zur einer Packung gabs noch eine zweite kostenlos dazu, also bin ich jetzt im Besitz von 300 Vitamintabletten ;) Zu guter Letzt gabs auch noch Laktrase in meinem Einkaufskorb. Alles in allem ein seeehr teures Vergnügen... Aber immerhin muss ich mir in dieser Richtung erst mal keine Gedanken mehr machen.
Nach einem Zwischenstopp im Wallgreens (ich musste mich ja mit diesem Chemiegeschmackspulver für Wasser eindecken... dabei entdeckte ich auch zuckerfreies Vanillepuddingpulver. Mal schauen ob das geht...) gings auf zum Wholefoods. Ich entdeckte einen kleinen Park und war schon versucht, mich bei der Sonne einfach auf die Wiese zu legen und ein wenig zu lesen, aber andererseits wollte ich auch bald nach Hause. Einkaufen ist anstrengend ;) Im Wholefoods machte ich, entgegen meiner Erwartungen, keine großen neuen Entdeckungen mehr. Die meisten Sachen, die es hier gab, hatte ich schon an anderen Orten gesehen. Ein neues Müsli entdeckte ich, das wars aber eigentlich auch schon. Wenigstens gab ich da nicht so viel Geld aus ;) Auf dem Rückweg machte ich noch Stop im Trader Joes, um meinen Vorrat an laktosefreier Milch aufzustocken und neues Brot einzukaufen. Ciabatta, mmhmm...
Todmüde kam ich dann, immerhin noch im Hellen, zu Hause an. Und verbrachte den Abend mit... ja, mit was eigentlich? ;) Der ging mal wieder schneller vorbei, als ich gucken konnte, vor allem, weil ich mal ausnahmsweise wirklich pünktlich im Bett war. Nachdem ich meinen Rucksack für den morgigen Tag vorbereitet hatte, selbstverständlich. Wie vor einem ersten Schultag ;)
Ich habe übrigens halbwegs aufgegeben. Ich werde es wohl so machen wie alle Amerikaner auch - mich mit Lactrase vollpumpen und normal essen. Mir bleibt kaum was anderes übrig...
Nun bin ich schon zwei Wochen hier. Unglaublich... zwei Wochen sind so die Zeit, nach der ich normalerweise wieder nach Hause fahre. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich schon mal länger von Zuhause weg war als zwei Wochen... Zumindest fällt mir gerade nichts ein. An meinem Uniort, natürlich, aber das zählt nicht. Das ist ja auch ein bisschen Zuhause. Es ist wirklich seltsam. zum Glück ist A. hier, ohne sie würde ich das wohl nicht durchstehen. Wobei, ohne sie wäre ich vermutlich auch nicht geflogen ;)
Jedenfalls gab es zum Frühstück dann "nur" Milch mit Müsli. Und zum Mittagessen auch, denn ich wollte endlich los. Heute standen CVS (eine Art Apotheke, angeblich) und Wholefoods, eine große Biomarktkette, auf dem Plan. Dafür fuhr ich mal wieder nach Downtown, wo ich nach dem Aussteigen mal wieder die Launenhaftigkeit SFs zu spüren bekam. In Downtown war nämlich, im Gegensatz zu meiner Gegend, mal wieder herrlichstes Wetter. Ich zog also Fließjacke und Jeansjacke aus - und öffnete sogar später meine Pullijacke! Das war vielleicht ein seltsames Gefühl. Ohne Witz, ich sah mehrmals an mir herunter, ob ich auch wirklich ein Shirt anhatte, denn ich fühlte mich so... nackt ;) Ungewohnt einfach. Von den Temperaturen, die momentan in Deutschland herrschen, kann ich ja nur träumen. Zumindest außerhalb von Downtown ;)
Auf dem Weg zur CVS lief ich an einem Ross vorbei. Diese Filiale gefiel mir irgendwie besser, keine Ahnung wieso... Eigentlich wollte ich nur schnell nach einem Brotmesser schauen, kam aber mal wieder mit unnötigem Kruscht heraus. Und ohne Brotmesser. Mist. Ross ist einfach schrecklich...
Ich stellte dann fest, dass die CVS keine gewöhnliche Apotheke ist, wie wir sie kennen. Diese Kette ist aufgebaut wie ein gewöhnlicher Supermarkt, nur mit nicht allzuvielen Lebensmitteln (auch wenn es ein paar wenige gibt), sondern eher mit anderen Artikeln. Drogerieartikel, Getränke und so. Und natürlich Pharmaziezeug ;) Hier fand ich endlich das Tierversuchs- und Silikonfreie Shampoo, dass ich schon lange gesucht habe. Ich hatte drei Marken auf meiner Liste, das war die letzte. Ich hatte die Hoffnung, dass ich noch was günstigeres finden würde, unter 8 $, aber da hab ich wohl umsonst gehofft. Ich erstand also je einen Conditioner und ein Shampoo für 8 $ - oh mein Gott. Wenigstens riecht das Zeug gut... Außerdem kaufte ich noch eine Portion Vitamine. Die brauche ich ja dringend, und mein Vorrat geht langsam zur Neige. Zur einer Packung gabs noch eine zweite kostenlos dazu, also bin ich jetzt im Besitz von 300 Vitamintabletten ;) Zu guter Letzt gabs auch noch Laktrase in meinem Einkaufskorb. Alles in allem ein seeehr teures Vergnügen... Aber immerhin muss ich mir in dieser Richtung erst mal keine Gedanken mehr machen.
Nach einem Zwischenstopp im Wallgreens (ich musste mich ja mit diesem Chemiegeschmackspulver für Wasser eindecken... dabei entdeckte ich auch zuckerfreies Vanillepuddingpulver. Mal schauen ob das geht...) gings auf zum Wholefoods. Ich entdeckte einen kleinen Park und war schon versucht, mich bei der Sonne einfach auf die Wiese zu legen und ein wenig zu lesen, aber andererseits wollte ich auch bald nach Hause. Einkaufen ist anstrengend ;) Im Wholefoods machte ich, entgegen meiner Erwartungen, keine großen neuen Entdeckungen mehr. Die meisten Sachen, die es hier gab, hatte ich schon an anderen Orten gesehen. Ein neues Müsli entdeckte ich, das wars aber eigentlich auch schon. Wenigstens gab ich da nicht so viel Geld aus ;) Auf dem Rückweg machte ich noch Stop im Trader Joes, um meinen Vorrat an laktosefreier Milch aufzustocken und neues Brot einzukaufen. Ciabatta, mmhmm...
Todmüde kam ich dann, immerhin noch im Hellen, zu Hause an. Und verbrachte den Abend mit... ja, mit was eigentlich? ;) Der ging mal wieder schneller vorbei, als ich gucken konnte, vor allem, weil ich mal ausnahmsweise wirklich pünktlich im Bett war. Nachdem ich meinen Rucksack für den morgigen Tag vorbereitet hatte, selbstverständlich. Wie vor einem ersten Schultag ;)
Ich habe übrigens halbwegs aufgegeben. Ich werde es wohl so machen wie alle Amerikaner auch - mich mit Lactrase vollpumpen und normal essen. Mir bleibt kaum was anderes übrig...
Nun bin ich schon zwei Wochen hier. Unglaublich... zwei Wochen sind so die Zeit, nach der ich normalerweise wieder nach Hause fahre. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich schon mal länger von Zuhause weg war als zwei Wochen... Zumindest fällt mir gerade nichts ein. An meinem Uniort, natürlich, aber das zählt nicht. Das ist ja auch ein bisschen Zuhause. Es ist wirklich seltsam. zum Glück ist A. hier, ohne sie würde ich das wohl nicht durchstehen. Wobei, ohne sie wäre ich vermutlich auch nicht geflogen ;)
Tag 14 (21.08.)
Wieder einmal lang schlafen :) Auf 10 hatte ich meinen Wecker gestellt und wurde dann auch so geweckt. Heute stand ja ein ausgeweiteter Spaziergang mit B. und ihrem Partner auf dem Programm, da durfte ich nicht zu spät kommen. Morgens testete ich mal mein neues "Müsli" mit Milch, schien einigermaßen gut zu gehen.
Da ich dummerweise vor A. bei B. eintraf, B. aber noch unterwegs war und A. eben noch nicht da hatte ich etwas Zeit zu vertrödeln und nahm das zum Anlass, endlich mal an den Strand zu gehen. B. wohnt ja direkt am Strand - und obwohl ich 4 Nächte bei ihr gelebt habe hatte ich nie die Möglichkeit oder Kraft, die 100 Meter runter zu laufen. Der Sand am Strand war erstaunlich weich, und ich kann mir vorstellen, dass es bei Sonne richtig schön sein muss. Dummerweise schien die Sonne natürlich nicht ;)


Bei B. kochte ich mir dann noch schnell Reis zum Mittagessen, während wir auf B. warteten. Als sie dann kam erfuhr ich auch noch ein bisschen mehr zum Stand meines Klavierunterrichts. Ihr wurde nämlich gesagt, dass man, um Unterricht zu bekommen, auch die anderen Theoriefächer wie Gehörbildung, Kontrapunkt und Musikgeschichte belegen muss. Was ich etwas... hm, blöde finde, denn das habe ich alles schon abgeschlossen und Prüfungen abgelegt. Irgendwie sehe ich nicht ein, das hier noch einmal zu machen. Und ja, deren "Berechnungen", welche Fächer ich belege, beruhten nachweislich auf meiner Angabe aus dem Januar. Toll, nicht wahr... Und anstatt mir das zu sagen (im Januar) haben sies einfach auf dich beruhen lassen. Nett. Ich mein, ist ja nicht so, dass Klavier mein Hauptfach wäre oder so... und dass ich eine Studentin bin, die ein anderes System gewohnt ist und man davon ausgeht, ich wüsste alles... DAS stand nämlich wirklich nirgendwo. Aber seis drum, ich habe mich zwar gestern wieder mächtig aufgeregt, aber andererseits machts mir auch nur alles kaputt. Jetzt bin ich schon mal hier und muss versuchen, das Beste draus zu machen.
Gegen halb drei fuhren wir dann los, in den Financial District, um dort das Auto abzustellen und loszulaufen. Unterwegs, haltet euch fest, fragte B.s Partner uns doch tatsächlich, ob wir diesen einen Film, Star Wars heißt der, kennen würden. :D Minimal ;) Es gäbe da nämlich irgendwo (wo hab ich leider nicht ganz kapiert, aber ich kann ihn ja einfach noch mal fragen) irgendwelche Statuen oder Figuren... als ich relativ enthusiastisch "ja" erwiederte (*hust*) erzählte mir B. - haltet euch noch mal fest, fester diesmal, dass sie jemanden kennen würde, der bei LucasArts arbeitet. Oh mein Gott! Herzinfarktgefahr ;) Ich meine, es ist relativ unwahrscheinlich, dass er mir irgendwas zeigen wird, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen ;)
Im Financial District fanden wir auch nach etwas Suche auch einen Parkplatz.
Und standen kurz darauf in einem bekannten Hotel (Palace Hotel), das einen wunderschönen Raum beinhalten sollte.
Angeblich versuchten mehrere andere Hotels, sich hier Inspiration zu holen. Das ursprüngliche Hotel war beim großen Erdbeben wie so vieles wohl ziemlich zerstört worden, das hier wurde dann neu aufgebaut. Ich fand das ja etwas seltsam, in ein Hotel reinzulaufen, um sich einen Raum anzusehen, aber anscheinend war das gar nicht sooo seltsam, wie ich dachte. Besagter Raum war gleich am Eingang, genutzt vermutlich als Speisesaal. Und während wir da so standen und unauffällig ein, zwei Fotos machten, sprach uns der Sicherheitsmann an, der da stand. Ich dachte schon "Ups, war wohl zu auffällig - jetzt werden wir wohl rauskatapultiert." Stattdessen bot er uns an, ein Gruppenfoto von uns zu machen und erzählte uns dann uns danach ein wenig über die Geschichte dieses Raumes und wozu er früher genutzt wurde.
Ein paar Meter weiter traten wir in noch ein Gebäude - fragt mich bloß nicht, was für eines. Eine Bank, oder so, glaube ich... jedenfalls gab es dort im Eingangsbereich irgendein Deckengemälde zu sehen. Die Portierdame (gibts davon eigentlich eine weibliche Variante?) wies uns darauf hin, dass im Innenhof noch ein paar Statuen zu sehen waren, die wir uns dann auch noch ansahen. Ich finds faszinierend, dass man sich da die Kunstwerke in semiöffentlichen Gebäuden einfach so anschauen darf...
Jetzt startete unsere wahre Tour. Wir liefen durch eine wahnsinnig teure Einkaufsstraße - Armani, Prada und Co. an jeder Ecke.
Direkt im Anschluss dann begann Chinatown. Das Touristenchinatown ;) Chinesische Kruschtelläden, einer nach dem anderen. Die Postkarten waren hier übrigens so günstig wie nirgendwo, so als Tipp...
Chinatown in San Francisco ist nach dem in New York übrigens das größte in den USA. Abseits der Touristraße sieht es dann schon ganz anders aus. Kleidung hängt aus den Fenstern, die Straßen sind schmutzig, die Leute meistens arm.
Mitten in Chinatown dann aßen wir zu Mittag/Abend, mittlerweile waren wir alle hungrig und es war schon fünf Uhr nachmittags. Hier gab es ein veganes Restaurant, das ziemlich gemütlich aussah. Auch für mich fand sich etwas zu essen - Nudeln. Hab schon ewig keine Nudeln mehr gegessen... Daher schmeckten die vermutlich doppelt so gut.
Danach ging es weiter, hier war/ist ein kleiner italienischer Bezirk, erkennbar an diversen Flaggen hier und dort. Unsere Wanderung führte uns aufwärts, immer weiter aufwärts.
In San Francisco ist das ja nun nichts allzu außergewöhnliches, die "Hügel" sind ja überall in der Stadt vorhanden. Diesmal ging es aber ein bisschen weiter aufwärts, als ich es normalerweise gewöhnt bin. Ziel war der Coit Tower.
Mittlerweile war die Sonne schon am untergehen, es war kurz nach sieben - und wir hofften, der Hügelaufstieg habe sich gelohnt und wir könnten noch mit dem Aufzug hochfahren. Als wir auf die Plattform unterhalb des Turmes traten eröffnete sich plötzlich eine wunderschöne Aussicht auf den Nordteil San Franciscos, das Meer, die Schiffe, ... und das Ganze mit einer zwar nicht untergehenden Sonne, die war wo anders, aber mit einem bezaubernden Licht, das viele Aussichten in den Schatten stellte, die ich bisher erblicken durfte.
Ganz ehrlich? Als wir schließlich oben auf dem Turm waren (zum Glück hatten die ein wenig länger offen als normal, normalerweise geht um sieben der letzte Aufzug) war die Aussicht gar nicht mehr so schön. Unten, in der Realität, auf echtem Boden, ohne viel menschliche Hand war alles irgendwie natürlicher gewesen. Nicht, dass die Aussicht oben nicht schön war ;) Nur irgendwie hatte sie mir unten besser gefallen.
Nach dem Runterfahren (seltsamerweise hatte ich gar keine Höhenangst da oben? Gut, die Fenster waren verschlossen und alles, aber naja, seltsam. Juhu!) besahen wir uns noch die Wandgemälde innerhalb des Turmes. Abwärts ging es dann über ein paar Treppen mit ein paar hübschen Blümchen und Pflanzen drumherum, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Eigentlich wollte ich mir noch eine Kirche ansehen, es war allerdings schon fast dunkel und ich todmüde. Meiner Meinung nach brauchen Kirchen Tageslicht, um zu wirken, also meinte ich, wir verschieben das einfach auf später. Irgendwann. Hoffentlich ;) Immerhin spazierten wir noch in einen original italienischen Coffeeshop, mit einer Opernjukebox und leckeren Keksen. Unter anderem in dem Coffeeshop schrieb Coppolla übrigens am Paten ;)
Langsam wollte ich ehrlich gesagt nur noch Heim. Der Nachmittag war wunderschön gewesen, endlich habe ich einmal etwas von San Francisco gesehen! Mein erster Sightseeing-Nachmittag. Wurde ja auch langsam Zeit. Einen kurzen Zwischenstop gab es aber noch, bevor wir uns auf den Weg zum Auto machten. City Lights Bookstore ist einer der wenigen wirklich unabhängigen Buchläden in SF, aber da hier Bücherkaufen für mich relativ uninteressant ist (kann sie ja doch nicht mitnehmen) und ich außerdem fürchterlich erschöpft war konnte ich da nicht mehr viel aufnehmen.
Zurück gings dann zum Auto, wieder in den Financial District, von dem aus wir gestartet waren. Unterwegs gabs noch einen kurzen Halt am Wallgreens, weil A. unbedingt noch einen Fön brauchte, dann waren wir gegen zehn Uhr abends bei B. zu Hause. Ingesamt mag das, was ich gesehen habe, gar nicht so viel klingen, aber wir waren sehr viel und lange unterwegs.
Dementsprechend müde waren wir auch alle. B.s Partner fuhr A. und mich sogar noch nach Hause - es sei zu spät, um uns alleine zu schicken. Wie lieb! Vielleicht gut so, wer weiß, vielleicht wäre ich in der Bahn aus lauter Müdigkeit eingeschlafen.
Wirklich, es war ein sehr schöner Tag. Das Wetter spielte zwar mal wieder nicht mit, denn es wehte ein eisiger Wind (ich zog zum ersten Mal meine halben Handschuhe an) - nichtsdestotrotz lenkte der Tag doch ein wenig vom Stress und von Heimweh ab.
Ich muss sagen, meistens geht es mir jetzt wirklich gut. Mein Zimmer ist schön, ich fühle mich wohl hier. Ich danke allen möglichen Mächten dafür, dass ich dieses erste Zimmer an meinem Ankunftstag verpasst habe. Es hat mich zwar so einiges an Nerven und farbigen Haaren gekostet, aber das war es Wert. Ich hätte in diesem Zimmer nie, niemals so zufrieden werden können wie ich es hier kann. Hier habe ich die Möglichkeit, mir ein wirkliches temporäres Zuhause aufzubauen. Es ist wirklich schön hier, ich wünschte, ich könnte es euch allen richtig zeigen! Der megasteile Hügel, den ich zu meinem Bus besteigen muss, ist zwar hart, aber naja, aus Faulheit laufe ich eben die 20 Minuten zur Uni ;) Das Heimweh übermannt mich momentan selten, aber wenn es kommt, dann meist unerwartet und in seltsamen Situationen. Wie am Samstag, als ich mit A. im H&M stand und aus dem Radio plötzlich "Satellite" kam. Irgendwie verknüpfe ich mit dem Lied nun mal mein Zuhause, ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meiner Mutter den Grand Prix geschaut habe (und was zu dem Zeitpunkt noch so alles los war...). Oder aber wie heute, als ich aus dem Auto einen Smart sah. Die sieht man hier wirklich nicht oft, aber da ich selbst in den letzten fünf Jahren fast nur Smart gefahren bin erinnert mich das sehr an Daheim. Es sind seltsame Situationen. Meistens vergehen sie wieder recht schnell, aber sie sind da. Ich bin momentan in der Lage zu sagen, dass ich die verbleibenden fünf Monate hier, die es noch genau sind, vermutlich durchhalten werde. Und keinen Rückzieher mache (auch wenn man vielleicht noch abwarten muss, bis die Uni losgeht ;) ). Aber dennoch, auch wenn ich mich hier wohl fühle, die Stadt kennenlerne und mich hier insgesamt langsam einlebe - zwei Semester würde ich nicht durchhalten. Das weiß ich genau, und ich bin froh darüber, dass ich bei meiner Wahl von einem Semester geblieben bin.
In dem Sinne, auf schöne fünf Monate.
Da ich dummerweise vor A. bei B. eintraf, B. aber noch unterwegs war und A. eben noch nicht da hatte ich etwas Zeit zu vertrödeln und nahm das zum Anlass, endlich mal an den Strand zu gehen. B. wohnt ja direkt am Strand - und obwohl ich 4 Nächte bei ihr gelebt habe hatte ich nie die Möglichkeit oder Kraft, die 100 Meter runter zu laufen. Der Sand am Strand war erstaunlich weich, und ich kann mir vorstellen, dass es bei Sonne richtig schön sein muss. Dummerweise schien die Sonne natürlich nicht ;)


Bei B. kochte ich mir dann noch schnell Reis zum Mittagessen, während wir auf B. warteten. Als sie dann kam erfuhr ich auch noch ein bisschen mehr zum Stand meines Klavierunterrichts. Ihr wurde nämlich gesagt, dass man, um Unterricht zu bekommen, auch die anderen Theoriefächer wie Gehörbildung, Kontrapunkt und Musikgeschichte belegen muss. Was ich etwas... hm, blöde finde, denn das habe ich alles schon abgeschlossen und Prüfungen abgelegt. Irgendwie sehe ich nicht ein, das hier noch einmal zu machen. Und ja, deren "Berechnungen", welche Fächer ich belege, beruhten nachweislich auf meiner Angabe aus dem Januar. Toll, nicht wahr... Und anstatt mir das zu sagen (im Januar) haben sies einfach auf dich beruhen lassen. Nett. Ich mein, ist ja nicht so, dass Klavier mein Hauptfach wäre oder so... und dass ich eine Studentin bin, die ein anderes System gewohnt ist und man davon ausgeht, ich wüsste alles... DAS stand nämlich wirklich nirgendwo. Aber seis drum, ich habe mich zwar gestern wieder mächtig aufgeregt, aber andererseits machts mir auch nur alles kaputt. Jetzt bin ich schon mal hier und muss versuchen, das Beste draus zu machen.
Gegen halb drei fuhren wir dann los, in den Financial District, um dort das Auto abzustellen und loszulaufen. Unterwegs, haltet euch fest, fragte B.s Partner uns doch tatsächlich, ob wir diesen einen Film, Star Wars heißt der, kennen würden. :D Minimal ;) Es gäbe da nämlich irgendwo (wo hab ich leider nicht ganz kapiert, aber ich kann ihn ja einfach noch mal fragen) irgendwelche Statuen oder Figuren... als ich relativ enthusiastisch "ja" erwiederte (*hust*) erzählte mir B. - haltet euch noch mal fest, fester diesmal, dass sie jemanden kennen würde, der bei LucasArts arbeitet. Oh mein Gott! Herzinfarktgefahr ;) Ich meine, es ist relativ unwahrscheinlich, dass er mir irgendwas zeigen wird, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen ;)
Im Financial District fanden wir auch nach etwas Suche auch einen Parkplatz.
Und standen kurz darauf in einem bekannten Hotel (Palace Hotel), das einen wunderschönen Raum beinhalten sollte.
Angeblich versuchten mehrere andere Hotels, sich hier Inspiration zu holen. Das ursprüngliche Hotel war beim großen Erdbeben wie so vieles wohl ziemlich zerstört worden, das hier wurde dann neu aufgebaut. Ich fand das ja etwas seltsam, in ein Hotel reinzulaufen, um sich einen Raum anzusehen, aber anscheinend war das gar nicht sooo seltsam, wie ich dachte. Besagter Raum war gleich am Eingang, genutzt vermutlich als Speisesaal. Und während wir da so standen und unauffällig ein, zwei Fotos machten, sprach uns der Sicherheitsmann an, der da stand. Ich dachte schon "Ups, war wohl zu auffällig - jetzt werden wir wohl rauskatapultiert." Stattdessen bot er uns an, ein Gruppenfoto von uns zu machen und erzählte uns dann uns danach ein wenig über die Geschichte dieses Raumes und wozu er früher genutzt wurde.
Ein paar Meter weiter traten wir in noch ein Gebäude - fragt mich bloß nicht, was für eines. Eine Bank, oder so, glaube ich... jedenfalls gab es dort im Eingangsbereich irgendein Deckengemälde zu sehen. Die Portierdame (gibts davon eigentlich eine weibliche Variante?) wies uns darauf hin, dass im Innenhof noch ein paar Statuen zu sehen waren, die wir uns dann auch noch ansahen. Ich finds faszinierend, dass man sich da die Kunstwerke in semiöffentlichen Gebäuden einfach so anschauen darf...
Jetzt startete unsere wahre Tour. Wir liefen durch eine wahnsinnig teure Einkaufsstraße - Armani, Prada und Co. an jeder Ecke.
Direkt im Anschluss dann begann Chinatown. Das Touristenchinatown ;) Chinesische Kruschtelläden, einer nach dem anderen. Die Postkarten waren hier übrigens so günstig wie nirgendwo, so als Tipp...
Chinatown in San Francisco ist nach dem in New York übrigens das größte in den USA. Abseits der Touristraße sieht es dann schon ganz anders aus. Kleidung hängt aus den Fenstern, die Straßen sind schmutzig, die Leute meistens arm.
Mitten in Chinatown dann aßen wir zu Mittag/Abend, mittlerweile waren wir alle hungrig und es war schon fünf Uhr nachmittags. Hier gab es ein veganes Restaurant, das ziemlich gemütlich aussah. Auch für mich fand sich etwas zu essen - Nudeln. Hab schon ewig keine Nudeln mehr gegessen... Daher schmeckten die vermutlich doppelt so gut.
Danach ging es weiter, hier war/ist ein kleiner italienischer Bezirk, erkennbar an diversen Flaggen hier und dort. Unsere Wanderung führte uns aufwärts, immer weiter aufwärts.
In San Francisco ist das ja nun nichts allzu außergewöhnliches, die "Hügel" sind ja überall in der Stadt vorhanden. Diesmal ging es aber ein bisschen weiter aufwärts, als ich es normalerweise gewöhnt bin. Ziel war der Coit Tower.
Mittlerweile war die Sonne schon am untergehen, es war kurz nach sieben - und wir hofften, der Hügelaufstieg habe sich gelohnt und wir könnten noch mit dem Aufzug hochfahren. Als wir auf die Plattform unterhalb des Turmes traten eröffnete sich plötzlich eine wunderschöne Aussicht auf den Nordteil San Franciscos, das Meer, die Schiffe, ... und das Ganze mit einer zwar nicht untergehenden Sonne, die war wo anders, aber mit einem bezaubernden Licht, das viele Aussichten in den Schatten stellte, die ich bisher erblicken durfte.
Ganz ehrlich? Als wir schließlich oben auf dem Turm waren (zum Glück hatten die ein wenig länger offen als normal, normalerweise geht um sieben der letzte Aufzug) war die Aussicht gar nicht mehr so schön. Unten, in der Realität, auf echtem Boden, ohne viel menschliche Hand war alles irgendwie natürlicher gewesen. Nicht, dass die Aussicht oben nicht schön war ;) Nur irgendwie hatte sie mir unten besser gefallen.
Nach dem Runterfahren (seltsamerweise hatte ich gar keine Höhenangst da oben? Gut, die Fenster waren verschlossen und alles, aber naja, seltsam. Juhu!) besahen wir uns noch die Wandgemälde innerhalb des Turmes. Abwärts ging es dann über ein paar Treppen mit ein paar hübschen Blümchen und Pflanzen drumherum, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Eigentlich wollte ich mir noch eine Kirche ansehen, es war allerdings schon fast dunkel und ich todmüde. Meiner Meinung nach brauchen Kirchen Tageslicht, um zu wirken, also meinte ich, wir verschieben das einfach auf später. Irgendwann. Hoffentlich ;) Immerhin spazierten wir noch in einen original italienischen Coffeeshop, mit einer Opernjukebox und leckeren Keksen. Unter anderem in dem Coffeeshop schrieb Coppolla übrigens am Paten ;)
Langsam wollte ich ehrlich gesagt nur noch Heim. Der Nachmittag war wunderschön gewesen, endlich habe ich einmal etwas von San Francisco gesehen! Mein erster Sightseeing-Nachmittag. Wurde ja auch langsam Zeit. Einen kurzen Zwischenstop gab es aber noch, bevor wir uns auf den Weg zum Auto machten. City Lights Bookstore ist einer der wenigen wirklich unabhängigen Buchläden in SF, aber da hier Bücherkaufen für mich relativ uninteressant ist (kann sie ja doch nicht mitnehmen) und ich außerdem fürchterlich erschöpft war konnte ich da nicht mehr viel aufnehmen.
Zurück gings dann zum Auto, wieder in den Financial District, von dem aus wir gestartet waren. Unterwegs gabs noch einen kurzen Halt am Wallgreens, weil A. unbedingt noch einen Fön brauchte, dann waren wir gegen zehn Uhr abends bei B. zu Hause. Ingesamt mag das, was ich gesehen habe, gar nicht so viel klingen, aber wir waren sehr viel und lange unterwegs.
Dementsprechend müde waren wir auch alle. B.s Partner fuhr A. und mich sogar noch nach Hause - es sei zu spät, um uns alleine zu schicken. Wie lieb! Vielleicht gut so, wer weiß, vielleicht wäre ich in der Bahn aus lauter Müdigkeit eingeschlafen.
Wirklich, es war ein sehr schöner Tag. Das Wetter spielte zwar mal wieder nicht mit, denn es wehte ein eisiger Wind (ich zog zum ersten Mal meine halben Handschuhe an) - nichtsdestotrotz lenkte der Tag doch ein wenig vom Stress und von Heimweh ab.
Ich muss sagen, meistens geht es mir jetzt wirklich gut. Mein Zimmer ist schön, ich fühle mich wohl hier. Ich danke allen möglichen Mächten dafür, dass ich dieses erste Zimmer an meinem Ankunftstag verpasst habe. Es hat mich zwar so einiges an Nerven und farbigen Haaren gekostet, aber das war es Wert. Ich hätte in diesem Zimmer nie, niemals so zufrieden werden können wie ich es hier kann. Hier habe ich die Möglichkeit, mir ein wirkliches temporäres Zuhause aufzubauen. Es ist wirklich schön hier, ich wünschte, ich könnte es euch allen richtig zeigen! Der megasteile Hügel, den ich zu meinem Bus besteigen muss, ist zwar hart, aber naja, aus Faulheit laufe ich eben die 20 Minuten zur Uni ;) Das Heimweh übermannt mich momentan selten, aber wenn es kommt, dann meist unerwartet und in seltsamen Situationen. Wie am Samstag, als ich mit A. im H&M stand und aus dem Radio plötzlich "Satellite" kam. Irgendwie verknüpfe ich mit dem Lied nun mal mein Zuhause, ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meiner Mutter den Grand Prix geschaut habe (und was zu dem Zeitpunkt noch so alles los war...). Oder aber wie heute, als ich aus dem Auto einen Smart sah. Die sieht man hier wirklich nicht oft, aber da ich selbst in den letzten fünf Jahren fast nur Smart gefahren bin erinnert mich das sehr an Daheim. Es sind seltsame Situationen. Meistens vergehen sie wieder recht schnell, aber sie sind da. Ich bin momentan in der Lage zu sagen, dass ich die verbleibenden fünf Monate hier, die es noch genau sind, vermutlich durchhalten werde. Und keinen Rückzieher mache (auch wenn man vielleicht noch abwarten muss, bis die Uni losgeht ;) ). Aber dennoch, auch wenn ich mich hier wohl fühle, die Stadt kennenlerne und mich hier insgesamt langsam einlebe - zwei Semester würde ich nicht durchhalten. Das weiß ich genau, und ich bin froh darüber, dass ich bei meiner Wahl von einem Semester geblieben bin.
In dem Sinne, auf schöne fünf Monate.
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