Dienstag, 30. August 2011

Tag 22 (29.08.)

Obwohl ich gestern relativ früh im Bett war war das Licht doch ziemlich spät aus. Verdammt... ich sollte aufhören, so viel zu lesen. Das ist überhaupt nicht gut... Vielleicht war es eine Quittung dafür, vielleicht habe ich gestern auch zu viel (oder zu wenig?) geredet - jedenfalls war mein Halsweh wieder schön präsent. Man, was für ein Auf und Ab...
Gerade noch rechtzeitig kam ich auf dem Campus an, irgendwie war ich später losgekommen als geplant - obwohl ich mal ausnahmsweise relativ pünktlich aufgestanden war. Wahrscheinlich war das der Fehler ;) Sogar das Schloss an meinem Ceramics-Schließfach ließ mich gleich nach dem ersten Versuch an den Inhalt meines Schrankes, ich glaube, das ist mir noch nie passiert. Bisher brauche ich immer einige Versuche, bis ich kapiere, was ich wie rum drehen muss... Dieser Schlösser sind eine Wissenschaft für sich. Rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn saß ich also an meinem Platz. Ein wenig außer Atem, aber hey, pünktlich! Der Unterricht begann mit einer Vorführung aller möglicher Arten von Ton - vom Ursprung bis hin zum fertigen Produkt, mit einer Erklärung aller möglicher verschiedener fertiger Produkte. Schließlich kann man das Zeug auf verschiedene Arten brennen und bemalen. War schon ziemlich spannend! Wäre da nicht mein sich verabschiedender Kreislauf gewesen. Um die große Peinlichkeit, in der ersten Stunde in Ohnmacht zu fallen, zu verhindern, nahm ich eine kleine in Kauf und setzte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf einen Stuhl. Ansonsten, da bin ich mir sicher, wäre ich in den nächsten zwei Minuten horizontal gelegen. Aber das kenne ich ja schon ;) Sitzend ging es mir dann langsam auch ein wenig besser, es befiel mich nur eine bleiernde Müdigkeit. Bloß nicht einschlafen - dass wäre nämlich nicht minder peinlich...
Ich schaffte es, mich wach zu halten, und dann ging es auch schon los mit dem Töpfern. Einfach so. Aus drei verschiedenen Bollen machten wir einen Becher, eine Schale und eine Eckschale. Anfangs hatte ich noch das positive Gefühl, gut mit dabei zu sein - meine Schöpfungen waren nicht die Schönsten, aber es gab auch welche, vor denen sich meine nicht verstecken brauchten. Ein zweiter Becher brachte mir noch ein bisschen mehr Erfahrung, und dann war die Stunde auch schon vorbei. Als ich diesmal meinen Blick schweifen ließ wurde mir doch etwas mulmig... ich meine, meine Sachen sahen jetzt nicht so schlimm aus. Sie hatten glatte Wände, keine Risse und auch eine Form, aber - die anderen hatten irgendwie glattere Wände und eine perfekte Form. Wirklich perfekt. Wenn die am Ende so aussehen könnte man das Zeug verkaufen... Nun gut, ich hoffe einfach mal, dass dieser Blick nur die guten Produkte erfasst hat und dass da noch ein paar auf meinem Niveau herumgurken ;) Und ich hoffe auch, dass ich meine Ergüsse so gut eingepackt habe, dass sie am Mittwoch noch bearbeitbar sind. Drückt mir die Daumen! Zum Glück hatte ich mir übrigens den Pulli gekauft, so musste ich nicht auf meine Klamotten aufpassen. Schuhe und Jeans bekamen zwar einiges an Tonstaub ab, aber das ist ja nicht schlimm. Mehr geärgert hätten mich da die, zwar minimalen, aber vorhandenen, Tonflecken an den Ärmeln meines Pullis.
Um 12 war ich dann schon am verhungern, also zischte ich ab in die Mensa. Wo ich auch auf A. traf. Wieder mal das gleiche Spielchen mit der Tischsuche... bloß nicht ärgern ;)
Nach dem essen war ich brav, und ging üben. Zumindest so ein bisschen. Denn ich war so todmüde, dass ich zwischenzeitlich oft meinen Kopf etwas "ausruhen" musste, wenn ihr versteht... besonders die Augen waren stark beansprucht.
So ganz das Wahre war das zwar nicht, aber immerhin schlief ich dafür im folgenden Theatre-Kurs nicht ein. Und das, obwohl wir ziemlich viel über "to dare" redeten - und ich einfach nicht darauf kam, was diese verdammte Vokabel denn nun bedeuten sollte (ich würde es mittlerweile übrigens mit "sich etwas trauen, etwas wagen" übersetzen). Ich stellte wieder einmal fest - ohne Wörterbuch geht hier nix. Also ging ich in der Pause zu unserem Dozenten und wies ihn darauf hin, dass ich in Zukunft hin und wieder mit meinem eBook-Reader arbeiten würde, wenn mir ein paar Wörter fehlen. Der hat nämlich immerhin ein Wörterbuch, also kein Übersetzungsding sondern so was wie der Duden. Er meinte dann, ich solle einfach fragen, wenn ich etwas nicht weiß, das sei überhaupt kein Problem, er kenne das schließlich (er ist aus Chile). Naja... ehrlich gesagt will ich aber nicht dauernd nach Wörtern fragen, das nervt irgendwann sicher ziemlich.
Bei der Folgeübung aber musste ich darauf gleich mal zurückgreifen. Die Aufgabe war es, seinen Namen zu nehmen, mit dem Anfangsbuchstaben des Namen ein Adjektiv zu suchen und dieses mit einer Geste begleiten. Ich grübelte und grübelte, aber bis ich an der Reihe war fiel mir einfach kein blödes Adjektiv mit O ein. Ich stand völlig auf dem Schlauch (hinterher ist mir auch klar, ich hätte einfach irgendwas nehmen können, das mit "over-" oder "out-" beginnt...). Also musste ich mir helfen lassen, die Lösung fand sich dann im "outspoken", dumm nur, dass ich in meiner Panik auch nicht kapierte, was dieses Wort bedeutet (offen, geradeheraus) und somit keine Geste dazu formen konnte. Aber irgendwann war auch diese Übung vorbei und ich konnte aufatmen ;)
Im Anschluss sollte jeder von uns etwas vorführen. Das sollte unser "Geschenk" an unsere Klasse sein, jeder sollte das zeigen, worin er oder sie gut ist. Eigentlich hatte ich etwas singen wollen, aber mein Halsweh machte mir da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Also hatte ich vorher, während ich schlief, auch wirklich ein wenig Klaviergeübt und mir noch einmal Clair de Lune reingezogen. Welches ich dann auch zum Besten gab, zum Glück steht in diesem Raum ein Klavier. Es klappte wirklich erstaunlich gut, dafür, dass ich es eigentlich gar nicht mag, Klavier vorzuspielen. Hinterher waren auch alle voller Lob, allerdings, mal ehrlich - da steht natürlich keiner auf und sagt "ich fand das echt bescheuert!" ;) Mein Theaterdozent musste an seine Enkeltochter namens Luna denken, und eine Aussage, das muss ich schon sagen, hat mir sehr gefallen: "Deine Hände waren wie Schmetterlinge!" Das hört man natürlich erstens gerne und zweitens finde ich diesen Vergleich irgendwie sehr schön und passend. Das muss ich mir merken...
Nach Theater ging es gleich weiter zum Gospelchor. Jaja, keine Zeit zum Atmen hier ;) Ich setzte mich irgendwo hin, wo gerade Platz war, und wo ich nicht völlig abseits sitzen würde. Man will sich ja eingliedern ;) Nach fünf Minuten stellte sich heraus, dass meine Nebensitzerin ebenfalls aus Deutschland ist, weitere 10 Sekunden später wusste ich, sie ist aus meiner Heimatstadt, und noch mal 10 Sekunden später erfuhr ich, dass sie im Stadtteil fast neben meinem wohnt. Oh man. Da fliegt man um die halbe Welt und dann das ;) Sie ist ebenfalls Austauschstudentin und studiert Schulmusik. Hach ja, ich finde das schon sehr witzig :D
Der Chor an sich war dann eigentlich ganz nett. Wir standen ziemlich viel, was mich sehr anstrengte, aber das bringen Chöre leider meist mit sich... Die Methode, wie hier Stücke einstudiert werden, ist auch neu für mich - ohne Noten. Ich habe aber nicht ganz kapiert, wie wir unser Zeug jetzt üben sollen, aber okay. Wird sich schon klären, darüber mache ich mir frühestens Sorgen, wenn ich auch wirklich aufgenommen bin in den Chor. Denn das war erst eine Art Probestunde, Auditions sind ja erst Mittwoch/Donnerstag. Wo man übrigens a capella (also ohne Begleitung) etwas vorsingen muss - zum Glück ist die Stilrichtung egal! Ich werde dann wohl wieder mal die Barbarina auspacken. Das ist so praktisch!
Um halb neun abends war ich dann, nach einem vollen und langen Tag, endlich zu Hause. Und war so durstig, dass ich die Flasche mit dem Chemizeug in einer halben Stunde runterstürzte. Wer mich kennt weiß, dass ich dann schon wirklich außerordentlich durstig gewesen sein muss, oftmals trinke ich so viel an einem dreiviertel Tag... Naja, jedenfalls, über den Tag verteilt vertrage ich das Zeug war vermutlich, aber das war dann wohl doch zu viel für meinen Bauch. Diese Art von Bauchweh hatte ich schon lange nicht mehr - es ist nämlich ein Bauchweh das ich davon kenne, wenn ich zu viel Zucker gegessen habe. Also nicht als Fruktoseintolerant-geplagter Mensch, sondern als "Normalo". Ein ganz normales Zuckerbauchweh also. Das aber auch ganz schön fies war... Nach einer Stunde kam ich dann mangels Wärmeflasche auf die Idee, meinen ohnehin schon sehr warmen Laptop auf meinen Bauch zu packen, und siehe da - innerhalb von 15 Minuten war das Bauchweh auf ein Minimum reduziert. Juhu! Das nennt man dann moderne Wärmeflasche... Als dann noch Kopfweh hinzukam wusste ich - das wird eine tolle Woche. Hals- und Kopfweh, na ich danke. Das musste nun wirklich nicht wieder sein, ich dachte, ich sei auf dem Wege der Besserung... die Woche hat doch eben erst angefangen! Mist.
Es blieb mir nichts anderes übrig als mich in mein Bett zu verkrümeln und zu hoffen...

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