Von viel und gutem Schlaf war heute Nacht absolut nicht die Rede. Ich träumte schreckliches - von Ameisen und Spinnen, die über mich krabbeln. Wer mich kennt weiß, was das für mich bedeutet. Es war der Horror pur. Irgendwann in der Nacht erwachte ich dann von meinem eigenen erschrecktem Atem - das ist mir in meinem ganzen Leben nicht wirklich oft passiert. Völlig durchgeschwitzt schlief ich weiter, aber dennoch - gut war auch derkommende Schlaf nicht.
Als schließlich mein Wecker klingelte wollte ich das Ding einfach nur gegen die Wand schmeißen und weiterschlafen, aber die Pflicht rufte. Möglichst leise stand ich also auf, machte mir Frühstück und staunte über E.s Fähigkeit, neben mir zu schlafen, während ich auf dem Bett mein Müsli schlürfte und am PC saß. Auch meine andauernd wiederholent klingelnden Wecker hatten sie nicht wecken können. Sie wachte nicht auf, sogar nicht, als ich mein Zimmer mit Sack und Pack in Richtung Uni verließ. Ihren Schlaf hätte ich gern ;)
Im Töpfern dann schaffte ich es, eine meiner Maracas fertigzustellen. Wuhu! Fehlen nur noch eine Schale, zwei Tassen, eine Box, eine Maraca, ein Bügeleisen und zwei weitere Boxen vom neuen Projekt. Keeeein Problem... Ja, ich gerate langsam in Panik :D Gegen Ende der Stunde unterhielt ich mich ein wenig mit meinen Gegenübersitzenden, und so verging die Zeit wie im Flug.
Nach dem Essen machte ich es mir mal wieder im Computerraum gemütlich. Ich war neugierig, ob meine Anfrage an das Fußballteam schon durch war... Und ja, sie war es. Aufgenommen als zehntes und letztes Teammitglied :) Die Spiele sind Sonntags, allerdings sehr spät abends und dauern eine halbe Stunde. Die Startzeiten sind unterschiedlich, das späteste Spiel was wir haben ist um 21:15 Uhr!!! Wow. Und dann soll man am nächsten Morgen fit sein? ;) Ich bin gespannt, wann die Spiele für Tennis sind, darf ja nicht so spät sein, ist ja draußen. Los gehts übrigens schon diesen Sonntag mit Fußball, das heißt, ich brauche schleunigst Hallenschuhe. Und sofern das mit dem Tennis klappt auch Tennisschuhe. Ich werde dann wohl am Freitag losziehen müssen um mir welche zu kaufen :)
Obwohl ich nach dieser Nacht todmüde war, noch müder als gestern, machte ich mich auf zu den Überäumen. Mehr als eine Viertelstunde üben war nicht mehr drin, aber immerhin. Im Theaterunterricht konnte ich heute chillen - sich gleich am Anfang zu melden hat wirklich Vorteile! Nach zwei Dritteln machten wir eine kleine Pause, die ich dann direkt doch mal gleich zum schlafen nutzte. So eine Viertelstunde Dämmerzustand macht wirklich einen immensen Unterschied, denn die letzte Stunde konnte ich ziemlich gut verfolgen, ohne die ganze Zeit Angsthaben zu müssen, dass mir die Augen zufallen.
Das muss die Woche das Überziehens sein, denn auch dieser Unterricht wurde überzogen. Diesmal lagen wir im guten Mittelmaß von ungfähr 8 Minuten. Aber wir wollen ja mal nicht so sein, schließlich durften wir Monate früher gehen... Obwohl ich so müde und K.O. war musste ich noch einkaufe, das Wasser geht hier weg wie nichts. Übrigens schaffe ich hier tasächlich doch eigentlich jeden Tag meinen Liter! Das ist für mich echt ein Fortschritt. Keine Ahnung, woran es liegt... Sicher aber mit an dem leckeren künstlichen Chemiepulver ;)
Ich wollte eigentlich gar nicht Heim, einerseits, denn ich hatte Angst, was mich erwarten würde. Eine Ameisenstraße? Ein Ameisenhaufen? Nur ganz wenige Ameisen? Oder - was ich kaum zu hoffen wagte - waren sie etwa alle endlich weg?
Letzten Endes fand ich dann wieder ein paar in meinem Zimmer. Nicht viele, vielleicht 10 Stück. Was aber auf Grund der Angst, sie könnten mehr werden und auf Grund der Tatsache, dass sie auch auf meinem Bett herumkriechen, immer noch ein Grauen auslöst. Diese ganze Situation überfordert mich und macht mich fertig. Es mag vielleicht lächerlich klingen, sich von Ameisen mobben zu lassen, aber ja... irgendwie ist das so.
Heute war ich so erschöpft von der miesen Nacht und den Sorgen, wann und in welcher Zahl die Ameisen mein Zimmer überrennen würden, dass ich erst mal ein bisschen heulen musste. Ja, so weit ist es mittlerweile gekommen... ich bin so weit, dass ich mich gar nicht mehr in mein Zimmer traue vor lauter Angst. Und das ist hier, wo mein Zimmer doch eigentlich mein Zuhause sein sollte und mein Rückzugsort in dem ich, fernab von all meinen Freunden und Familie in Europa, ein bisschen Heimat habe. Das ist aber momentan absolut nicht der Fall, und ich habe schon Angst vor dem schlafengehen. Ich will nicht wissen, was da dann über mich drüber krabbelt! Es ist nicht so, dass ich vollkommen fertig wäre oder so. Auch nicht vollkommen traurig. Es ist einfach nur Überforderung, ich denke, das ist auch irgendwo normal. Nach ein bisschen ausheulen gings mir auch gleich schon viel besser ;) Ich denke, wenn ich dieser Nacht gut schlafe dann wird alles wieder aufwärts gehen. Der Schlafmangel macht mich sicher
zusätzlich noch kirre.
Als E. nach Hause kam fassten wir gleich den Entschluss, dass es so nicht weitergehe. Wir wollten mit unseren Vermietern reden und sie darum bitten, einen Kammerjäger zu bestellen. Auch wenn wir momentan nicht von Ameisen überrannt werden, wer weiß, ob da nicht noch eine ganze Menge irgendwo ist. Und wir haben schließlich immer noch welche in der Wohnung und kriegen sie nicht los. Wir wüssten einfach gerne, woher sie kommen, damit wir sie richtig bekämpfen können.
Also nahmen wir das Ganze in Angriff und klopften bei unseren Vermietern. Wir erklärten ihnen die Lage, zeigten ihnen die Überbleibsel der Ameisen und bestanden auf einen Kammerjäger. Sie meinten zwar immer wieder wir sollten sprühen, bisher habe das gut funktioniert, aber das haben wir schließlich schon probiert. Nach hin und her meinten sie dann, dass sie sich darum kümmern würden. Halleluja. Ich bin ja gespannt, wie schnell das geht, und ob es wirklich klappt.
Nach unserem Gespräch blieben E. und ich noch etwas in der Küche. Und wir fanden heraus, dass es uns beiden gerade schlecht geht. Wir beide kommen mit der Situation nicht klar und wir beide haben schon überlegt, wo wir wo anders schlafen können, weil wir uns zu Hause einfach nicht wohlfühlen. Und wir beide fühlen uns total erschöpft von der Situation und wollen einfach nur, dass es vorbei ist. Es tut mir gut zu wissen, dass ich nicht überreagiere und die einzige bin die so fühlt. Wir unterhielten uns noch ein wenig, ich regte mich unter anderem darüber auf, dass unser Gospelchor-Konzert auf den ersten Samstag der Thanksgiving-Ferien gelegt worden war. Jetzt habe ich nämlich erstens 2,5 Tage weniger Zeit zum Reisen und zweitens kann ich nicht zur Stargate-Convention. Wunderbar. Ich wette, es kommt kaum einer zum Konzert weil alle in den Ferien sind... Ja, es regt mich richtig auf. Ich bin 5 Monate hier, und jeder freie Tag ist kostbar, vor allem, wenn sie in einer Reihe hintereinander liegen. Und neun Tage Ferien sind da einfach enorm wichtig, wenn man etwas von diesem Land sehen will. Schließlich liegt hier nichts wirklich in der Reichweite von 1-2 Stunden. Jedenfalls beschwerte ich mich bei E. darüber. Und dass ich so viele Pläne gehabt habe, Las Vegas, Disneyland, LA... und dass ich das alles jetzt nicht schaffen kann. War ja vorher schon sehr knapp ;) E. fragte ob es nicht möglich wäre, hinten ein paar Wochen dran zu hängen. Hab ich ja auch vor :D Aber alleine reisen will ich auch nicht :( Was ich ihr auch sagte. Woraufhin sie meinte - kein Problem, sie geht mit mir nach Las Vegas. Juhu! Ich hoffe, dass das auch wirklich funktioniert und wir einen Termin finden, an dem wir beide können. Ich schätze irgendwann im Januar dann vermutlich... hoffentlich.
Irgendwann telefonierte ich dann auch mit meinen Eltern, was mich wirklich etwas beruhigte. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber - wie haben die Leute ohne Internet solche Aufenthalte gemeistert? Ich brauche den Kontakt zu meiner Familie und zu meinen Freunden dringend. So bin ich meistens Heimwehfrei, und wenn wirklich etwas da ist, was mich beunruhigt - wie diese Ameisensache - dann kann ich mit mir nahestehenden Personen darüber reden. Ich würde druchdrehen alleine hier... Als ich nach dem Telefonat mein Zimmer verließ kochte E. noch ihre Suppe. Zum ersten Mal seit Tagen roch es hier nicht nach Chemie und Ameisenvertreibzeug sondern - lecker. Nach Essen. Und nach Weihnachten. Denn E. kochte Erbsensuppe, und diesen Geruch verbinde ich nun einmal unweigerlich mit Weihnachten. Und Schnee. Und Familie. Hach... Ich werde dieses Weihnachten Erbsensuppe ganz arg vermissen. Mal abgesehen von meiner Familie ;) Weihnachten und Erbsensuppe, das ist wie Max und Moritz, wie Leia und Han, wie... Vanilleeis mir Erdbeeren. Es gehört einfach zusammen.
Hach. Und mit diesen guten Gerüchen in der Nase und wohligen Gedanken beende ich heute meinen Blogeintrag, bevor ich verängstigt ins Bett krieche und bete, dass die Ameisen dort nicht bereits auf mich warten.
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