Donnerstag, 25. August 2011

Tag 18 (25.08.)

Ich wollte ausschlafen. Hatte ich mir so gedacht. Denn da der Chor erst nächste Woche losgeht hatte ich heute vormittag frei. Ich stellte meinen Wecker als großzügigerweise auf 10:30 Uhr - in der sicheren Annahme, ich würde ohnehin vorher aufwachen. Pustekuchen ;) Immerhin hatte ich so zehn Stunden geschlafen, als der Wecker schließlich klingelte. Whä, aufstehen ist blöd ;) Ich tat es dennoch, ging aber alles etwas ruhiger an. Jetzt würde es sich eh nicht mehr lohnen, vor dem Mittagessen noch üben zu gehen... Mist. Also frühstückte ich in Ruhe, chattete ein wenig mit Daheimgebliebenen und machte mich dann auf die Socken. Um in der Mensa Mittag essen zu gehen ;) Und um A. kurz zuzuhören, wie sie ihre Auditionstücke spielt, sie hatte nämlich heute Nachmittag Audition für Kammermusik. Hui!
Wir hatten Schwierigkeiten, einen Tisch zum Essen zu finden - kein Wunder, wenn ein Drittel der Leute, die an den Tischen sitzen, gar nicht essen sondern entweder quatschen oder mit ihrem Laptop arbeiten. Finde ich etwas doof, das in der Mensa zur Mittagszeit zu machen, aber gut... Zu guter Letzt fragten wir ein Mädchen, dass alleine an einem Tisch saß und mit ihrem Handy spielte, ob da noch frei wäre. War es, und das Mädchen war zwei Minuten später mit einer Freundin abgezischt. Auch gut.
Nach dem Mittagessen durfte ich wieder in meine Lieblingsvorlesung gehen - Jazz. Wofür ich mir ja extra schon das Buch gekauft hatte, welches jetzt zu Hause in der Tüte lag. Gut gemacht. So schlimm wars dann aber nicht, ich hätte das Buch gar nicht gebraucht. Hab ich mir wenigstens das Schleppen gespart ;) Ich kam heute wieder so mit wie letztes Mal - vieles verstand ich, aber sobald dann das Tempo ein bisschen angezogen wurde hatte ich Probleme, gleichzeitig mitzuschreiben und mitzudenken. Weswegen wohl ein bisschen was auf der Strecke geblieben ist, aber mir ist noch etwas aufgefallen: Ich glaube, ich habe so viel mitgeschrieben wie kaum jemand anderes. Ich weiß nicht, ob die Mentalität, was Notizen machen angeht hier einfach ein bisschen anders ist, ob ich übereifrig bin oder keine Ahnung... aber so hab ichs eigentlich schon immer gemacht. In Vorlesungen schreibe ich einfach alles auf, was der Vortragende so an Infos rausschleudert. Streichen kann mans ja immer noch, wenns überflüssig war... Nach der Vorlesung ging ich wenigstens noch ein bisschen Klavierüben. Und ich muss sagen, ich überrasche mich selbst immer mehr. Ich begann heute, ein altes Stück zu wiederholen. Anfangs war es die reinste Katastrophe, aber schon nach einer Viertelstunde konnte ich Teile gut spielen. Und es wurde immer besser. Meine Finger erinnerten sich noch ziemlich gut an alles, ich bin wirklich sehr erstaunt. Ich habe das Stück vor etwa zwei Jahren das letzte Mal gespielt. Gut, so schwer ist es nicht unbedingt. Aber ich frage mich gerade, ob meine langsame Art, Stücke zu lernen, hier vielleicht von Vorteil ist - ich scheine die Sachen länger im Gedächtnis zu behalten. Nach einer Stunde üben (nach der ich K.O. war, ich bins einfach nicht mehr gewohnt) konnte ich schon viele Teile des Stückes spielen. Nicht alle und nicht alles flüssig, aber es wird. Eindeutig.
Nach dem Üben überredete ich mich selbst, noch Wasser und Brot (klingt wie Gefängnisnahrung...) einkaufen zu gehen. Eigentlich war ich zu fertig, aber naja... mein Trinkwasser ist langsam alle, und das Leitungswasser hier schmeckt mir mal absolut gar nicht. Und Brot kann auch nicht schaden ;) Bei der Gelegenheit kaufte ich auch gleich noch mal eine Riesenpackung Milch, Müsli hats mir ja echt angetan. Ich esse jeden Tag mindestens eine Portion, meistens eher zwei, eine morgens und eine abends. Das werde ich in Deutschland sicher waaaahnsinnig vermissen! Zu Hause dann erholte ich mich ein wenig und tat das Übliche - duschen, Zimmer aufräumen und gleichzeitig wieder verunstalten, surfen. Immerhin spülte ich endlich mal meine neuen Töpfe ab, der Berg an neuen Dingen, die ich noch putzen muss, ist somit auf die Tupperschüsseln und die Pfanne reduziert. Es wird...
Außerdem erkundigte ich mich im Netz nach dem Pres für ein Päckchen nach Deutschland. Hui. Definitiv werde ich nichts schicken - ich glaube, die Option des dritten Gepäckstückes ist definitiv günstiger. Bei manchen Anbietern kam ich auf 200 $ für ein normalgroßes Päckchen mit 5 kg Gewicht - ich frage mich, ob ich die günstigen Sachen einfach nicht finde oder ob es wirklich so teuer ist. Das kann ich mir ja fast nicht vorstellen... Immerhin fand ich auch etwas für 80 Dollar, aber da komme ich mit 200 $ für das dritte Gepäckstück wirklich billiger weg. Das sind dann nämlich 23 kg ;) Auch schaute ich ein wenig nach Wörterbüchern. Ich ging ja davon aus, dass ich keines brauchen würde, wofür auch? Man kann sich ja mit Händen und Füßen verständigen, und um etwas zu schreiben gibts so was ja immer noch online. Im Alltag, habe ich jetzt aber festgestellt, könnte so ein kleines Pocket-Dictionary nicht schaden. Oft fehlt mir nämlich, vor allem in der Jazzvorlesung, ein Wort, um alles zu verstehen. Da hilft dann auch der Versuch es zu erschließen nichts. Ganz toll war es gestern im Theaterkurs. Wir machten gestern ja diese Emotionsübung - durch den Raum gehen, er sagt eine Emotion und diese sollen wir dann ausleben. Funktioniert ganz gut bei Dingen wie "traurig" oder "glücklich". Sobald die Emotionen aber ein bisschen komplexer werden laufe ich Gefahr, die Wörter dafür nicht zu kennen. Und da ist dann nichts mit erschließen, wenn nur ein Wort fällt ;) Gestern konnte ich das lösen indem ich die anderen beobachtete, versuchte, ihren schauspielerischen Leistungen abzulesen, was die Emotion denn nun war und das mit den Assoziazionen in meinem Kopf mit dem genannten Wort zu verbinden. Klar, in der Situation hätte mir ein Wörterbuch auch nicht unbedingt geholfen. Aber ich denke mir, schaden kann so ein kleines Ding nicht. Mal sehen, ob ich mir das im Netz bestelle oder irgendwo in einer Buchhandlung suchen gehe.
Abends dann wurden meine Kopf- und Halsschmerzen immer stärker. Ich mein, ich kenne das ja ein bisschen, ich hab das immer wieder, aber das war jetzt eine Stufe über der normalen Stärke. Beim schlafengehen also hoffte ich sehr, dass sich das alles bis zum nächsten Morgen ein wenig gelegt haben würde - denn schließlich wollten A. und ich am Abend mit B. einen kleinen Spaziergang machen...

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