Jap, eindeutig, ich bin krank. In Deutschland wäre ich heute wohl zu Hause geblieben, hier kann ich mir das nicht leisten. Ein Fehltag gleich in der ersten richtigen Uniwoche? Ne. Da kann ich ja gleich heimfliegen. Was ich da alles verpasse! Außerdem nehmen die das mit der Anwesenheit hier schon ziemlich ernst. Habe ich zumindest den Eindruck, der kann natürlich auch täuschen. Aber das alles fließt immerhin am Ende in die Note, je nach Fach natürlich in unterschiedlichen Prozentzahlen.
Also tappte ich heute früh mal wieder zur Uni (bemerkensweterweise schien tatsächlich die Sonne, man stelle sich das vor!). Etwas muss ich hier übrigens noch erzählen, das mir seit meinem ersten Unitag auf den Fingern liegt. Wir haben hier tatsächlich so eine Art "Schülerlotsenteam" vor dem Haupteingang der Uni. Der liegt nämlich an einer sehr befahrenen Hauptstraße. Und jedes Mal, wenn die Fußgängerampel grün wird laufen zwei Helferlein mit Stopschild und gelber Sicherheitsweste auf eine der beiden Straßenrichtungen, halten ihre Schilder hoch und passen auf, dass ja kein Auto uns Studenten umfährt. Total wie in den ganzen Ami-Filmen! Voll witzig. Ich meine, ich persönlich finde das ja nicht nötig, aber ich weiß ja nicht, was die Amerikaner für Erfahrungen gemacht haben. Das wird schon seine Gründe haben, und lieber zu viel Sicherheit als zu wenig! Wenn die Ampel kurz vorm umspringen auf rot ist wird übrigens einmal kurz gepfiffen - jetzt bloß nicht mehr die Straße betreten! ;)
Jedenfalls stand heute als erstes Ceramics auf dem Plan, irgendwie mittlerweile, neben Jazz, welches ja aber mittlerweile schon fast gestrichen ist, mein letztes verbliebenes Fach, vor dem ich ein bisschen Angst habe. Ich schnappte mir meinen Tonklumpen, meinen Pulli und mein Werkzeug aus dem Schließfach und im Tonraum dann mein letzte Stunde begonnenes Material und begutachtete mir das Ganze einmal. Hm, ein bisschen geschrumpft war das Zeug ja schon. Aber nicht sehr. Und gaaanz so schlimm, wie ich es im Kopf hatte, sah es nun auch nicht aus... und die Sachen von den anderen sahen auch nicht alle so perfekt aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Außerdem, und wenn schon - mal ehrlich, es interessiert doch überhaupt niemanden, was ich irgendwann mal in meinem Urlaubssemester in den USA im Töpferkurs für eine Note hatte :D Ich sollte meinen Perfektionismus mal dringend ausschalten und mir selbst die Zeit zum lernen geben, die ich auch brauche.
Heute in dieser Stunde fühlte ich mich aber schon etwas besser. Ich wusste ungefähr, was ich zu tun habe, und ich glaube, das ist es, was mir Sicherheit gibt. In der zweiten Hälfte nämlich begannen wir ein neues Projekt - Maracas! Wir töpfern tatsächlich Maracas, ist das nicht cool... ich finde es total schade, dass ich meine Töpferkunstwerke nicht mit nach Deutschland nehmen kann. Das geht ja sicher alles kaputt... Aber ich werde hier sicher (hoffentlich?) ein paar Leute finden, die sich über meine Sachen freuen. Und über meine Maracas ;) Jedenfalls, unser Dozent machte uns einmal die verschiedenen Schritte vor, und das wars. Ich glaube, das ist genau mein Problem - ich brauche mehr Anleitung. Vor allem, weil ich ja manchmal nicht gleich 100 prozentig alles verstehe. Und dann kann ich mir natürlich nicht alles merken. Ich habe einfach Angst, irgendeinen Schritt zu vergessen oder etwas falsch zu machen und dann völlig hinter den anderen zurückzufallen. Bloß nicht! Und ja, diese Stunde ging schneller rum als die letzte. Ich hoffe doch, dass das was wird! :)
Mittlerweile war die Sonne immer noch draußen zu sehen, also beschloss ich, zur Feier das Tages wieder draußen zu essen. Das hatte ich ja bisher erst ein weiteres Mal gemacht. Ich nahm mir meine tägliche Portion Reis mit Hühnchen (ja, ich esse jeden Tag das Gleiche o_O) also nach draußen, plazierte meinen eBook-Reader vor mir und genoss die Wärme. Die gleichzeitig richtig kalt war, denn der Wind war eisig. So saß ich also mit Jeansjacke in der prallen Sonne und fror teils noch schön ;) Egal, das war es wert. Auch wenn ich halb krank bin. Sonne ist schließlich auch sehr wichtig! Irgendwann stieß A. zu mir, und nachdem auch sie mit Essen fertig war wies sie mich in die Geheimnisse des Computerraums und des Druckens an der SFSU (San Francisco State University) ein. Zwar war der Raum so belegt, dass wir etwas warten mussten, bis ein PC frei war, aber die Zeit genügte dennoch, um ein bisschen was nötiges auszudrucken, Mails zu checken (morgens hatte mal wieder mein Internet zu Hause nicht getan, gnaaaa) und ein ganz wutzikleines bisschen zu surfen. Wobei A. auch gleich eine sehr tolle Nachricht von B. bekam, die ja ebenfalls auf dringender Haussuche gewesen ist - sie hat eine Bleibe gefunden! Ich hoffe jetzt sehr, dass das auch alles funktioniert und nicht im letzten Moment etwas schief geht. Sie hat das wirklich verdient, und natürlich stand sie auch unter dem Zeitdruck, schnell etwas finden zu müssen. Ich kann das ja sehr gut nachvollziehen, mir ging es ja vor drei Wochen nicht anders (meine Güte, wie die Zeit vergeht...).
Nach dieser positiven Nachricht machte ich mich auf, um noch einmal bei Ceramics vorbeizuschauen. Ich hatte nämlich meine Armbanduhr in meinem Ceramicspulli vergessen - und ohne Armbanduhr fühle ich mich völlig nackt! Ein echt seltsames Gefühl. Zum Glück war sie noch da und nicht irgendwie rausgefallen oder so. Puh.
Um zwei hatte ich dann schließlich eine weitere Runde Theater. Diesmal ging es mir fast genauso wie gestern in Jazz - ich stand kurz vorm einschlafen. So ein Mist. Ausgerechnet in diesem Fach, und hier sieht man das auch noch so dolle. Außerdem sind wir ja viel weniger als in der anonymen Jazzvorlesung. Ich schaffte es aber immerhin, halbswegs wachzubleiben, im Gegensatz zu dem Studenten mir gegenüber. Der schlief nämlich tatsächlich ein ;)
Im Laufe der Zeit ging es mir immer schlechter, die Luft hier drin war stickig und ich wollte einfach nur raus. Kenn ihr das? Wenn man Schnupfen hat dann will man gaaanz viel frische Luft. Zumindest mir geht das immer so, und ich bin normalerweise nicht so ein Frischluftfanatiker... Zum Glück gabs bald eine Pause, wo ich mich dann auch sogleich vor die Türe stellte. Ja, es war etwas frisch, denn die Sonne war nicht mehr ganz so präsent... Aber besser als stickige Luft. Obwohl die Luft irgendwie immer noch hätte frischer sein können ;)
Draußen saß auch mein Theaterdozent auf einer Bank und unterhielt sich mit zwei meiner Komilitonen. Er winkte mich zu sich heran um mich etwas zu fragen. Ganz ehrlich, richtig kapiert habe ich es immer noch nicht... auf jeden Fall fragte er mich, ob ich bei einer Familienfeier (glaube ich...) Clair de Lune spielen könnte. Es hat irgendwas mit seiner Enkelin zu tun, ihr erster Geburtstag oder ihre Taufe oder irgendwas... Keine Ahnung. Wenn ich Zeit hab, sicher, gerne... ;) Ich hoffe nur, dass er mir rechtzeitig Bescheid gibt. Und dass ich dann da auch kann.
Nach der Pause kamen wieder ein paar Vorführungen meiner Komilitonen dran. Und mir gings irgendwie immer schlechter... Das Kopfweh wurde immer stärker, sicher auch bedingt durch die schlechte Luft in dem Raum. Ich wollte auf jeden Fall einfach nur nach Hause.
Dummerweise konnte ich das nicht, denn heute und morgen standen ja die Auditions für den Gospelchor auf dem Plan. Und ich wollte das heute hinter mich bringen um morgen unter Umständen schon in den Frauenchor zu gehen. Trotz Halsschmerzen ;)
Also trabte ich zum Audition-Raum, nur um festzustellen, dass dort schon eine ganze Menge Leute wartete. Ich trug mich schnell in die Liste ein, Nummer 20. Aktuell war Nummer 7 im Raum, und das Ganze lief schon eine Stunde. Prost Mahlzeit. Ich machte es mir also auf dem Boden "bequem" undunterhielt mich ein wenig mit den anderen Wartenden, am Ende hauptsächlich mit einem Mädel. Deren Namen ich schon wieder vergessen habe... Sie schien mir ja ganz nett zu sein, auch wenn die Wellenlänge irgendwie fehlte. Ja, ich weiß, die fehlt mir irgendwie immer :D Aber mal sehen. Wir haben Nummern ausgetauscht, abwarten.
Nach laaangem warten kam ich nach über einer Stunde endlich an die Reihe. Puh! Bald hab ichs also hinter mir :) Wirklich geübt hatte ich nicht, nur in der Mittagspause direkt vor Theatre war ich kurz in einen Überaum gegangen, um das Stück mal bei halber Kraft zumindest einmal durchgesungen zu haben. Ich wollte meine Stimme für dieses eine Mal schonen ;)
Ich trat also in den Raum (im übrigen auch der Raum, in dem ich Klavierunterricht habe). Dort erwarteten mich bereits der Chorleiter, der Typ der letztes Mal am Klavier gesessen hatte und noch eine weitere Frau, die mir nichts sagte. Sie sahen sich die Anmeldung durch, die ich vorher beim Warten ausgefüllt hatte und fragten mich ein, zwei Kleinigkeiten. Bis sie dann kapierten, dass ich eine Austauschstudentin bin. Anscheinend hatte die Jazzleiterin auch schon erwähnt, dass da eine deutsche Studentin Interesse am Gospelchor bekundet hatte. Voilà, das bin ich! :D
Witzigerweise stammt die Frau anscheinend auch aus meiner Heimatstadt. Find ich cool. :)
Endlich "durfte" ich dann loslegen. So ganz ohne Tonangabe doch schon etwas komisch, immerhin muss ich ja hoffen, ungefähr die richtige Lage getroffen zu haben. Meine Stimmgabel liegt nämlich in Deutschland... Merkwürdigerweise hatte ich ein super Gefühl, von meinen Halsschmerzen bemerkte ich beim Singen eigentlich kaum etwas. Gut, das Stück geht nur eine Minute, aber hey :) Während ich sang zückte der Chorleiter auch sein Handy und filmte ein bisschen - irgendwie ein komisches Gefühl. Ich nehme an, er will sich die Leute im Kopf behalten, und das ist wohl die einfachste Variante.
Nachdem ich fertig war kam noch die bestätigende Frage - ich hätte Erfahrung im Chor? Und ich könne mich auch der Lautstärke des Chores anpassen? Ähm, hust. Ja. Das halbe Jahr Junge Oper scheint da wirklich etwas mit meiner Stimme in puncto Lautstärke angestellt zu haben... Dabei hatte ich auch während dem Stück schon leise und laute Passagen drin gehabt. Ist doch eigentlich eindeutig, dass ich dann nicht nur die ganze Zeit fortissimo singe. Ich sollte in diese Richtung langsam dringend etwas unternehmen, war meine Stimme vor einem Jahr noch relativ leise so ist sie jetzt wohl ein bisschen zu laut geraten.
Wie dem auch sei - ich bin drin. Juhu! Adieu, Jazzvorlesung. Halleluja! Das positive an der Sache ist auch noch, dass ich das "teure" Jazzbuch für 35 Dollar wieder zurückbringen kann. Das mach ich doch gerne...
Mein Tag war aber immer noch nicht vorbei. Ich brauchte dringend neue Milch und außerdem Wasser - meine Vorräte gingen langsam aber sicher zu Ende. Also bestieg ich die Bahn, um eine Station weiter zum Mini-Einkaufszentrum zu fahren. Direkt neben dem Trader Joes (einem Supermarkt) befindet sich auch der ominöse Buchladen, in dem ich schon an Tag 4 am liebsten mein ganzes Geld hätte liegen lassen. Und ich konnte nich wiederstehen und musste noch einmal rein. Die Postkarten hier drin sind eben auch unschlagbar günstig.
Tja, dummerweise kam ich nicht nur mit Postkarten raus sondern auch zusätzlich noch einmal mit einem Buch. Mist. Aber hey, das hat unter 3 Dollar gekostet! Und es ist ein X-Wing-Buch! Bacta War, wens genauer interessiert. X-Wing für unter 3 Dollar... jetzt mal ehrlich. Da kann doch echt niemand wiederstehen.
Anschließend kaufte ich aber wirklich nur noch das ein, was ich brauchte - Milch, Brot und Wasser. Klingt fast nach Gefängnismahlzeit... Ach ja. Reis gabs auch noch. Das ist dann schon humaner.
Nach diesem anstrengenden Tag wollte ich dann wirklich nur noch nach Hause. Mir ging es ohnehin wirklich nicht gut und ich sehnte mich nach meinem Bett und einer guten Portion Schlaf.
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