Um elf tauchte tatsächlich, wie angekündigt, eine Dame vor unserer Tür auf und besah sie unsere Wohnung. Und den Hof, um herauszufinden, von wo die Ameisen kommen... Sie riet uns, in der Küche sprühen zu lassen und in den Schlafzimmern Köder auszulegen. Soll mir Recht sein. Auch sie konnte uns nicht wirklich sagen woher sie kommen, entweder sie wusste es nicht oder sie rückte nicht raus mit der Sprache. Keine Ahnung. Jedenfalls würde sie das Sprühen in Auftrag geben, und dann dürften die die Räume vier Stunden lang nicht betreten. Okay, hoffentlich passiert das irgendwann vormittags und nicht erst um 5 abends. Vermutlich Dienstag könnte es so weit sein. Finde ich sehr lange den Zeitraum, denn wir schlagen uns ja schon eine ganze Weile mit dem Zeug rum, aber es scheint eben nicht schneller zu gehen. Besser als gar nicht.
Meine Jeansjacke war erstaunlich trocken. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass sie allgemein nicht so lange zum trocknen braucht oder ob meine geniale Heizungsidee der ausschlggebende Punkt war, aber ich freute mich, dass ich die Jacke würde anziehen können. Meine Jeans hingegen, die ich auf dem Bügel getrocknet hatte, war noch nicht ganz anziehreif. Macht nix, ich hab ja noch andere.
Ich verbrachte die Zeit, indem ich ein wenig Fernsah, im Internet. Eine meiner geliebten Serien bringt ab Montag neue Folgen, dummerweise lief in Deutschland die letzte Staffel noch gar nicht. Hier habe ich die Möglichkeit gefunden, ein paar Folgen nachzuholen, viele sind das aber nicht. Fünf oder sechs vielleicht. Immerhin besser als gar nichts um ungefähr zu wissen, um was es in der Staffel geht. Und jetzt startete ich mal mit dem Versuch, mir die Serie auf englisch anzusehen. Ich muss sagen, das klappte erstaunlich gut. Die paar Wochen hier scheinen langsam Früchte zu tragen. Ich verstehe zwar immer noch nicht alles, aber genug, um den Plot verfolgen zu können. Ganz im Gegensatz zu meinen ersten Versuchen von Battlestar Galactica, wo ich teilweise kein Wort verstand. Mag vielleicht aber auch am Genre und an der Aussprache der Schauspieler liegen. Edward Olmos spricht zum Beispiel einfach wahnsinnig nuschelig. Für meine ungeübten Ohren zumindest.
Ich stellte fest, dass die Zeit mir davon raste, wie immer irgendwie. Ich glaube ich werde hier kaum eine ruhige Minute haben, von wegen entspannendes Semester bevor dann der Ernst des Lebens beginnt... Ich schlang also mein Mittagessen herunter und stürmte zum Bus. Ab gings zum Treffen einer kleinen Star Wars Gruppe hier in San Francisco! Ich wollte nicht zu spät kommen, also nahm ich zwei Busse früher. Ich habe ja die Erfahrung gemacht, dass die Verkehrsmittel hier nicht ganz so pünktlich sind, wie man es gerne hätte. Und da ich von niemandem eine Handynummer hatte um mein spätes Ankommen anzukündigen musste ich einfach pünktlich sein. Nicht, dass sie sich fragen, wo die komische Deutsche denn steckt und ob sie noch aufkreuzt. Es war ja, wie gesagt, ein herrlicher Tag, und das scheuchte einfach alle Menschen auf die Straße. Es ging nicht ganz so schnell voran wie gewünscht, und bei der Golden Gate Bridge kam der Verkehr dann ziemlich zum erliegen. Aber schließlich hatten wir auch diesen Kontenpunkt dann überwunden und konnten weiterfahren. Ich hatte Angst, meinen Ausstieg zu verpassen, und fast wäre das passiert, denn ich hätte nicht gedacht, dass der so bald nach der Brücke sein würde. Aber zum Glück hatte ich aufgepasst und kriegte es dann doch noch mit. Ich hatte noch ein paar Minuten Zeit bis drei, und die nutzte ich um mir den schönen Park mal bei tollem Wetter anzusehen. Und ja, es war wirklich toll.




Ich knipste ein paar Fotos, um das Ganze jetzt auch in schön für die "Ewigkeit" festgehalten zu haben, dann machte ich mich auch schon auf den Weg zur Yoda-Statue. Da sollte der Treffpunkt sein.

Wie schon letztes Mal als ich dort war war natürlich eine kleine Gruppe Menschen um Yoda versammelt, die knipsten was das Zeug hielt. Eine Person hielt sich ein bisschen abseits der Kleingruppe. Da es mir etwas komisch vorkam, dass eine Person hier einsam in der Pampa herumsteht und weder Fotos macht noch Yoda ehrfürchtig zum ersten Mal anstarrt vermutete ich: Das muss jemand von der Fantruppe sein. Ich mache so was ja nicht zum ersten Mal, also sprach ich ihn einfach mal an. Richtig getippt :) Wir warteten ein wenig, bis noch eine dritte Person auftauchte und wechselten ein paar Worte. Ich erfuhr, dass wir heute nur vier Leute sein würden, ich inklusive. Die vierte Person, derjenige, mit dem ich in Kontakt gewesen war, steckte noch im Stau. Wir setzten uns in den nahegelegenen Starbucks beziehungsweise an einen Tisch der draußen stand. Draußen! Ja, endlich! Wir warteten und unterhielten uns ein wenig, was man eben so redet wenn man sich erst neu kennenlernt. Und ich versuchte der Unterhaltung der beiden ein wenig zu folgen, wenn sie über Dinge sprachen, von denen ich keine Ahnung hatte. War ehrlich gesagt gar nicht so leicht, mein englisch ist noch nicht so perfekt ausgereift, dass ich immer alles verstehe.
Irgendwann nach einer Stunde trudelte auch Nummer vier ein. Ja, es war viel los heute auf den Straßen, kein Wunder bei dem Wetter. Da wollte wohl jeder mal raus. Wir saßen noch ein wenig draußen bis kurzzeitig ein starker Wind aufkam, und schon saßen wir drinnen. Menno... der Wind wär doch sicher bald weggewesen. Aber naja, was will man machen.
Kurze Zeit später verließen wir das Starbucks auch schon wieder in Richtung einer Kneipe. Oder Bar. Oder... was auch immer... Dieses was auch immer war klein, sah aber ganz nett aus. Nur roch es dort leider überhaupt nicht gut - aber nein, es roch nicht nach Drogen ;) Wir bestellten uns was zu essen, ich mal wieder meine obligatorische Portion Pommes. Es war erst halb fünf oder so, aber ich hatte schon richtig Hunger. Gut, dass es den anderen genauso ging! Als meine Pommes kamen entschuldigte sich die Kellnerin bei mir - und ich habe keine Ahnung wieso. Sie sprach irgendwie viel zu schnell, also nickte und lächelte ich nur. Ich glaube, die Portion war eine große und keine kleine oder so... und ich glaube, ich musste dann dafür weniger zahlen. Aber ich bin mir bis heute nicht sicher was da los war. Macht nix :)
Jetzt wurde ich auch eingeweiht in die internen Streitgeschichten der Fantruppe. Die hatte sich nämlich vor wenigen Monaten (?) etwas zerstritten. Das ganze hier niederzuschreiben wäre etwas zu kompliziert und auch nicht ganz fair - sind schließlich interne Geschichten. Aber was ich dabei erfuhr ließ mich innerlich grinsen und ich fragte mich mal wieder, wie zufällig diese Welt sein kann. Ich erfuhr nämlich, dass mein "Kontakt" sehr eng mit jemandem sehr bekannten in der Fanszene an einem sehr berühmten Projekt zusammenarbeitet. Von dem ich erst vor ein paar Tagen erfahren habe, das aber sehr populär zu sein scheint. Ich krieg ja immer alles als letzte mit ;) Jedenfalls fand ich es wahnsinnig faszinierend, jetzt plötzlich mittendrin zu sein. Zumindest fast. Vor ein paar Tagen erschien mir alles noch so weit. Langsam wird mir nämlich klar, wie nah ich jetzt manchem bin, von dem ich früher unendlich weit entfernt war. Wie diese Sache zum Beispiel. Oder auch Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass ich mir jetzt Serien an ihrem Erscheinungstermin anschauen kann. Es ist seltsam. Ich weiß, dass ich hier bin, aber was das bedeutet wird mir erst nach und nach klar. Ich bin an einem Ort an dem vieles anders ist, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht gar nicht merkt.
Unser Treffen neigte sich dem Ende zu und wir verabschiedeten uns. Mir wurde angeboten, dass man mich heimfahren würde - da sagte ich natürlich nicht nein. Mit dem Auto gehts nun mal viel schneller als mit dem Bus und außerdem... bequem bin ich ja irgendwie auch :D
Ich lief also mit meinem Fahrer (demjenigen, mit dem ich vorher schon geschrieben hatte) zu seinem Auto. Von außen sah es schon irgendwie sehr stylisch aus. Die Sitze innen waren Sportsitze, ziemlich schräg nach hinten. Fast schon liegend. Und als wir dann losfuhren - ging plötzlich das Dach in die Höhe. Tatsache, ich saß in einem Cabrio! Wow! Das hatte ich noch nie erlebt. Wie genial. Und das Ganze auch noch bei super Sonnenschein. In Kalifornien. Leute, stellt euch das vor! Cabrio, Sonne, Kalifornien. Ja, genau. Besser hätte es kaum sein können! Das war der Wahnsinn. Genau SO hatte ich mir meinen Aufenthalt hier eigentlich vorgestellt. Ich gebe zu, irgendwann wurde es schon etwas kühl. Aber das war es wert, definitiv!
Ich beendete meinen Abend ruhig mit Fernsehen und kochen - wo ich dummerweise feststellte, dass ich die falschen Würstchen letztes Mal gekauft hatte. Die richtige Marke, die falsche Version. Voller böser Sachen wie Zucker. Mist. Zum Glück hatte ich noch ein bisschen was eingefroren. In der Besteckschublade entdeckte ich dann noch zwei Ameisen, wunderbar. Sie sind also noch da, wenn auch nicht in solchen Massen wie am Anfang. Hmpf. Ich bin ja mal gespannt, wie das in der nächsten Zeit so weitergeht mit den Viechern.

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