Donnerstag, 18. August 2011

Tag 10 (17.08.)

Der letzte Tag der Orientation-Week mit Panels und Vorträgen, juhu! Leider musste ich mal wieder früh aufstehen (immerhin erst nach 7), zum Glück war die Nacht ein wenig besser. Mein Kissenproblem ist zwar noch nicht gelöst, aber mal schauen...
Als erstes wurden wir über "Healthcare" der Uni aufgeklärt. Die Dame, die das Ganze erklärte, war ja ganz witzig - aber irgendwie habe ich die essentiellen Dinge immer noch nicht verstanden. Und das, was sie sagte, hätte man durchaus auch in weniger Worten erklären können, aber seis drum. Ich glaube ja, es ging darum, dass die Uni quasi ein eigenes kleines Gesundheitszentrum hat, mit ein paar Ärzten und so, und unter der Woche soll man immer erst zu ihnen kommen. Aaaber, für die Zeit nachts und am Wochenende sollen wir uns jetzt schon einen Arzt suchen. Ich weiß ja nicht, aber wie soll das funktionieren? Ich rufe beim Arzt an und sage "Hallo, ich bin XY, ich bin zwar gesund, aber ich suche einen Arzt"... Hm. Naja, vielleicht ist das alles anders hier. Muss ich mal noch rausfinden. Außerdem sollen wir bloß nie in die Notaufnahme fahren, so lange es keinen wirklich triftigen Grund gibt, sonst werden uns die Kosten in Rechnung gestellt... Ich frage mich nur, woher weiß ich, was ein triftiger Grund ist? Im Beispiel hatte das Mädchen eine Blasenentzündung, aber ich gehe mal von aus, sie wusste nicht, was sie hat. Wenn es mir total schlecht geht fahre ich doch zum Arzt? Die Frage ist jetzt, ob etwa alle Ärzte hier auch nachts und am Wochenende offen haben, dass man da dann im Notfall hingeht? Das muss ich alles noch abklären.
Was toll ist an diesem Gesundheitszentrum - es gibt auch unter anderem eine Ernährungsberatung. Ich glaube, die werde ich sofort in Anspruch nehmen, wenn es möglich ist, denn ich verzweifle hier momentan langsam wirklich. Anfangs war es ja okay, nur von Chicken Nuggets, Pommes, Brot oder Reis zu leben - mittlerweile nach eineinhalb Wochen halte ich das aber nicht mehr viel länger aus. Mal abgesehen davon, dass das für meinen Körper sicher nicht gut ist, sich so einseitig zu ernähren - ich will auch mal was anderes schmecken! Das ist echt frustrierend, und für meine Psyche auch nicht gerade gut. Ich bin hier verzweifelt auf der Suche nach Margarine, Sonnenblumenöl, weißem Pfeffer unter 7 $ oder laktosefreiem Käse ohne Soja. Keine Ahnung, ob es zum Beispiel Margarine hier überhaupt gibt. Ich hoffe, die Beratung kann mir ein wenig helfen - oder aber zumindest dabei, mir Dairy Care zu bestellen. Mal gucken.
Das nächste Panel war über - Sex. Ja, richtig ;) Es wurde darüber gesprochen, was okay ist und was nicht, wie das mit dem Ausgehen läuft, dass man sich schützen soll, wo man die Pille danach im Notfall herkriegt - ooookay. Ich meine, anfangs fand ich das sehr irritierend. Später fiel mir dann aber langsam auf, dass das für Asiaten auf Grund eines völlig anderen Kulturkreises vielleicht doch gar nicht so unnütz war. Erstaunlich fand ich nur, dass so ein Thema auf unserer Liste stand - bisher hatte ich immer gehört, dass Amerikaner in der Hinsicht eher prüde sind und darüber nicht reden. Entweder ich hab falsche Dinge gehört, diese falsch interpretiert oder aber es stimmt schlicht und einfach nicht. Zumindest in diesem Panel wurde sehr offen über alles mögliche geredet - die Professorin empfahl uns am Ende sogar einen bestimmten Shop ;)
Das letzte Panel war dann über Kulturschock. Erst sahen wir uns einen uralten Film von 1986 an (die Deutschen da kamen noch aus West-Deutschland), der ergänzt worden war mit ein, zwei aktuelleren Szenen von 2006. Dementsprechend war auch meistens die Qualität. Die Dinge die diese Leute in dem Film sagten waren aber so etwas von wahr, ich glaube nicht, dass ein neuerer Film nötig ist. Es hat sich in der Zeit sicher nichts geändert. Sowohl A. als auch ich fanden uns in vielen Aussagen wieder. Danach im Gespräch wurde betont, dass jeder einen Kulturschock bekomme, das sei nichts Schlimmes sondern völlig normal, egal, wie sehr man sich auf diese Zeit gefreut habe. Wichtig sei nur, dass man damit richtig umgehe, es erkenne und akzeptiere. Hm, okay. Ich werds versuchen ;)
In einer Pause entdeckten wir auch unsere Postkarten. Jeder von uns hatte eine Postkarte an die Uni schicken müssen, das ist ein Bild von der einen Hälfte.

Na, findet jemand die zwei Trossinger Karten? ;)
Danach versuchten wir, uns noch vor dem Essen unsere ID anfertigen zu lassen. Als wir aber die lange Schlange davor sahen drehten wir gleich wieder um - eine Stunde Wartezeit wäre das sicher gewesen. Wir beschlossen daher, am nächsten Morgen noch vor der Öffnung einfach da zu sein. Auf den einen Tag kams jetzt auch nicht an... Immerhin ein Schließfach mieteten A. und ich uns aber, im Creative Arts Building. Ein einfaches für Bücher, Kostenpunkt für ein Jahr: 35 $. Etwas doof für mich, aber nun gut... wir teilen uns immerhin eines. Jetzt hab ich auch ein cooles Fach wie in den Ami-Filmen immer, mit Zahlenschloss und so ;)
Wieder mal aß ich das gleiche zum Mittagessen - diesmal ganz ohne Lactrase. Ohne Probleme, juhu... Nach dem Essen machten A. und ich uns auf den Weg nach Downtown. Da A. mittlerweile schon den Brief von ihrer Bank bekommen hatte, ich aber mein Bankkonto vor ihr eröffnet hatte, musste mein Brief eigentlich schon längst im Adelaide angekommen sein. Die Dame am Telefon gestern hatte das zwar verneint, aber man schaut dann halt mal lieber selbst nach... und richtig, mein Brief steckte da wohlbehalten zwischen einigen anderen. Ich wette, den hätte sie in zwei Wochen noch nicht gefunden. Egal, immerhin hielt ich endlich meine richtige Bankkarte in den Händen!

So sieht übrigens die Seitenstraße aus, in der das Adelaide ist.
Auf dem Bild ist sie aber irgendwie größer als eigentlich :D

Mittags hatten wir von einem anderen deutschen Austauschstudenten erfahren, wo es hier Elektroartikel gibt - Best Buys heißt die amerikanische Alternative zu Saturn und Co. angeblich. Da fuhren wir dann auch gleich hin. Immerhin gab es hier Büroutensilien, PC-Zubehör und viele, viele andere Kleinigkeiten - nur leider weder Föns noch Wecker. Ich kaufte aber immerhin DVD-Rohlinge zum sichern meiner Fotos und ein neues Headset. 15 $ für das Billigste... Hmpf. Na gut. Ich hoffe, es ist das auch Wert.
Einen kurzen Abstecher wollten wir noch zu A.s neuem Zimmer machen. Mal nachsehen, ob ihre neue Mitbewohnerin schon da ist, die heute einziehen sollte, und abchecken, ob die Dusche funktioniert. Die hatte nämlich am Tag vorher, als A. putzen wollte, irgendwie nicht getan, und die Vermieterin hatte ihr am Telefon den Trick erklärt. Angekommen sahen wir - Mitbewohnerin noch nicht da, und den Trick haben wir nicht kapiert. Ist die Dusche doch kaputt?!? Zum Glück erschien gerade da die Vermieterin, um das ebenfalls kaputte Licht im Gemeinschaftsflur zu reparieren. Sie zeigte uns dann gleich, wie die Dusche doch funktioniert, und voilà, das Wasser lief. Bei uns in Deutschland zieht man ja meistens einen Knopf aus dem Wasserhahn, wenn man von Badewanne auf Dusche stellen möchte. Bei dieser Dusche musste man das ähnlich machen, nur musste man da, wo das Wasser aus dem Hahn kommt, dran ziehen. Das hatten wir natürlich nicht gesehen ;)
Noch einen kurzen Abstecher gab es, nämlich zum Other Avenues. Ich kaufte ein großes Ciabatta, auch zum Einfrieren, Erdnussbutter (irgendwas muss ich ja mal austesten zum aufs Brot - keine Ahnung, ob ich Nüsse vertrage :/) und komischen Pseudo-Veganer-Käse. Hm. Außerdem kaufte ich für B. noch eine Packung Blaubeeren und einen veganen Cookie, als zwischenzeitliches Dankeschön für meine Aufnahme in ihrem Zuhause. Damit ich überhaupt noch mal was hab, ein richtiges Geschenk wird sie dann von A. und mir vermutlich noch kriegen. Was wird noch nicht verraten ;) Deshalb war ich nämlich noch mitgefahren zu A. - ich hatte mich bei dem überstürzten Aufbruch am Montag gar nicht von B. verabschieden können. Das wollte ich jetzt nachholen. Leider hatte sie gerade eine Schülerin, für eine kurze Umarmung und Dankesworte waren aber dennoch Zeit.
Ich brach auch bald wieder auf, um beim Trader Joe's nach Tüten oder irgendwelchem Material zum Einfrieren des Brotes zu schauen. Ich blieb bei den Würstchen hängen und kaufte schließlich - Bayrische Bratwürstchen. So eine Art Nürnbergerle. Jaaa, ich weiß, ich sollte in den USA einheimisches Zeug kaufen :D Die Sache war nur die, in den Würstchen war einfach am wenigsten böse klingendes Zeug drin. Also habe ich zugegriffen. Ich wollte auch Sonnenblumenöl kaufen, um etwas zum anbraten zu haben, stellte aber fest, dass es hier wohl vorrangig nur Olivenöl gibt. Und ein, zwei andere Öle, aber kein Sonnenblumenöl... Maaan. Gibts hier überhaupt etwas, was ich essen kann? Kurz nach dem Bezahlen fiel mir auf, dass ich den Grund vergessen hatte, wieso ich eigentlich hier bin - die Tüten. Ich lief also noch einmal durch den Laden, fand aber nichts, was sich zum Einfrieren brauchbar wäre. Hmpf. Na gut, dann halt nicht.
Müde kam ich dann um halb 9 wieder in meinem Zimmer an - und begann, endlich mal ein paar Blogeinträge nachzuholen. Ich war nämlich wieder ganz schön in Rückstand geraten, wie manch einer vielleicht gemerkt hat. Die Zeit verfliegt hier wirklich total, ich wusch noch meine Haare, daran, mein Zimmer endlich zu dekorieren, war wieder einmal nicht zu denken. Ich glaube, ich hänge meine Sachen auf, wenn ich dann wieder heim fliege ;)
Glücklicherweise lagen unter der Spüle noch ein paar Tüten - E. meinte, die haben der vorherigen Bewohnerin gehört. Danke also an Unbekannt, so konnte ich ein bisschen Brot doch noch einfrieren :)
Abends, kurz bevor ich ins Bett ging, dröhnte dann wieder das altbekannte Geräusch durch das Haus - die Heizung. Och nö... Innerhalb von 5 Minuten zitterte ich wie Espenlaub vor Kälte. Da stimmte doch etwas nicht... ich stellte die Heizung um 2 Grad höher, und schwups - da kam warme Luft aus meiner Lüftung. Wenigstens etwas - wenn ich schon den Lärm habe, dann will ich doch wenigstens nicht frieren! Also verkrümelte ich mich unter meiner Bettdecke und versuchte, den Lärm zu ignorieren.

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