Als ich aufstand schien wieder die Sonne. Wow. Das bin ich ja gar nicht gewohnt so oft hintereinander! Ich hatte meinen Wecker gestellt, denn heute Mittag wollte ich mich mit A. treffen und irgendwas unternehmen. Viel Zeit hatte ich nicht, denn abends sollte das erste Fußballspiel sein. Aber der Nachmittag war ja frei.
Als ich A. allerdings endlich erreichte war es schon nach halb eins - sie hatte etwas länger geschlafen als geplant. Ich wollte heute zur Golden Gate Bridge, denn schon gestern war sie mal ausnahmsweise Nebelfrei gewesen. Vielleicht war sie das ja heute immer noch? Das wäre wirklich super, denn oft passiert das nicht. Das müsste ich dann ja ausnutzen. Irgendwann meldete sich A. noch mal - ihr ging es gar nicht gut, nichts mit Ausflug heute nachmittag. Ich beschloss aber dennoch zu gehen. Wäre es neblig und kalt draußen wäre ich wohl zu Hause geblieben, aber so einen schönen Tag konnte ich nicht ungenutzt lassen. Als ich losging war es schon zwei - viel Zeit blieb mir als nicht. Ausgerechnet heute war ich auch Ewigkeiten mit dem Bus unterwegs, irgendwie schienen alls zur Golden Gate Bridge zu wollen.
Ich brauchte mehr als eine Stunde bis ich endlich da war. Glücklicherweise war aber auch an der Brücke wirklich wahnsinnig gutes Wetter. Ich machte wahnsinnig viele Fotos, von hier, von da, noch mal von hier... Digicam sei Dank! Ich machte auch ein paar von mir, mit dem üblichen ausgestreckten Arm. Der Witz war, sobald ich das machte kam irgendjemand auf mich zu und fragte, ob er/sie ein Foto von mir machen solle. Sehr nett! Ja ich weiß, aufpassen wegen Diebstahl oder so... aber meistens sind es halt wirklich einfach nur nette Leute. Ehrlich gesagt machten manche keine so wirklich schönen Fotos, abgeschnitten oder schräg oder so was, aber was solls :)
Schließlich lief ich dann los auf die Brücke. Und machte noch mehr Fotos ;) Manchmal wackelte die Brücke ganz schön, da wurde es mir ziemlich mulmig. Aber die restliche Zeit konnte ich es verdrängen, auf einer wackeligen Brücke in einem Erdbebengebiet zu laufen. Wovor ich allerdings am meisten Angst hatte war, meinen Fotoapparat fallen zu lassen. Mitten rein ins Meer. Jedes Mal wenn ich ein kleines bisschen über das Geländer reichte wurde mir seeeehr unheimlich zumute. Aber für manche Fotos musste ich das Risiko eingehen... was ja eigentlich kein wirkliches Risiko war, denn warum sollte ich die Kamera dort eher fallen lassen als normalerweise? Verrückt.
Ich lief bis zum ersten Pfeiler, dann drehte ich um. Manchmal war es sehr leer auf der Brücke, manchmal war sie ziemlich überfüllt. Und die ganze Zeit sehr, sehr windig. Ich wäre gerne auch auf der anderen Seite gelaufen, denn auf der anderen Seite war die Sonne. Das hätte ich gerne richtig gesehen, das sah einfach toll aus. Aber die andere Seite ist für Fußgänger leider gesperrt, exklusiv für Fahrradfahrer. Das Wetter war einfach wundervoll und ich genoss es wahnsinnig, jetzt und in diesem Moment hier zu sein. Es war fast perfekt.








Nach ein, zwei Stunden war ich bereit wieder heimzufahren, aber nicht, ohne nicht kurz im Souveniershop vorbeigesehen zu haben. Ich muss schließlich langsam anfangen, ein paar Sachen für meine Leute zu Hause zu kaufen! Wenn ich das alles am Ende mache dann ist das ein Haufen Geld auf einmal, aber immer wieder zwischendurch fällt hoffentlich nicht so auf. Dummerweise lief ich einem süßen Shirt über den Weg, das gar nicht so teuer war - 11 Dollar und mit Stickerei. Das hält wenigstens eine Weile im Gegensatz zu vielen Drucken, da muss man immer so Angst haben, dass nach der nächsten Wäsche nur noch die Hälfte des Druckes da ist. Immerhin... Kleidung als Souvenir ist wenigstens nützlich. Das ist aber ein Souvenir für mich ;)
Als ich den Laden verließ fuhr gerade mein Bus ein - perfekt! Ich rannte die Stufen hinunter - schließlich hatte ich schon oft genug erlebt wie der Bus im letzten Moment vor meiner Nase wegfuhr. Diesmal aber hoffentlich nicht!
Dummerweise knickte ich beinahe mit meinem Knöchel um, was mir ja schon hin und wieder passiert. Aber zum Glück konnte ich mich gerade noch auffangen. Das wäre ja was gewesen, vor dem Spiel heute Abend noch eine Verletzung einzufahren... Ich setzte mich in den Bus und fuhr. Und fuhr. Herrje, das dauerte ja wieder mal! Unterwegs machte ich Halt um mir dieses Mal die richtigen Würstchen zu kaufen. Das kostete wieder eine Menge Zeit, besonders, da mir der Bus nach Hause mal wieder vor der Nase wegfuhr.
Irgendwann war ich aber zu Hause. Ich aß, schlang es herunter, schnappte mein Sportzeug und flitzte los. Dummerweise war ich schon wieder recht spät dran und ich wusste noch gar nicht, wo ich eigentlich hinmusste. Das Gebäude zu finden war kein Problem. Die Halle fand ich sogar auch relativ schnell. Und zum Glück schienen die anderen genauso "unpünktlich" zu sein wie ich - wirklich unpünktlich war ich ja nicht. Ich war sogar zwei, drei Minuten früher da als wir uns treffen wollten. Aber ich fand das schon ziemlich knapp, denn ich war ja noch gar nicht umgezogen. Was sich zu einem weiteren Problem herausstellte, denn die Umkleiden waren abgeschlossen. Also musste mal wieder meine übliche Behelfsumkleide herhalten. Das nächste Problem war dann - welche Shirtfarbe? Hell oder dunkel? Welche war noch mal für das Heimteam? Ich entschied mich für weiß, irgendwie erschien mir das intuitiv eher richtig.
Als ich zurückkam wartete ich noch ein paar Minuten gemeinsam mit einem weiteren Mädchen, bis weitere Leute auftauchten, darunter unser Teamkapitän. Sie war super nett, das erleichterte alles irgendwie. Wir kickten ein wenig im Flur hin und her um uns warm zu machen, und dann durften wir auch schon auf das Feld. Mittlerweile waren wir zu siebt - zehn sollten im Team sein. Eine hatte schon gesagt sie würde heute nicht kommen, wo der Rest blieb, keine Ahnung.
Obwohl wir innen spielten spielten wir ohne Bande - einfach in einer normalen Turnhalle. Ich begann auf dem Feld in der Abwehr und es lief eigentlich gar nicht so schlecht. Bis ich dann irgendwann den Ball leider nicht ganz unter Kontrolle hatte und iiiirgendwie das 0:1 verursachte. Ups. Vielleicht war ich etwas abgelenkt gewesen, denn ich wollte nach dem Angriff wechseln - gut möglich dass mir das minibisschen Konzentration gefehlt hatte. Mist.
Ich wechselte dennoch und stellte an der Linie fest, dass wir Zuwachs bekommen hatten, ein achter Spieler war aufgetaucht. Olé! Zum Glück schaffte es mein Team das Spiel zu drehen und zur Halbzeit führten wir mit 3:1. Das sah ja schon mal ganz gut aus! Ich begann nach dem Wechsel wieder auf dem Feld. Wir hatten eine ziemlich gute Phase und schossen 3, 4 Tore hintereinander. Ich blieb die ganze Zeit hinten und verteidigte. Schien halbwegs gut zu laufen, nachdem wir keine weitere Kiste mehr kriegten. Ein Ball, den ich mit dem Kopf abwehren wollte lief dagegen nicht so gut, anstatt frontal traf er mich irgendwie am Auge und an der Backe - keine Ahnung wie das passieren konnte. Und nein, ich hab mich nicht aus Angst weggedreht :D Ich schätze er hatte irgendeinen Dreh. Aber immerhin, das Einsatz hat sich gelohnt - unser Tor blieb sauber. Ich ging wieder irgendwann raus um den anderen Gelegenheit zum Spielen zu geben, und am Ende stand es dann 9:1. Nicht schlecht für unser erstes Spiel! Mir ist klar, dass das nicht immer so laufen wird, aber hey, so als Einstand war das doch ganz cool.
Wir quatschten nach dem Spiel noch ein wenig, dann lief ich mit zweien zum Bus. Und rannte los, als ich sah, dass mein Bus gerade losfuhr. Mittlerweile kennt ihr ja aus aufmerksame Leser schon den Trick, wenn mir der Bus vor der Nase wegfährt, zumindest von der Uni in Richtung nach Hause. Und es klappte wirklich. Da saß ich also im Bus - verschwitzt und noch in Sportklamotten, denn ohne zu duschen wollte ich nicht in meine normalen Sachen schlüpfen. Und die Duschen waren natürlich auch geschlossen. Ich war also tatsächlich in kurzen Hosen unterwegs. Wow, das war ich ja schon Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Zuletzt ganz sicher noch in Deutschland! Jedenfalls saß ich da im Bus. Verschwitzt und glücklich. Tatsache, glücklich. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe. Ganz sicher noch nicht hier in Kalifornien. Ich will nicht sagen, dass ich hier unglücklich war oder bin, aber zwischen unglücklich und glücklich liegen nun einmal Welten. Und heute abend war ich glücklich. Sport zu machen hatte sich einfach verdammt gut angefühlt, gewinnen war natürlich noch viel besser. Und die Sonne den ganzen Tag über hatte einfach wahnsinnig gut getan. Ich vermisse sie wirklich... Sonne und Sport sorgten für ziemlich viele Glückshormone in mir drin. Es war einfach wahnsinn.
Zuhause machte ich nicht mehr viel. Ich sprang natürlich unter die Dusche, aber es war schon recht spät. Zwar war da noch einiges zu tun, aber die Uhr erzählte mir einfach andere Sachen. Was ich noch schaffte war zumindest ein bisschen Organisationsarbeit zwecks Klavierstunden, beser als gar nichts.
Und ganz ehrlich - mehr muss an so einem Tag eigentlich auch nicht sein. Einfach nur mal glücklich sein und genießen. Und das sich nicht durch Stress und Pflichten kaputtmachen. Das muss nicht sein, ganz und gar nicht.
Genießen. Einfach so.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen