Auch wenn ich eigentlich keine Lust hatte und mich etwas krank fühlte, aber heute stand Ernährungsberatung auf dem Programm. Natürlich kam ich mal wieder fast zu spät ;) Durch ein bisschen rennen konnte ich das zu spät loslaufen aber problemlos einholen, außerdem kam ich auch nur fast zu spät weil ich 20 Minuten früher da sein sollte. Somit konnte ich gar nicht wirklich zu spät kommen ;) Die Ernährungsberaterin wirkte sehr nett, nahm meine Anamnese auf und fragte mich dann, was sie für mich tun könne. Dummerweise stellte es sich heraus, dass sie keine Ahnung von einer Fruktosemalabsorption (FM) hat. Es war ihr noch nicht einmal bekannt, dass es so etwas gibt... Hmpf. Sie kannte die Heriditäre Fruktoseintoleranz, das ist die, die man von Geburt an hat aber mit meiner Erkrankung eigentlich nichts am Hut hat, denn diese Leute können wirklich gar keine Fruktose essen, und zwar aus irgendwelchen anderen Gründen als ich. Diese Krankheit ist aber relativ selten, im Normalfall hat man eben die FM. Also war mir schon von Anfang an klar - dieser Besuch bringt rein gar nichts. Es tat ihr dann auch Leid, dass sir mir nicht weiterhelfen konnte, und sie versuchte, mit mir eine Lösung zu finden. Aber so weit, in den Supermarkt zu gehen und die Zutatenliste zu lesen war ich auch schon.
Am Ende meinte sie noch einmal entschuldigend betreffend der laktosefreien Kuhmilchprodukte, dass sie keine Ahnung hat, ob es so etwas gibt, im Normfalfall verweist sie Laktoseintolerante eben zu Sojaprodukten. Hm, finde ich schon etwas grenzwertig. Nicht nur wegen mir und weil ich Soja eben nicht kann, sondern weil Soja ja allgemein für viele Menschen unverträglich ist. Vielleicht sind wir in Deutschland in den Punkten doch ein wenig weiter, auch wenn die USA weiter sind, was Deklaration betrifft? Würde mich zwar wundern, aber momentan sieht es mir doch ziemlich danach aus. Ungefähr eine dreiviertelstunde war ich bei ihr drin gewesen, dann verließ ich ergebnislos das Gesundheitszentrum. Ich wollte noch etwas üben, bis ich dann um elf zum Chor ging. Das war ja die erste Chorstunde heute, dementsprechend neugierig war ich. Überrascht war ich von der Tatsache, dass es einen Korrepetitor für den Chor gibt. Wow, das nenne ich mal Luxus... In unserem Fall ist es eine Korrepetitorin, die ziemlich nett zu sein scheint. Auch der Vertretungschorleiter, der dieses Semester den eigentlichen vertritt (wieso läuft eigentlich nichts normal, wenn ich mal EIN Semester was abenteuerliches mache?), scheint ein ganz netter Kerl zu sein, wenn er auch während der Chorzeit große Disziplin verlangt. Das stellte ich gleich einmal fest, und das zweite, was mich ein wenig erstaunte, war das Können. Dieser Chor scheint mir doch anspruchsvoll zu sein, also nichts mit schlafen. Sehr gut! Ich will schließlich auch gefordert werden. Übrigens singen wir auch ein deutsches Lied, eines von Mendelssohn. Wir haben bisher nur auf Tonsilben geübt und noch nicht mit Wörtern, aber das wird sicher lustig :D Mal ausnahmsweise werde dann ich eine derjenigen sein, die alles richtig ausspricht. Ein paar Wörter hat unser Chorleiter schon von sich gegeben um uns anzusagen, wo wir gerade sind - es klingt wirklich ganz komisch, wenn da in einem amerikanischen Satz plötzlich ein deutsches Wort auftaucht. Ich habe nämlich festgestellt, teils muss ich an der Aussprache mancher Wörter arbeiten, ich singe manchmal anders als die anderen. Das muss sich noch dringend ändern!
In der Mensa mittags lud ich mir meinen Teller ziemlich voll - schließlich würde mein Tag noch laaang dauern, und ich wollte ja nicht verhungern... Während ich dann in meiner kurzen Mittagspause über den Campus schlenderte hörte ich vertraute Klänge. Battle of the Heroes! DAS Stück aus Episode 3. Neugierig geworden musste ich natürlich schauen, woher das kommt. Vor dem Studentcenter sind jetzt am Anfang des Semesters immer mehrere Stände aufgebaut, bei denen die verschiedenen Organisationen und Clubs sich präsentieren. Und von einem dieser Stände kam die Musik. Irgendeine Impro-Theater-Gruppe ist das, ich hatte mich schon vor zwei Wochen mal auf deren Mailverteilerliste setzen lassen. Und die vertrieben sich jetzt die Zeit mit Zeitlupenkämpfen in ihren Kostümen. Fragt mich nicht, was die so anhatten, einer hatte auf jeden Fall starke Ähnlichkeit mit Spiderman ;) Auf jeden Fall finde ich es allgemein sehr faszinierend hier, wie sehr Star Wars Teil der Gesellschaft ist. Ich weiß nicht ob das an den USA allgemein liegt oder an der Tatsache, dass ich mich eben in San Francisco, dem Herzen des Ganzen, befinde. Ich glaube zumindest, man ist hier nicht der totale Freak, wenn man auf so was abfährt ;)
Ab gings zu meiner hoffentlich letzten Jazz-Vorlesung. Die ich dann auch gleich mit gaaanz viel Augen-ausruhen hinter mich brachte. Ich versuchte wirklich, meinen Augen das auszureden, aber... ich war nicht so sonderlich erfolgreich. Fragt mich nicht wie ich es schaffte, dennoch 3 Seiten mitzuschreiben. Teils schrieb mein Kuli nämlich, während sich die Augen (und manchmal sogar das Gehirn...) ausruhten :D
Gleich nach Jazz wurde es aber ernst. Meine erste Klavierstunde hier! Ich war ja schon etwas nervös. Bei einem neuen Lehrer ist man das, verständlicherweise, denke ich, immer - man weiß ja nicht, wie die Person arbeitet und was sie von einem erwartet. Und vor allem hier wollte ich natürlich einen guten Eindruck hinterlassen, denn dass ich nun Unterricht habe ist ja keine Selbstverständlichkeit.
Ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht. Meine Lehrerin ist einfach wunderbar, sie ist aufbauend und freundlich. Sie hat mir sehr viele positive Dinge gesagt, und die Art, wie sie mit einem arbeitet liegt genau auf meiner Wellenlänge. Es ist ein gutes Miteinander, auch wenn die Rangordnung immer klar bleibt. Einfach nur toll. Wenn das so weiter geht war es die beste Entscheidung, die ich je treffen konnte für meine Klavierentwicklung - vielleicht kriege ich die Kurve ja doch noch irgendwie. Ich bin richtig begeistert und schöpfe ein ganz, ganz, ganz bisschen Hoffnung. Das Beste aber kam dann noch mittendrin, als sie erzählte, dass sie zu Thanksgiving ihre internationalen Studenten einladen würde. Manchmal kämen auch ein, zwei der amerikanischen Studenten. Ich hatte ja fast Tränen in den Augen, als sie mir das erzählte... sie ist so lieb! Und wenn ich jetzt niemanden finde, der mich zu einem echten Familienthanksgiving mitnimmt (bitten werde ich darum niemanden, ich bräuchte schon eine Einladung^^), dann weiß ich jetzt zumindest, wo ich an diesem für Amerikaner so wahnsinnig wichtigen Tag aufgehoben sein werde.
Nach dem Unterricht fand ich A., und wir schwatzten ein bisschen - viel zu viel, denn so kam keine von uns dazu, noch etwas zu üben. Vor unserem Yogakurs huschten wir noch kurz in den Bookstore, da wir beide noch Kleinigkeiten brauchten. Wir erstanden unter anderem beide so einen lustigen 3er-Locher, wie sie hier eben benutzt werden. Papier hat ja hier eine ganz andere Größe als in Europa, und es gibt keine zweier- oder vierer-Locher, sondern dreier. Bei Gelegenheit mache ich mal ein Foto!
Nach einer kleinen Portion Reis (ich war am verhungern, eigentlich sollen wir vor Yoga nichts mehr essen, aber nun ja - ein knurrender Magen wäre, glaube ich, schon sehr störend) machten wir uns dann auf den Weg zum Yogaraum. Dachten wir. Denn manchmal sind die Flure in den Gebäuden, besonders die im Untergeschoss, schon ganz schön verwirrend. Wir nahmen dieses Mal einen anderen Eingang, nur um uns dann in dem Gebäude völlig zu verlaufen. Wir waren schon drauf und dran das Gebäude zu verlassen um durch den Eingang der letzten Woche wieder reinzukommen, als A. einen Aufzug mit der richtigen Raumaufschrift und ich gleichzeitig daneben eine mir bekannt vorkommende Treppe entdeckte. Puh, Glück gehabt! Wir kamen gerade noch rechtzeitig, nachdem wir uns auch noch umziehen mussten (es gibt hier übrigens keine Umkleide, umziehen auf der Toilette ist angesagt :D). Heute lernten wir unsere ersten Asanas, also die Yoga-Positionen. Zwischendurch legten wir uns immer wieder mit geschlossenen Augen auf den Boden zum Entspannen. Dabei war außerdem das Licht im Raum aus, nur das Licht vom Flur strömte herein. Perfekte Aussichten zum schlafen ;) Was ich auch ganz am Anfang schier tat. Es war ein sehr witziges Gefühl, ich hörte, dass unsere Lehrerin etwas sagte, ich sah, wie sich alle auf die Seite drehten, und dachte mir noch benommen "wie witzig, alle drehen sich...", als A. mir einen Stupser gab um mich aufzuwecken. Wirklich geschlafen habe ich nicht, es war wohl gerade der Übergang zwischen wach und Schlaf. Ein wirklich sehr, sehr merkwürdiges Gefühl war das!
Es war außerdem wahnsinnig kalt. Ich glaube, ich brauche doch eine Yogamatte. Wir machen die Übungen in einem Karate/Judo/wasweißichwas-Raum, also liegen solche Matten auf dem Boden. Ich glaube, mit einer Yogamatte wäre es aber unter Umständen ein wenig wärmer... Mal sehen. Zwischenzeitlich habe ich nämlich ganz schön gezittert.
Außerdem merkte ich, wie es mir immer schlechter ging. Besonders die Übungen, bei denen der Kopf nach unten zeigt behagten mir gar nicht. Und am Ende der Stunde merkte ich das Ausmaß des Desasters - es meldete sich ein Schnupfen, außerdem hatte ich starke Kopf- und Halsschmerzen. Diese Stunde war definitiv nicht so schlau gewesen...
Ich wankte also nach Hause, wo ich vor dem zu Bett gehen dann schon schön glasige Augen meinerseits feststellen durfte. Außerdem war ich, für meine Verhältnisse, wirklich sehr früh im Bett, es dürfte so halb elf, elf gewesen sein. Das ist für mich wirklich früh ;)
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