Das lange Schlafen hier wird langsam zur Gewohnheit. Das gefällt mir :)
Ich verbrachte die ersten zwei Stunden meines Tages damit - ja, tatsächlich, den "kleinen Lord" zu gucken. Das war eine Spontanaktion, und ich hatte die ersten zehn Minuten verpasst, aber das Internet verriet mir, dass gerade "der deutschen liebster Weihnachtsfilm" auf ARD lief, und die haben tatsächlich einen livestram gehabt, also die Möglichkeit, gleichzeitig zum Film im Fernsehen den Film online zu sehen. Juhu! Ja, ich hab den sicher schon ein paar Mal gesehen, aber gerade deshalb habe ich mich gefreut. Das war irgendwie ein bisschen Heimat.
Um drei machte ich mich dann auf den Weg ins Kino. Nachdem sich nie jemand auf meine Aufrufe, mit mir mitzukommen, gemeldet hatte (zumindest niemand aus den USA...) musste ich eben alleine gehen. Schade, aber besser als gar nicht. Und irgendwie muss ich mir doch die Zeit vertreiben, bis Weihnachten endlich rum ist. Zum Glück war mir eingefallen, dass ich vorher noch unbedingt zum Bankautomaten musste, das erledigte ich auf dem Campus. Der total unheimlich leer war. Schon seltsam... Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ich ihn betreten habe, ganz am Anfang, im August, gemeinsam mit A., nachdem ich meinen Vertrag für die Wohnung unterschrieben hatte. Da war er genauso leer gewesen, kaum jemand da, und wir hatten uns noch gefragt, wie das denn sein wird, wenn der Campus voll ist. Und überhaupt, wie das hier alles ablaufen würde. Und jetzt stand ich da, wieder auf dem verlassenen Campus, mehr als vier Monate später, kurz davor, wieder nach Hause zu fliegen. Wenn man sich das bewusst macht dann ist die Zeit doch ziemlich schnell vergangen.
An der Bushaltestelle dann wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr ich die USA für ihre Rauchverbote liebe. Das ist ein Thema, welches viele Kontroversen hervorruft, das weiß ich. Aber für mich, die jegliche Form von Tabakrauch auf den Tod nicht ausstehen oder ertragen kann, ist das tatsächlich eine gute Sache. Das werde ich wirklich vermissen, wenn ich wieder zu Hause bin... und es wurde mir deshalb bewusst, weil sich auf die Bank eines weiter ein älterer Herr setzte, der seelenruhig seine qualmende Zigarre paffte. Macht ja nichts, dass ich genau in der Rauchwolke saß. So was passiert mir in Deutschland andauernd, hier so gut wie nie. Das ist wirklich eine Seltenheit. Zigarettenrauch ist schlimm genug, Zigarre aber, zumindest diese - Katastrophe. Ich ergriff nach einer halben Sekunde die Flucht, stellte mich mit größtmöglichem Abstand zu dem Kerl hin und versuchte immer, dem Rauch aus dem Weg zu gehen, der sich irgendwie überall zu verteilen schien. Bah. Zum Glück war die Haltestelle so groß.
Ich kam rechtzeitig am Kino an und stand dann vor der Wahl. Sollte ich den Film "normal" schauen oder in "XD", was auch immer das zu bedeuten hat? Der Preisunterschied war immerhin happig - doppelt so viel. Aber ich war neugierig. Ich vermutete eine schärfere Projektion oder so was hinter dem ganzen, und ich wollte das mal ausprobieren. Und so oft werde ich in den USA nicht mehr ins Kino gehen, also was solls. Auf dem Weg in den Kinosaal sah ich ein Plakat, welches Werbung für einen neuen Film macht - die "Huntergames", davon hat mir N. den ersten Teil als Buch geschenkt und unter anderem hinein geschrieben, dass sie sich sicher ist, dass es davon einen Film geben wird. Tadaaa.
Ich stellte dann fest - ich war in den absoluten Luxuskinosaal geraten. Hier gab es Ledersitze, die so bequem und groß waren, dass sie für mich schon wieder zu groß waren. Meine Oberschenkel waren nicht lang genug um bequem sitzen zu können, das ließ sich aber durch meinen Schal in meinem Rücken leicht beheben. Die Lehnen gingen sogar nach hinten, wenn man sich hinsetzte. So was hab ich noch nie erlebt.
Und ja, noch was, was ich vermissen werde - die Werbepolitik im amerikansichen Kinos. Bevor der Film beginnt, läuft Werbung. Aber die beginnt nicht etwa erst, wenn der Film eigentlich beginnen sollte nein, sie kommt tatsächlich vorher, also in der Zeit, während der man das Kino betritt. Zur Filmzeit kommt der Film dann zwar noch nicht, aber da beginnen dann die Trailer für die kommenden Filme. Und nach ungefähr 10-15 Minuten startet dann der Film. Das finde ich super, ehrlich. Trailer liebe ich nämlich. Werbung nicht. Hmpf.
Übrigens kam im Werbeblock auch irgendeine Werbung, in der R2-D2 und C-3PO um irgendwelche Spenden für einen Verein warben. Ich kapierte das im Kino überhaupt nicht, hinterher fand ich heraus, wenn ich das richtig verstanden habe, dass man in den Kinos einen Ansteckpin kaufen kann (ich glaube, von den beiden?), mit dem man dann quasi etwas spendet. Mensch, hätte ich das vorher kapiert :D Naja. Vor meinem Film lief dann auch noch der Trailer für den neuen Batman, den ich noch nicht gesehen hatte (mir wäre ja ein Hobbit-Trailer lieber gewesen...). Alle waren von dem so begeistert, ich fand, der war überhaupt nichts besonderes. Hm. Bin wohl einfach nicht der Batman-Typ? Auch ein Trailer für Titanic lief, der soll ja bald in 3D neu rauskommen. Ich glaube, ich habe den Film höchstens zwei Mal gesehen und hab auch nie sonderlich verstanden, wieso der Film so erfolgreich war. "Ganz nett", mehr aber auch nicht. Jetzt, im Kino, auf großer Leinwand - da verstand ichs plötzlich. Zum ersten Mal wurde ich beim Schauen dieser Bilder richtig sentimental. Das war mir vorher beim ganzen Film nie passiert, im Gegensatz zu vielen anderen habe ich nie eine einzige Träne vergossen. Gut, jetzt ist mir das auch nicht passiert, aber zum ersten Mal konnte ich, nur beim sehen einzelner, zusammengeschnittener Bilder, verstehen, weshalb einem das passieren kann. Wenn er auch in 2D noch einmal erscheint schaue ich ihn mir tatsächlich vielleicht noch im Kino an. Aber nur vielleicht. ;)
Und dann gings endlich los, Mission Impossible vier. Ich liebe Mission Impossible. Hach. Total. Und den vierten erst Recht. Das war heute quasi der vorgezogene Weihnachtsactionfilm, der sonst oft in Form von "Stirb langsam" bei uns über den Bildschirm flackert. Jetzt eben einen Tag früher und naja, ohne Bruce Willis. Ich gebe zu, manches habe ich tatsächlich überhaupt nicht kapiert. Ich fand es schon auf deutsch oft schwer, den Filmen zu folgen, bei dem ganzen Technickgebrabbel und Spionagezeug kommt man doch gar nicht so schnell hinterher. Auf englisch wars dann doch eine große Herausforderung. Mittlerweile hab ich eigentlich kein Problem mehr, mir einen Film auf englisch anzusehen, aber das war dann doch noch eine Stufe höher. Sollte man bei einem Actionfilm gar nicht denken, was? Aber was solls, die Action stand dennoch immer im Vordergrund, also konnte ich den Film trotz ein paar Aussetzern voll und ganz genießen. Die Musik gefiel mir total, und es machte einfach Spaß. Auch wenn ich mich dann doch zwei Dinge frage: Warum zum Vader hören Sandstürme immer genau dann auf, wenn die Szene beendet ist - also der verfolgte Typ geflohen oder geschnappt ist, die Bank ausgeraubt oder was auch immer. Wobei ich mich frage, ob das hier in diesem Film tatsächlich Selbstironie war, denn das war SO offensichtlich direkt danach, das kann doch fast nicht mehr anders sein. Und zweitens. Was mahen die beim IMF eigentlich, wenns mal keine Telefonzellen mehr gibt? Die sind ja jetzt schon sehr rar gesäht. Nur noch alles über Handy laufen lassen? Das wäre ja langweilig...
Ich hatte somit den Nachmittag gut rumgebracht und machte mich bei Eiseskälte auf den Weg nach Hause. Beide Busse kamen zum Glück wieder recht bald, so dass ich mich schnell daheim aufwärmen konnte.
Mein Tag war damit aber noch nicht vorbei, auch wenn ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste. Nein, es passierte nichts großes mehr ;) Aber ich saß da so, nichts schlimmes ahnend, in meinem Zimmer, mit fast geschlossener Zimmertür zur Küche. Kein Wunder, dass ich das Kopfen an der Wohnungstür zuerst nicht hörte. Irgendwann aber, und ich glaube ehrlich gesagt, gar nicht so spät, hörte ich es dann doch und lief zur Tür. Nur um gerade noch zu hören, wie da ein Schlüssel reingesteckt wird... Ähm, ja. Meine Vermieter standen draußen und wollten mit mir reden. Ist ja gut und schön, aber wenn ich nicht öffne, dann öffne ich nicht. Ich bezweifle stark, dass das, wie in Deutschland, in den USA erlaubt ist, sich einfach so Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Ich mein, was wäre, wenn ich gerade unter der Dusche oder auf der Toilette wäre, zum Beispiel? Dann würde ich auch nicht öffnen. Sie haben anhand des Lichtes in der Küche natürlich sehen können, dass jemand zu Hause ist, aber das heißt ja wirklich nicht, dass ich auch bereit dazu oder in der Lage bin, jemandem die Tür zu öffnen. Ne, wirklich nicht. Ich hätte ja auch dabei gewesen sein können mir gerade die Augen auszuheulen (wegen was auch immer) oder was auch immer. Dann öffne ich Türen auch nicht gerade gerne. Ja, das ist immer noch meine Sache.
In dem Moment war ich davon aber viel zu überrascht, um das anzusprechen, ehrlich gesagt. Das ging mir erst viel später auf, dass ich das vermutlich hätte tun sollen, aber vielleicht kennt ihr das - perplex wie man ist übergeht mans eben. So wie ich auch. Sie habens vermutlich nicht böse gemeint, aber dennoch. Man macht das einfach nicht. Jedenfalls kamen sie, um mit mir wegen der Möbel zu reden. Gute Nachrichten - vermutlich werden sie oder ein Freund die Möbel kaufen. Juhu! Klar, viel Geld krieg ich dafür nicht, aber was solls. Ist nun mal viel einfacher, sie einfach hier stehen zu lassen, als jedes Teil einzeln unter Zeitdruck zu verkaufen und am Ende die letzten Nächte noch womöglich ohne Bett, ohne Decke, ohne alles auf dem Boden zu schlafen, weil schon alles verkauft ist. Und wer weiß, ob ich so viel mehr dafür kriegen würde.
Die zweite Sache - sie wollen ja ein Klavier kaufen. Wir hatten schon mal drüber gesprochen, warum noch mal war mir schleierhaft, aber okay. Ich sagte noch mal zu, dass ich, sofern Zeit, zur Beratung mitgehen würde. Außerdem drückte mir mein Vermieter einen Brief in die Hand, vom Frühling/Sommer diesen Jahres, in dem stand, dass die Oper Flügel verkaufen würde. Im Juli. Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass das vermutlich ziemlich teure Instrumente sein werden und außerdem war das ja schon im Juli, er meinte aber, vielleicht gäbe es das ja noch einmal oder da wäre noch was übrig. Hm. Bezweifle ich, zumindest letzteres, aber gut. Und sie baten mich, da für sie anzurufen. Hmpf. Ich hasse es ja wirklich, auf englisch zu telefonieren. Aber was hätte ich sagen sollen - nein, erledigt das mal selber? Aus welchem Grund, wäre da die Frage gewesen. Also nickte ich ergeben, nahm das Schriftstück an mich und begann schon mal, mich mental für diese Aufgabe nach Weihnachten vorzubereiten. Ich werd daran auch nicht zugrunde gehen.
Nach einem sehr langen, und teils auch netten, Gespräch konnte ich mich wieder an meinen heißgeliebten Ludwig setzen. Es wurde höchste Zeit, mit A. unsere Ticket für die geplante Alcatraz-Tour zu buchen! Unser Wunschtermin war dummerweise schon weg, so dass wir jetzt Silvester Mittag die Tour machen werden. Nun ja. Besser als gar nicht, nicht wahr? Und abgesehen vond er Tatsache, dass ich um 12 Uhr in Deutschland gerne mit meinen Eltern telefoniert hätte stört mich das eigentlich auch nicht. Silvester ist für mich nicht ganz so wichtig. Und sowohl ich als auch meine Eltern werden sicher auf das Telefonat verzichten können.
Den restlichen Abend verbrachte ich damit, ein paar Leuten noch Weihnachtsgrüße zu schreiben und mir darüber Gedanken zu machen, dass morgen, wenn ich aufwachen würde, schon Weihnachten sein würde. Zumindest in Deutschland, und damit auch ein bisschen für mich. Schon ein sehr seltsames Gefühl! Normalerweise hat man doch den ganzen 24. noch Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, und ich werde morgen einfach reingeschmissen. Das wird sicher spannend! Ich schaffte es natürlich nicht, total früh ins Bett zu gehen, und selbst als das Licht dann, früher als sonst, aus war konnte ich nicht einschlafen. Nein, nicht aus Nervosität. Ich bin kein kleines Kind mehr ;) Einfach nur, weil ich mich an das späte Zubettgehen schon so gewöhnt habe. So ein Mist aber auch.
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