Mittwoch, 7. Dezember 2011

Tag 121 (06.12.)

Ausgerechnet heute.
Ich hatte ja für E. und ihren Freund sowie für A. und meine Klavierlehrerin einen Nikolaus (okay, Weihnachtsmann, aber der Unterschied ist nicht groß...) besorgt. Da ich ja heute um neun zu dem Meeting musste dachte ich mir, dass E. da ohnehin noch nicht wach ist, ist sie sonst nie, Dienstags. Aber ausgerechnet heute war sie das schon, und ihr Freund auch. Nun gut, ich habe meine Nikoläuse und einen erklärenden Zettel trotzdem vor ihre Tür gestellt, als sie gerade drinnen waren. Kann man ja nichts machen.
Mein erster Nikolaustag fern von zu Hause. Ja, ich gebs zu, ich bin wirklich manchmal noch ein kleines Kind. Habt ihr aber früh gemerkt :D Trotz meiner stolzen 23 Jahre liebe ich es immer noch, am Nikolausmorgen in meinen Schuhen nachzusehen, ob ich was bekommen habe. Und meine Mama der Nikolaus ist auch so lieb, da immer noch was reinzulegen.
(Na toll, jetzt ist mein PC abgestürzt und der halbe Text weg, wie sehr ich das liebe... mist. Viertelstunde schreiben umsonst.)
Wie auch immer - pünktlich machte ich mich auf den Weg zum Treffen. Um diese frühe Uhrzeit waren noch nicht so viele Leute da, ich traf aber einen anderen deutschen Austauschstudenten und quatschte mit ihm ein bisschen, bis es los ging. Wirklich viel erfahren habe ich da nicht, das Meiste wusste ich noch von der Orientation-Week oder konnte ich mir selber denken - wie zum Beispiel "Denkt ans Auflösen all eurer Konten und so weiter". Interessant war allerdings die Indo, dass wir, wenn wir wollten, einen Brief bekommen könnten, in dem eben drinsteht, dass wir an dem Austauschprogramm teilgenommen haben. Nichts besonderes, aber schaden kann das nicht, da werd ich mich dann mal noch darum kümmern.
Um viertel vor zehn waren wir dann auch schon fertig. Was nun? Ich hatte vorgehabt zur Post z fahren, war mir aber nicht sicher, ob das reichen würde, zumal die Bahn erst in 20 Minuten kommen würde. Hmpf. Was nun?
Ich nutzte die Zeit anfangs schlussendlich dazu, um mal ein paar Fotos vom Campus zu machen, von Orten, an denen ich tagtäglich bin, die aber nichts besonderes sind und die ich normal nie fotografieren würde - die Mensa zum Beispiel. Oder den Bookstore. Danach aber ging ich wirklich üben, bis dann nach elf der Chor losging. Es klappte alles ganz gut, ich bin zuversichtlich, dass das am Wochenende ein gutes Konzert wird. Beim Frauenchor, den wir nach dem Mittagessen dann hatten, hatte ich das Gefühl weniger. Im Gegenteil, uh oh... da ist doch noch arg viel Arbeit zu tun. Außerdem begann mein Kopfweh wieder. Herrje, hört das denn nie auf? Nach dem Chor versuchte ich dann wieder zu üben, was aber mit dem Kopfweh nicht ganz so einfach war. Zehn Minuten vor meinem Unterricht dann durchfuhr mich plötzlich ein Schreck. Ups! Morgen war ich mit meinem Monolog im Theater dran - völlig vergessen. Zugegeben, anfangs nicht, da hatte ich mir noch gedacht, ich hab ja noch eine ganze Woche... die letzten Tage aber war das wirklich untergegangen. Und da heute Abend noch eine große Chorprobe anstand sah ich keine Möglichkeit, vorher noch zu üben. Was nun? Üben im Schnelldurchlauf war wohl angesagt. Ich überlegte mir also kurz, wie ich mich in der Szene bewegen sollte (es war ja verlangt worden, dass ich mehr agiere und nicht nur sitze) und ging das ein Mal durch. Das musste erst mal reichen, für mehr war keine Zeit. Im Laufe des Tages aber ging ich das Ganze im Kopf ziemlich oft durch und war daher am Abend sicher, dass das morgen schon gut gehen würde.
Auf gings also zu meinem allerletzten Klavierunterricht hier in San Francisco. Anfangs überreichte ich meiner Dozentin den "Nikolaus", und sie freute sich sehr darüber. Und erzählte mir eine Geschichte aus ihrer Kindheit, wo sie einmal als Kinder von diesem Brauch gehört hatten und dann an Weihnachten Schokolade in den Schuh ihrer Mutter gesteckt hatten. Dummerweise haben sie den unter die Heizung gestellt, den Rest kann man sich denken...
Auf Grund der Prüfung in einer Woche war das heute kein richtig wirklicher Unterricht mehr, ich spielte alle Stücke einfach mal durch, und zu ein paar sagte sie dann noch was. Es klappte alles ziemlich gut, klar, ein paar Fehlerchen hier und da, aber das ist ja normal. Wenn ich so in der Prüfung spiele kann ich sehr zufrieden sein, ich bin momentan tatsächlich in so was wie einem Hoch. Wer hätte das nach den letzten Mozart-Wochen gedacht! Ich fühle mich gut vorbereitet und habe kaum Angst vor der Prüfung, das ist mir ja noch nie passiert. Außer beim Liszt. Aber bei so einem Werk ist das ja auch irgendwie zu verstehen, finde ich.
Danach machte ich mich auf den Weg zur Bahn, wo ich ein Mädel aus dem Chor traf. Gemeinsam fuhren wir ein paar Stationen, dann aber riskierte ich es auszusteigen um mal eben zur Post zu gehen - die Zeit dafür sollte eigentlich gut reichen. Ich fragte also zur Sicherheit noch einmal wegen dem Päckchen nach, ja, dritte Klasse gibts nicht mehr. Ich könnte eine große Flatratebox für 60 Dollar verschicken, da dürften dann zumindest ein paar meiner Teile reinpassen. Hm. Mal gucken, ob ich das mache... Außerdem kaufte ich eine Fuhre Briefmarken und ein bisschen Verpackungsmaterial. Mal nicht schlecht, das zu Haus zu haben...
Im Castro-Bezirk dann angekommen hatte ich doch noch einiges an Zeit, so dass ich einen Supermarkt aufsuchte. Keine Lust, draußen zu frieren... und außerdem brauchte ich Brot. Vielleicht hatten die ja welches. Hier traf ich auch das Mädel aus der Bahn wieder, und gemeinsam durchstöberten wir den Laden. Ich fand sogar mein übliches Brot, supi! Und außerdem Marzipankartoffeln - und zwar deutsche. Wahnsinn! Schade, dass ich keine mehr essen kann.
An der Kasse dann sprach mich die Kassiererin an - ihr würde mein Schal gefallen. Der sähe so Gryffindor-mäßig aus. Auf meine Antwort, dass sei ja auch das originale Replik, war sie total begeistert. Und mit dem Mantel und überhaupt, ich sähe aus als würde ich in Hogwarts studieren. Das hört man natürlich gerne :D
Allgemein übrigens sprechen mich hier verdammt viele Leute auf diesen Schal an. Fast jeden Tag kriege ich einen Kommentar dazu zu hören, ob es nun ein Gryffindor!-Ruf auf dem Weg zur Uni ist oder die Aussage eines Kommilitonen im Theater-Unterricht, ihm habe mein Gryffindor-Baby so gefallen (ich hatte meinen Schal in eine Decke eingewickelt und so meinen "Sohn" dargestellt - eigentlich dachte ich, man hätte den Schal gar nicht gesehen...) Das ist echt faszinierend, das hätte ich nicht gedacht. Ich bin mal gespannt, wie das in Deutschland so ist, aber ich bezweifle, dass da viel kommt. Auch, weil die Amerikaner in solchen Sachen viel offener sind. Hier hört man viel öfter mal ein "Dein Rock gefällt mir total" oder "Wo hast du die Schuhe her?" Solche Komplimente kriege ich in Deutschland fast nie. Es besteht die kleine Möglichkeit, dass den Amerikanern mein Stil besser gefällt, aber das glaube ich nicht :D Ich sehs ja auch an anderen, solche Aussagen fallen hier einfach ziemlich oft. Diese Offenheit gefällt mir!
Ab gings zur Kirche. Ich war mittlerweile fürchterlich müde. Ziiiiemlich fürchterlich müde. Mit dem Frauenchor waren wir zuerst dran, er klappte nicht so sonderlich, in der Probe am Donnerstag müssen wir noch mal richtig schön reinklotzen. Während dann der Kammerchor seine Stücke durchging saß ich mit den anderen in den Kirchenbänken, fror und - schlief ein. So müde war ich. Nun gut, richtig schlafen konnte ich da nicht. Aber wach war ich eben auch nicht, irgendetwas dazwischen.
Und irgendwann tauchte dann das Orchester auf und wir begannen mit den Proben für das Gloria. Anfangs dachte ich mir - wow. Das klingt ja mal genial! So gut klang das bei meinen ersten zwei Aufführungen nicht. Nach einigen Minuten war das aber vorbei und es klang genauso schräg an manchen Stellen. Vermutlich ist dieses Werk einfach wahnsinnig schwer zu spielen, schätze ich einfach mal. Anders kann ich mir das nicht erklären. Aber ich hab von Streichinstrumenten halt einfach keine Ahnung. Auch die Solisten gingen ihre Stücke durch, die klangen ganz unterschiedlich. Manche super klasse, manche zwar immer noch gut, aber doch etwas leise oder dünn. Schon krass, wie da der Unterschied ist.
Dieser Abend war so was von anstrengend. Um 9:15 Uhr war das Ganze dann vorbei, mehr als drei Stunden nach Beginn der Probe. Und ich war schon vor zwölfeinhalb Stunden aus dem Haus gegangen und hatte zwischendrin kaum Pause gehabt. Ja, ich war K.O., und zwar nicht zu knapp. Ich wollte einfach nur noch heim, was essen und was schlafen. Aber, oh Schreck - meine Bahn würde erst in 40 Minuten kommen. Aaaah, mist. Unterwegs zur Bahn traf ich noch ein paar andere aus dem Chor, mit denen ich mich zumindest noch unterhalten konnte, und dann hatte ich doch noch Glück. Ich nahm eine andere Bahn, die zur Uni fahren würde, die geht zwar einen kleinen Umweg, denn ich muss dann mit dem Bus weiter. Oder eben 20 Minuten heimlaufen. Aber mein Bus kam zwei Minuten nachdem ich an der Uni angekommen war, perfekt. So musste ich auch nicht frieren...
Erschöpft öffnete ich dann also irgendwann gegen zehn die Wohnungstür, und was sah ich da? Ein Päckchen. Und vor meiner Zimmertür lag noch ein zweites. Ich sah aber auf den ersten Blick, dass die beiden nicht von meiner Mutter kamen, schade. Dafür war eines der Babystrampler für den Bruder meines Schwagers in Spe (ja, kompliziert :D), den man nur in den USA bestellten kann. Das andere war mein Päckchen von ThinkGeek, die hatten am "Cybermonday" eine Versandkostenfrei-Aktion, da habe ich mir gleich mal zwei Sachen bestellt, die ich auf jeden Fall haben will. Die wiegen auch nicht so viel, das sollte hoffentlich noch in mein Gepäck passen... In meiner Müdigkeit hatte ich zwar das Dankes-Post-It von E. für die Nikoläuase gesehen, welches an meiner Tür klebte - nicht aber den kleinen Schneekugelelfen, der vor der Tür saß. Hach ist der süß! Jetzt habe ich doch noch was kleines vom Nikolaus bekommen, ich hab mich so wahnsinnig darüber gefreut, das glaubt man gar nicht ;) Überhaupt, mit solchen Kleinigkeiten kann man mich echt glücklich machen :D Ich brauche gar keine großen Geschenke. Eine kleine Sache, die mir zeigt, dass jemand an mich denkt oder etwas für mich ausgesucht hat, und ich bin glücklich.
Weil ich so erschöpft war machte ich mir erst einmal meine kleinen Minipizzen zum erholen. Die gehen schnell und dauern auch nicht so lange im Ofen... Und unterhielt mich unter Umständen ein letztes Mal beim "kochen" mit E., die morgen ausziehen wird. Jetzt gings dann doch ganz schnell, nachdem am Sonntag die Wohnung bestätigt wurde... Einerseits bin ich ja schon ein bisschen froh, dass dann ein bisschen Ruhe einkehrt, aber ich weiß, dass ich dann auch ganz schön einsam sein werde. Immerhin hatte ich sie aber länger als ich dachte, denn dass sie so lange eine Wohnung suchen würden, damit hatten wir nicht gerechnet. Also nicht jammern, sondern darüber freuen, was möglich war! :)
Ich aß dann noch meine Pizzen und ruhte mich ein bisschen aus. An den Monolog für morgen verschwendete ich keinen Gedanken mehr - das würde schon irgendwie klappen. Muss ja ;)

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