Freitag, 23. September 2011

Tag 46 (22.09.)

Bäh, ich mag keinen Lärm und keine Flöte spielenden Kinder. Erst recht nicht, wenn sie einen aus dem Schlaf reißen. Gehen diese Kinder eigentlich nie zur Schule... *seufz* Dabei wollte ich doch nur ein bisschen länger schlafen. Na gut. Dann halt eben nicht. So hatte ich Zeit, morgens zu trödeln, hat ja immerhin auch was... Irgendwann war es dann aber doch Zeit, zur Uni zu gehen. Ist Donnerstags ja aber nicht ganz so schlimm :) Ich ging etwas früher los, denn ich wollte noch idas Formular ausdrucken, dass jeder in unserem Tennisteam unterschreiben muss. Jaja, Teamcaptains haben viele Pflichten :D *hust* Witzigerweise traf ich dort ein Mädel aus unserem Team, diejenige, welche mit unserem vierten Teammitglied geschrieben hatte und die mir heute morgen eine sms geschickt hatte, dass sie zu krank zum Spielen sei. So hörte sie sich auch an - gar nicht gut. Aber es war gut, dass ich sie traf, denn so konnte sie mir aus erster Hand berichten, dass unser viertes Teammitglied Donnerstags immer bis 5 Uhr Unterricht hat. Ich mein, sie konnte ja auch nicht vorher wissen, dass wir meistens um drei oder vier spielen würden, aber ich an ihrer Stelle hätte das immer wieder abgecheckt. So erfuhr ich jetzt am Tag unseres ersten Matches, dass Mitglied eins krank ist und Mitglied zwei nie spielen wird. Und Mitglied drei hatte ja immer noch keinen Schläger in der Hand und war noch nicht angemeldet. Wunderbare Voraussetzungen :D Naja, das würde schon irgendwie. Oder auch nicht.
Ich absolvierte mein übliches Donnerstagsprogramm - Chor, Mittagessen, Chor - und packte dann sofort nach Beenden des zweiten Chors meine Tasche und stürmte los. Ich hatte eine halbe Stunde um mich umzuziehen, den Ort zu finden, wo man Schläger leihen kann und um die Tennisplätze zu finden. Eigentlich hatte ich die Plätze heute früh abchecken wollen, dann hatte ich mir aber gedacht, so schwer können die ja eigentlich nicht zu finden sein. Pah!
Also hetzte ich erst einmal zum Sportgebäude. Dort fragte ich mich zur Ausleihe durch - welche seltsamerweise im Pseudo-Umkleideraum der Mädchen ist. Ooookay :D Jedenfalls erfuhr ich dort, dass keine Schläger mehr verliehen werden, außer man belegt einen offiziellen Kurs. Na wunderbar. Noch 15 Minuten, und ich habe weder Schläger noch weiß ich, wo ich hin muss. Kann ja nur noch besser werden!
Ich suchte also nach den Tennisplätzen. Ich wusste ungefähr, wo sie waren, war mir aber nicht sicher. Und ja, ich irrte ein wenig falsch umher, aber zum Glück gibt es immer mal wieder ein paar Campuskarten über den ganzen Campus verteilt, und so konnte ich mich immer wieder orientieren. Und allzu weit sind die Tennisplätze vom Sportgebäude nun auch nicht entfernt. Als ich sie schließlich gefunden hatte hatte ich aber keine Ahnung, wie ich da runter kommen sollte. Sie lagen nämlich ungefähr 20 Meter tiefer als die Straße, an der ich stand. ein paar Meter weiter sah ich einen Trampelpfad durch Bäume und Gebüsch, das war aber irgendwie schon alles. Mir war klar, dass es hier irgendwo noch einen offiziellen Weg geben musste, aber es war schon fünf vor drei - es musste schnell gehen. Also torkelte ich vorsichtig den Pfad herunter und schwor mir währenddessen, nächstes Mal auf jeden Fall den offiziellen Weg zu nehmen. Das war mir doch irgendwie zu unsicher.
So kam ich also gerade pünktlich an - um zu erfahren, dass weder mein Mitspieler noch das gegnerische Team bisher aufgetaucht seien. Hm, okay. Ersterer kam ein paar Minuten später um Punkt drei, das gegnerische Team schaffte es gerade noch rechtzeitig, bevor unsere Mannschaft zum Sieger erklärt worden wäre. Schade, wäre wohl unser einziger Sieg gewesen :D Die beiden schienen aber sehr nett zu sein und es stellte sich heraus, dass auch hier eine Person kaum bis gar keine Tenniserfahrungen hatte und die zweite auf jeden Fall kein Überflieger war. Na, das hörte sich doch gut an! Auch wenn ich nicht absolut aufs Gewinnen aus bin, Spaß macht es einfach keinem, wenn die Gegner zu unterschiedlich stark sind. Wir schafften es, von einer anderen anwesenden Person auf den Plätzen einen Schläger zu erbetteln und so konnte das erste Einzel beginnen. Ich versuchte mich dabei als Schiedsrichter, aber es ist wirklich schwer, auf englisch Leuten Tennis zu erklären, die das noch nie gespielt oder gesehen haben. Und dann auch noch die amerikanische Zählweise! Hier zählen sie nicht 15, 30, 40, Spiel sondern 1, 2, 3, Spiel. Sehr verwirrend. Denn dann hat man immer so kleine Zahlen im Kopf und weiß nie, ob die jetzt für das einzelne Spiel oder für den Satz gelten. Ich kam so einige Male durcheinander... Naja, macht irgendwo auch nichts. Denn es war klar, dass die Gegnerin meinem Teamkameraden überlegen war. Auch wenn beide manchmal kaum den Ball übers Netz brachten. Macht nix, ist ja nur ein Spiel :)
Wir standen außerdem extrem unter Zeitdruck - ein Satz durfte nicht länger als 15-20 Minuten dauern. War wirklich schwer, das einzuhalten - beziehungsweise unmöglich. Wir brachen jeweils einfach nach 20 Minuten ab. Keine Ahnung, wie das in Zukunft laufen wird.
Dann stand ich auf dem Feld und stellte fest, wie viel ich in den letzten Jahren vergessen und verlernt hatte. Allein schon der Kardinalsfehler, nach einem gespielten Ball nicht gleich wieder zurück in die Ausgangsposition zu gehen geschah mir andauernd. Was mein Gegner auch gekonnt ausnutzte. Herrje, da ärgerte ich mich aber ganz schön darüber... Davon abgesehen, dass mein Aufschlag auch schon mal besser war und meine Präzision seeehr zu wünschen übrig lies. Um nicht zu sagen - ich war schlecht.
Der Schläger war etwas schwer, und das merkte ich auch schon nach fünf Minuten, denn mein Arm begann wehzutun. Und ich wusste wieder, weshalb ich mit dem Tennisspielen aufgehört hatte. Meinen Satz verlor ich mit zwei zu vier - nicht ganz so schlimm, aber eigentlich hätte es besser sein müssen. Macht ja aber nichts, denn zum Glück soll es ja einfach nur Spaß machen und keiner nimmt es einem übel, wenn man schlecht ist.
Danach spielten wir noch Doppel - eigentlich unnötig, denn das gegnerische Team hatte ja schon zwei Sätze gewonnen. Aber wir hatten noch etwas Zeit. Wir ergatterten noch einen zweiten Schläger und so konnte der Spaß beginnen. Es war wirklich seltsam, und mein Teamkamerad hatte alle Mühe, den Regeln des Doppels zu folgen. Er tat mir schon etwas Leid - ich möchte ihn nicht überfordern oder bevormunden, andererseits finde ich, dass man es schon richtig machen soll, wenn man es schon macht. Gut möglich, dass unsere zukünftigen Gegner das Ganze etwas ernster nehmen.
Plopp, schon war die Stunde vorbei. Ich hatte nicht wirklich viel geschwitzt, aber dennoch fühlte sich mein Arm an wie Blei. Auf dem Feld begann der Nebel aufzuziehen und ich fragte mich, wie die Teams um fünf denn ihr Spiel austragen würden. Womöglich halb blind... Es hatte Spaß gemacht, auch wenn ich ein klein wenig deprimiert war, weil ich so viel verlernt habe. Aber wirklich nur ein ganz kleines bisschen ;)
Als ich heim kam war ich gespannt, wie unsere Wohnung denn riechen würde. Schließlich sollten heute ja die Ameisen endgültig vertrieben werden. Ich öffnete die Tür und roch... nichts. Huch? Waren die wirklich dagewesen? Die Türen zu unseren Schränken in der Küche waren offen, aber sonst war nichts zu sehen. Auch in meinem Zimmer fand ich keine Köder oder ähnliches. Aber es sah tatsächlich so aus als ob die Kammerjäger einen guten Job gemacht hätten. Auf Nachfrage erfuhren wir dann, dass die Köder miniwuzi klein waren und an der Tür und unseren Schränken klebten. Und ja, wirklich, da klebte tatsächlich etwas.
Als E. und ich abends ins Bett gingen waren wir erleichtert. Hoffentlich hatte der Alptraum jetzt ein Ende. Hoffentlich. Keine Ameisen in unserer Wohnung mehr. Bitte. Bitte, bitte...

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