Freitag, 12. August 2011

Tag 4 (11.08.)

Wieder mal endete meine Nacht früh - um 6:30 Uhr schon. Um 7 stand ich dann auch auf, um Wohnungsanzeigen zu durchforsten und mich fertig zu machen, da ich um 10 wieder einen Termin hatte. Das Anzeigendurchforsten war sehr lustlos, langsam hatte ich keine Lust mehr, ich wollte endlich mal was anderes machen als durch SF zu gurken um sich irgendwelche Zimmer anzusehen. Was anderes haben wir ja noch nicht gemacht, außer den Handys. Was eben schon eine super Abwechslung war. Außerdem hatte ich ja irgendwie die kleine Hoffnung, dass das mit dem Zimmer von gestern klappen würde. Warum also weitersuchen... irgendwann will man auch mal mehr sehen von der Stadt und nicht immer nur von der MUNI aus. Oder shoppen gehen ;)
Mein Hostelzimmer

Jedenfalls checkte ich dann rechtzeitig aus und machte mich im Bus auf den Weg zur nächsten Wohnung. Die lag in Ingleside - nicht die beste Gegend, aber auch nicht die Schlimmste. Allerdings sehen viele Häuser je nach Bereich schon etwas heruntergekommen aus. Vorteil: Meist nah an der Uni. Von außen sah das Haus ganz gut aus. Innen bergüßte mich eine betagte Asiatin, sie war die erste bei Zimmerbesichtigungen, die sich auch mal ein bisschen mit mir unterhielt. Wer ich bin, woher ich komme, was meine Eltern so machen. Sie schien mir recht nett zu sein. Ich bekam dann das Zimmer gezeigt, etwas dunkel, aber zur Not machbar, auch Bad und Küche waren halbwegs ordentlich. Nichts, wo ich sofort einziehen möchte, aber zur Not durchaus überdenkbar - einziges Problem eben das Viertel. Wir unterhielten uns noch einmal, und sie bat mich, ihr auf dem Klavier in ihrem Zimmer etwas vorzuspielen. Ich lehnte höflich ab - ich wüsste momentan nicht, was. Sie bat weiter - irgendetwas. Sie würde gerne deutsche Musik hören, und auf dem Klavier habe schon so lange keiner mehr gespielt. Ich lehnte immer weiter ab - sagte, ich habe lange nicht mehr geübt und wüsste jetzt auswendig gar nichts. Was auch die Wahrheit war... die bat aber immer weiter, und irgendwann fiel mir ein, dass ich ja zufällig meine Noten dabeihatte, die waren nämlich im Handgepäckskoffer, den ich wegen dem Auschecken aus dem Hostel dabei hatte. Also packte ich meinen Mozart aus und spielte ein wenig. Das Klavier war gar nicht so schlecht, etwas verstimmt, aber es fühlte sich - gut an. Richtig gut. Ich hatte plötzlich so viel Spaß dabei, zu spielen, einfach nur zu spielen und Musik zu machen. Danach war ich ihr sogar richtig dankbar dafür, dass sie mich quasi genötigt hatte, zu spielen, denn so gut hatte ich mich am Klavier schon lange nicht mehr gefühlt. Ich verabschiedete mich von ihr und machte mich auf den Weg zu A., wo ich feststellte - die Verbindungen an dieser Wohnung sind wirklich nicht die Besten.
Nachmittags machten wir uns auf den Weg, um in ein paar Second-Hand-Läden auf Möbel- und Klamottensuche zu gehen. Noch in der Bahn bekam ich einen Anruf - Shirley von der Wohnung gestern! Ich kann das Zimmer haben! In zwei Stunden sollte ich dort sein, mit der ersten Miete und der Kaution (=Deposit). Wow! Krass! Klar, sofort! Wir stiegen wo anders aus als gedacht, liefen zur Bank und hoben das Geld ab. Immerhin so viel, dass ich Angst hatte, ob ich so viel überhaupt abheben würde können. Aber es klappte, ich hob einfach zwei Mal ab ;) Wir fuhren also zur Wohnung, wo ich vond er Maklerin begrüßt wurde und auch meine Mitbewohnerin kennenlernte - E., Amerikanerin, Studentin am City College. Cool! Ich ging den Vertrag mit der Maklerin durch, es war nicht viel und es sah ganz gut aus. Dann wurde mir der ganze Batzen Schlüssel überreicht, ich bezahlte und das Zimmer gehörte mir! Wow! Wie genial! Ich war so glücklich und froh, dass sich das Ganze jetzt so schnell aufgelöst hat, bei dem derzeitigen Wohnungsmarkt ist diese Wohnung ein wahrer Glücksgriff. 15 Gehminuten (!) von der Uni entfernt, ich könnte sogar heimgehen mittags und mir etwas kochen! Das ist bei meinen Essproblemen wirklich ein wahres Glück. Ich kann es immer noch nicht fassen und weiß genau, das wird super :)

Ja, das ist steil. So ähnlich sieht auch mein Berg zum Bus aus...


Tolle Aussicht, nicht wahr? DAS ist SF!

Die Gegend ist sehr schön, ich denke, nachts brauche ich hier nicht mehr Angst zu haben als in Deutschland, und die Verbindung zu A. läuft über eine Buslinie direkt. Geht kaum besser, oder? ;) Klar, 800 $ sind jetzt nicht wenig. Und mehr, als geplant. Allerdings musste jeder hier seine Grenzen etwas höher setzen, ich denke, das geht in Ordnung.

Küche

Mein Zimmer - sieht etwas trostlos aus, ist es aber nicht :)

Nach der Unterzeichnung machten wir uns auf den Weg, wir waren so beflügelt, dass wir beschlossen, uns jetzt mal die Uni näher anzusehen. Bisher hatten wir das Gelände nur von außen gesehen. Was wir sahen war eine positive Überraschung - alles ist so grün! SF ist im allgemeinen nicht ganz so grün, zwar gibt es überall ein paar Bäume, die Wiesen sind aber oft braun und nicht wirklich saftig. Auf dem Campus sah das anders aus. Grüne, lebendige Wiesen, Bäume, Blumen, Bänke - und dazwischen dann die Lerngebäude ;)



Wir hüpften herum wie junge Erstsemester, zum Glück haben wir uns nicht völlig blamiert, da der Campus recht leer war...
Nebenan gingen wir dann noch einmal in den Handyladen. Wir hatten nämlich beide eine sms bekommen, dass unser Tarif nächsten Monat etwas teurer sein würde. Hä? Wie das? Wir fragten nach, und die Dame richtete uns aus, dass unser Tarif nächsten Monat für jeden 5$ billiger sein würde? Noch mal Hä? Aber wir dachten uns, na gut, was solls, warten wir einfach mal ab. Wir sollten die Tage noch mal eine sms bekommen, die uns das bestätigt - und ja, an Tag 5 bekamen wir eine, aber diesmal sollten wir dann 47,50 $ zahlen. Wir haben für uns jetzt beschlossen, wir warten den Monat einfach mal ab und schauen, was dann passiert ;)
Weiter gings! Nebenan hatte ein großer Bookstore Räumungsverkauf - ganz böse. Richtig böse. Oh oh... und das hier, wo ich doch nichts kaufen darf, weil doch alles wieder zurückmuss! Wie gemein! Wir gingen trotzdem hinein, denn A. wollte sich ein Notizbuch kaufen.
Hier waren alle Bücher reduziert! Hilfe! Je nach Sparte 30-50 %, ich kriegte fast einen Herzinfarkt... so viele Bücher!!! In Deutschland wäre ich mit mehreren Monats"gehältern" weniger auf dem Konto da rausgelaufen, hier ging das ja nicht. Aber bis ich meinen Mund vor dem Sci-Fi-Regal schließen konnte dauerte ein paar Sekunden ;) Bei den großen, dicken Sachbüchern hätte sich der Rabatt wirklich gelohnt, aber... naja. Transportkosten heben das dann wieder auf.
Heraus aus dem Laden gingen wir dann mit einem Notizbuch für A. - und vier Postkarten, einem Yosemitepark-Guide, einem Comicheft und tatsächlich einem Star Wars Buch für mich. Mist ;) Ich konnte aber einfach nicht widerstehen, und die Bücher hier wiegen ja viel weniger als die in Deutschland. Außerdem ist es "Truce of Bakura" - eins der Bücher, die ich immer wieder lesen kann. Ich mag dieses Buch einfach :)
Auf dem Rückweg machten wir noch Halt bei einem Wallgreens. A. wollte Putzzeug kaufen und ich stöberte ein wenig. Ich erstand einen Schreibblock und das tolle zuckerfreie Getränkepulver, von dem ich schon gehört hatte. Mal sehen, ob ich das vertrage :) Das wäre soooo cool!
Abends waren wir dann schon sehr müde. Als wir heimkamen erwartete mich aber noch eine kleine Überraschung. Unsere Beherbergerin hatte eingekauft - Nudeln, Reis, Couscous, zuckerfreie Dinkeltoasties, Cracker, Reismilch. Wow! Ich bekam ja fast Tränen vor Rührung. Sie ist so lieb!
Nach einem Telefonat mit Zuhause (endlich mal in Ruhe, war das schön :) ) fielen wir beide dann todmüde in unser Queensizebett - in dem Wissen, morgen früh aufstehen zu müssen, denn da sollte A. ihren Vertrag unterzeichnen...

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