Tja, ich war sehr müde heute früh. Und anstatt, wie Dienstags normalerweise, heute ein wenig länger zu schlafen wurde daraus auch nicht sonderlich viel, denn ich hatte ja mit unserem Chorleiter abgemacht, mich mit ihm eine Stunde früher zu treffen, um die zwei deutschen Lieder durchzugehen. Ich kam fast zu spät, denn ich war wirklich todmüde. Gut, wenn man es genau nimmt war ich sogar zu spät, es war zwei Minuten nach zehn, als ich da war. Aber der Raum war noch abgeschlossen und unser Chorleiter noch nicht zu sehen, also - wenn man früher da ist als der, mit dem man sich verabredet hat ist man nicht zu spät :D Sag ich jetzt einfach mal so. ich wartete also, bis er nach fünf Minuten abgehetzt auftauchte - Unfall auf der Straße. Na dann.
Wir gingen die Stücke durch und ich versuchte ins besondere, ihm das "ch" und "r" so anzugewöhnen, dass es nicht ganz hinten im Hals sitzt. Klappte mehr schlecht als recht, aber so schnell geht das natürlich nicht. Immerhin war es schon ein bisschen besser als am Anfang. Ich will ja gar nicht wissen, wie albern und seltsam sich mein amerikanisch anhört... Jetzt verstehe ich langsam, weshalb man uns deutsche hier sofort am Akzent erkennt. Amerikanisch und deutsch scheinen sich wirklich stark zu unterscheiden was die Lautbildung angeht. Zwar nicht so wie Chinesisch oder so... aber naja. Allerdings hab ich von so was ja auch eigentlich keine Ahnung ;)
Im Chor dann teilten wir uns wieder in die einzelnen Stimmgruppen ein. Ich hatte mich mal bereit erklärt, für den Sopran die Stimme am Klavier zu begleiten - also nur die Stimme zu spielen, sonst nichts ;) Ich dachte, das sei kein Problem, noch nebenher zu singen, aber ne... das kriege ich irgendwie nicht hin. Außerdem verspielte ich mich für meinen Geschmack etwas zu oft. Die müssen alle gedacht haben, dass da eine Idiotin am Klavier sitzt, hoffentlich weiß niemand, dass ich das Instrument als Hauptfach habe... dabei war das doch eigentlich gar nicht schwer. Seltsam.
Die Zeit verflog sehr schnell, und wir überzogen leider ein, zwei Minuten - finde ich jetzt nicht so schlimm. Aber hier zeigte sich dann, wie die Reaktion gestern im Gospelchor meiner Meinung nach hätte sein müssen. Unser Chorleiter blickte auf die Uhr, erschrak sich und entschuldigte sich bei uns allen ehrlich dafür, dass er überzogen hatte, die Zeit sei aus seinem Blick geraten. Wegen ein, zwei Minuten. Ich frage mich, was er in der Situation gestern gesagt hätte :D
Ich hatte riiiesigen Hunger und war daher froh, dass ich essen gehen durfte. Ich traf A., wir aßen gemeinsam - und plötzlich war mein Hunger weg. Mittendrin, so im halben Mittagessen... ich aß natürlich alles auf, aber wo vorher noch ein riesiges Loch im Bauch war war dieses wohl anscheinend schnell gefüllt. Kenne ich so gar nicht von mit, ganz komisch. Während wir da am Tisch saßen und uns unterhielten teilten wir unsere neuen Erlebnisse und Erkenntnisse miteinander aus. Am Tisch lief unser Chorleiter mit einer Studentin vorbei, die ich natürlich grüßte. A. meinte daraufhin, sie würde das Mädchen kennen, und sie wüsste, dass sie mich kennt. Sie habe ihr nämlich erzählt, dass ein deutsches Mädchen im Chor ihr weismachen wollte, dass es kein Problem sei, während dem Singen auch zu klatschen und zu stampfen. So ganz war es dann aber irgendwie doch nicht... Ich saß letzte Woche schon in der Reihe und wartete auf alle anderen, als diese Studentin allgemein meinte, dass sie das klatschen und stampfen bei dem einen Stück nicht hinkriegen würde. Ich wollte höflich sein und aufmunternd (und ich dachte, im Chor sei es erlaubt, miteinander zu reden...) und meinte, dass sie das schon schaffen würde, mit ein bisschen Übung schafft das jeder. Diese Erfahrung habe ich nämlich eindeutig gemacht. Manche brauchen länger, andere kürzer, aber am Ende kriegt es immer jeder hin. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber 99,9 % schaffen es. Sie schien mich in dem Moment zum ersten Mal zu beachten und meinte nein, sie würde das nicht schaffen. Ich wollte nicht weiterbohren und hatte auch das dringende Gefühl, dass sie sich fragte, was dieser Neuling ihr wohl erzählen wollte. Gegenüber A. hatte sie sich jetzt wohl darüber "beschwert", dass ich das angesprochen habe. Ich mein, ich hab ja nur ein Semester in Rhythmik nichts anderes gemacht als rhythmische Spielereien und habe eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung (zumindest hoffe ich, dass meine Diplomarbeit nicht so schlecht war^^). Ich habe ja keine Ahnung von so was... Naja. Was solls. Nächstes Mal biete ich keine Hilfe mehr an oder versuche nett zu sein...
Dieses Mal reichte zum ersten Mal meine Mittagspause beinahe nicht aus, ich musste mich sputen, um nicht zu spät zum nächsten Chor zu kommen. Ich war wirklich todmüde, das merkte man eindeutig an meiner Konzentration. Ich bekam die einfachsten Sachen nicht hin, peinlich peinlich... seltsam fand ich auch die Aussprache, die wir für Pergolesis Stabat Mater einübten. Also ich habe Latein anders gelernt... Ich hab ja keine Ahnung, welche Aussprache nun richtig ist, aber auf jeden Fall ist es sehr schwer für mich, fünf Jahre Latein einfach aus meinem Kopf zu streichen. Ich werde wohl versuchen müssen, mich da anzupassen, egal ob es nun richtig ist oder nicht. Frustrierend ist das trotzdem. Oder irre ich mich völlig und das Stabat mater ist auf italienisch?!?
Wie dem auch sei, ich machte mich danach auf zum Klavierüben. Und bekam wieder richtigen Hunger, was ist denn das für ein hin und her. Im Unterricht sprach ich dann mein Prüfungsprogramm"problem" an - alles wirklich kein Problem, wir strichen das Prélude. Und falls ich irgendwann feststellen sollte, dass mir doch noch Zeit fehlt dann werde ich irgendwas Kurzes ausgraben. Ganz einfach. Wir überzogen den Unterricht etwas, zum ersten Mal, eigentlich hatte ich bisher das Gefühl gehabt, dass sie immer genau plane. War vielleicht auch nur eine Ausnahme. Übrigens ist es ein total seltsames Gefühl, regelmäßig immer zu gleichen Zeit Unterricht zu haben. So was kenne ich gar nicht mehr, aber ich finde es super. Man kann sich immer darauf verlassen wann man Unterricht hat und seine Zeit dementsprechend planen. Ich liebe es :)
Nach der Stunde hatte ich ein gutes Gefühl für meine Prüfung hier in den USA. Fast alle Stücke sind schon ziemlich nah dran an Vorspielreife, jetzt kann ich wirklich perfektionieren. Und vielleicht sogar auswendiglernen. Wow, das wäre was ;)
Mein Hunger war plötzlich wieder weg. Da ich todmüde war hatte ich keine wirkliche Lust, noch Klavier üben zu gehen - also ab in den Computerraum ;) Gut so, denn ich entdeckte, dass mein Paypalguthaben endlich angekommen war. Also hielt mich nichts mehr davon ab, endlich meine Tabletten zu bestellen. Ich denke, dass sie in zwei bis vier Wochen hier eintrudeln werden, bis dahin muss ich eben sparen. Außerdem loggte ich mich mal wieder bei der Sportseite ein, über die die Teams für Fußball, Tennis usw. geregelt werden. Und entdeckte, dass es plötzlich doch ein Team vom IEEC für gemischten Fußball in der unteren Liga gab. Von dem schon 9 Plätze belegt waren. Schnell schrieb ich die Kapitänin an (oder was ist die weibliche Form davon... ich steh auf dem Schlauch) - vielleicht habe ich ja Glück und komme tatsächlich noch ins Team :)
Tja, jetzt hatte ich aber plötzlich wieder Hunger. Und trotz des bald darauf folgenden Yoga-Unterrichts aß ich was. So kann das schließlich nicht weitergehen ;) Ich wurde allerdings immer müder und fragte mich ernsthaft, wie ich Yoga überstehen sollte ohne die Hälfte der Zeit zu verschlafen.
Und ja, es wurde hart. Teilweise schlief ich wirklich beinahe im Stehen ein. Und damit meine ich im Stehen. Und ich meine das Ernst. Bisher ist mir das noch nie passiert, ich fragte mich immer, wie so was geschehen kann. Aber heute merkte ich eindeutig - es geht. Hätte ich mich nicht mit aller Kraft dagegen gewehrt wäre ich wohl irgendwann auf den Boden geknallt weil ich eingschlafen war... Dennoch schaffte ich es durch die zwei Stunden, ohne jemals wirklich geschlafen zu haben. Ich war oft seeehr kurz davor, vielleicht auch schon im Übergang, aber irgendwie bekam ich immer noch alles mit.
Eeendlich durfte ich heimgehen. Juhu.
Und als ich es mir dann Zuhause auf meinem Bett bequem machte - entdeckte ich eine Ameise auf selbigem. Nein. Bitte nicht. Keine Ameisen in meinem Zimmer! Das hat mir gerade noch gefehlt. Bisher entdeckte ich aber nur die eine, vielleicht hatte ich diese ja irgendwie aus der Küche eingeschleppt. Ich surfte ein bisschen herum, genoss die Ruhe an diesem Abend - gestern hatte ich ja nicht wirklich viel davon gehabt. Dabei stellte ich fest, wie sehr der Euro gerade gesunken ist, ganz schlecht für mich. Jetzt kriege ich noch weniger Dollar für meine Euros :(
Und während ich da so saß entdeckte ich eine weitere Ameise auf meinem Bett. Und weil das kein Zufall sein kann beschloss ich herauszufinden, woher die denn kam - jap, es sind Ameisen in meinem Zimmer. Keine ganze Straße, aber genug, in der Ecke zwischen Wand und Boden krochen so um die 10 Ameisen umher. Na danke auch. Direkt unter meinem Bett also, kein Wunder, dass ich die auch auf dem Bett habe. Ich entledigte mich ihrer und überlegte, was ich nun tun sollte. Sprühen? Ne, das wollte ich in meinem Zimmer lieber nicht. Und bisher waren es ja nicht sooo viele... vielleicht waren das ja alle? *hoff* Ich fragte E. um Rat und sie stimmte mir zu, sprühen musste vielleicht nicht sein. Wir verschoben also mein Bett auf die andere Seite es Zimmers und ich stellte eine der Fallen auf, die E. heute gekauft hatte. Die Ameisen sollen da angeblich reinkriechen und das Zeugin ihr Nest und zu ihrer Königin tragen. Ich hoffe mal, das funktioniert... Ich sah, wie zwei Ameisen an einer bestimmten Stelle zwischen Boden und Wand verschwanden und stellte die Falle genau davor. Und verzog mich wieder auf mein Bett, nicht ohne vorher natürlich genau zu schauen, ob da noch eine herumkriecht.
Ich machte mich Bettfertig, nach meiner Müdigkeit heute wollte ich nicht allzu spät ins Bett gehen. Als ich da so im Bad stand hörte ich ein Schreien aus E.s Zimmer. Als ich zu ihr kam war das Schlimmste schon vorbei und auf ihrem Boden war ein Massaker zu sehen. Hunderte toter Ameisen. Ach du schande. Ihr war nichts anderes übrige geblieben, als schnell zurSprühdose zu greifen. Mit Küchentüchern wären wir hier ewig am Werk gewesen. Wir hatten keine Ahnung, woher die Tiere kommen, denn wenn man sich das mal betrachtet ist die einzige Möglichkeit, dass sie irgendwie in der Wand leben. Bei mir tauchten sie nämlich komplett entgegengesetzt zu E.s Zimmer auf, zwischen den drei Orten ist vermutlich der größtmögliche Abstand, der in unserer Wohnung möglich ist. Und wenn sie in der Wand wohnen haben wir ein Problem, denn dann werden wir sie nur schwer bekämpfen können und zweitens nie wissen, ob wir es tatsächlich gehschafft haben.
Zum Glück hatte ich in meinem Zimmer nicht gesprüht, denn die einzige Alternative vom im Schlaf vergiftet werden bestand für E. nun, in meinem Zimmer zu schlafen. Wir checkten noch einmal alles ab und richteten dann mein Zimmer, das alles kostete natürlich wieder wahnsinnig viel Zeit. Als wir schließlich verängstigt und erschöpft im dunklen Zimmer lagen war es sicher schon Viertel vor eins. Und trotz meiner Müdigkeit den ganzen Tag über hatte ich immense Probleme, überhaupt einzuschlafen, zu viel war in den letzten Stunden geschehen und hattemeinen Adrenalinspiegel in die Höhe getrieben. Irgendwann aber schaffte ich es tatsächlich, in den Schlaf hinüberzugleiten...
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