Dienstag, 27. September 2011

Tag 51 (27.09.)

Irgendwie ist mir das noch nie aufgefallen - aber hier gibt es keine Vögel. Zumindest nicht die Singvögel und Zwitscherer, die ich in Deutschland gewöhnt bin. Ich hätte es nie gedacht, aber ich vermisse diese Tiere irgendwie :D Ist doch irgendwie was anderes wenn man die morgens bei Sonnenschein zwitschern hört. Aber nächsten Frühling habe ich sie ja wieder und werde sie verfluchen, wenn sie morgens anfangen zu zwitschern und mich aus meinem Schlaf reißen.
Ich kam heute noch gerade rechtzeitig zum Chor, irgendwie war ich ein wenig spät losgegangen. Heute war wirklich ein wunderschöner Tag, Sonnenschein pur - genau so, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe. Und irgendjemand schien das auch so zu sehen, denn noch bevor wir uns einsingen konnten ging plötzlich das Licht aus. Wir begannen zwar, wurden aber nach wenigen Minuten schon wieder unterbrochen - wir mnussten raus aus dem Gebäude. Raus in die Sonne :D Stromausfall auf dem gesamten Campus, und, wie ich später erfahren würde, sogar in nem ganzen Stadtteil. Keine Ahnung warum wir rausmussten - manche redeten davon, dass es irgendwo einen Fehl-Feueralarm geben würde und wir deshalb rausmussten. Warum auch immer. Abends, als ich rausfand, dass der ganze Stadtteil lahm lag, wurde dann vermutet, dass es an einer Baustelle lag. Warum wir allerdings die Räume wegen Stromausfall verlassen mussten - keine Ahnung. Ich vermute es liegt an irgendwelchen Sicherheitsvorschriften...
Jedenfalls fiel dadurch der Chor aus, denn niemand wusste, wann der Strom wieder da sein würde. Ich setzte mich also in die Sonne und wollte sie genießen - aber das war unmöglich. Nach zwei Minuten wechselte ich in den Schatten. Ich blätterte ein bisschen die Noten durch, die ich Freitag gekauft hatte, schließlich würde ich heute die erste Klavierstunde geben. Irgendwann wurde es dann Zeit zum essen, aber ich hatte noch absolut keinen Hunger. Lag wohl daran, dass ich heute noch nichts gearbeitet hatte. Nachdem der Chor ausgefallen war... Der Strom war übrigens nach etwa einer Stunde wieder dagewesen. Und unser Chorleiter hatte gemeint, wenn der Strom wieder da sei würde der Frauenchor stattfinden. Als ich den Raum aber betrat waren nur drei, vier Leute da. Es wurden mit der Zeit ein bisschen mehr, aber unser Chorleiter tauchte nicht auf. Zum Glück hatte ein Mädel seine Handynummer, und da erfuhren wir, dass er wohl eine Mail herumgeschickt hatte, in der stand, dass der Unterricht heute ausfallen würde. Hmpf. Hätte ich das früher gewusst wäre ich heimgegangen... so aber hing ich nun stundenlang umsonst an der Uni rum. Na gut.
Da der Strom wieder da war konnte ich ja zumindest in den Computerraum. Und ein paar Sachen ausdrucken, die ich irgendwann mal ausdrucken sollte. Ich öffnete also die Dokumente, druckte sie aber noch nicht aus, weil ich noch ein wenig surfen wollte. Gerade als ich sie drucken gehen wollte - war wieder der Strom weg. Nur für zwei Sekunden, aber das reicht ja bekanntlich, dass PCs nicht mehr laufen. Sie waren schnell wieder hochgefahren, der Drucker aber brauchte länger. Und länger. Und länger... ich war kurz davor, doch ohne zu drucken zu gehen, aber da ging das Teil dann endlich wieder.
Beim üben danach fühlte ich mich wieder überhaupt nicht wohl. Ich scheine da wohl gerade in einer dieser Phasen angekommen zu sein, in der einem nichts gefällt, in der nichts klappt - und nach welcher dann alles besser funktioniert. Hoffentlich. Das ist das, woran ich mich gerade klammere. Ich kenne das ja... aber mittendrin zu stecken ist echt doof.
Dementsprechend hatte ich auch ein kleines bisschen Angst vor dem Unterricht gleich. Ich war dann auch so offen und erzählte meiner Lehrerin von meinem momentanen Problem, und sie bestätigte mich und erklärte mir, dass das durchaus vorkommt und überhaupt nicht schlimm ist. Also genau das, was ich ja eigentlich weiß... Aber immerhin versuchte sie, im Unterricht mich aufzubauen, lobte mich und meinte, dass alles toll klingt. Finde ich jetzt nur dummerweise nicht... Mir fehlt was. Das gewisse Etwas. Aber ich kriege es einfach nicht raus aus den Tasten... Der Unterricht war dennoch okay, auch wenn sich keine Knoten lösten. Immerhin kamen nicht noch mehr dazu ;)
Netterweise durfte ich in dem Raum bleiben, um dann noch meine erste Schülerin zu unterrichten. Wir hatten ja gerade mal 20 Minuten Zeit um Grundlagen zu besprechen, Erwartungen und um ein bisschen was zu lernen. Unterrichten auf englisch ist wirklich seltsam, denn das, was ich eigentlich ausdrücken will, geht oft einfach nicht. Da fehlen mir die Wörter für. Auf deutsch ist das manchmal schon schwer genug, aber auf englisch stand ich oft vor einer Wand. Aber vielleicht gibt sich das mit der Zeit ebenfalls. Und sowieso rede und erkläre ich ja immer zu viel, vielleicht lerne ich jetzt, mehr die Musik sprechen zu lassen.
Wir lernten ein erstes Stück (Merrily we roll along - ich hatte das immer in meinem kleinen Musikkoffer gehört, als ich noch klein war. Ich liebe diesen Musikkoffer immer noch, ich glaube, das war wirklich eines meiner Lieblingsspielzeuge. Obwohl er eigentlich total sinnlos war weil er immer das gleiche Stück spielte und die gleichen Bilder zeigte :D ), und dann war die "Stunde" auch schon vorbei. Ich hatte vorher keine Kopien gemacht, da ich nicht wusste, wie der tatsächliche Stand sein würde. Also mussten wir die Kopien jetzt machen. Dummerweise war in dem einen Kopierer kein Toner mehr, im Copyshop müssten wir lange warten (Folgen des Stromausfalls) und von den Kopierern die im Untergeschoss stehen wusste ich da noch nichts. Also drückte ich ihr das Heft in die Hand und meinte, sie soll es auf eigene Faust kopieren und mir morgen wiedergeben. Wir verabredeten uns für neun Uhr, auch wenn mir hinterher auffiel, dass das etwas knapp werden würde. Um 9:10 Uhr sollte ich schließlich in Töpfern vor meinem Test sitzen. Aber das Gebäude liegt direkt nebenan, würde also klappen, wenn sie pünktlich sein würde.
Jetzt hatte ich aber Hunger bekommen. Also aß ich noch mal - obwohl wir das ja direkt vor Yoga eigentlich nicht machen sollen. Aber mei, was solls. Bevor ich da mit knurrendem Magen die Sonne anbete... Ich machte es mir also draußen mit Buch in der Sonne bequem, jetzt war sie schon langsam am untergehen und strahlte eine angenehme Wärme aus. Wobei, fast schon wieder ZU kalt ;) Auf dem Weg zu Yoga traf ich dann noch auf meinen Theater-Dozenten. Ich sollte ja am Sonntag bei dieser Veranstaltung bei ihm spielen, auch wenn ich immer noch nicht kapiert habe, was für eine Veranstaltung das nun genau ist. Er erzählte mir aber jetzt, dass das auf Samstag verlegt worden war. Uf. Hm... Also Sonntag war super gewesen, denn da ich da abends Fußball spiele will ich da ohnehin nicht allzu viel unternehmen. Aber Samstag... das ist eben mein "Ausflugstag". Der Tag, an dem ich Sachen unternehmen will. Ich sagte ihm also, dass ich noch schauen müsste, ob ich da kann.
Der Yoga-Unterricht dann war wie immer, fast. Wie immer kämpfte ich oft mit dem einschlafen, aber auf eine andere, eher angenehmere Art. Nicht so krampfhaft. Wirklich eher entspannend. Vielleicht war ich einfach nicht ganz so müde wie sonst? Ich machte mir auch sehr viele Gedanken über alle möglichen Sachen, da scheint Yoga irgendwie mein Lieblingsfach für zu sein. (Woran das nur liegt...) Zum Beispiel, was ich heute Abend essen würde. Damit beschäftigte ich mich, ehrlich gesagt, die meiste Zeit. Aber auch, was ich denn nun in den Thanksgiving-Ferien unternehmen werde. Vielleicht doch nach Las Vegas oder Disneyland? Wobei da einfach immer das Problem besteht, dass Flüge um diese Zeit sehr teuer sind. Nach L.A. wäre ich wohl einfach mit dem Bus gefahren, aber Las Vegas ist ja noch mal ein Stückchen weiter weg. Vielleicht bleibe ich auch einfach hier, miete mir ein Auto und schaue mir die Gegend an. Berkeley zum Beispiel. Oder fahre mal an einen Strand... wobei da natürlich schon November ist, also nicht wirklich Strandwetter. Aber bevor ich ein Auto mieten kann brauche ich einen Führerschein. Ach je... das mit dem Führerschein ist wirklich nervig. Ich wünschte echt, das hätte ich schon hinter mir!
In Yoga erinnerte sie uns auch daran, dass wir ja das Tagebuch schreiben müssen. Aaah, total vergessen! Zum Glück schreibe ich hier viel auf, so dass ich hoffentlich ein bisschen was rekonstruieren kann. Das wird schon irgendwie!
Zu Hause dann entspannte ich ein wenig nach dem Tag - auch wenn er durch den Ausfall der Chöre gar nicht soo anstrengend gewesen war. Vielleicht war ich deshalb in Yoga nicht ganz so müde gewesen?
Ich schmiss meinen PC inklusive Skype an, und als meine Eltern dann zur ungefähren Zeit wie immer auftauchten begannen wir zu telefonieren. Wir haben immer nur wenig Zeit, da sie immer anrufen bevor sie morgens zur Arbeit gehen. Mir aber helfen diese 15 Minuten sehr dabei, kaum Heimweh zu haben. Das macht mehr aus als man vielleicht denkt... Meine tägliche Portion Heimat aber kam nach ungefähr fünf Minuten zu einem aprupten Ende, da mein Internet weg war. Mal wieder. Und jetzt wars zum ersten Mal während dem telefonieren passiert. Oh man, was für ein Mist! Ich gab meinen Eltern per sms Bescheid und hoffte, dass es bald wieder da sein würde. Als nach zehn Minuten immer noch nichts passiert war riss mein Geduldsfaden und ich klopfte bei unseren Vermietern. Das passiert andauernd, das kann doch irgendwie nicht sein! Die Vermieterin schien ein wenig genervt von mir zu sein, gut, das Ameisenproblem hatte sie sicher auch genervt... aber dafür können wir ja nichts! Ich will schließlich einfach nur in einer Ameisenfreien Wohnung mit Internetzugang leben, so wie es bei meinem Einzug versprochen worden war. Sie meinte, dass sie wüsste, dass das in letzter Zeit häufig passiert und dass sie mal nach dem Router sehen würde. Na toll... warum ruft sie dann nicht mal bei der Telefongesellschaft an? Hmpf. Na gut. Ich vermute übrigens es liegt eher am Router, denn nach einer viertel Stunde war das Internet wieder da. Also schneller als sonst. Lags daran, dass sie danach geguckt hat, den Router neu gestartet hat oder so? Ich weiß es nicht, aber könnte gut möglich sein. Das Problem hatten wir zu Hause auch mal...
Natürlich waren meine Eltern mittlerweile schon zur Arbeit aufgebrochen. Und ja, ich war traurig darüber, dass das telefonieren heute nicht geklappt hatte. Ich hatte eigentlich auch noch ein paar Sachen mit meinen Eltern besprechen wollen. Und erzählen wollen. Und mir meine tägliche Portion Heimat abholen wollen. Ist ein bisschen wie eine Droge... wenn sie da ist ist alles okay und normal, wenn nicht vermisst man es wahnsinnig und fällt in ein Loch. Es war kein tiefes Loch, keine Sorge. Ich war einfach nur ein bisschen traurig. Und ich denke, das kann man in dem Fall auch irgendwie verstehen.

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