Freitag, 19. August 2011

Tag 11 (18.08.)

Naja, ich muss ja zugeben - diese Nacht war schon etwas besser. Aber auf Dauer ist dieser Heizungslärm wirklich nichts, ich glaube nicht, dass man da wirklich tief und ruhig erholsam schlafen kann. Schlaf ist ja nicht gleich Schlaf... Nun gut. Hoffen wir einfach mal das Beste... und im Zweifelsfall: E. zieht ja gegen Ende November aus. Die drei Monate muss ich eben durchhalten.
Heute stand ich um 7:45 Uhr auf - trotz meinen zufallenden Augen. Wir wollten heute, am offiziellen ersten Tag für alle neuen Studenten, nicht nur für uns Austauschler, ja unsere ID (den Studentenausweis) machen lassen. Also legte ich mir zur Feier des Tages etwas Make-Up auf - man will ja da drauf nicht aussehen wie ein Zombie mit den dicksten Augenringen der Welt.
Als ich beim Center ankam war der Schalter schon offen, obwohl er erst in knapp einer dreiviertel Stunde öffnen sollte. War mir auch Recht, allerdings ging es plötzlich so schnell, dass meine Frisur etwas zerzaust ist auf dem Bild. Das ist ja nicht schlimm, schlimmer sind nur meine roten Augen. Manno... das find ich doof. Bald kam auch schon A., und als sie dann auch ihre ID in den Händen hielt zogen wir los, um uns das Programm des Campus' anzusehen. Erst einmal nutzten wir mal unser tolles neues Schließfach und stellten da mein Gepäck für den Abend rein, welches A. später mitnehmen sollte. Heute Abend nach der großen Willkommens-Party alleine heimzugehen war uns beiden nicht so ganz geheuer, also würde ich bei ihr übernachten. Im Creative Arts Building gab es ein paar Stände von den verschiedenen Fakultäten. Unter anderem vom Chor, ich nutzte die Gelegenheit, mich in die Vorsing-Liste einzutragen und nachzufragen, was ich für mein neues Fach, Jazzchorus, vorbereiten müsse. Da ich nämlich auf Grund von fehlendem Klavier-Repertoire einen Musikkurs zu wenig habe muss ich noch einen belegen, denn vom Hauptfach muss man mehr als die Hälfte der Classes haben. Hmpf. Für den normalen Chor müsse ich gar nichts vorbereiten, hieß es, einfach nur kommen. Vermutlich werden sie nachsingen lassen und solche Sachen, um herauszufinden, was für eine Vorbildung man hat und in welche Stimmlage man passt... Mal abwarten. Zwar hätte ich da was in petto gehabt, aber dann bleibt die Barbarina eben im Schrank ;)
Weiter gings zum Sportgebäude (das Wort "Gymnasium" verwirrt mich immer so immens :D). Dort informierte ich mich über die Möglichkeiten, Fußball zu spielen. Es ist für Anfänger anscheinend kein Problem, bei den offenen Zeiten einfach aufzukreuzen, außerdem gibt es auch noch eine Art Liga - auch für "Spaßfußballer". Lust darauf hätte ich schon sehr, aber ich habe hier weder Hallenschuhe noch bin ich mir sicher, dass ich mich für länger verpflichten will... und lohnt es sich, Schuhe zu kaufen, wenn ich nur 2, 3 Mal kicken gehe? Schwer, schwer... Immerhin habe ich mir nun auch die offenen Zeiten für Schwimmhalle und Kraftraum aufgeschrieben. Vielleicht mache ich was in diese Richtung, auch wenn es mich wurmt, dass ich meinen Badeanzug zu Hause habe liegen lassen. Nur mein Bikini ist da, und der ist zum Schwimmen einfach ungeeignet. Mal sehen, wie oft ich das nutze und ob es sich lohnt, einen neuen zu kaufen.
Draußen entdeckten wir dann schließlich auch das, weswegen ich heute eigentlich kommen wollte - Stände von Clubs. Nur ich habe mir unter Clubs irgendwie etwas anderes vorgestellt als das, was dann da stand. Ich dachte, es ist wie eine Art AG, früher in der Schule. Dass sich Leute mit den gleichen Interessen zusammenschließen und dann was unternehmen. Zum Beispiel eine Kinogruppe, die sich zusammen Filme ansieht und darüber spricht oder so. Die meisten Clubs, die hier vorgestellt waren, waren aber eher die berühmt-berüchtigen Studentenvereinigungen. Von "Alpha Epsilon Psi" über "Delta Kappa Sigma" bis zu "Zeta Chi Epsilon" - und wir hatten einfach keine Ahnung, was die von uns wollen beziehungsweise, welche Vereinigung nun welche Zielgruppe hatte. Außerdem gab es noch die Klassiker wie die Cheerleader (irgendwie hätte ich darauf ja sogar schon Lust, bei meiner Unbeweglichkeit, der Tatsache, dass ich nur ein Semester hier bin und der zweiten Tatsache, dass die Cheerleader hier das meist schon seit zig Jahren machen - no way) oder einige religiöse oder Länder-Clubs. Nichts, wo ich gesagt hätte, da muss ich unbedingt rein. Schade irgendwie, aber man kann nichts machen.
Mittags gab es Hot Dogs umsonst für die hungrigen Mäuler, durch den High-Fructose-Corn-Syrup im Brötchen für mich aber keine Alternative zu meinem Tomatenreis mit Chicken, heute ohne Lactrase. Danach trennten A.s und meine Wege sich. Ich ging, mal wieder, zum bookstore, ich wollte mir endlich den Wecker kaufen, den ich dort gesehen hatte. Mit 6 Dollar vermutlich einer der günstigsten, die ich kriegen würde. Außerdem erstand ich aber, wie könnte es anders sein, auch noch weitere Dinge - einen Ansteckpin (das musste sein, der kommt zu Hause wie alle anderen an meinen Rucksack) und ein Langarmshirt, heruntergesetzt für die Welcome-Days. Ich brauche ohnehin mehr von den Dingern und 13 $ ist echt okay.
Danach machte ich mich auf nach Hause - ich wollte mal die Gegend erkunden und schauen, wo ich einkaufen gehen kann. Ich entdeckte einen Wallgreens, ungefähr 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Allerdings führen die weder Sonnenblumenöl noch Margarine oder zuckerfreies Brot - so oft werde ich da wohl nicht hingehen ;) Auch nach Duschgel schaute ich, konnte mich bei der kleinen, dafür aber umso teureren Auswahl nicht wirklich entscheiden. Ein bisschen Zeit habe ich noch, eine kleine Reserve von meinem mitgebrachten ist noch da, spätestens nächste Woche aber sollte ich hier etwas gekauft haben.
Unterwegs stolperte ich noch über einen kleineren Laden, nur einen Block von mir entfernt. Dort gibt es zumindest auch Getränke, eine gute Alternative, falls mir mal das Wasser ausgeht. Außerdem kaufte ich auch noch Hühnchenwürstchen - die waren nämlich ziemlich billig (nur 1,70$!) und schienen verträglich zu sein. Cool. Man darf nicht mehr wählerisch sein ;)
Als ich schließlich zu Hause ankam war ich wieder ziemlich KO und hatte eigentlich keine Lust auf nichts. Also schrieb ich mal wieder Blog, surfte im Netz und ruhte mich endlich einmal ein wenig aus. Einfach so. Cool, nicht wahr? Bald aber wurde es Zeit, etwas zu kochen - meinen üblichen Reis gabs diesmal garniert mit zwei gekochten Würstchen. Die eine richtig miese Konsistenz hatten, aber gar nicht so schlecht schmeckten. Man muss sich halt irgendwie dran gewöhnen, dann geht das schon. Während der Reis noch köchelte schaffte ich endlich, woran ich schon nicht mehr zu glauben gewagt hatte - ich spülte mein neues Geschirr ab und dekorierte meine Wand.

Ging schneller als ich dachte. Die Kleber, die ich verwendet habe, werden, so scheint es momentan, nur schwer abgehen - ich hoffe, dass ich sie rückstandslos entfernen kann. Momentan ist das möglich, dauert aber ein bisschen weil man etwas kratzen muss. Wenn das so bleibt ist das okay, ich hoffe nur, die verschmelzen nicht irgendwie mit der Tapete. Das wäre schlecht ;) Immerhin ist mein Zimmer jetzt fast fertig. Es fehlt noch immer der Tisch und der Müllberg in der einen Ecke von den Möbeln muss noch entfernt werden, außerdem warten noch Töpfe auf das Abspülen und ein Stapel Zettel darauf, sortiert zu werden (und letzterer wächst und wächst und wächst...). Aber sonst siehts schon ganz gut aus :)
Während dem Essen tat ich etwas, was wirklich wahnsinnig gut tat - ich schaltete mir eine Folge Battlestar Galactica an. Endlich mal den Kopf abschalten, nur essen und fernsehen - wow. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr mir das einerseits gefehlt und andererseits gut getan hat. Das sollte ich morgen dringend wiederholen...
Dann war es auch schon Zeit - Partyzeit! Die heutige Party sollte im Missiondistrict stattfinden - ein District, der voller Leben und Partylaune sein soll, wo ich mich aber, ehrlich gesagt, nachts nicht alleine auf die Straße traue. Andererseits tue ich das momentan kaum irgendwo hier, also ist das vielleicht kein Maßstab. Ich fuhr also rechtzeitig los, um vor der Dunkelheit da zu sein. In der Lounge stieß ich zum Glück auf eine riesige Gruppe Asiaten, die alle auf dem Weg zum für uns reservierten Dach waren. Da schloss ich mich gleich mal an und begegnete einer netten Japanerin (die eigentlich aus Taiwan kommt). Mit ihr unterhielt ich mich noch den ganzen Abend, mal schauen, ob sich da etwas entwickelt. Oben auf dem Dach war es trotz der aufgestellten Heizpilze ziemlich kalt, so dass die meisten eine halbe Stunde später das Dach verließen, um nach unten zu wandern, trotz der schönen Aussicht von da oben. Hin und wieder quatschte ich mit irgendwelchen Leuten, meist aber unterhielten die Japanerin,A. und ich uns. Erstere ging dann schon relativ früh, kurz nach 10 - verständlich bei dem Problem, wie man nach Hause kommt und dass es dunkel wird. Ich wäre ehrlich gesagt auch am Liebsten schon gegangen, denn ich war einfach nur müde. Richtig müde. So müde, dass ich, als A. und ich uns mit einem Studenten unterhielten, fast eingeschlafen wäre. Im Stehen ;) Wir blieben aber noch zwei Stunden bis zwölf und verließen dann in einem guten Mittelmaß die Party, viele waren schon gegangen, aber auch einige noch da. Ich würde mal sagen, wirklich gelohnt hat sich die Veranstaltung für mich nicht. Ich habe niemanden kennengelernt, von dem ich sagen würde, wir sind auf eine Wellenlänge und mit dem ich den Kontakt länger aufrecht halten möchte - nur mit der Japanerin, unter Umständen vielleicht. Für viele andere sah das aber sicher anders aus, da pauschal zu urteilen ist natürlich nicht möglich.
Erschöpft wankten A. und ich zu ihr nach Hause, wo wir immerhin gegen eins eintrafen. Zum Glück hat sie ein großes Bett, so dass wir uns da einkuscheln konnten - denn es war eisig kalt in ihrem Zimmer.

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