Freitag, 2. September 2011

Tag 25 (01.09.)

Endlich, endlich durfte ich mal wieder ein bisschen länger schlafen. Uni begann erst um elf, genug Zeit also, um der Erkältung ein bisschen den Marsch zu blasen und länger zu schlafen. Als ich aufstand schien die Sonne, und als ich aus der Tür auf die Straße trat war irgendwas komisch. Ich brauchte eine Sekunde, um zu kapieren, was denn hier los war... richtig! Es war warm! Nicht nur warm, fast schon heiß! Zumindest auf dem Weg zur Uni genoss ich also die warme Sonne. Unvorstellbar. Supi!
Meinem Hals ging es immer noch ziemlich schlecht und dem Schnupfen ziemlich gut, nichts mit singen heute also. Und das, wo ich heute doch zum ersten Mal in den Frauenchor ging. Na gut, dann würde ich eben nur zuhören. Und versuchen, so ein wenig aufzuschnappen. Und wie ich da so in der singenden Meute saß ohne mich selbst daran zu beteiligen (schon ein seltsames Gefühl), da stellte ich fest - sooo super, wie mir der Chor am Dienstag erschienen war, ist er nun auch nicht. Vor allem die Männer können noch einiges tun. Sicher, der Chor ist nicht schlecht. Aber sie singen auch nicht alles problemlos vom Blatt ohne Fehler runter, wie es mir am Dienstag schien. Ich scheine leicht zu beeindrucken zu sein :D Dennoch herrscht im Chor eine sehr gute Disziplin. Da wird nicht gequatscht, da wird gearbeitet. Bin ich gar nicht so gewohnt, selbst aus dem Opernchor nicht :D Mal schauen, ob das die ganze Zeit so bleibt oder sich irgendwann verwächst. Am Ende bat der Chorleiter dann noch, dass sich aus jeder Stimme ein Pianist melden möge, damit man ab nächster Woche auch mal getrennte Stimmproben machen könne. Naja, dann melde ich mich eben mal. Ich bekam die Aufgabe, bis zum nächsten Mal ein paar Stücke einzustudieren, aber nur meine Stimme. Na, das kriege sogar ich hin! Ich machte noch einen kurzen Datencheck, ob sich die Termine des Frauenchores nicht womöglich mit denen des Gospelchores überschneiden würden. Das Konzert vom Gospelchor ist eine Woche vor dem des Unichores, aber der Frauenchor singt wohl auch nur beim Konzert des Unichores. Sehr gut. Hoffentlich gibts sonst keine Reibungen mehr! Das wäre echt mist.
Schnell huschte ich in die Mensa, denn schon 40 Minuten später sollte der Frauenchor beginnen. Nach einem schnellen Essen stellte ich fest, dass ich noch ein paar Minuten Zeit hatte. Diese nutzte ich, um im Bookstore schnell die Noten für den Frauenchor zu besorgen. Die hatte ich ja noch gar nicht, und es ist immer gut, wenn man gleich mitlesen kann. Außerdem konnte ich ja nicht mal mitsingen - dann doch wenigstens mitlesen. Im Chorraum dann traf mich eine Überraschung. Na, jetzt war mir schon klar, warum der Chorleiter darum gebeten hatte, dass noch 10-15 Leute aus dem Unichor auch in den Frauenchor kämen. Irgendwie war ja kaum jemand da! Insgesamt vielleicht allerhöchstens 20 Frauen, das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass es teils vierstimmige Stücke gibt.
Als die Chorstunde begann stellte ich auch noch etwas fest - das Niveau ist wirklich ein komplett anderes verglichen mit dem Unichor. Im Frauenchor sind ja auch einige Anfänger dabei, ein paar wenige können auch gar keine Noten lesen. So auch meine Sitznachbarin. Unser Chorleiter erklärte ein paar Sachen an der Tafel, aber innerhalb von zehn Minuten lernt man natürlich nicht plötzlich Notenlesen, wenn man vorher noch nicht mal das Prinzip kannte. So half ich ihr ein bisschen durch das Wirrwarr von Zeichen und bot ihr an, ihr das Notenlesen beizubringen. Kann ja schließlich nicht so schwer sein, wenn ich das auch bei meinen Kindern schaffe. Sie bedankte sich und meinte, ihr Vater könne Notenlesen - aber im Zweifelsfall komme sie gerne auf mich zu. Wir unterhielten uns noch ein ganz kleines bisschen (die Disziplin ist hier zwar auch da, aber nicht gaaanz so streng wie im Unichor), und ich erfuhr, dass sie gerne Klavierspielen lernen würde. Sie schriebe nämlich Songs, und dafür wäre das natürlich geschickt... Im Anschluss an die Chorstunde setzten wir uns auch kurz in einen Überaum und sie sang und spielte mir einen ihrer Songs vor. Im Chor hatte ihre Stimme irgendwie dünn geklungen, jetzt aber klang sie ganz anders. Mir gefiel richtig, was sie da spielte und sang, auch wenn sie relativ bald wieder abbrach. Sie sei zu nervös und wisse nicht mehr, wie es weitergeht. Kein Wunder, sie spielte ja auch alles auswendig. Ich frage mich, wie sie ihre Songs notiert? Wir tauschten Nummern aus - spätestens nächsten Dienstag im Chor sehen wir uns ja aber ohnehin wieder.
Ich ging noch ein bisschen üben, dann machte ich mich auf in den Computerraum. Jetzt wurde es ernst - den Jazzkurs streichen und den Frauenchor aufnehmen! Als ich das getan hatte zählte ich mal meine Kurse - acht Stück. Die meisten belegen gerade einmal vier, denn im Normalfall kriegt man 3 Units pro Vorlesung. In der Musikabteilung bekommt man aber oft nur 1 Unit, und man braucht 12, um als voller Student zu gelten. Mit meinem Töpfern und Theater komme ich schon auf 6, dann brauche ich aber weitere 6: Yoga, Unichor, Frauenchor, Gospelchor, Klavierunterricht und Klavierunterricht für Fortgeschrittene (so kriege ich insgesamt eine Stunde anstatt zwei). Kurswahl abgeschlossen! Hurra!
Ich wollte dann auch gleich das Jazzbuch zurückgeben, erfuhr aber, dass ich einen Wisch vom Studencenter brauche wo draufsteht, dass ich den Kurs wieder gestrichen habe. Hm, okay. Da es schon nach fünf war hatten die wohl eh nicht mehr offen, das würde ich als morgen erledigen. Auch gut. Dafür reservierte ich mir den Uni-Pulli, den ich mir kaufen wollte, von der nächsten Fuhre schon mal vor. Nicht, dass meine Größe dann wieder schnell weg ist. Ich brauche den schließlich für Yoga ;) Die nächste Fuhre komme morgen oder nächste Woche, ich würde dann angerufen werden. Wow, was für ein Service!
Da ich heute schon recht früh aus der Uni kam (immerhin, vor sechs) wollte ich noch einkaufen gehen. Ja, mal wieder ;) Diesmal aber vor allem Nasenspray und Taschentücher. Und das kriegte ich nur im Wallgreens, gestern war ich ja im Trader Joes. Außerdem wollte ich bei der Gelegenheit noch Küchentücher mitnehmen, unsere sind nämlich alle. Also machte ich mich auf den Weg. Mit dem Bus ist es eine Station weiter als ich normalerweise fahre, dann muss ich noch etwa 5-10 Minuten laufen. Im Wallgreens kriegte ich dann auch alles, nebst Tesa (meine Noten sind etwas eingerissen). Und im Laden nebenan kaufte ich mir noch eine kleine Schale Himbeeren. 170 gramm für 2 Dollar - ich finde, das ist nicht viel! Von wegen, Obst und Gemüse ist hier so teuer. Normalerweise esse ich ja Erdbeeren, wenn ich mir etwas Obst mit Tabletten gönne, aber die hier in SF sehen irgendwie meistens nicht so schön aus. Also hatte ich mich nach einer Alternative umgesehen. Nachdem ich schon fast verzweifelt war weil Erdbeeren tatsächlich ziemlich wenig Fruchtzucker zu haben scheinen (im Gegensatz zu anderem Obst) stieß ich dann noch auf Himbeeren. Supi! Aprikosen oder Pfirsiche wären mir zwar gerade irgendwie lieber gewesen, darauf habe ich gerade richtig Lust, aber Himbeeren sind auch klasse. Vor allem jetzt, wo ich krank bin, dachte ich mir, dass "echte" Vitamine im Gegensatz zu denen aus der Konserve mal wieder nicht schaden können. Ich habe hier zwar keine Waage, aber ich weiß ja, wie viel ungefähr in der Packung ist. Ich muss halt einfach schätzen und bei Gelegenheit schauen, ob ich irgendwo eine günstige Küchenwaage finde.
Auf dem Rückweg nahm ich dieses Mal einen anderen Weg als sonst, ich lief eine andere Seitenstraße entlang. Ich wollte mir mal die Kirche, die da stand, ein wenig näher anschauen.
San Francisco hat ja wirklich sehr viele Kirchen. Von allen möglichen Religionen, von Religionen, von denen ich noch nie was gehört habe. Ich brauchte aber einige Tage, um irgendwann endlich einmal eine katholische Kirche zu entdecken. Witzigerweise entdeckte ich an diesem Tag gleich zwei und nahm mir vor, eine der beiden bei Gelegenheit einmal zu besuchen. Wie man also sieht, die Chancen, dass diese Kirche eine katholische war, sind sehr gering. Ich wollte mir auch eher einfach mal das Gebäude ansehen, wurde dann aber wirklich positiv überrascht. Keine zehn Minuten von meinem Zimmer entfernt steht tatsächlich eine katholische Kirche. Na, das nenne ich mal Schicksal. Sogar die Messe-Zeiten sind sehr human - Sonntags um 10:30 Uhr. Na, das könnte ich wirklich vielleicht schaffen!

Man merkt - die Sonne scheint immer noch, wow!
Wenn auch ein kalter Wind geht...

Zu Hause stellte ich dann fest - die vermeintlichen Küchentücher, die ich gekauft hatte, waren leider Toilettenpapier. Oh man, dabei hatte ich da eigentlich noch extra drauf geachtet! Nun gut. Dann haben wir vorerst mal keine Toilettenpapiersorgen, denn da steht noch ein Haufen bei uns im Schrank, als E. und ich in meiner ersten Woche mal beide am gleichen Tag einkaufen waren. Heute machte ich mich auch endlich mal daran, endlich meine Banksachen zu ordnen. Glaubt mir, es ist ein wirkliches Kuddelmuddel, wenn man gleichzeitig ein deutsches und ein amerikanisches Konto nutzt und auf beide keinen Zugriff per onlinebanking hat, weil das w-lan ungesichert ist. So ein Mist! Aber mit Hilfe meiner Eltern und meiner Zettel, die ich nach jeder Automatnutzung kriege, war ich jetzt halbwegs in der Lage, mir einen Überblick zu verschaffen. Schließlich bin ich bald einen Monat hier, meine Miete ist in 10 Tagen fällig. Da sollte dann doch genug Geld auf dem Konto sein... Mein Tipp an alle: Es ist Blödsinn, beide Konten zu nutzen. Ich habe das am Anfang gemacht weil ich irgendwie Respekt davor hatte, mein ganzes Geld aufs US-Konto zu packen. Es geht aber wirklich nur so. Wenn man zwei Konten nutzt verliert man ziemlich schnell den Überblick, vor allem, weil man auch andauernd umrechnen muss. Wie viel Dollar, ähm, Euro, ähm, Dollar, was jetzt... sind auf welchem Konto? ;) Es ist am einfachsten, am Anfang des Monats (abchecken, wann das Geld da ist, dann sofort handeln) einfach alles Geld vom deutschen Konto abzuheben und aufs amerikanische einzuzahlen. Wirklich. Es spart sehr viel herumrechnen und -denken ;) Wer das nicht tut - schreibt euch täglich auf, wie viel ihr von welchem Konto abgehoben habt oder hebt die ganzen Quittungen von den Automaten auf! Ihr werdet dafür noch einmal sehr dankbar sein...
Mein Himbeer-versuch klappte dann sogar ziemlich gut. Sicher nahm ich vermutlich zu viele Kapseln für zu wenige Himbeeren, aber lieber so rum als andersrum. Ein paar wenige schmeckten komisch, aber das ist ja öfter so. Die meisten Himbeeren waren mhmmmmm...
Mit A. versuchte ich dann spätabends noch eine Wochenendplanung auf die Beine zu stellen. Wir hatten ja eigentlich vorgehabt, dieses Wochenende irgendwo hin zu fahren, die Zeit vergeht ja erstens schneller als man denkt und zweitens ist am Montag frei - Labour day! Aber wir wussten weder, wie wir am Besten zu unserem Ziel kommen würden, noch, wo wir übernachten sollten. Wir hatten ja überlegt nach LA oder in den Yosemite-Park zu fahren. LA aber ist zu weit weg - 8 Stunden Fahrt für drei Tage lohnt sich irgendwie nicht. Und zum Yosemite-Park fanden wir einfach keine Verbindung. Und auch keine Übernachtungsmöglichkeit, die bezahlbar gewesen wäre. Da gibt es sicher irgendwas, aber als 0815-Touri kennt man sich da halt nicht so wirklich aus... Die letzte Option war, irgendwo einfach an den Strand zu fahren und ein bisschen Sonne zu tanken. Das fiel dann aber auch flach, denn wir wussten nicht, welcher Strand sich lohnen würde (um SF herum ist es ja ohnehin aussichtslos), wie wir da hin kommen würden oder wo wir schlafen sollten. 100 $ pro Nacht wollten wir nämlich eigentlich nicht ausgeben... und etwas günstigeres konnte ich auf die schnelle nicht finden. Also würde es wohl darauf hinauslaufen, dass wir doch in SF bleiben würden. Na, wenigstens wollten wir uns dann was anschauen! Aber das konnten wir ja noch klären (und wenigstens hätten wir so Zeit, um noch ein wenig Klavier zu üben...).
Kurz bevor ich ins Bett ging gratulierte ich noch einem meiner neuen Star Wars-Kontakte (muaha) online zum Geburtstag (man merkt, ich war etwas länger wach als ich eigentlich wollte...). Er antwortete auch relativ bald mit einem artigen "Danke", und hängte eine Abkürzung meines Namens an, an die ich bisher noch nie, nie, nie gedacht hatte. Gut möglich, dass dieser Spitzname hier auch gebräuchlicher ist. Oh man! Da lebt man 23 Jahre lang in die Welt hinein und kommt auf so was nicht. Und ich muss sagen, die Abkürzung gefällt mir richtig gut. Klingt irgendwie ein bisschen erwachsener... und amerikanischer :D Mal sehen, wenn mir hier jemand einen Spitznamen anhängen will, dann muss ich das irgendwie drehen, dass dieser das wird. Neues Land, neuer Name - super, oder? :D

3 Kommentare:

  1. Jetzt bin ich neugierig - wie lautet denn der erwachsene, amerikanische spitzname?^^

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  2. Hier mag ichs nicht schreiben, aber ich schreib euch beiden ne Nachricht ;)

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