Dienstag, 13. Dezember 2011

Tag 127 (12.12.)

Der Grund, dass ich heute wo müde war und ewig geschlafen habe, kann sein, dass ich gestern abend spät ins Bett bin. ;) Aber das durfte ich heute ja auch. Denn heute war mein letzter Unitag hier, und der nur noch halb, denn Töpfern war ja letzten Mittwoch beendet worden.
Ich traf mich mittags mit einem Mädel aus dem Töpfern, um uns noch richtig voneinander zu verabschieden, am Mittwoch war das irgendwie alles so schnell gewesen. Wir unterhielten und ganz nett, und ich bin wirklich froh, dass wir das noch gemacht haben. Eigentlich hätten wir das mal früher machen sollen... aber naja. So ist das halt. Ein Semester ist nun mal viel zu kurz, nicht nur man selber realisiert das viel zu spät, auch die Leute um einen herum. Die erst Recht, denn für die meisten geht das Leben hier ja ohne Unterbrechung weiter. Nur, dass ich da eben nicht mehr dazugehöre.
Direkt danach traf ich A. wir aßen gemeinsam zu Mittag, beziehungsweise ich aß Mittag, sie gönnte sich einen Nachtisch, denn sie hatte schon gegessen. Gemeinsam versuchten wir auch eine Planung für die Zeit, wenn ihre Mutter und ihre Schwester in San Francisco sein werden, denn teilweise werde ich ja gemeinsam mit ihnen reisen. Die Zeit verging schnell, und als ich auf die Uhr schaute war es auch schon allerhöchste Zeit zum Theater abzuzischen. Da saß ich dann da und hörte zu, ich war ja schon fertig. Und versuchte, nicht einzuschlafen... Glücklicherweise hörten wir eine halbe Stunde früher auf. Wer weiß, ob ich sonst nicht noch eingeschlafen wäre! ;) Definitiv wäre ich aber irgendwann heute noch verhungert, denn der war schon so groß, dass es nicht ausgereicht hätte, zu warten, bis ich zu Hause gewesen wäre. Aber ich hatte ja auch keine Zeit zwischen Theater und Gospelchor um was zu essen. Also kam mir diese halbe Stunde nur sehr willkommen, um mir was zu essen zu schnappen. Ich hatte keine Lust mehr auf mein übliches Hühnchen mit Reis, also beschloss ich, an meinem letzten Unitag endlich einmal etwas Neues zu probieren. Bin ich nicht gut? Ich holte mir also eine kleine Pommes, die sogar ziemlich lecker war. Warum hab ich das nicht früher ausprobiert? Nicht fürs Mittagessen, aber so als Snack für zwischendurch... Na, auch egal.
Im Gospelchor konnten wir dann nicht in unseren üblichen Raum und zogen zwei Mal um, bis wir dann endgültig blieben. Der erste Teil des Unterrichts bestand darin, das mitgebrachte Essen zu verputzen. Da gabs echt leckere Sachen, sogar Spaghetti hatte jemand mitgebracht! Mmmmh. Nicht, dass ich was davon hätte essen können ;) Ich gab mein weißes Gospel-Shirt an ein langjähriges Mitglied, zu dem ich Vertrauen habe und von dem ich weiß, dass er eine gute Verwendung dafür finden wird. Ich habs nie getragen, und ich sehe keinen Sinn darin, es nach Deutschland mitzunehmen. Ich hab ja außerdem noch das schwarze als Erinnerung, das weiße ist völlig unnötig. Also hoffe ich, dass mein Shirt jemandem zu Gute kommt, der nicht das Geld hat, sich das Shirt zu kaufen. Zumindest dieses Semester gabs davon ein paar, das weiß ich genau. Klar, mir tuts schon irgendwie weh, dass ich so viel Geld für etwas gezahlt habe was ich nie verwenden werde, aber ich kanns nicht ändern. Und so habe ich wenigstens ein bisschen was Gutes getan, anstatt das Shirt in meinem Schrank verstauben zu lassen.
Während wir uns so unterhielten fand ich heraus, dass eine meiner Kommilitoninnen zehn Minuten von Disneyland entfernt wohnt. Ich kenne sie sowohl aus dem Gospelchor als auch aus dem Theaterunterricht, und sie bot mir an, dass ich mich einfach melden solle, wenn ich nach Disneyland gehen würde. Wenn sie Zeit hätte würde sie gerne mitgehen. Juhu! Da hoffe ich einfach mal, dass das klappt. Außerdem meinte auch C., dass sie Lust hätte mitzugehen, vielleicht klappt das ja auch irgendwie.
Wir bekamen Bescheid, dass diesen Sonntag noch ein weiteres kurzes Konzert stattfinden würde, wir waren eingeladen worden, im Rathaus beim Tag der offenen Tür zu singen. Das war nicht verpflichtend, aber es wäre schon, wenn möglichst viele kommen würden. Ich überlege mir das noch... klingt doch ganz spannend, und ich habe noch nichts vor am Sonntag. Wegen des Konzertes sangen wir heute noch einmal die zwei Songs, die wir dann singen werden.
Danach gab es noch eine Abschiedsbotschaft per Video von unserem Pianisten, der leider nicht da sein konnte, und es wurden die Studenten geehrt, die sich dieses Semester besonders verdient gemacht hatten. Das finde ich eine sehr schöne Sache, immerhin haben sie ja auch wirklich hart gearbeitet. Dass sie alle einen 50 Dollar-Gutschein bekamen fand ich dann schon etwas viel, waren immerhin acht Mitglieder, was eine nicht gerade geringe Summe ausmacht. Aber wohl lieber zu viel als gar nichts.
Danach starteten wir noch ein Kennenlernspiel. Zumindest finde ich, dass es eines war, und ich fand es sehr schade, dass wir das nicht in der ersten Stunde gemacht haben. Da wäre das irgendwie angemessener gewesen und hätte sicher auch viel geholfen. Einige kennen das vielleicht. Man schmeißt einen seiner Schuhe in die Mitte, und dann kramt jeder aus dem Schuhberg einen Schuh raus (natürlich nicht den eigenen). Man sucht dann die Person, die seinen Schuh hat und auch die, dessen Schuh man in der Hand hält und unterhält sich ein bisschen mit den beiden, lernt sie eben kennen. Die zweite sehr nette Idee kam leider ein bisschen zu kurz. Ich hätte mir gewünscht, da eine halbe Stunde Zeit für zu haben und nicht nur zehn Minuten... jeder beschrieb eine Papiertüre mit seinem Namen, und dann schrieb man kleine Nachrichten an die Personen. Warum man diese Person schätzt, was an ihr so besonders ist. Positive Dinge eben, die einen aufmuntern sollen und das Gefühl geben, wertgeschätzt zu werden. Eine super Sache, kam nur leider wie gesagt etwas zu kurz. Von ein, zwei Nachrichten war ich dann auch wirklich sehr erstaunt. Teils kannte ich die Leute gar nicht...
Wir nahmen uns viel Zeit für diese Sache, so dass ich letztendlich zwanzig Minuten nach Unterrichtsende den Raum erst verließ. Einige waren schon gegangen, viele waren auch noch da und schrieben noch fleißig. Der Tag heute war so voller Verabschiedungen gewesen und total emotional. Ich hatte zwar nie geweint, denn irgendwie ging einfach alles viel zu schnell. Aber ein bisschen hatte ich schon das Gefühl, dass das nötig wäre. Ich hatte mich von dem Mädel aus Töpfern, von ein paar Freunden aus dem Theater und von C. aus dem Gospelchor verabschieden müssen. Letztere hoffe ich zwar noch zu sehen, aber das weiß man ja nie. Und gestern der Abschied von N., wobei ich da wirklich noch denke, dass wir uns noch sehen.
Auch wenn der Tag sehr traurig war, einerseits - andererseits war er nicht so traurig, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Wobei ich wirklich glaube, dass das daran liegt, dass ich alles noch nicht begriffen habe... Das wars jetzt. Würde ich nicht noch bleiben könnte ich am Donnerstag nach meiner Klavierprüfung nach Hause fliegen. In drei Tagen. Mein Semester hier ist vorbei, meine Aufgaben erledigt, alles, wofür ich geplant habe, ist getan. Über ein Jahr planen, und dann vergeht die Zeit in der Rückschau doch wie im Flug. Sicher, ich habe noch einige Wochen hier. Ich bleibe ja noch bis Mitte/Ende Januar. Das sind noch über fünf Wochen. Aber trotzdem, der Pflichtteil ist erledigt. Und sollte mich irgendwie doch noch ein Rappel packen - ich könnte heim. Ich könnte in drei Tagen meine Lieben wieder sehen. Ein seltsames Gefühl, und ein Teil von mir wünscht, es wäre wahr, während der andere Teil die letzten Wochen hier noch genießen möchte. Wer weiß, wann ich diesen Kontinent mal wieder besuche. Das könnte noch eine ganze Weile dauern.

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