Montag, 22. August 2011

Tag 14 (21.08.)

Wieder einmal lang schlafen :) Auf 10 hatte ich meinen Wecker gestellt und wurde dann auch so geweckt. Heute stand ja ein ausgeweiteter Spaziergang mit B. und ihrem Partner auf dem Programm, da durfte ich nicht zu spät kommen. Morgens testete ich mal mein neues "Müsli" mit Milch, schien einigermaßen gut zu gehen.
Da ich dummerweise vor A. bei B. eintraf, B. aber noch unterwegs war und A. eben noch nicht da hatte ich etwas Zeit zu vertrödeln und nahm das zum Anlass, endlich mal an den Strand zu gehen. B. wohnt ja direkt am Strand - und obwohl ich 4 Nächte bei ihr gelebt habe hatte ich nie die Möglichkeit oder Kraft, die 100 Meter runter zu laufen. Der Sand am Strand war erstaunlich weich, und ich kann mir vorstellen, dass es bei Sonne richtig schön sein muss. Dummerweise schien die Sonne natürlich nicht ;)




Bei B. kochte ich mir dann noch schnell Reis zum Mittagessen, während wir auf B. warteten. Als sie dann kam erfuhr ich auch noch ein bisschen mehr zum Stand meines Klavierunterrichts. Ihr wurde nämlich gesagt, dass man, um Unterricht zu bekommen, auch die anderen Theoriefächer wie Gehörbildung, Kontrapunkt und Musikgeschichte belegen muss. Was ich etwas... hm, blöde finde, denn das habe ich alles schon abgeschlossen und Prüfungen abgelegt. Irgendwie sehe ich nicht ein, das hier noch einmal zu machen. Und ja, deren "Berechnungen", welche Fächer ich belege, beruhten nachweislich auf meiner Angabe aus dem Januar. Toll, nicht wahr... Und anstatt mir das zu sagen (im Januar) haben sies einfach auf dich beruhen lassen. Nett. Ich mein, ist ja nicht so, dass Klavier mein Hauptfach wäre oder so... und dass ich eine Studentin bin, die ein anderes System gewohnt ist und man davon ausgeht, ich wüsste alles... DAS stand nämlich wirklich nirgendwo. Aber seis drum, ich habe mich zwar gestern wieder mächtig aufgeregt, aber andererseits machts mir auch nur alles kaputt. Jetzt bin ich schon mal hier und muss versuchen, das Beste draus zu machen.
Gegen halb drei fuhren wir dann los, in den Financial District, um dort das Auto abzustellen und loszulaufen. Unterwegs, haltet euch fest, fragte B.s Partner uns doch tatsächlich, ob wir diesen einen Film, Star Wars heißt der, kennen würden. :D Minimal ;) Es gäbe da nämlich irgendwo (wo hab ich leider nicht ganz kapiert, aber ich kann ihn ja einfach noch mal fragen) irgendwelche Statuen oder Figuren... als ich relativ enthusiastisch "ja" erwiederte (*hust*) erzählte mir B. - haltet euch noch mal fest, fester diesmal, dass sie jemanden kennen würde, der bei LucasArts arbeitet. Oh mein Gott! Herzinfarktgefahr ;) Ich meine, es ist relativ unwahrscheinlich, dass er mir irgendwas zeigen wird, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen ;)
Im Financial District fanden wir auch nach etwas Suche auch einen Parkplatz.


Der Sonnenschein täuscht, es war dennoch eiskalt ;)

Und standen kurz darauf in einem bekannten Hotel (Palace Hotel), das einen wunderschönen Raum beinhalten sollte.

Angeblich versuchten mehrere andere Hotels, sich hier Inspiration zu holen. Das ursprüngliche Hotel war beim großen Erdbeben wie so vieles wohl ziemlich zerstört worden, das hier wurde dann neu aufgebaut. Ich fand das ja etwas seltsam, in ein Hotel reinzulaufen, um sich einen Raum anzusehen, aber anscheinend war das gar nicht sooo seltsam, wie ich dachte. Besagter Raum war gleich am Eingang, genutzt vermutlich als Speisesaal. Und während wir da so standen und unauffällig ein, zwei Fotos machten, sprach uns der Sicherheitsmann an, der da stand. Ich dachte schon "Ups, war wohl zu auffällig - jetzt werden wir wohl rauskatapultiert." Stattdessen bot er uns an, ein Gruppenfoto von uns zu machen und erzählte uns dann uns danach ein wenig über die Geschichte dieses Raumes und wozu er früher genutzt wurde.
Ein paar Meter weiter traten wir in noch ein Gebäude - fragt mich bloß nicht, was für eines. Eine Bank, oder so, glaube ich... jedenfalls gab es dort im Eingangsbereich irgendein Deckengemälde zu sehen. Die Portierdame (gibts davon eigentlich eine weibliche Variante?) wies uns darauf hin, dass im Innenhof noch ein paar Statuen zu sehen waren, die wir uns dann auch noch ansahen. Ich finds faszinierend, dass man sich da die Kunstwerke in semiöffentlichen Gebäuden einfach so anschauen darf...
Jetzt startete unsere wahre Tour. Wir liefen durch eine wahnsinnig teure Einkaufsstraße - Armani, Prada und Co. an jeder Ecke.

Direkt im Anschluss dann begann Chinatown. Das Touristenchinatown ;) Chinesische Kruschtelläden, einer nach dem anderen. Die Postkarten waren hier übrigens so günstig wie nirgendwo, so als Tipp...


Chinatown in San Francisco ist nach dem in New York übrigens das größte in den USA. Abseits der Touristraße sieht es dann schon ganz anders aus. Kleidung hängt aus den Fenstern, die Straßen sind schmutzig, die Leute meistens arm.

Mitten in Chinatown dann aßen wir zu Mittag/Abend, mittlerweile waren wir alle hungrig und es war schon fünf Uhr nachmittags. Hier gab es ein veganes Restaurant, das ziemlich gemütlich aussah. Auch für mich fand sich etwas zu essen - Nudeln. Hab schon ewig keine Nudeln mehr gegessen... Daher schmeckten die vermutlich doppelt so gut.

Danach ging es weiter, hier war/ist ein kleiner italienischer Bezirk, erkennbar an diversen Flaggen hier und dort. Unsere Wanderung führte uns aufwärts, immer weiter aufwärts.

In San Francisco ist das ja nun nichts allzu außergewöhnliches, die "Hügel" sind ja überall in der Stadt vorhanden. Diesmal ging es aber ein bisschen weiter aufwärts, als ich es normalerweise gewöhnt bin. Ziel war der Coit Tower.

Mittlerweile war die Sonne schon am untergehen, es war kurz nach sieben - und wir hofften, der Hügelaufstieg habe sich gelohnt und wir könnten noch mit dem Aufzug hochfahren. Als wir auf die Plattform unterhalb des Turmes traten eröffnete sich plötzlich eine wunderschöne Aussicht auf den Nordteil San Franciscos, das Meer, die Schiffe, ... und das Ganze mit einer zwar nicht untergehenden Sonne, die war wo anders, aber mit einem bezaubernden Licht, das viele Aussichten in den Schatten stellte, die ich bisher erblicken durfte.

Ganz ehrlich? Als wir schließlich oben auf dem Turm waren (zum Glück hatten die ein wenig länger offen als normal, normalerweise geht um sieben der letzte Aufzug) war die Aussicht gar nicht mehr so schön. Unten, in der Realität, auf echtem Boden, ohne viel menschliche Hand war alles irgendwie natürlicher gewesen. Nicht, dass die Aussicht oben nicht schön war ;) Nur irgendwie hatte sie mir unten besser gefallen.


Die kleine Insel da ist Alcatraz

Das da links im Hintergrund dürften die Meisten kennen ;)

Nach dem Runterfahren (seltsamerweise hatte ich gar keine Höhenangst da oben? Gut, die Fenster waren verschlossen und alles, aber naja, seltsam. Juhu!) besahen wir uns noch die Wandgemälde innerhalb des Turmes. Abwärts ging es dann über ein paar Treppen mit ein paar hübschen Blümchen und Pflanzen drumherum, bevor wir uns auf den Rückweg machten.


Eigentlich wollte ich mir noch eine Kirche ansehen, es war allerdings schon fast dunkel und ich todmüde. Meiner Meinung nach brauchen Kirchen Tageslicht, um zu wirken, also meinte ich, wir verschieben das einfach auf später. Irgendwann. Hoffentlich ;) Immerhin spazierten wir noch in einen original italienischen Coffeeshop, mit einer Opernjukebox und leckeren Keksen. Unter anderem in dem Coffeeshop schrieb Coppolla übrigens am Paten ;)
Langsam wollte ich ehrlich gesagt nur noch Heim. Der Nachmittag war wunderschön gewesen, endlich habe ich einmal etwas von San Francisco gesehen! Mein erster Sightseeing-Nachmittag. Wurde ja auch langsam Zeit. Einen kurzen Zwischenstop gab es aber noch, bevor wir uns auf den Weg zum Auto machten. City Lights Bookstore ist einer der wenigen wirklich unabhängigen Buchläden in SF, aber da hier Bücherkaufen für mich relativ uninteressant ist (kann sie ja doch nicht mitnehmen) und ich außerdem fürchterlich erschöpft war konnte ich da nicht mehr viel aufnehmen.

SF bei Nacht

Zurück gings dann zum Auto, wieder in den Financial District, von dem aus wir gestartet waren. Unterwegs gabs noch einen kurzen Halt am Wallgreens, weil A. unbedingt noch einen Fön brauchte, dann waren wir gegen zehn Uhr abends bei B. zu Hause. Ingesamt mag das, was ich gesehen habe, gar nicht so viel klingen, aber wir waren sehr viel und lange unterwegs.

Die genaue Route kriege ich nicht mehr hin, aber da ungefähr waren wir ;) Quelle Karte: google

Dementsprechend müde waren wir auch alle. B.s Partner fuhr A. und mich sogar noch nach Hause - es sei zu spät, um uns alleine zu schicken. Wie lieb! Vielleicht gut so, wer weiß, vielleicht wäre ich in der Bahn aus lauter Müdigkeit eingeschlafen.
Wirklich, es war ein sehr schöner Tag. Das Wetter spielte zwar mal wieder nicht mit, denn es wehte ein eisiger Wind (ich zog zum ersten Mal meine halben Handschuhe an) - nichtsdestotrotz lenkte der Tag doch ein wenig vom Stress und von Heimweh ab.

Ich muss sagen, meistens geht es mir jetzt wirklich gut. Mein Zimmer ist schön, ich fühle mich wohl hier. Ich danke allen möglichen Mächten dafür, dass ich dieses erste Zimmer an meinem Ankunftstag verpasst habe. Es hat mich zwar so einiges an Nerven und farbigen Haaren gekostet, aber das war es Wert. Ich hätte in diesem Zimmer nie, niemals so zufrieden werden können wie ich es hier kann. Hier habe ich die Möglichkeit, mir ein wirkliches temporäres Zuhause aufzubauen. Es ist wirklich schön hier, ich wünschte, ich könnte es euch allen richtig zeigen! Der megasteile Hügel, den ich zu meinem Bus besteigen muss, ist zwar hart, aber naja, aus Faulheit laufe ich eben die 20 Minuten zur Uni ;) Das Heimweh übermannt mich momentan selten, aber wenn es kommt, dann meist unerwartet und in seltsamen Situationen. Wie am Samstag, als ich mit A. im H&M stand und aus dem Radio plötzlich "Satellite" kam. Irgendwie verknüpfe ich mit dem Lied nun mal mein Zuhause, ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meiner Mutter den Grand Prix geschaut habe (und was zu dem Zeitpunkt noch so alles los war...). Oder aber wie heute, als ich aus dem Auto einen Smart sah. Die sieht man hier wirklich nicht oft, aber da ich selbst in den letzten fünf Jahren fast nur Smart gefahren bin erinnert mich das sehr an Daheim. Es sind seltsame Situationen. Meistens vergehen sie wieder recht schnell, aber sie sind da. Ich bin momentan in der Lage zu sagen, dass ich die verbleibenden fünf Monate hier, die es noch genau sind, vermutlich durchhalten werde. Und keinen Rückzieher mache (auch wenn man vielleicht noch abwarten muss, bis die Uni losgeht ;) ). Aber dennoch, auch wenn ich mich hier wohl fühle, die Stadt kennenlerne und mich hier insgesamt langsam einlebe - zwei Semester würde ich nicht durchhalten. Das weiß ich genau, und ich bin froh darüber, dass ich bei meiner Wahl von einem Semester geblieben bin.
In dem Sinne, auf schöne fünf Monate.

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