Freitag, 30. September 2011
Tag 53 (29.09.)
Heute früh schien wieder die Sonne, also dachte ich - ich wage es. Ich ziehe heute ein Kleid an! Ich schnappte mir also mein rotes Sommerkleid aus dem Schrank, von dem ich schon gedacht hatte, es würde die ganze Zeit über da hängen bleiben. Falsch gedacht :)
Als ich dann raus auf die Straße trat bereute ich meinen Mut aber schon etwas. Denn im Gegensatz zu den letzten Tagen war es heute ziemlich windig, und rechts von mit sah ich auch tiefhängende Wolken. Oh je... hoffentlich würde es in einer Stunde nicht wieder eisig kalt sein! Es war dann auch ganz merkwürdig. Ich fror und schwitzte gleichzeitig, denn die Sonne brannte heiß, der Wind kühlte aber alles genauso schnell wieder ab. Total verrückt.
Heute früh traf ich mich mit Klavierschülerin Nummer drei. Die hat so gut wie keine Vorerfahrung, das macht es irgendwie einfacher. Ich hatte auch das Gefühl, mich mir ihr am Besten zu verstehen, es machte richtig Spaß. Puh!
Der Chor heute dauerte irgendwie länger als sonst, hatte ich das Gefühl, ich hatte schon nach einer halben Stunde keine Motivation mehr. Wir schafften er allerdings auch, wahnsinnig viel zu lernen. Hat also zwei Seiten das Ganze.
Nach dem Mittagessen im Frauenchor begann ich dann irgendwie auch Halsweh zu kriegen. Ich weiß auch nicht. Zu Hause gestern hatte ich alles singen können, die hohen Lagen waren echt kein Problem gewesen. Und im Chor kam wieder nur krächzen aus meinem Hals. Zum verrücktwerden... da muss ich irgendwie noch eine Lösung finden, denn meinem Hals tut das definitiv nicht gut.
Aber da war er schon vorbei, der Pflichtteil von meinem Donnerstag. Juhu!
Ich lief zum Bookstore, um dort wegen meinem Pullover nachzufragen. Die Computersysteme dort waren aber immer noch nicht wieder hergestellt von dem Stromausfall am Dienstag, also momentan keine Chance. Ich beschloss, nächste Woche noch einmal hinzugehen. Ob das was nutzen würde konnten die mir aber auch nicht sagen.
Ich hatte mit A. ausgemacht, dass wir uns heute um den Führerschein kümmern wollten. Wir brauchen den langsam wirklich, ohne Schein kommt man aus SF eben nicht raus. Das ist wirklich ärgerlich. Wie sich herausstellte, hatte sie das so verstanden, dass wir uns gemeinsam mal am PC kundig machen würden welche Unterlagen wir brauchen, ich allerdings dachte, wir fahren zum Department und erkundigen uns dort direkt. Kommunikationsprobleme :D Aus dem Fahren wurde heute definitiv aber nichts, denn ich stellte fest, dass sie um fünf eh schließen würden. Also quatschten wir nur ziemlich lange, und dann machte ich mich auf zum üben.
Daheim machte ich mich dann mal schlau, wie es mit dem Führerschein hier so läuft. Irgendwie hört man von allen Ecken was anderes... laut der Homepage nämlich zum Beispiel braucht man keinen kalifornischen Führerschein, wenn man Besucher Kaliforniens ist und einen Schein aus seiner Heimat hat. Nun, Besucher sind wir nicht wirklich... man braucht einen Schein, wenn man Einwohner Kaliforniens ist. Das ist man, wenn man (laut der Seite) wählen darf, Einwohnersteuer zahlt oder irgendwelche anderen Vorteile oder Pflichten hat, die Nicht-Einwohner nicht haben. Hm, das machen wir aber, glaube ich, auch nicht. Also richtige Einwohner Kaliforniens sind wir ja nicht, wählen dürfte ich ja nicht. Weder das eine noch das andere also, super. So weit ich gehört habe fallen wir wohl aber eher in die zweite Kategorie, was ich unlogisch finde. Aber ich mache die Gesetze ja auch nicht ;)
Der zweite Punkt ist die Sache mit dem vorläufigen Führerschein. Ich hatte gehört, wenn man die Theorieprüfung bestanden hat, dann kriegt man den vorläufigen Führerschein. Was ja auch stimmt ;) Nur, ich hatte auch gehört, dass man mit dem schon problemlos fahren kann. Und da liegt das Problem, das ist irgendwie nicht ganz hundertprozentig ersichtlich. Da muss ich dann mal in dem Department nachfragen, wenn das nämlich nicht geht habe ich ein Problem. Angeblich macht man die Prüfung hier nämlich im eigenen Auto, und da ich keines habe müsste ich mir eines leihen. Sehr umständlich alles. Mal davon abgesehen, dass das sehr viel Zeit kostet und ich Prüfungen ja sowieso hasse.
Ich hoffe, das regelt sich alles irgendwie. Denn spätestens wenn wir in zwei Wochen in den Yosemite-Park fahren brauchen wir jemanden mit Führerschein. Sonst wird das nichts.
Ach ja, was noch das Wetter und mein Kleid angeht - es zog tatsächlich zu. Nicht ganz so schlimm wie sonst, aber mit Jeans und Pulli wäre es nicht zu warm gewesen. So war es jetzt auch nicht sonderlich kalt, aber es hätte gewiss bessere Tage gegeben, um ein Kleid anzuziehen *seufz* Ich und mein untrüglicher Instinkt, mich falsch zu kleiden :D
Mittwoch, 28. September 2011
Tag 52 (28.09.)
Ich war ein bisschen spät dran, aber immer noch gerade rechtzeitig um neun am Treffpunkt, um mich mit meiner Klavierschülerin zu treffen. Die allerdings nicht auftauchte... um vier nach verließ ich den Treffpunkt, um rechtzeitig zu meinem Test zu kommen. Auf dem Weg erhielt ich eine sms, dass sie gleich da wäre - ich aber nicht ;) Ich sagte ihr, dass ich sie mittags anrufen würde und wir dann einen zweiten Versuch starten würden. Hoffentlich klappt das auch, ich brauch das Heft schließlich bis 5 Uhr für meinen zweiten Schüler!
Heute schien der Tag des nicht-auftauchens zu sein, denn unser Töpfern-Dozent kreuzte auch nicht auf. Krank, im Stau, nach Kanada ausgewandert - keine Ahnung warum. Tatsache auf jeden Fall, dass der Test wieder verschoben wird. Oh man! Ich will das endlich hinter mir haben! Und nicht noch mal lernen müssen. Hmpf. Echt doof. Über die Hälfte der Klasse
verließ den Raum auch gleich wieder, kein Wunder, bei dem Wetter... an den Strand fahren oder so ist da irgendwie interessanter als drinnen sitzen und töpfern. Ich blieb allerdings da, denn so hatte ich Gelegenheit, ein bisschen weiter zu kommen. Meine Sternbox ist jetzt schon ziemlich weit, die Wände stehen, in den Wänden sind Sterne ausgeschnitten. Und sie ist "geputzt". Fehlt nur noch das Dach - was aber interessant werden wird. Ich ging dann eine Viertelstunde früher raus, es lohnte sich nicht mehr, jetzt noch das Dach anzufangen. Und weil ich so viel Zeit hatte lotete ich mal die anderen Essensmöglichkeiten aus. Anfangs hatte ich das mal kurz gemacht, aber gleich wieder umgedreht angesichts von so viel Fruktose überall. Nun bin ich aber mutiger, Fructosin sei Dank, und vielleicht traue ich mich ja wirklich mal an Spaghetti mit Tomatensoße! Zumindest ein bisschen Soße. In Klecks oder so.
Ich aß draußen im Schatten und genoß die Wärme. Und weils so schön war blieb ich noch ein bisschen sitzen und las, einfach so. Zwischendurch bekam ich mein Klavierheft zurückgebracht, klappte also doch alles ganz gut. Es war echt schön da draußen! :)
Irgendwann rief dann aber die Pflicht in Form des Klavieres. Und als die Pflicht dann hinter mir lag war die nächste Pflicht an der Reihe, Theaterunterricht. Wieder Arbeit in den Kleingruppen. Da wir ja letztes Mal schonrecht weit gewesen waren wollten wir heute noch ein bisschen an Kleinigkeiten und Feinarbeit arbeiten. Wollten. Dummerweise tauchte die vierte Person aber einfach nicht auf. Und da wir bei unserem "Tanz" sehr viel interagieren müssen sahen wir wenig Sinn darin, das jetzt zu dritt zu üben. Wir taten es zwar kurz, aber besonders produktiv war es nicht. Schon sehr ärgerlich, vor allem, weil wir nicht wissen, warum er nicht kam. Jetzt müssen wir das am Montag halt so irgendwie machen. Dumm ist, wir kriegen eben Noten dafür. Für mich ists nicht ganz so schlimm, ich versuche ohnehin gerade, mich von dem Perfektionismus und "ich muss überall super Noten haben"-Trip runterzukriegen. Schließlich, wie ich mir jeden Tag hundert Mal sage, interessiert es niemanden, absolut niemanden, was ich hier anstelle. Ich sollte die Zeit einfach so genießen, ein Mal im Leben ohne den Druck, immer überall alles zu geben und perfekt zu sein. Naja. Ich gebe einfach meine besten Ausdruckstanzfähigkeiten zum Besten, es sollte mir mit 4 Semestern Rhythmik doch eigentlich gelingen, glaubhaft eine Blume darzustellen. Irgendwie.
Ich hatte völlig verdrängt das wir bei dieser Aufgabe ja auch schriftlich arbeiten sollten, wir sollten alle unsere Erfahrungen in einer Art "Tagebuch" festhalten. Verrückt, ich muss hier lauter Tagebücher schreiben :D Zum Glück fragte ein Mädchen nach, wann wir das abgeben müssten - ansonsten hätte ich wohl nie was geschrieben. Puh.
Während wir da also unproduktiv herumsaßen und nichts taten unterhielten wir uns ein bisschen. Unter anderem darüber, dass in den USA kaum Sprachen gelernt werden, was die anwesenden Amerikaner ziemlich blöde fanden. Ich fragte nach, ob jemand von ihnen einen deutschen Theaterlehrer kennen würde, ich brauche ja rein theoretisch jemanden, der mich auf die Aufnahmeprüfung im Februar vorbereitet. Nicht, dass ich irgendwie Zeit dafür hätte. Aber man kann ja zumindest mal schauen... Angeblich gibt es sogar einen deutschen Lehrer an der Uni, auch wenn ich nicht ganz verstanden habe, wer das ist. Vielleicht mache ich mich da irgendwann mal noch mehr schlau. Drei von denen, die da waren, sind auch in einem anderen Kurs, ich glaube Theaterliteratur oder so was. Sie lesen da gerade das Stück "Agamemnnon", keine Ahnung von wem, aber es geht eben wohl um den trojanischen Krieg. Ich bekam nur halb mit, worüber sie redeten, aber es ging wohl um die ganze Story um den trojanischen Krieg. Ich interessiere mich ein bisschen für die Geschichte, muss aber zugeben, dass ich auch nicht mehr wirklich in dieser Materie drin bin. Die groben Handlungsfäden kriege ich aber wohl noch zusammen. Es liegt wohl an der Geographie, dass wir Europäer mit dieser Geschichte viel mehr vertraut sind als die Amerikaner. Im ersten Moment aber fand ich es sehr verwunderlich, dass die Mädels kaum Ahnung von allem hatten und sich wahnsinnig freuten als ich ihnen sagen konnte, wer Kassandra war. Im zweiten Moment dann fiel mir eben die Sache mit der Geographie ein. Es ist nun einmal eine europäische Sage - ich habe ja auch keine Ahnung von amerikanischen Sagen. Seltsam hat es sich dennoch angefühlt, dass etwas, das für mich irgendwie Teil der menschlichen Geschichte und Kultur ist hier überhaupt nicht bekannt ist.
Um halb vier ging ich dann - ab jetzt hatte eh die andere Gruppe unseren Raum und ich meinen zweiten Klavierschüler. Hier herumsitzen brachte ja nichts.
Auch den zweiten Unterricht brachte ich irgendwie hinter mich (wobei ich schon feststellte, dass das alles harte Arbeit wird... oh je). Und nutzte dann die Gelegenheit, heute mehr Zeit zu haben, um noch ein wenig zu üben.
Heute früh hatte ich ja schon gewusst, dass mein Tag heute etwas kürzer als sonst werden würde, also hatte ich ein paar Rückgaben für die Bücherei eingepackt. Die brachte ich dann zurück, und als ich heimlief war es immer noch warm, total schön :) Unterwegs machte ich Halt beim wallgreens um diese ganzen Kleinigkeiten zu besorgen, die sich angesammelt haben, unter anderem die Fusselrolle. Außerdem stolperte ich über eine günstige Decke für 4 Dollar, so eine ganz dünne Fleecedecke. Ist gut, so was zu besitzen, wenn man mal weggeht, um sich auf die Wiese zu setzen oder so.
Zu Hause dann hatte ich ganz plötzlich total starken Hunger. Mir war schon richtig schlecht... ich hasse das. Mein Magen ist manchmal so unberechenbar... geht euch das auch so oder habe ich da ein besonderes Exemplar abbekommen? Zum Glück hatte ich noch eine Scheibe Brot im Rucksack, so dass ich schnell ein paar Energiereserven auftanken konnte. Denn zum kochen hatte ich gerade keine Kraft. Zehn Minuten später sah das wieder ganz anders aus, und so konnte ich mir meine Nudeln kochen. Ich hatte mir nach dem letzten Desaster Barillanudeln gekauft - die kenne ich, dachte ich. Pustekuchen. Irgendwie schmeckt Barilla hier anders als zu Hause. Die Nudeln sehen viel gelber aus, und naja... also mir schmecken die deutschen Barillas besser :D Ich frage mich, ob das vielleicht auch irgendwie am Wasser liegen kann, zumindest teilweise.
Um an diesem Tag dann noch komplett fleißig gewesen zu sein lernte ich noch meine Chorstücke für morgen. Am Abend, als ich dann ins Bett gehen wollte, stellte ich fest, dass mein Uni-Pullover schon Fäden zieht. Das ist wahnsinnig ärgerlich! Ich habe den erst zwei, drei Mal für wenige Stunden getragen, dementsprechend ist er sogar noch nicht einmal in der Waschmaschine gewesen. Und schon lösen sich Fäden? Da erwarte ich mir aber für so viel Geld doch irgendwie bessere Qualität. Mal sehen ob sich da noch irgendwas machen lässt... natürlich habe ich die Quittung nicht mehr, aber eigentlich kann ich den Pulli ja nur im bookstore gekauft haben. Wo sonst verkaufen die SFSU-Pullis?!?
Dienstag, 27. September 2011
Tag 51 (27.09.)
Ich kam heute noch gerade rechtzeitig zum Chor, irgendwie war ich ein wenig spät losgegangen. Heute war wirklich ein wunderschöner Tag, Sonnenschein pur - genau so, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe. Und irgendjemand schien das auch so zu sehen, denn noch bevor wir uns einsingen konnten ging plötzlich das Licht aus. Wir begannen zwar, wurden aber nach wenigen Minuten schon wieder unterbrochen - wir mnussten raus aus dem Gebäude. Raus in die Sonne :D Stromausfall auf dem gesamten Campus, und, wie ich später erfahren würde, sogar in nem ganzen Stadtteil. Keine Ahnung warum wir rausmussten - manche redeten davon, dass es irgendwo einen Fehl-Feueralarm geben würde und wir deshalb rausmussten. Warum auch immer. Abends, als ich rausfand, dass der ganze Stadtteil lahm lag, wurde dann vermutet, dass es an einer Baustelle lag. Warum wir allerdings die Räume wegen Stromausfall verlassen mussten - keine Ahnung. Ich vermute es liegt an irgendwelchen Sicherheitsvorschriften...
Jedenfalls fiel dadurch der Chor aus, denn niemand wusste, wann der Strom wieder da sein würde. Ich setzte mich also in die Sonne und wollte sie genießen - aber das war unmöglich. Nach zwei Minuten wechselte ich in den Schatten. Ich blätterte ein bisschen die Noten durch, die ich Freitag gekauft hatte, schließlich würde ich heute die erste Klavierstunde geben. Irgendwann wurde es dann Zeit zum essen, aber ich hatte noch absolut keinen Hunger. Lag wohl daran, dass ich heute noch nichts gearbeitet hatte. Nachdem der Chor ausgefallen war... Der Strom war übrigens nach etwa einer Stunde wieder dagewesen. Und unser Chorleiter hatte gemeint, wenn der Strom wieder da sei würde der Frauenchor stattfinden. Als ich den Raum aber betrat waren nur drei, vier Leute da. Es wurden mit der Zeit ein bisschen mehr, aber unser Chorleiter tauchte nicht auf. Zum Glück hatte ein Mädel seine Handynummer, und da erfuhren wir, dass er wohl eine Mail herumgeschickt hatte, in der stand, dass der Unterricht heute ausfallen würde. Hmpf. Hätte ich das früher gewusst wäre ich heimgegangen... so aber hing ich nun stundenlang umsonst an der Uni rum. Na gut.
Da der Strom wieder da war konnte ich ja zumindest in den Computerraum. Und ein paar Sachen ausdrucken, die ich irgendwann mal ausdrucken sollte. Ich öffnete also die Dokumente, druckte sie aber noch nicht aus, weil ich noch ein wenig surfen wollte. Gerade als ich sie drucken gehen wollte - war wieder der Strom weg. Nur für zwei Sekunden, aber das reicht ja bekanntlich, dass PCs nicht mehr laufen. Sie waren schnell wieder hochgefahren, der Drucker aber brauchte länger. Und länger. Und länger... ich war kurz davor, doch ohne zu drucken zu gehen, aber da ging das Teil dann endlich wieder.
Beim üben danach fühlte ich mich wieder überhaupt nicht wohl. Ich scheine da wohl gerade in einer dieser Phasen angekommen zu sein, in der einem nichts gefällt, in der nichts klappt - und nach welcher dann alles besser funktioniert. Hoffentlich. Das ist das, woran ich mich gerade klammere. Ich kenne das ja... aber mittendrin zu stecken ist echt doof.
Dementsprechend hatte ich auch ein kleines bisschen Angst vor dem Unterricht gleich. Ich war dann auch so offen und erzählte meiner Lehrerin von meinem momentanen Problem, und sie bestätigte mich und erklärte mir, dass das durchaus vorkommt und überhaupt nicht schlimm ist. Also genau das, was ich ja eigentlich weiß... Aber immerhin versuchte sie, im Unterricht mich aufzubauen, lobte mich und meinte, dass alles toll klingt. Finde ich jetzt nur dummerweise nicht... Mir fehlt was. Das gewisse Etwas. Aber ich kriege es einfach nicht raus aus den Tasten... Der Unterricht war dennoch okay, auch wenn sich keine Knoten lösten. Immerhin kamen nicht noch mehr dazu ;)
Netterweise durfte ich in dem Raum bleiben, um dann noch meine erste Schülerin zu unterrichten. Wir hatten ja gerade mal 20 Minuten Zeit um Grundlagen zu besprechen, Erwartungen und um ein bisschen was zu lernen. Unterrichten auf englisch ist wirklich seltsam, denn das, was ich eigentlich ausdrücken will, geht oft einfach nicht. Da fehlen mir die Wörter für. Auf deutsch ist das manchmal schon schwer genug, aber auf englisch stand ich oft vor einer Wand. Aber vielleicht gibt sich das mit der Zeit ebenfalls. Und sowieso rede und erkläre ich ja immer zu viel, vielleicht lerne ich jetzt, mehr die Musik sprechen zu lassen.
Wir lernten ein erstes Stück (Merrily we roll along - ich hatte das immer in meinem kleinen Musikkoffer gehört, als ich noch klein war. Ich liebe diesen Musikkoffer immer noch, ich glaube, das war wirklich eines meiner Lieblingsspielzeuge. Obwohl er eigentlich total sinnlos war weil er immer das gleiche Stück spielte und die gleichen Bilder zeigte :D ), und dann war die "Stunde" auch schon vorbei. Ich hatte vorher keine Kopien gemacht, da ich nicht wusste, wie der tatsächliche Stand sein würde. Also mussten wir die Kopien jetzt machen. Dummerweise war in dem einen Kopierer kein Toner mehr, im Copyshop müssten wir lange warten (Folgen des Stromausfalls) und von den Kopierern die im Untergeschoss stehen wusste ich da noch nichts. Also drückte ich ihr das Heft in die Hand und meinte, sie soll es auf eigene Faust kopieren und mir morgen wiedergeben. Wir verabredeten uns für neun Uhr, auch wenn mir hinterher auffiel, dass das etwas knapp werden würde. Um 9:10 Uhr sollte ich schließlich in Töpfern vor meinem Test sitzen. Aber das Gebäude liegt direkt nebenan, würde also klappen, wenn sie pünktlich sein würde.
Jetzt hatte ich aber Hunger bekommen. Also aß ich noch mal - obwohl wir das ja direkt vor Yoga eigentlich nicht machen sollen. Aber mei, was solls. Bevor ich da mit knurrendem Magen die Sonne anbete... Ich machte es mir also draußen mit Buch in der Sonne bequem, jetzt war sie schon langsam am untergehen und strahlte eine angenehme Wärme aus. Wobei, fast schon wieder ZU kalt ;) Auf dem Weg zu Yoga traf ich dann noch auf meinen Theater-Dozenten. Ich sollte ja am Sonntag bei dieser Veranstaltung bei ihm spielen, auch wenn ich immer noch nicht kapiert habe, was für eine Veranstaltung das nun genau ist. Er erzählte mir aber jetzt, dass das auf Samstag verlegt worden war. Uf. Hm... Also Sonntag war super gewesen, denn da ich da abends Fußball spiele will ich da ohnehin nicht allzu viel unternehmen. Aber Samstag... das ist eben mein "Ausflugstag". Der Tag, an dem ich Sachen unternehmen will. Ich sagte ihm also, dass ich noch schauen müsste, ob ich da kann.
Der Yoga-Unterricht dann war wie immer, fast. Wie immer kämpfte ich oft mit dem einschlafen, aber auf eine andere, eher angenehmere Art. Nicht so krampfhaft. Wirklich eher entspannend. Vielleicht war ich einfach nicht ganz so müde wie sonst? Ich machte mir auch sehr viele Gedanken über alle möglichen Sachen, da scheint Yoga irgendwie mein Lieblingsfach für zu sein. (Woran das nur liegt...) Zum Beispiel, was ich heute Abend essen würde. Damit beschäftigte ich mich, ehrlich gesagt, die meiste Zeit. Aber auch, was ich denn nun in den Thanksgiving-Ferien unternehmen werde. Vielleicht doch nach Las Vegas oder Disneyland? Wobei da einfach immer das Problem besteht, dass Flüge um diese Zeit sehr teuer sind. Nach L.A. wäre ich wohl einfach mit dem Bus gefahren, aber Las Vegas ist ja noch mal ein Stückchen weiter weg. Vielleicht bleibe ich auch einfach hier, miete mir ein Auto und schaue mir die Gegend an. Berkeley zum Beispiel. Oder fahre mal an einen Strand... wobei da natürlich schon November ist, also nicht wirklich Strandwetter. Aber bevor ich ein Auto mieten kann brauche ich einen Führerschein. Ach je... das mit dem Führerschein ist wirklich nervig. Ich wünschte echt, das hätte ich schon hinter mir!
In Yoga erinnerte sie uns auch daran, dass wir ja das Tagebuch schreiben müssen. Aaah, total vergessen! Zum Glück schreibe ich hier viel auf, so dass ich hoffentlich ein bisschen was rekonstruieren kann. Das wird schon irgendwie!
Zu Hause dann entspannte ich ein wenig nach dem Tag - auch wenn er durch den Ausfall der Chöre gar nicht soo anstrengend gewesen war. Vielleicht war ich deshalb in Yoga nicht ganz so müde gewesen?
Ich schmiss meinen PC inklusive Skype an, und als meine Eltern dann zur ungefähren Zeit wie immer auftauchten begannen wir zu telefonieren. Wir haben immer nur wenig Zeit, da sie immer anrufen bevor sie morgens zur Arbeit gehen. Mir aber helfen diese 15 Minuten sehr dabei, kaum Heimweh zu haben. Das macht mehr aus als man vielleicht denkt... Meine tägliche Portion Heimat aber kam nach ungefähr fünf Minuten zu einem aprupten Ende, da mein Internet weg war. Mal wieder. Und jetzt wars zum ersten Mal während dem telefonieren passiert. Oh man, was für ein Mist! Ich gab meinen Eltern per sms Bescheid und hoffte, dass es bald wieder da sein würde. Als nach zehn Minuten immer noch nichts passiert war riss mein Geduldsfaden und ich klopfte bei unseren Vermietern. Das passiert andauernd, das kann doch irgendwie nicht sein! Die Vermieterin schien ein wenig genervt von mir zu sein, gut, das Ameisenproblem hatte sie sicher auch genervt... aber dafür können wir ja nichts! Ich will schließlich einfach nur in einer Ameisenfreien Wohnung mit Internetzugang leben, so wie es bei meinem Einzug versprochen worden war. Sie meinte, dass sie wüsste, dass das in letzter Zeit häufig passiert und dass sie mal nach dem Router sehen würde. Na toll... warum ruft sie dann nicht mal bei der Telefongesellschaft an? Hmpf. Na gut. Ich vermute übrigens es liegt eher am Router, denn nach einer viertel Stunde war das Internet wieder da. Also schneller als sonst. Lags daran, dass sie danach geguckt hat, den Router neu gestartet hat oder so? Ich weiß es nicht, aber könnte gut möglich sein. Das Problem hatten wir zu Hause auch mal...
Natürlich waren meine Eltern mittlerweile schon zur Arbeit aufgebrochen. Und ja, ich war traurig darüber, dass das telefonieren heute nicht geklappt hatte. Ich hatte eigentlich auch noch ein paar Sachen mit meinen Eltern besprechen wollen. Und erzählen wollen. Und mir meine tägliche Portion Heimat abholen wollen. Ist ein bisschen wie eine Droge... wenn sie da ist ist alles okay und normal, wenn nicht vermisst man es wahnsinnig und fällt in ein Loch. Es war kein tiefes Loch, keine Sorge. Ich war einfach nur ein bisschen traurig. Und ich denke, das kann man in dem Fall auch irgendwie verstehen.
Tag 50 (26.09.)
Heute stand mein erster Test auf dem Plan, im Töpfern. Ich hatte brav alle Wörter mit den Definitionen gelernt – nicht auswendig, aber so, dass ich sie eben zuordnen kann und ungefähr weiß, was die jeweiligen Sachen bedeuten. Ich hoffe, dass es dann auch genau so dran kommt und nicht doch plötzlich anders… es bestand ja auch die geringe Möglichkeit, dass der Test heute gar nicht geschrieben werden würde, denn unser Dozent war letzte Woche ja nicht da. Gut möglich, dass er es vergessen oder verschieben würde.
Es war mal wieder kalt heute früh, also zog ich mir ein langes Shirt an. Was sich im Laufe des Tages als falsch erweisen würde, aber das weiß man ja hier vorher leider wirklich nie. Anstatt auf dem Weg zur Uni noch mal zu lernen hörte ich lieber Musik – irgendwie hatte ich keine Lust. Und zu Hause beim letzten durchgehen war ja auch alles bis auf ein Wort richtig gewesen. Warum also.
Ich war pünktlich da, schließlich wollte ich nicht den Anfang verpassen oder so was. Könnte fatal werden, da ich nicht weiß, wie das hier abläuft… Ich schnappte mir wie üblich meinen Ton aus meinem Schließfach und setzte mich an meinen Platz. Der Raum füllte sich und jeder begann zu arbeiten. Währenddessen wurde gemunkelt – gab es heute nun den Test oder nicht? Irgendwann kam dann die Auflösung von offizieller Seite – da er letzte Woche nicht dagewesen war verschob unser Dozent den Test auf Mittwoch. Nett von ihm, toll, für die die es nicht gewusst haben, dass heute der Test ist, ich hätte ihn aber ehrlich gesagt gerne heute geschrieben. Einfach, damit er hinter mir ist.
Ich stellte heute meine erste Box fertig, war sie ja fast schon letzte Woche gewesen. Das Symbol, das ich oben einritzte, sollte eigentlich mal ein Anker werden, da die Box irgendwie mit Fantasie die Form eines Bootes hat. Ein Anker wurde es nicht wirklich, aber es sieht nett aus, also ließ ich es. Und meinem Dozenten schien es auch zu gefallen, passt also. Auch mein Bügeleisen bekam endlich den Griff, so dass jetzt nicht mehr viel fehlt und dieses vermaledeite Ding ist endlich fertig. Die Boxen machen mir großen Spaß, aber dieses Modellieren ist einfach nicht meins. Bei meiner Sternbox kamen die Wände hinzu, jetzt kann ich nächstes Mal mit dem kleben anfangen. Juhe, das wird ein Spaß...
Mein Mittagessen konnte ich heute zum allerersten Mal nicht aufessen. Ich hatte mir aber auch wirklich viel zu viel genommen... gut zu wissen aber, dass mein Magen hier nicht völlig am Rad dreht und hin und wieder auch mal Stop sagt. Die Sonne schien wunderbar und ermüdete mich wahnsinnig. Nicht, dass ich ohne die Sonne wacher gewesen wäre... Um eins war dieses Mal nicht üben angesagt sondern ein Konzert meiner Klavierlehrerin. Moderne Musik, eigentlich nicht wirklich meins, aber man lässt sich ja gerne positiv überraschen! Dummerweise muss ich ehrlich zugeben, dass ich nicht ganz so viel in Erinnerung behielt, denn ich war das ganze Konzert peinlicherweise damit beschäftigt, nicht einzuschlafen. Was mir teils mislang. Nein, es lag nicht an der Musik, und das, was ich mitbekam klang interessant, auch meine Lehrerin spielte echt toll. Aber nach dem Mittagessen in ein Konzert gehen ist einfach Mist. Da ist das einschlafen schon vorprogrammiert, ich schlafe oft bei Konzerten fast ein. Das passiert eben, weil man sich da so schön entspannen kann. Und wenn man ohnehin schon todmüde ist...
In meinem Theaterkurs sollten wir heute selbstständig arbeiten. Wir waren ja in Gruppen eingeteilt worden und sollten uns zu Musik einen Tanz nebst Story ausdenken. Mit meiner Gruppe war ich nicht wirklich glücklich. Aber daran kann man ja nichts ändern... ich wartete also im verabredeten Raum, und als nach zehn Minuten immer noch niemand da war schaute ich mal in unserem "Klassenraum" nach. Und ja, da saßen die meisten noch, einfach so, und warteten darauf, was passieren würde. Da musste ich, die, die wohl fast am schlechtesten Englisch kann in der Gruppe, ihnen sagen, dass unser Lehrer gemeint hatte, er würde heute nicht kommen und wir sollen alleine arbeiten. Herrje... verschlafene Truppe ;)
Schließlich konnte es also endlich losgehen. Wir verbrachten eine Stunde damit die Musik auszuwählen. Während einer aus unserer Gruppe bei jeder Musik einen verrückten Vorschlag brachte, der übrigens am Ende immer irgendwie sexuell endete. Wirklich ernst nehmen konnte man ihn nicht, aber als wir endlich auf einen Song stießen, der gar nicht so schlecht klang, philosophierte er von Blumen - und auf dieses Thema einigten wir uns letztendlich auch. Nun besteht unser Tanz aus dem Wachsen, leben und sterben von Blumen :D Nicht wirklich kreativ. Aber mei, was solls. Irgendwie fehlt auch noch das "Drama", das hier so wichtig ist, aber wie gesagt - mei, was solls. Wir endeten dann auch viel früher als unsere vorgegebene Zeit, aber dagegen habe ich ebenfalls nichts einzuwenden. Übrigens bin ich positiv überrascht gewesen von meiner Gruppe - so "privat" waren sie irgendwie ganz anders als sonst.
Die überbleibende Zeit nutzte ich, um mich in die Sonne zu setzen und zu lesen. Einfach so. Das ist so toll, wenn die Sonne scheint :) Ein bisschen übte ich auch noch den Gospelsong, denn ein, zwei Zeilen wollen mir nicht ganz perfekt in den Kopf. Aber das wird schon, hoffentlich.
Im Gospelchor dann, während ich darauf wartete, dass es los ging, sprach ich mal ein Mädel hinter mir an, was es denn so mit dem Ausflug auf sich hätte. Was da so gemacht wird und so... es ist wohl wirklich so eine Art Gruppenmaßnahme, Teambildung oder wie auch immer man das nennen will. Einfach, damit sich alle ein bisschen kennenlernen. Was unternommen wird ist eine Überraschung, aber sie plant wohl ein bisschen mit (wenn ich das richtig verstanden habe). Jedenfalls meinte sie zu mir, sofern ich keine Abneigung gegen Natur oder Höhenangst hätte wird das sicher super spaßig. Ähm, ja. Natur ist gut und schön, ich bin zwar nicht der große Fan, aber damit komme ich klar :D Die Höhenangst macht mir Sorgen. Ich gehöre zwar nicht zu denen, die in absolute Panik und Zitteranfälle ausbrechen, aber ich fühle mich da absolut nicht wohl. Und ja, je nachdem, wie hoch es ist kann da durchaus auch mal eine Panik vorkommen. Denn, das ist der Knackpunkt an dem ganzen, wenn ich das alles richtig verstanden habe, dann gehen wir klettern. Klettern. Keine Ahnung ob im Kletterpark oder in der freien Natur, aber das ist der Horror. Ernsthaft. Seitdem ich einmal in einem Kletterpark eine zu schwere Route gemacht habe (Viele Grüße, Cori :D ) und da wirkliche Todesängste nebst Heulerei ausgestanden habe, habe ich eine wirkliche Abneigung gegen diese Dinger. Kletterparks sind zwar wirklich super für Gruppenbildung, aber nein. Das ist absolut nichts für mich. Tut mir Leid. Trauma lässt grüßen. Und in der freien Natur? Erst recht nicht. Da bringt mich nichts zum klettern, auch kein Besuch bei George Lucas (wobei... wenn ich ehrlich bin... da könnte man unter Umständen mal darüber reden. Unter Umständen ;) ).
Ich bin da ziemlich traurig drüber. Ich hätte gerne einen schönen Tag mit dem Chor verbracht, wenn ich da ohnehin schon hin "muss". Ich hab mich damit abgefunden, dass der Tag für mein Sightseeing verloren geht, aber ich habe mich damit überzeugt und auch angefangen, mich ein wenig darauf zu freuen, dass ich ja vielleicht dann andere, tolle Sachen sehen, die ich sonst nie gesehen hätte. Denn ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass der Ausflug mir helfen wird, in die Gemeinschaft einzutauchen. Ich werde mein Bestes geben (und ich sollte aufhören negativ zu denken, ich weiß ;) ), aber ich sehe einfach, wie das momentan im Chor läuft. Man begrüßt seine Freunde und redet mit denen, Neuankömmlinge bleiben aber meist außen vor. Das ist normal, keine Frage. Aber ich frage mich, warum das auf einem Ausflug dann plötzlich anders sein soll. Ja, ich bin einfach traurig darüber, dass man sich da keine Gedanken drüber gemacht hat. Denn das Mädchen meinte einfach lapidar (sie meinte es nett, ich weiß, aber es half nicht wirklich), als ich ihr sagte, dass ich Höhenangst hätte - "Ach, das macht nix, du bist gesichert und wir fangen dich dann einfach auf." Ähm, ja. Das beruhigt mich jetzt ungemein. Ich hoffe, es gibt irgendeine Alternativprogramm-Möglichkeit oder, dass ich nicht die Einzige mit dem Problem bin. Denn unangenehm auffallen möchte ich auf keinen Fall, das werde ich ja schon wegen meinem Essensproblem. Da muss ich nicht auch noch die Zicke sein die nicht klettern will.
Naja, mal abwarten. Vielleicht habe ich ja doch irgendwie etwas falsch verstanden... Die Hoffnung stirbt zuletzt! Traurig bin ich aber eben schon. Ich finde es eben seltsam, was hier im Gospelchor alles vorausgesetzt wird. Wir müssen uns auch zwei T-Shirts kaufen, für je (!) 30 Dollar. Ich weiß nicht, warum eines nicht reicht. Ja, bei offiziellen Veranstaltungen will man eine andere Farbe, aber mal ehrlich, muss das sein? Das ist nicht gerade wenig Geld!
Dennoch muss ich sagen, ich war heute nicht so genervt wie sonst. Die zwei Stunden verliefen eigentlich ganz gut, wenn man mal davon absieht, dass alles sehr chaotisch war (wenn man sich die Stimmen aufschreibt dann kann man sie auch nicht vergessen - das ist der Sinn von Noten...). Vielleicht gewöhne ich mich ja langsam an das alles hier :) Ich glaube, ich bin auch insgesamt etwas angefressen wegen der Konzert-in-Ferien-Sache. Das macht mir echt zu schaffen und stimmt mich immer noch sehr traurig. Ich wäre wirklich sehr, sehr gerne zu der Convention gefahren, und das geht nun mal jetzt nicht mehr. War halt eine einmalige Chance...
Nach dem Chor ging ich noch schnell einkaufen, warum geht das Brot nur immer so schnell aus? Diesmal kaufte ich gleich mal zwei, damit ich eines einfrieren kann. Und während ich da so shoppte - schallte aus den Lautsprechern Nena mit "99 Luftballons". Und zwar die deutsche Variante - gibts da nicht auch eine englische von? Schon seltsam, wie man hier manchmal mit der Heimat konfrontiert wird, aus heiterem Himmel. So wie heute früh, denn mein Töpfern-Dozent hatte ein Shirt an, auf dem in drei Zeilen etwas geschrieben stand - erste in schwarz, zweite in rot, dritte in gelb. Zufall. Brachte mich aber dennoch sofort auf den Heimat-Gedanken-Trip.
Als ich aus dem Laden kam legte ich erst mal einen Sprint ein, denn der Bus stand schon an der Haltestelle. Hui. Das war echt knapp... Aber super, denn so war ich wirklich sehr schnell zu Hause. Und was sahen meine Augen, als ich die Türe öffnete? Tatsache, mein Päckchen ist schon da! Mein Fructosin, mein heißgeliebtes Fructosin. Eineinhalb Wochen hat die Bestellung jetzt nur gebraucht. Das ist schon fix, muss man sagen, von Österreich nach Kalifornien! Halleluja, jetzt kann ich aufhören zu sparen. Ich hab noch in etwa 18 Kapseln zu Hause, damit wäre ich also noch 2 Wochen klar gekommen. Aber nur, wenn ich spare. Jetzt kann ich wieder loslegen und Himbeeren oder Pizza essen. Das Päckchen kam gerade rechtzeitig, denn ich bekam auch eine Mail, dass am Freitag das Treffen von diesem "Deutsche Studenten in Amerikanischen Schulen" stattfinden wird. Bei Pizza und Bier :D Für ersteres sind die Kapseln jetzt meine Rettung, jetzt kann ich zum ersten Mal mal bei einer Veranstaltung einfach mitessen und mich nicht gleich als absoluter Außenseiter outen. Das tut so gut!
Derart positiv gestimmt testete ich heute mal mein (mittlerweile, da essbar) Leibgericht aus Deutschland - Nudeln mit Schinken und Käse. Die Nudeln schmeckten nicht wirklich, und die Kombination war auch nicht so der Renner. Ich brauche anderen Käse... Immerhin habe ich es halbwegs vertragen. Nicht hundertpro, aber ich habe noch gelebt :D Während ich dann da so mein Essen verzehren wollte machte ich eine (für mich) böse Entdeckung. Von meiner Serie hatte ich die offizielle und legale Möglichkeit im Internet gefunden, mir die eine Staffel anzuschauen, die die Bücherei hier nicht hat. Perfekt! Mir fehlten nur noch 5 Folgen, nur dummerweise war die Staffel heute weg. Ersetzt durch Staffel vier. Ich brauche doch aber die dritte :( Keine Ahnung, ob die das wöchentlich irgendwie wechseln oder ob das Zufall ist. Schade auf jeden Fall... Irgendwann abends verschwand dann auch mal wieder unser Internet. Herrje, das nervt langsam wirklich hier. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das W-LAN auch wirklich da ist. Bisher war es immer da wenn ich mit meinen Eltern telefonieren wollte, aber das war Zufall und Glück. Ich hoffe, das hält sich ein bisschen... Und ich hoffe, dass dieses Problem bald gelöst ist.
Sonntag, 25. September 2011
Tag 49 (25.09.)
Der heutige Eintrag wird wohl der kürzeste seit meiner Ankunft hier - schließlich bin ich heute fast den ganzen Tag einfach nur zu Hause gewesen :D
Obwohl aus dem Ausschlafen leider nicht so viel wurde. Der Kinderlärm von oben war gegen zehn, elf einfach viel zu laut, um ihn zu ignorieren. Ja, für mich ist das kein Ausschlafen :D
Heute machte ich wirklich mal fast nichts. Ich schrieb ein bisschen an meinem Blog, räumte ein bisschen mein Zimmer auf und machte meine Wäsche - wovon eine Fuhre völlig verfusselt herauskam, das heißt, ich muss mir eine Fusselrolle besorgen, Mist. Die restliche Zeit genoss ich einfach das Nichtstun und surfte im Internet und machte dies und jenes. Okay, nicht die ganze restliche Zeit. Ein bisschen Zeit ging nämlich dafür drauf, mir Vanillepudding zu machen. Mmmmh... meine Güte, war der lecker! So lecker, dass ich gleich die ganze Packung auffutterte. Klingt aber mehr, als es im Endeffekt ist, denn die Packung war relativ klein. Uuuund, außerdem lernte ich. Nicht viel, zugegebenermaßen, aber da morgen mein Töpfern-Test vor der Tür steht sollte ich ein bisschen was tun und mir die Wörter ins Hirn hämmern. Was ich auch tat. Ich denke, ich bin halbwegs gut vorbereitet, und wenn ich nicht irgendwas vergessen habe zu lernen oder übersehen habe dann müsste eigentlich alles glatt gehen.
Heute allerdings fing mein Handgelenk wieder an zu schmerzen - schlecht. Ich konnte es wieder nicht einwandfrei bewegen, die Abknickbewegung nach hinten tat wieder einmal ziemlich weh. Ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird. Zu Hause ist das schon nervig und schmerzhaft genug, hier fehlte mir das gerade noch.
Gegen halb sieben machte ich mich auf den Weg zum Fußball. Heute war übrigens, nach morgendlichen Nebelschwaden, doch noch ein wunderschöner Tag aus der Ecke gekrochen. Und so genoss ich noch die letzten Sonnenstrahlen, während ich zur Uni lief. Diesmal schon komplett umgezogen, ich kenne das Theater mit Umkleidekabinen jetzt ja schon.
In der Halle tauchte bis kurz vor dem Spiel kaum jemand auf, dann waren wir aber doch zu neunt. Ich muss sagen, zu neunt ist ein bisschen viel. Letztes Mal mit acht wars gerade okay so, aber vier Auswechselspieler sind doch irgendwie zu viel. Da kommt man irgendwie kaum rein ins Spiel, bis man dann wieder wechseln muss weil ja alle spielen möchten. Schade.
Wir gingen innerhalb der ersten fünf Minuten 3:0 in Führung - nur um dann ungefähr 24 Minuten lang kein Tor zu schießen. Und fünf zu kassieren. Mist... eine Minute vor Schluss schafften wir noch den Anschlusstreffer, aber da wars bereits zu spät - wir fuhren unsere erste Niederlage mit 4:5 ein. Knapp, immerhin. Besser als 1:9 :D Ich muss sagen, heute war auch irgendwie nicht mein Tag. Ich war nicht ganz auf der Höhe, meine Reaktion war immer eine Millisekunde zu spät, ich merkte, dass ich nicht ganz mitkam heute. Naja, ich hatte mich wohl ein bisschen zu viel ausgeruht zu Hause. Macht ja aber auch nix, verlieren ist keine Schande. Vor allem auch nicht, weil unsere Gegner wirklich nicht schlecht waren, die waren teils ziemlich schnell.
Ich dackelte also wieder nach Hause, mittlerweile war es ganz dunkel. Und unterwegs fiel mir siedendheiß ein, dass ich noch das Stück für den Gospelchor morgen üben sollte. Zumindest Text und Melodie sollte ich drauf haben! Das hatte ich völlig vergessen. Nachdem ich also unter die Dusche gehüpft war machte ich mich ans Auswendiglernen, was erstaunlicherweise besser lief als ich gedacht hätte. Alles halb so schlimm!
So, wie schon gesagt - der kürzeste Eintrag :D Denn das war schon mein ganzer Sonntag. Ein Gammeltag, fast wie er im Buche steht. Aber nur fast ;)
Samstag, 24. September 2011
Tag 48 (24.09.)
Das war nicht der Grund dafür, aber ich war mal wieder ziemlich spät im Bett. Und beschloss daher, "auszuschlafen" bezeihungsweise meinen Wecker erst auf elf Uhr zu stellen. Das heißt bei mir nicht unbedingt ausschlafen, ist aber definitiv besser als halb acht. Ganz definitiv.
Ich trödelte insgesamt noch ziemlich herum, aber irgendwann hat man das auch mal verdient... erst um viertel vor eins brach ich zur Uni auf um zu üben. Kommt davon, wenn man frei hat - die Zeiteinteilung verläuft eben auch ziemlich frei. Das Wetter heute war ziemlich mies - Nebel wohin man nur blickte. Gaanz schlecht. Ich wollte doch ein bisschen Besichtigungstour machen! Bei Nebel würde es wohl nicht so sonderlich viel bringen. Allerdings ist in Downtown ja meist besseres Wetter als hier bei mir und an der Uni, also vielleicht würde das noch was werden.
Ich versuchte zu üben - wirklich produktiv war es allerdings nicht. Es klappte einfach gar nichts, und ich wurde frustrierter und frustrierter. Am liebsten hätte ich einfach nur geheult, aber selbst dazu war ich irgendwie nicht in der Lage :D Ich kenne solche Situationen, ich weiß, dass es solche Übetage gibt. Dennoch frustriert es, wenn man versucht, etwas zu erarbeiten, und es klingt einfach alles nur nach mist. Oder nach nichts. Oder noch schlimmer.
Nach 45 Minuten gab ich gefrustet auf, noch dazu hatte ich plötzlich richtig Hunger bekommen. Am liebsten hätte ich jetzt eine Pizza verdrückt oder eine Torte oder so etwas, was richtig verbotenes. Aus lauter Frust. Aber da ich momentan meine Kapseln sparen muss wäre das nicht so intelligent, mal davon abgesehen, dass Torte allgemein keine gute Idee wäre - ich weiß nicht mal, wie viele Kapseln ich für ein Stück bräuchte :D Wahrscheinlich 20 oder so... Also blieb ich vernünftig. Es würde einfach nur der McDonalds auf dem Weg nach Downtown werden. Zwar hatte ich mehr Lust auf Burger King, aber bis dahin würde ich schon verhungert sein. Und McDonalds ist nun mittlerweile nichts verbotenes mehr, die laktosefreien Chicken McNuggets werde ich in Deutschland zwar wieder vermissen, aber momentan brauche ich sie nicht unbedingt.
Kurz machte ich noch im PC-Raum Halt, denn ich wollte noch die Anmeldung für morgen ausdrucken, für "Opera in the Ballpark". Weiß nicht, ob ich das schon geschrieben habe - da schaut man eben eine Liveübertragung aus der Oper im Baseballstadion. Umsonst :D Außerdem wollte ich schauen, obs nicht doch einen näheren Burger King gibt... aber nein. Als ich den Ruam verließ merkte ich, dass es eindeutig der nächst möglichst erreichbare Essenstand werden musste, denn ich war schon ziemlich zittrig, mein Kreislauf würde wohl demnächst ins Bodenlose fallen. Das heißt: Essen innerhalb der nächsten Viertelstunde, wenn möglich! Ich hatte noch Brot dabei, an welchem ich jetzt auch knabberte, das half aber nur vor dem nicht-umkippen. Immerhin ;)
Unterwegs telefonierte ich mit A., welche vor verschlossenen Überäumen stand - die Verantwortliche war schon heimgegangen. Nett. Eine Stunde früher als eigentlich gedacht... Also machte sich A. gemeinsam mit mir, wenn auch in unterschiedlichen Verkehrsmitteln (ich saß im Bus, sie in der Bahn) auf den Weg zum McDonalds, die eine Station :D Während ich dann endlich mein Essen verzehrte (Halleluja!) beschlossen wir beide, dass es Unsinn wäre, heute auf Besichtigungstour zu gehen. Der Nebel war einfach so dicht, es wäre wirklich ein Wunder, wenn das in Downtown nicht so wäre. Ja, manchmal macht das Wetter in San Francisco wirklich komische Sachen, aber ich glaube, heute war es wirklich überall neblig. So dicht wie der war - man stelle sich London in einem Sherlock Holmes-Krimi vor und verdoppele das Ganze :D Die Chance, dass ich die "Painted Ladies" würde sehen können war sehr gering. Zumindest nicht, wenn ich 50 Meter davon entfernt stehen würde... Also wurde der Ausflug gestrichen und Punkt zwei auf der Tagesordnung herangezogen - Kino. Dank meines Kindles (e-Book-Readers) und dem W-Lan im McDonalds fand ich heraus, wann die nächste Vorstellung sein würde. Müsste genau klappen. Wir machten uns also auf den Weg nach Daly City zum nächstgelegenen Kino, ziemlich am Rand von San Francisco. Und fanden es sogar fast auf Anhieb (nachdem wir nach dem Weg fragten *hust* Aber das ist ja keine Schande). Vor dem Kino hatte sich schon eine Schlange an den Kassen gebildet, aber die sah größer aus als sie war. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir unsere zwei Kinotickets - "The Lion King" ("Der König der Löwen") in 3D. Wir betraten den großen Kinokomplex und wurden gleich am Eingang nach den Karten kontrolliert. Dann gings eine Rolltreppe nach oben, wo einen gleich Gerüche vom dortigen Essensstand eindeckten. Allerdings nicht die üblichen "mmmmh, ich brauche unbedingt Popcorn, Eis, Cola!"-Gerüche, sondern es roch irgendwie... nicht so gut. Ich schätze nach irgendeiner Käse-Dip-Soße oder so. Wirklich Lust auf Essen machte das nicht. Sollte mir Recht sein ;) Wir fanden unser Kino nicht sofort. Es war klar, wir müssen einen Stock höher, aber wo bitteschön?!? Unterwegs kaufte A. dann doch noch eine Miniportion Popcorn, und bei der Gelegenheit fragten wir den netten Verkäufer nach dem Weg. er erklärte uns, wo wir zur Rolltreppe kämen, dann fiel ihm ein, dass hier um die Ecke ein Aufzug sei. Na dann, nichts wir hin.
Als wir das Kino endlich gefunden hatten lief schon Werbung, es war gerade die Uhrzeit, zu der der Film "offiziell" anfangen sollte. Was er ja niemals tut ;) Hier herrscht freie Platzwahl, aber obwohl wir so relativ spät angekommen waren ergatterten wir noch ziemlich gute Plätze.
Und schon startete die Kinovorschau, welche dann noch zehn Minuten lief. 15 Minuten nach offiziellem Filmstart begann dann auch der Film. Keine Ahnung ob das an der Kinder-Nachmittags-Vorstellung lag oder ob das hier immer so ist. Letzteres wäre natürlich super :D
Ich liebe diesen Film. Ganz einfach. Schon als er anfing hatte ich Tränen in den Augen, diese Eröffnung auf großer Kinoleinwand ist einfach super :) Vielleicht lag es daran, dass ich den Film schon kannte, aber es war selten so schön im Kino. So entspannt, ich genoss alles in vollen Zügen. Faszinierend fand ich auch den Abspann, der war nämlich überraschend kurz. So etwas bin ich gar nicht mehr gewöhnt, bei den ganzen Specialeffects und so heutzutage. Außerdem entdeckte ich, dass ganz schön viele berühmte Namen bei den Sprechern standen. Whoopie Goldberg zum Beispiel. Oder James Earl Jones. Und dass Hans Zimmer die Musik geschrieben hat wusste ich auch nicht. Überraschung!
Nach dem Kino beschlossen A. und ich, noch einen bestimmten Laden aufzusuchen ("Target"), von dem ich gehört hatte, dass er hier in der Gegend sein sollte. Bis wir uns durchgefragt hatten und mit dem Bus angekommen waren verging aber ziemlich viel Zeit, denn der Laden war weiter weg als ich dachte. Glücklicherweise war der Busfahrer so nett, uns zu sagen, wann wir rausmüssen. Sonst hätten wir wohl ein Problem gehabt, denn mittlerweile war es stockdunkel draußen. Und alleine hätte ich mich wohl etwas gegruselt, da draußen, in einer fremden Umgebung.
Ich brauchte unbedingt einen Tennisschläger. Das war der Hauptgrund, weshalb ich in diesem Laden war. Und als ich die Schläger gefunden hatte hatte ich ein Problem, denn irgendwie stand nirgendwo, wie schwer die einzelnen Schläger sind. Also stand ich da vor dem Regal und schwang wohl 10 Minuten lang verschiedene Schläger durch, nur um mich am Ende für den ersten zu entscheiden. Welcher übrigens auch noch der fast günstigste war (gut, den teuersten hatte ich erst gar nicht in die Hand genommen). Sieht ziemlich stylisch aus, schwarz-orange :D Außerdem kaufte ich auch noch einen kleinen Tisch - endlich. Er hat Beine wie ein Bügelbrett, ist also nicht so super optimal. Aber es ist besser als nichts, und ich kann nicht ewig warten, bis ich einen habe. Jetzt ist mein Zimmer endlich komplett! Immerhin habe ich fast sieben Wochen gebraucht.
Ich entdeckte auch jede Mene Star Wars Zeug hier. Oh man, so viel Merchandise, das ist echt wahnsinn. Wenn man das alles kaufen würde wäre man arm wie eine Kirchenmaus :D Sogar eine Angel entdeckte ich. Wahnsinn...
A. und ich verbrachten eine ganz schön lange Zeit in diesem Laden, bis er dann um 9 zumachte. Diesmal fuhren wir mit der Bahn zu unserem Ausgangspunkt beim Kino zurück, das ging viel schneller. Da fuhr uns dann dummerweise aber der Bus vor der Nase weg, und so durften wir noch einmal 20 Minuten warten. Während sich immer mehr komische Gestalten hier ansammelten. San Francisco ist einfach einer verrückte Stadt, jeder läuft hier so rum, wie er will.
Auch auf meinen Anschlussbus nach Hause musste ich länger warten, so dass ich erst um viertel nach 10 zu Hause war. Und erschöpft. Morgen stand ja Opera in the Ballpark auf dem Plan, aber irgendwie fühlte ich mich ausgelaugt. Ich sehne mich einfach nach einem Tag, an dem ich mal zu Hause bin, an dem ich entspannen kann. Und nicht von Uni zum einkaufen und zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten renne. Einfach mal ausspannen. Ich wollte hier eigentlich relaxen, ich mache momentan aber genau das Gegenteil. Ein halbes Jahr ist so wenig Zeit für alles hier! Ich schwankte, ich wollte eigentlich gehen, es interessierte mich, außerdem wollte ich mal ins Baseballstadion. Aber nicht morgen. Einfach nicht morgen.
Abends telefonierte ich dann noch relativ lange mit meinen Eltern, das tat gut. Unter der Woche telefonieren wir zwar fast täglich, aber immer nur ziemlich kurz. Es ist schön, wenn man sich länger unterhalten kann, ohne unter Zeitdruck zu stehen und zu wissen, dass man nur 10 Minuten für alles hat. Ich zeigt meinen Eltern meinen neuen Schläger, und die Reaktion, unabhängig voneinander, war vollkommen gleich - "Ein Wilson? Wow, den bringst du aber mit!" Beim zweiten Mal lachte ich mich halb schräg deswegen.
Nach dem Telefonat beschloss ich dann auch, morgen nicht wegzugehen. Ich brauche die Zeit, auch wenn es mir wahnsinnig Leid tut. Ich wäre da so gerne hingegangen! Aber ich möchte nicht am Ende hier ein Burn-out bekommen weil ich mir zu viele Sehenswürdigkeiten und Opern ansehe :D Morgen einfach mal ausschlafen. Und an nichts denken. Punkt.
Tag 47 (23.09.)
Zum Glück war heute Freitag. Freitag, mein "freier" Tag. Auch wenn er nicht wirklich frei ist, denn üben muss ich auf jeden Fall. Und so einige andere Dinge tun, die über die Woche immer liegen bleiben. Aber immerhin, ich kann mir meine Zeit selber einteilen. Heute sollte mein "freier" Tag um elf Uhr vormittags starten. Ich hatte mich mit einem Mädchen aus dem Frauenchor verabredet, um ihr die Grundlagen vom Notenlesen beizubringen. Und ein bisschen bei ihrem Song zu helfen. Punkt elf stand ich am verabredeten Ort, von ihr aber keine Spur. Ich machte es mir sitzend bequem und beobachtete die Leute, die so vorbeiliefen. Ganz schön interessant, eigentlich. Ich kannte sogar ein paar von ihnen vom sehen, hätte ich gar nicht gedacht. Einer kam auf mich zu, fragte, ob ich nicht die aus dem Chor sei, er liebe mein Deutsch :D Die meisten Amerikaner stehen anscheinend wirklich total auf deutschen Akzent. Ich habe keine Ahnung wieso... aber mich haben schon wahnsinnig viele Leute darauf angesprochen.
Als um zehn nach elf immer noch niemand da war beschloss ich üben zugehen. Hab keine Lust, womöglich ewig zu warten... Außerdem wählte ich bewusst eines der Übezimmer die an dem Flur waren, auf dem ich wartete, da die Zimmer hier Fenster haben sollte es ihr möglich sein, mich so zu finden. Und Tatsache, ich war gerade bei meiner dritten Tonleiter oder so (ich hab wieder angefangen Tonleitern zu spielen... ich bin richtig stolz auf mich :D ), als die Tür aufging.
Ich begann also, dem Mädel auf englisch die Grundlagen des Notenlesens zu erläutern, gar nicht so einfach. Und ich brauchte länger, als ich gedacht und gewollt hatte. Aber um 12 hatte ich sie dann hoffentlich endgültig verwirrt und ich ging üben.
Beim Mittagessen traf ich dann auf A., später gesellte sich auch noch jemand aus einem ihrer Kurse zu uns. Und nachdem wir über dies und jenes gequatsch hatten (Fußball, Frauen-WM, Herr der Ringe...) vertieften wir uns irgendwann in eine Diskussion, ob es richtig gewesen war, Mara und Anakin Solo das zeitliche segnen zu lassen. Ja, Tatsache :D Ich liebe dieses Land. A. tat mir ein bisschen Leid, ich glaube, für sie hörte sich das alles ein bisschen verrückt an und sie fragte sich wohl, in welchem Film sie da gelandet sei (wobei, das war wohl eine der wenigen Fragen die sie sich nicht stellte). So kam es, dass ich länger für meine Mittagspause brauchte als ich eigentlich wollte, aber solche Gespräche führt man nicht alle Tage. Ich übte also noch ein wenig, bis ich mal wieder aufgab und mich auf den Weg zum Bus machte. Heute stand auf dem Plan: Klaviernoten besorgen. Schließlich beginnen nächste Woche meine Klavierstunden! Da brauche ich noch ein bisschen Unterrichtsmaterial. Bestenfalls ein Heft in dem vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen alles drin ist. Utopie ;) Aber man kanns ja mal versuchen. Der Bus war vollgepackt bis obenhin, der Busfahrer war aber wohl der netteste, denn ich hier bisher getroffen habe. Er sagte sogar immer an wo man zu welcher Linie umsteigen konnte. Das hat bisher bei mir noch niemand gemacht. Schließlich entkam ich diesem Gedränge (während ich unterwegs ein paar "Vokabeln" für meinen Test am Montag lernte, braaav). Ich lief ein Mal an dem Laden vorbei (zu meiner Verteidigung, er lag auf der anderen Seite), er war wirklich klein und sah von außen nicht wirklich nach etwas aus. Wäre er mir nicht schon von zwei Personen empfohlen worden, ich weiß nicht, ob ich reingegangen wäre. Er sah irgendwie aus als hätte er nur Zeug aus dem letzten Jahrtausend und dieses dann auch vergilbt. Innen sah er aber ganz anders aus, wenn auch immer noch sehr klein. Ich stellte aber fest, dass er nach hinten viel größer war und einiges an Stauraum besaß. Ich ließ mir ein paar Bücher empfehlen, und dann war ich ziemlich lange damit beschäftigt, den Laden auf eigene Faust zu erkunden. Leute, Noten sind hier so billig... verdammt. Dumm, dass ich kaum was einkaufen kann. Das Zeug ist einfach zu schwer... Die Klavierschule die ich kaufte kostete 10 Dollar - das ist wirklich ein Witz. Außerdem kaufte ich ein Set von drei Heften für ebenfalls 10 Dollar (die waren aber reduziert). Und ein Heft mit Filmmusik für 8 Dollar. Und dabei habe ich mich schon wirklich sooo was von zurückgehalten. Echt. In Deutschland hätte ich wohl wirklich viel Geld ausgegeben. Hier aber - keine Chance.
Ich blieb wirklich Ewigkeiten in dem Laden, ich glaube, die fragten sich schon, was ich für eine komische Person bin. Aber naja, ich musste ja erst mal alles erkunden. Übrigens ist hier auch das komplette "Noten-Merchandise" wahnsinnig billig. Bei uns kostet so ein einfaches Notenuch oder so zum Beispiel schon 20-25 Euro, ich weiß nicht mehr genau, was es hier kostete, aber es waren sicher nur um die 10 Dollar. Verrückt. Das meiste ist teurer hier, so zumindest mein Eindruck, aber Notenzeug - unschlagbar :D
Auf dem Rückweg kaufte ich mal wieder ein, und abends war dann Wäsche waschen angesagt. Mittlerweile habe ich nicht mehr ganz so viel Angst mehr davor, auch wenn ich immer noch sehr erleichtert bin wenn meine Wäsche wohlbehalten aus dem Trockner/der Maschine kommt.
Morgen steht wieder mal üben auf dem Plan, außerdem möchte ich ein paar "Kleinigkeiten" von San Francisco anschauen - die berühmte Reihe viktorianischer Häuser und die Lombard Street. Und abends dann ins Kino, ich freu mich schon :)
Freitag, 23. September 2011
Tag 46 (22.09.)
Ich absolvierte mein übliches Donnerstagsprogramm - Chor, Mittagessen, Chor - und packte dann sofort nach Beenden des zweiten Chors meine Tasche und stürmte los. Ich hatte eine halbe Stunde um mich umzuziehen, den Ort zu finden, wo man Schläger leihen kann und um die Tennisplätze zu finden. Eigentlich hatte ich die Plätze heute früh abchecken wollen, dann hatte ich mir aber gedacht, so schwer können die ja eigentlich nicht zu finden sein. Pah!
Also hetzte ich erst einmal zum Sportgebäude. Dort fragte ich mich zur Ausleihe durch - welche seltsamerweise im Pseudo-Umkleideraum der Mädchen ist. Ooookay :D Jedenfalls erfuhr ich dort, dass keine Schläger mehr verliehen werden, außer man belegt einen offiziellen Kurs. Na wunderbar. Noch 15 Minuten, und ich habe weder Schläger noch weiß ich, wo ich hin muss. Kann ja nur noch besser werden!
Ich suchte also nach den Tennisplätzen. Ich wusste ungefähr, wo sie waren, war mir aber nicht sicher. Und ja, ich irrte ein wenig falsch umher, aber zum Glück gibt es immer mal wieder ein paar Campuskarten über den ganzen Campus verteilt, und so konnte ich mich immer wieder orientieren. Und allzu weit sind die Tennisplätze vom Sportgebäude nun auch nicht entfernt. Als ich sie schließlich gefunden hatte hatte ich aber keine Ahnung, wie ich da runter kommen sollte. Sie lagen nämlich ungefähr 20 Meter tiefer als die Straße, an der ich stand. ein paar Meter weiter sah ich einen Trampelpfad durch Bäume und Gebüsch, das war aber irgendwie schon alles. Mir war klar, dass es hier irgendwo noch einen offiziellen Weg geben musste, aber es war schon fünf vor drei - es musste schnell gehen. Also torkelte ich vorsichtig den Pfad herunter und schwor mir währenddessen, nächstes Mal auf jeden Fall den offiziellen Weg zu nehmen. Das war mir doch irgendwie zu unsicher.
So kam ich also gerade pünktlich an - um zu erfahren, dass weder mein Mitspieler noch das gegnerische Team bisher aufgetaucht seien. Hm, okay. Ersterer kam ein paar Minuten später um Punkt drei, das gegnerische Team schaffte es gerade noch rechtzeitig, bevor unsere Mannschaft zum Sieger erklärt worden wäre. Schade, wäre wohl unser einziger Sieg gewesen :D Die beiden schienen aber sehr nett zu sein und es stellte sich heraus, dass auch hier eine Person kaum bis gar keine Tenniserfahrungen hatte und die zweite auf jeden Fall kein Überflieger war. Na, das hörte sich doch gut an! Auch wenn ich nicht absolut aufs Gewinnen aus bin, Spaß macht es einfach keinem, wenn die Gegner zu unterschiedlich stark sind. Wir schafften es, von einer anderen anwesenden Person auf den Plätzen einen Schläger zu erbetteln und so konnte das erste Einzel beginnen. Ich versuchte mich dabei als Schiedsrichter, aber es ist wirklich schwer, auf englisch Leuten Tennis zu erklären, die das noch nie gespielt oder gesehen haben. Und dann auch noch die amerikanische Zählweise! Hier zählen sie nicht 15, 30, 40, Spiel sondern 1, 2, 3, Spiel. Sehr verwirrend. Denn dann hat man immer so kleine Zahlen im Kopf und weiß nie, ob die jetzt für das einzelne Spiel oder für den Satz gelten. Ich kam so einige Male durcheinander... Naja, macht irgendwo auch nichts. Denn es war klar, dass die Gegnerin meinem Teamkameraden überlegen war. Auch wenn beide manchmal kaum den Ball übers Netz brachten. Macht nix, ist ja nur ein Spiel :)
Wir standen außerdem extrem unter Zeitdruck - ein Satz durfte nicht länger als 15-20 Minuten dauern. War wirklich schwer, das einzuhalten - beziehungsweise unmöglich. Wir brachen jeweils einfach nach 20 Minuten ab. Keine Ahnung, wie das in Zukunft laufen wird.
Dann stand ich auf dem Feld und stellte fest, wie viel ich in den letzten Jahren vergessen und verlernt hatte. Allein schon der Kardinalsfehler, nach einem gespielten Ball nicht gleich wieder zurück in die Ausgangsposition zu gehen geschah mir andauernd. Was mein Gegner auch gekonnt ausnutzte. Herrje, da ärgerte ich mich aber ganz schön darüber... Davon abgesehen, dass mein Aufschlag auch schon mal besser war und meine Präzision seeehr zu wünschen übrig lies. Um nicht zu sagen - ich war schlecht.
Der Schläger war etwas schwer, und das merkte ich auch schon nach fünf Minuten, denn mein Arm begann wehzutun. Und ich wusste wieder, weshalb ich mit dem Tennisspielen aufgehört hatte. Meinen Satz verlor ich mit zwei zu vier - nicht ganz so schlimm, aber eigentlich hätte es besser sein müssen. Macht ja aber nichts, denn zum Glück soll es ja einfach nur Spaß machen und keiner nimmt es einem übel, wenn man schlecht ist.
Danach spielten wir noch Doppel - eigentlich unnötig, denn das gegnerische Team hatte ja schon zwei Sätze gewonnen. Aber wir hatten noch etwas Zeit. Wir ergatterten noch einen zweiten Schläger und so konnte der Spaß beginnen. Es war wirklich seltsam, und mein Teamkamerad hatte alle Mühe, den Regeln des Doppels zu folgen. Er tat mir schon etwas Leid - ich möchte ihn nicht überfordern oder bevormunden, andererseits finde ich, dass man es schon richtig machen soll, wenn man es schon macht. Gut möglich, dass unsere zukünftigen Gegner das Ganze etwas ernster nehmen.
Plopp, schon war die Stunde vorbei. Ich hatte nicht wirklich viel geschwitzt, aber dennoch fühlte sich mein Arm an wie Blei. Auf dem Feld begann der Nebel aufzuziehen und ich fragte mich, wie die Teams um fünf denn ihr Spiel austragen würden. Womöglich halb blind... Es hatte Spaß gemacht, auch wenn ich ein klein wenig deprimiert war, weil ich so viel verlernt habe. Aber wirklich nur ein ganz kleines bisschen ;)
Als ich heim kam war ich gespannt, wie unsere Wohnung denn riechen würde. Schließlich sollten heute ja die Ameisen endgültig vertrieben werden. Ich öffnete die Tür und roch... nichts. Huch? Waren die wirklich dagewesen? Die Türen zu unseren Schränken in der Küche waren offen, aber sonst war nichts zu sehen. Auch in meinem Zimmer fand ich keine Köder oder ähnliches. Aber es sah tatsächlich so aus als ob die Kammerjäger einen guten Job gemacht hätten. Auf Nachfrage erfuhren wir dann, dass die Köder miniwuzi klein waren und an der Tür und unseren Schränken klebten. Und ja, wirklich, da klebte tatsächlich etwas.
Als E. und ich abends ins Bett gingen waren wir erleichtert. Hoffentlich hatte der Alptraum jetzt ein Ende. Hoffentlich. Keine Ameisen in unserer Wohnung mehr. Bitte. Bitte, bitte...
Donnerstag, 22. September 2011
Tag 45 (21.09.)
Töpfern dauerte heute mal wieder lang, war dafür aber auch angenehm irgendwo, denn da unser Lehrer diese Woche nicht da ist starteten wir kein neues Projekt. Zeit also, um die vorherigen zu beenden. Meine zweite Maraca dürfte fertig sein, und heute begann ich mit dem neuen Projekt von letzter Woche - einer Box. Unsere Aufgabe ist es, zwei zu machen, die erste brachte ich heute schon ziemlich weit. Irgendwie fand ich die Ersatzaufsichtspersonen diese Woche angenehmer. Mit denen kam ich irgendwie besser klar als mit unserem eigentlichen Dozenten. Nicht, dass der schlecht wäre. Oder unfreundlich. Nein, überhaupt nicht, wirklich nicht. Aber naja... Chemie und so ;)
Mein Mittagessen nahm ich in der Sonne zu mir, die mal ausnahmsweise länger schien als zwei Minuten. Und nach dem essen schlief ich halb - draußen. Und die Sonne schien mir auf den Rücken. War total schön :)
Nach meiner obligatorischen Übezeit gabs mal wieder Theaterunterricht. Wie üblich schlief ich beinahe ein... interessant war eine Vorführung eines Mädchens, bei der alle Anwesenden sofort darauf schlossen, dass es sich hierbei um jemanden handelt, der einen Drogenkeks gegessen hatte. Alles, außer mir. Irgendwie schon ein bisschen peinlich :D Aber daran merkt man irgendwie den Unterschied. Klar, ich bin jemand, der mit so was nie in Kontakt kam und wohl sehr, sehr unwissend ist. Aber naja... war schon etwas seltsam. Und natürlich ist es hier in San Francisco so, das wohl so gut wie jeder schon mal in Kontakt mit Drogen kam. Da prallen eben zwei gegensätzliche Welten aufeinander. Für mich war der Keks einfach ein Keks gewesen - und ich hatte einfach nicht kapiert, weshalb sie sich danach so komisch verhielt :D
Am Ende der Stunde machten wir noch eine Art Tanzübung zur Gruppenstärkung - war ganz lustig. Auch lustig, wie manche da noch einige Hemmungen haben :D Aber leider überzogen wir wieder ein bisschen. Mittwochs ist das nicht so schlimm, Montags muss ich ja aber direkt zum Gospelchor, da kann ich das nicht brauchen.
Übrigens bekam ich wahnsinnig viele "I like your shirt!" heute - ich hatte mein Star Wars Shirt an :D
Heute hatte ich vor, nach der Uni noch nach Downtown zu fahren, ich hatte noch einen heute ablaufenden Gutschein für einen Laden zu dem ich sowieso in den nächsten Tagen musste. Warum dann den Gutschein nicht noch ausnutzen. Allerdings war ich Ewigkeiten unterwegs, denn es gab mal wieder Bahnprobleme. Ich war sicher mindestens eine dreiviertel Stunde unterwegs, obwohl die Strecke eigentlich unter einer halben Stunde zu machen sein sollte. Die Zeit nutzte ich immerhin, um meine "Vokabeln" zu lernen - am Montag ist mein Ceramics-Test, dafür muss ich ein paar Begriffe lernen. Unterwegs musste ich auch noch die Bahn wechseln, denn unsere blieb im "Stau" einfach stehen und wir wurden beauftragt, eine weiter nach vorne zu wechseln. Vermutlich waren einfach zu viele auf einem Haufen und die jetzige sollte umdrehen, oder keine Ahnung...
Beim CVS shoppte ich dann ganz schön durch die Gegend. Aber ich denke, jetzt bin ich erst mal versorgt mit Laktrase und Co. Ich wollte eigentlich auch Knöchelbandagen kaufen, das war der eigentliche Grund gewesen. Aber ganz ehrlich, 12 Dollar sind mir zu viel für eine einfache Bandage. Dann eben hoffen, dass meine Knöchel keinen Mist bauen.
Auf dem Rückweg dachte ich, ich schaue mal im Ross vorbei - vielleicht gibts da ja einen Tennisrock oder so... O:-) Das gab es nicht, aber ein ziemlich cooles Sportshirt von Nike, sieht total stylisch aus und war total günstig. Ich habe weniger als ein fünftel vom Originalpreis gezahlt - ich liebe diesen Laden :)
Jetzt war ich aber todmüde und sollte nur noch heim. Unterwegs machte ich Halt beim Trader Joes, mir war mal wieder das Brot ausgegangen... ja, passiert mir irgendwie andauernd :D Ich wusste, dass mein Bus in 12 Minuten kommen würde, also huschte ich in den Laden, schnappte Brot und Wasser und zischte wieder raus. Und war viel zu schnell gewesen, ich durfte noch gute fünf Minuten warten, bis mein Bus kam. Aber lieber so rum als andersrum.
Als ich meine Wohnung betrat lag da eine Notiz unserer Vermieter auf dem Boden - der Kammerjäger würde morgen um 11 kommen, jemand sollte zu Hause sein. Ähm... ich hatte Unterricht um elf, und ich war mir relativ sicher, dass E. auch nicht zu Hause sein würde. Die letzte Hoffnung war, dass unsere Vermieter da sein würden. Aber genau darüber hatten wir schon geredet - wie sollten unsere Vermieter wissen, wann wir zu Hause waren? Jetzt hieß es erst mal auf E. warten, dann würden wir weitersehen.
Ich erledigte mal wieder wichtiges Zeug - es sammelt sich so unglaublich viel an. Ich weiß gar nie, wo mir der Kopf steht, ich kriege meine Liste nie erledigt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich weder zum Blogschreiben noch zum Entspannen komme. Ich komme wirklich zu nichts. Den ganzen Tag an der Uni, und wenn ich das mal nicht bin dann gurke ich in San Francisco rum oder so. Ich bin viel, viel mehr unterwegs als in Deutschland. Klar, irgendwo einerseits normal, andererseits bin ich einfach viel mehr an der Uni als zu Hause. Ich habe hier einfach viel mehr Stunden. Zum Glück habe ich eigentlich nie schriftliche Hausaufgaben, das würde mir noch den Rest geben. Dafür habe ich eben mehr feste Stunden :D
Wie sich herausstellte kann E. morgen vormittag wirklich nicht, also klopften wir abends noch bei unseren Vermietern. Der Hausherr war angeblich morgen zu Hause, hoffentlich würde dann auch alles funktionieren. Wir konnten beide nicht wirklich daran glauben, aber würden uns gerne eines besseren belehren lassen.
E. hatte mit ihrem Jobboss gesprochen, und es sieht gut aus, dass sie wohl mitkommen wird zum Yosemite-Park. Eine kleine Unsicherheit ist noch da, aber die wird sich hoffentlich bald legen. Wäre total cool wenn das klappt :)
Jetzt heißts also Daumen drücken für morgen, dass das mit dem Kammerjäger auch klappt. Oder besser gesagt, "Finger kreuzen", wie man hier so schön sagt.
Mittwoch, 21. September 2011
Tag 44 (20.09.)
Dummerweise ließ ich heute früh mein Brot eine Minute zu lang im Ofen, so dass es ziemlich verbrannt war als ich es rausholte. Mehr als die Hälfte musste ich wegschmeißen... Gasöfen haben ihre Vorteile, man schmeißt sie an und sie heizen sofort. Daher mache ich in den letzten Tagen mein Brot immer warm, denn wegen der Ameisen liegt es ja im Kühlschrank. Und kaltes Brot mag ich einfach nicht. Warmes ist da bei weitem besser.
Heute ging ich etwas früher zur Uni. Diese Woche müssen wir J1-Austausch-Studenten uns bei der Koordinatorin melden, mit unserem Stundenplan, unserer neuen Adresse, unserer Aufgabe beim IEEC und eben falls wir irgendwelche Probleme haben. Ich wollte das so schnell wie möglich hinter mich bringen. Also war mein erster Stop der Computerraum um meinen Stundenplan auszudrucken. Irgendwie mochte der Drucker mich nicht und verursachte gleich mal ein paar Unfälle, aber am Ende hatte ich meinen Ausdruck. Das Gespräch verlief kurz und bündig, sicher nicht länger als drei, vier Minuten. Und schon war ich wieder draußen. Bis zum Chor hatte ich noch etwas Zeit, also setzte ich mich auf eine Bank und las. Im Schatten. Denn in der Sonne war es mittlerweile schon nicht mehr auszuhalten, und das um viertel vor elf. Wuha...
Im Chor las ich mal wieder den deutschen Liedtext vor. Da kam der Vorschlag, dass ich das Ganze doch aufnehmen und online stellen solle. Urghs... Vorlesen ist ja gut und schön, dass aber auf Dauer aufnehmen? Ich meine, ich spreche ja auch kein phonetisch einwandfreies deutsch, das habe ich in meinen zwei Semestern Sprecherziehung eindeutig gelernt. Aber naja, mein Deutsch ist vermutlich besser als das von vielen anderen im Chor, ist ja schließlich meine Muttersprache. ;) Also gut. Meinetwegen.
Mein Mittagessen nahm ich heute wieder draußen zu mir, diesmal aber im Schatten. Denn in der Sonne hätte ich wohl innerhalb von kürzester Zeit Sonnenbrand bekommen. In der Sonne war es kaum zum aushalten, im Schatten hingegen muste man etwas mit langen Ärmeln anhaben, sonst fror man. Verrückte Sache.
Nach dem Frauenchor wollten wir dann den Liedtext aufnehmen, aber irgendwie funktionierte das nicht so wirklich. Also bot ich ihr an, das Ganze einfach bei mir zu Hause am Laptop aufzunehmen. Ist vielleicht auch einfacher, ohne dass mir jemand zuschaut.
Ich machte mich auf zum üben, um mich vor meinem Klavierunterricht noch etwas aufzuwärmen. Der Unterricht selber verlief dann ganz okay, ich bekam sogar etwas Lob... Juhu :) Wir überzogen wieder etwas, ich glaube, das ist das Privileg des letzten Studenten. Noch mal Juhu ;)
Diesmal aber saß ich etwas auf Kohlen, denn ich war eine Viertelstunde nach dem Unterricht schon wieder verabredet - mit meinem neuen Tennisteam. Donnerstag wird unser erstes Match sein, und wir dachten, es wäre nett, sich mal vorher zu treffen. Nach ein bisschen verirrtem herumlaufen fand ich die Leute dann auch schließlich. Ein Junge und ein Mädchen, die vierte Person fehlte noch. Wir hatten bisher auch nicht wirklich viel Mailkontakt mit ihr gehabt, aber imerhin mittlerweile eine Handynummer herausgefunden. Nach einem Anruf stellte sich heraus, dass sie irgendwie keine Ahnung hatte wovon wir redeten. Alles sehr seltsam. Aber gut, immerhin waren da wir drei. Wir unterhielten uns ein wenig über unsere Ziele und Ansprüche, dabei fand ich heraus, dass der junge Mann so ziemlich keine Ahnung von Tennis hat. An sich für mich kein Problem, wird nur sehr interessant werden in den Spielen :D Wir mussten auch noch entscheiden wer von uns Captain vom Team sein würde. An sich keine große Sache, nur irgendjemand muss es einfach machen. Da das zweite Mädel meinte, sie würde nicht bei jedem Spiel dabei sein erbot ich mich, das zu machen, denn ich habe momentan definitiv vor, wenn möglich bei jedem Spiel da zu sein. Ich muss ja halbwegs in Kondition bleiben ;) Tja, somit bin ich jetzt Captain des Tennis-Teams. Wuuuh! Jahrelang hab ichs im Handball trotz regelmäßiger Anstrengung zu kaum mehr gebracht als zum Ersatzspieler und Bankdrücker, hier bin ich jetzt schwuppdiwupp aufgestiegen. Olé... Es lebe das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Nach dem "Meeting" aß ich noch schnell was, bevor ich dann zum Yogaunterricht abzischte. Und soll ich was sagen? Zum ersten Mal hatte ich keine akuten Probleme einzuschlafen. Ich meine, ja, manchmal wars etwas kritisch, aber nicht so fürchterlich wie die letzten Male. Allerdings merkte ich jetzt zum wiederholten Male, dass ich von manchen Übungen Kopfschmerzen bekomme. Teilweise sehr zerreissende Kopfschmerzen. Ich hoffe, das legt sich...
Auch wenn wir beide, A. und ich, müde waren, nach dem Unterricht verursachten wir noch ein paar Geldschiebereien auf unseren Konten. Denn wir hatten fest vor, heute abend unseren Trip zum Yosemite-Park zu buchen. Denn wenn wir das jetzt nicht machen, wann dann... wir hatten uns da ein kleines zeltähnliches Hüttchen ausgeguckt, drei Wände, ein Vorhang davor. Betten. Bärensichere Schränke, und das wars. Ehrlich gesagt habe ich wahnsinnige Panik vor Spinnen und ähnlichen Viechern (alleine wenn ich das schreibe wird mir schlecht), aber ich verdränge das einfach mal. Ich mein, ich kann nicht ewig davon laufen, und was soll ich machen? Schließlich will ich auch was sehen vom Land. Ich könnte natürlich auch ins mega teure Hotelzimmer ziehen, aber das gibt mein Geldbeutel nicht her. Also stürze ich mich einfach mal ins Abenteuer und bete, dass es nicht allzu kalt wird. Und wir da draußen erfrieren...
Ich wusste, dass in zwei Minuten mein Bus kommen würde, aber es war noch genug Zeit, um mir eine Flasche Wasser zu kaufen. Da steht schließlich ein Kiosk direkt an der Bushaltestelle. Ich stellte mich also an, eine Person war vor mir. Den Dollarschein hatte ich schon in der Hand, das Wasser zu kaufen würde zehn Sekunden brauchen. Dummerweise brauchte die Person vor mir Ewigkeiten, bezeihungsweise brauchte der Angestellte Jahrhunderte. Und der zweite Angestellte werkelte im Kiosk herum, allerdings ohne irgendein Ziel. Das wurmte mich schon ziemlich, denn schließlich kam mein Bus und ich musste ohne mein Wasser heim. Das Leitungswasser hier schmeckt furchtbar, also wusste ich, dass ich heute Abend nicht viel trinken würde.
Als ich im Bus saß ärgerte mich noch mehr, dass ich nicht noch ein wenig gewartet hatte mit dem Einsteigen, denn der Bus fuhr ewig nicht los. Es gab eine Diskussion zwischen Busfahrerin und einem jugendlichen Fahrgast. Mich beeindruckt ziemlich, wie die Busfahrer hier darauf bestehen, dass die Fahrgäste auch zahlen - und sie fahren nicht los bevor sie das nicht gemacht haben. Also gab es eine längere Diskussion, bis der Bus endlich losfuhr. In der Zeit hätte ich selbst an dem Schneckenkiosk mein Wasser kaufen können. Zwei Mal. Mist.
Der Tag war wohl irgendwie zu viel für mich gewesen, irgendwie ging es mir nicht so gut. Zum Glück übernahm A. das Buchen vom Yosemite-Trip - ja, wir haben tatsächlich gebucht. Auf zu krabbelnden Viechern und hoffentlich wunderschönen Ausblicken :)
Dienstag, 20. September 2011
Tag 43 (19.09.)
Natürlich war ich mal wieder totmüde, trotz der Tatsache, dass ich relativ früh schlafen gegangen war. Langsam frage ich mich ob das unter Umständen an meiner Schilddrüse liegen könnte - vielleicht ist es aber auch einfach der andere, vielleicht anstrengendere Lebensstil. Wer weiß.
Töpfern dauerte heute ewig. Wirklich viel zu berichten gibt es davon nichts. Wie so allgemein eigentlich von diesem Tag. Außer - von der Sonne. Tatsache. Wieder Sonne. Fängt jetzt wirklich noch der Sommer an? Das wäre ja zu schön um wahr zu sein.
In meiner Mittagspause jedenfalls zog ich heute zum ersten Mal meine Sonnenbrille auf. Und aß draußen. Herrlich! So könnte es jeden Tag sein. Es geht einem einfach viel besser wenn die Sonne scheint, automatisch. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so, es ließ sich spüren. Überall.
Ich brachte meine übliche Übezeit hinter mich und wankte in den Theaterunterricht. wankte traf es ziemlich gut, denn meine Müdigkeit drohte mal wieder, mich zu übermannen. Die ganze verdammte Zeit... In der Pause unterhielt ich mich ein wenig mit einem anderen Mädchen und versuchte ihr den Unterschied zwischen "normalen" Stränden hier in Kalifornien und der Nord-/Ostsee zu erklären. Und irgendwie kannte ich das Wort für "Strandkorb" nicht (es ist übrigens "beach chair"). Da ich meinen Charakter ja gleich am Anfang vorgestellt hatte konnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen und versuchen, nicht einzuschlafen. Nichts neues also ;)
Auf gings danach zum letzten Kurs heute - Gospelchor. Mäh. Irgendwie mag ich da nicht mehr hin. Es ist einfach nur ein Gefühl. Mit manchen Dingen kommt man einfach nicht klar, manchmal stimmt die Chemie oder die Stimmung für jemanden nicht, obwohl man nicht genau sagen kann, woran das liegt. Was ich definitiv nicht leiden kann ist, dass die Anlage immer so laut aufgedereht wird und man dann relativ laut singen muss. Und, dass wir immer überziehen. Diesmal waren es nur fünf Minuten, aber auf Dauer finde ich das einfach blöd. Aber was solls - Augen zu und durch. Man kann nicht immer alles mögen.
Daheim griff ich tatsächlich mal zu zwei Töpfen und - kochte. Ich habe seit Deutschland nicht mehr wirklich gekocht, Reis und Würstchen in einen Topf zu schmeißen bezeichne ich jetzt nicht wirklich als "kochen". Ich hatte gestern Hackfleisch gekauft, damit wollte ich jetzt Spaghetti machen. Ohne Spaghetti sondern mit Penne, und ohne Tomate - also MEINE Spaghetti-Variante. Nichtsdestotrotz, Spaghetti ;) Es klappte auch alles relativ gut, nur irgendwie schmeckte mir das Hackfleisch nicht. Es war zu fettarm und schmeckte eher nach Ragout denn nach Hackfleisch. Das nächste Mal muss ich irgendein anderes kaufen, aber erst mal hab ich noch drei Portionen im Gefrierfach. Und ja, das nächste Mal muss ich irgendwelche kleineren Portionen finden ;)
Wir haben immer noch keine Ahnung wann der Kammerjäger auftauchen wird - die Kommunikation hier funktioniert leider nicht so gut. Ich war müde, aber ich hatte Lust, trotzdem noch etwas fernzusehen. Schließlich startete heute die neue Staffel von How I met your mother. Irgendwie scheint aber immer jeder zu wissen, wie man online fernsehen kann, ch allerdings finde immer nur die hochoffiziellen legalen Sachen. Nicht, dass ich illegal schauen will. Da sollte man mich gut genug kennen, dass ich das nicht mache. Aber es muss doch irgendwie noch mehr Möglichkeiten geben außer den zwei, drei, die ich mittlerweile kenne. Mal schauen, ob ich das noch irgendwie herausfinde in den nächsten Monaten. Aber wahrscheinlich erst hinterher, so wie immer.
Übrigens hatte ich sogar wirklich ein ganz kleines bisschen Muskelkater von gestern. Nicht viel. Aber ein kleines bisschen. Heißt das jetzt, ich bin total unmusuklös geworden oder ich habe tatsächlich gestern ein bisschen was getan? Ich tippe auf ersteres. Aber egal ;)
Sonntag, 18. September 2011
Tag 42 (18.09.)
Als ich aufstand schien wieder die Sonne. Wow. Das bin ich ja gar nicht gewohnt so oft hintereinander! Ich hatte meinen Wecker gestellt, denn heute Mittag wollte ich mich mit A. treffen und irgendwas unternehmen. Viel Zeit hatte ich nicht, denn abends sollte das erste Fußballspiel sein. Aber der Nachmittag war ja frei.
Als ich A. allerdings endlich erreichte war es schon nach halb eins - sie hatte etwas länger geschlafen als geplant. Ich wollte heute zur Golden Gate Bridge, denn schon gestern war sie mal ausnahmsweise Nebelfrei gewesen. Vielleicht war sie das ja heute immer noch? Das wäre wirklich super, denn oft passiert das nicht. Das müsste ich dann ja ausnutzen. Irgendwann meldete sich A. noch mal - ihr ging es gar nicht gut, nichts mit Ausflug heute nachmittag. Ich beschloss aber dennoch zu gehen. Wäre es neblig und kalt draußen wäre ich wohl zu Hause geblieben, aber so einen schönen Tag konnte ich nicht ungenutzt lassen. Als ich losging war es schon zwei - viel Zeit blieb mir als nicht. Ausgerechnet heute war ich auch Ewigkeiten mit dem Bus unterwegs, irgendwie schienen alls zur Golden Gate Bridge zu wollen.
Ich brauchte mehr als eine Stunde bis ich endlich da war. Glücklicherweise war aber auch an der Brücke wirklich wahnsinnig gutes Wetter. Ich machte wahnsinnig viele Fotos, von hier, von da, noch mal von hier... Digicam sei Dank! Ich machte auch ein paar von mir, mit dem üblichen ausgestreckten Arm. Der Witz war, sobald ich das machte kam irgendjemand auf mich zu und fragte, ob er/sie ein Foto von mir machen solle. Sehr nett! Ja ich weiß, aufpassen wegen Diebstahl oder so... aber meistens sind es halt wirklich einfach nur nette Leute. Ehrlich gesagt machten manche keine so wirklich schönen Fotos, abgeschnitten oder schräg oder so was, aber was solls :)
Schließlich lief ich dann los auf die Brücke. Und machte noch mehr Fotos ;) Manchmal wackelte die Brücke ganz schön, da wurde es mir ziemlich mulmig. Aber die restliche Zeit konnte ich es verdrängen, auf einer wackeligen Brücke in einem Erdbebengebiet zu laufen. Wovor ich allerdings am meisten Angst hatte war, meinen Fotoapparat fallen zu lassen. Mitten rein ins Meer. Jedes Mal wenn ich ein kleines bisschen über das Geländer reichte wurde mir seeeehr unheimlich zumute. Aber für manche Fotos musste ich das Risiko eingehen... was ja eigentlich kein wirkliches Risiko war, denn warum sollte ich die Kamera dort eher fallen lassen als normalerweise? Verrückt.
Ich lief bis zum ersten Pfeiler, dann drehte ich um. Manchmal war es sehr leer auf der Brücke, manchmal war sie ziemlich überfüllt. Und die ganze Zeit sehr, sehr windig. Ich wäre gerne auch auf der anderen Seite gelaufen, denn auf der anderen Seite war die Sonne. Das hätte ich gerne richtig gesehen, das sah einfach toll aus. Aber die andere Seite ist für Fußgänger leider gesperrt, exklusiv für Fahrradfahrer. Das Wetter war einfach wundervoll und ich genoss es wahnsinnig, jetzt und in diesem Moment hier zu sein. Es war fast perfekt.








Nach ein, zwei Stunden war ich bereit wieder heimzufahren, aber nicht, ohne nicht kurz im Souveniershop vorbeigesehen zu haben. Ich muss schließlich langsam anfangen, ein paar Sachen für meine Leute zu Hause zu kaufen! Wenn ich das alles am Ende mache dann ist das ein Haufen Geld auf einmal, aber immer wieder zwischendurch fällt hoffentlich nicht so auf. Dummerweise lief ich einem süßen Shirt über den Weg, das gar nicht so teuer war - 11 Dollar und mit Stickerei. Das hält wenigstens eine Weile im Gegensatz zu vielen Drucken, da muss man immer so Angst haben, dass nach der nächsten Wäsche nur noch die Hälfte des Druckes da ist. Immerhin... Kleidung als Souvenir ist wenigstens nützlich. Das ist aber ein Souvenir für mich ;)
Als ich den Laden verließ fuhr gerade mein Bus ein - perfekt! Ich rannte die Stufen hinunter - schließlich hatte ich schon oft genug erlebt wie der Bus im letzten Moment vor meiner Nase wegfuhr. Diesmal aber hoffentlich nicht!
Dummerweise knickte ich beinahe mit meinem Knöchel um, was mir ja schon hin und wieder passiert. Aber zum Glück konnte ich mich gerade noch auffangen. Das wäre ja was gewesen, vor dem Spiel heute Abend noch eine Verletzung einzufahren... Ich setzte mich in den Bus und fuhr. Und fuhr. Herrje, das dauerte ja wieder mal! Unterwegs machte ich Halt um mir dieses Mal die richtigen Würstchen zu kaufen. Das kostete wieder eine Menge Zeit, besonders, da mir der Bus nach Hause mal wieder vor der Nase wegfuhr.
Irgendwann war ich aber zu Hause. Ich aß, schlang es herunter, schnappte mein Sportzeug und flitzte los. Dummerweise war ich schon wieder recht spät dran und ich wusste noch gar nicht, wo ich eigentlich hinmusste. Das Gebäude zu finden war kein Problem. Die Halle fand ich sogar auch relativ schnell. Und zum Glück schienen die anderen genauso "unpünktlich" zu sein wie ich - wirklich unpünktlich war ich ja nicht. Ich war sogar zwei, drei Minuten früher da als wir uns treffen wollten. Aber ich fand das schon ziemlich knapp, denn ich war ja noch gar nicht umgezogen. Was sich zu einem weiteren Problem herausstellte, denn die Umkleiden waren abgeschlossen. Also musste mal wieder meine übliche Behelfsumkleide herhalten. Das nächste Problem war dann - welche Shirtfarbe? Hell oder dunkel? Welche war noch mal für das Heimteam? Ich entschied mich für weiß, irgendwie erschien mir das intuitiv eher richtig.
Als ich zurückkam wartete ich noch ein paar Minuten gemeinsam mit einem weiteren Mädchen, bis weitere Leute auftauchten, darunter unser Teamkapitän. Sie war super nett, das erleichterte alles irgendwie. Wir kickten ein wenig im Flur hin und her um uns warm zu machen, und dann durften wir auch schon auf das Feld. Mittlerweile waren wir zu siebt - zehn sollten im Team sein. Eine hatte schon gesagt sie würde heute nicht kommen, wo der Rest blieb, keine Ahnung.
Obwohl wir innen spielten spielten wir ohne Bande - einfach in einer normalen Turnhalle. Ich begann auf dem Feld in der Abwehr und es lief eigentlich gar nicht so schlecht. Bis ich dann irgendwann den Ball leider nicht ganz unter Kontrolle hatte und iiiirgendwie das 0:1 verursachte. Ups. Vielleicht war ich etwas abgelenkt gewesen, denn ich wollte nach dem Angriff wechseln - gut möglich dass mir das minibisschen Konzentration gefehlt hatte. Mist.
Ich wechselte dennoch und stellte an der Linie fest, dass wir Zuwachs bekommen hatten, ein achter Spieler war aufgetaucht. Olé! Zum Glück schaffte es mein Team das Spiel zu drehen und zur Halbzeit führten wir mit 3:1. Das sah ja schon mal ganz gut aus! Ich begann nach dem Wechsel wieder auf dem Feld. Wir hatten eine ziemlich gute Phase und schossen 3, 4 Tore hintereinander. Ich blieb die ganze Zeit hinten und verteidigte. Schien halbwegs gut zu laufen, nachdem wir keine weitere Kiste mehr kriegten. Ein Ball, den ich mit dem Kopf abwehren wollte lief dagegen nicht so gut, anstatt frontal traf er mich irgendwie am Auge und an der Backe - keine Ahnung wie das passieren konnte. Und nein, ich hab mich nicht aus Angst weggedreht :D Ich schätze er hatte irgendeinen Dreh. Aber immerhin, das Einsatz hat sich gelohnt - unser Tor blieb sauber. Ich ging wieder irgendwann raus um den anderen Gelegenheit zum Spielen zu geben, und am Ende stand es dann 9:1. Nicht schlecht für unser erstes Spiel! Mir ist klar, dass das nicht immer so laufen wird, aber hey, so als Einstand war das doch ganz cool.
Wir quatschten nach dem Spiel noch ein wenig, dann lief ich mit zweien zum Bus. Und rannte los, als ich sah, dass mein Bus gerade losfuhr. Mittlerweile kennt ihr ja aus aufmerksame Leser schon den Trick, wenn mir der Bus vor der Nase wegfährt, zumindest von der Uni in Richtung nach Hause. Und es klappte wirklich. Da saß ich also im Bus - verschwitzt und noch in Sportklamotten, denn ohne zu duschen wollte ich nicht in meine normalen Sachen schlüpfen. Und die Duschen waren natürlich auch geschlossen. Ich war also tatsächlich in kurzen Hosen unterwegs. Wow, das war ich ja schon Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Zuletzt ganz sicher noch in Deutschland! Jedenfalls saß ich da im Bus. Verschwitzt und glücklich. Tatsache, glücklich. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe. Ganz sicher noch nicht hier in Kalifornien. Ich will nicht sagen, dass ich hier unglücklich war oder bin, aber zwischen unglücklich und glücklich liegen nun einmal Welten. Und heute abend war ich glücklich. Sport zu machen hatte sich einfach verdammt gut angefühlt, gewinnen war natürlich noch viel besser. Und die Sonne den ganzen Tag über hatte einfach wahnsinnig gut getan. Ich vermisse sie wirklich... Sonne und Sport sorgten für ziemlich viele Glückshormone in mir drin. Es war einfach wahnsinn.
Zuhause machte ich nicht mehr viel. Ich sprang natürlich unter die Dusche, aber es war schon recht spät. Zwar war da noch einiges zu tun, aber die Uhr erzählte mir einfach andere Sachen. Was ich noch schaffte war zumindest ein bisschen Organisationsarbeit zwecks Klavierstunden, beser als gar nichts.
Und ganz ehrlich - mehr muss an so einem Tag eigentlich auch nicht sein. Einfach nur mal glücklich sein und genießen. Und das sich nicht durch Stress und Pflichten kaputtmachen. Das muss nicht sein, ganz und gar nicht.
Genießen. Einfach so.







