Heute hatten wir unser abschließendes Gespräch im Töpfern. Jeder sollte seine besten Stücke vorstellen. Ich war mir nicht so ganz sicher, was denn nun meine besten Stücke sind, aber am Ende hatte ich mich dann doch für ein paar entschieden. Reihum sprachen wir also über unsere Werke und warum wir was wie gemacht hatten. Als ich an die Reihe kam war ich dann doch etwas nervös... und deshalb fehlten mir dann plötzlich eindeutige, einfache Wörter. Mist. Aber schließlich kams nicht so sehr aufs Reden an als auf das, was dahintersteckte.
Am Ende nach dem eigenen Vortrag bekam man dann eine Zuckerstange - total lieb. Meine würde natürlich weiterverschenkt werden, aber der Gedanke zählt!
Und ja, laut meinem Dozenten läuft das Verschicken meiner Sachen doch über die normale US-Post, wenn ich sie behalten will. Hmpf. Mal sehen wie teuer das wird, denn ich bin ja der Meinung, da gibts keine dritte-Klasse-Post mehr...
Wir waren etwas früher fertig, schließlich braucht so eine Besprechung keine drei Stunden. Ich nahm wieder ein paar von meinen Sachen mit, das Meiste aber blieb noch im Töpfer-Raum. Mittwoch würden wir den Raum aufräumen und putzen und ebenfalls früher fertig sein, ich hatte vor, dann das Meiste gleich nach Hause zu bringen. Schließlich kann ich ja nicht den ganzen Tag jetzt noch mit meinen ganzen Tonsachen rumrennen...
Meine letzten zwei fertigen Werke. Das obere ist - natürlich ;) - eine Teelichtbox, der Deckel des unteren hatte mal eine Tasse werden sollen, bis ich feststellte, dass das nichts werden würde und es ein bisschen ummodelte
Die Zeit nutzte ich um erstens zum Bankautomaten zu gehen und Geld für die Tickets heute Abend abzuheben, zumindest für die zwei, welche B. von mir noch kaufen wird. Da musste ich durch den Bookstore, das ist nun mal der kürzeste Weg zum Automaten... und da sah ich einen Pulli. Einen, der meine zweite Wahl gewesen wäre, wenn es den lilanen, den ich eigentlich gekauft hatte und dessen Faden jetzt lose hängt, nicht mehr in meiner Größe gegeben. Der war allerdings auch so gut wie immer ausverkauft, zumindest in meiner Größe. Jetzt aber gab es einen. Keine Ahnung wieso. Es hieß also jetzt oder nie - und da griff ich zu. Schließlich trage ich meinen momentan überhaupt nicht, weil ich ihn nicht nähen kann...
Danach aß ich zu Mittag und bekam zwischendrin einen Anruf von S., sie hatte auch nicht alle Tickets verkauft. Zumindest stünden wir so jetzt nicht alleine da.
Nach dem Essen ging ich üben. Nur noch eineinhalb Wochen bis zu meiner Prüfung! Keine Ahnung wieso, aber irgendwie machte mich das Üben traurig. Ist vielleicht einfach nicht mein Tag heute?
Um zwei gings dann ab zum Theater. Heute hatte ich nichts zu tun außer zuzuhören, ist auch ganz nett. Übrigens, erinnert ihr euch noch daran, dass ich letzten Mittag in der Mittagspause noch schnell meine Hausaufgaben gemacht hatte? Zum Glück, denn ich war tatsächlich die Einzige von der er die Sachen sehen wollte. Mal wieder typisch.
Mein Kopfweh schlug dannn wieder einmal zu - und dieses Mal nicht zu knapp. Zum Glück hörten wir heute 45 Minuten früher auf - mal wieder. Keine Ahnung, wie wir unsere ganzen Sachen durchziehen sollen bis zum Schluss, aber das ist ja nicht mein Problem. Entgegen meinem Vorsatz, nur noch einmal täglich in der Uni zu essen (ich will ja nicht als runde Kartoffel heimkommen) ging ich noch einmal in die Mensa. Ich fühlte mich jetzt wieder richtig krank - mir war eisig kalt, ich fror wahnsinnig, und gleichzeitig fühlte ich mich warm an. Ich dachte mir, was "gscheides" zu essen könnte da nicht schaden, denn ich musste heute auf jeden Fall für die Probe da bleiben. Ansonsten wäre ich wohl wirklich heimgegangen, aber das hier war unsere Generalprobe, die einzige Probe mit Band - da musste ich schon dabei sein. Außerdem hatte es das das letzte Mal auch geheißen - wer zu dieser Probe nicht kommt hat ein Problem. Ich glaube nicht, dass man mich legal vom Konzert hätte ausschließen können, aber ich wollte einfach keinen Stress. Nach dem essen gings mir auch ein kleines bisschen besser, aber ich wollte immer noch einfach nur nach Hause. Da ich so viel Zeit hatte ging ich einfach mal früher in den Chorraum, wo die Band sich schon einspielte. Ich gab unserem Chorleiter Bescheid, dass es mir nicht gut gehen würde und er heute keine Wunder von mir erwarten soll - alles klar.
Mein Kopfweh hämmerte immer noch umher, und die wahnsinnig laute Band in diesem kleinen Raum trug nicht gerade dazu bei, dass es mir besser ging. Ja, das hört sich jetzt ein bisschen wie jammern an... ists vielleicht auch. Aber mir gings echt einfach dreckig.
Der Raum füllte sich nach und nach, auch S. tauchte auf, und wir unterhielten uns sorgenvoll wegen der Ticketgeschichte. Sie hatte ebenfalls nicht alle Tickets verkaufen können, und in der letzten e-Mail hatte es ja geheißen, wer nicht alle Tickets verkauft singt nicht mit. Uns war relativ klar, dass das nur eine leere Drohung sein kann, denn das Konzert ist Notenrelevant und da kann man uns nicht wegen nicht verkaufter Tickets nicht einfach ausschließen - aber man fühlt sich da doch etwas unangenehm, und ich machte mir eben trotzdem meine Gedanken. Vernunft ist dann eben doch was anderes als Gefühl.
Wir unterhielten uns also - auf Deutsch, auch wenn das unhöflich ist, aber in solchen Momenten und vor allem heute hatte ich einfach nicht die Kraft, auf englisch zu denken. Dennoch konnte man an unserem Tonfall sicher hören, dass es hierbei nicht um ein Geburtstagsgeschenk der besten Freundin geht sondern um etwas anderes. Was auch unsere Stimm-führerin mitbekam und sich einschaltete - wenn wir ein Problem hätten sollten wir das nicht in uns reinfressen und schlechte Stimmung verbreiten, sondern mit unserem Chorleiter reden. Ups. Peinlich. Und ja, ich gebe zu, sie hat ja Recht - schlechte Stimmung verbreiten wollte ich ja gar nicht. Ich will den Leuten, die Spaß an diesem Chor haben, das nicht kaputt machen - da hätte ich wohl hin und wieder mehr aufpassen müssen. Allerdings - mit dem Chorleiter hatten wir ja schon gesprochen und waren nur auf Granit gestoßen. Was also tun?
Man muss sich jetzt mal meine Situation vorstellen. Ich laufe Gefahr, beim Konzert nicht dabei zu sein (auch wenn mein Verstand mir da was anderes sagt), ich verbreite unabsichtlich schlechte Stimmung, im Raum ist es laut, ich bin verzweifelt - und mein Kopf zerplatzt einfach vor Schmerzen. In dem Moment konnte ich einfach nicht anders, mein Körper übermannte mich und fing an, Tränen zu vergießen. Es war einfach alles zu viel, was da über mir einbrach, auch wenn ich diese Tränen selbst schon ein wenig lächerlich fand. Aber vielleicht kennt ihr das, wenn man einfach erschöpft ist dann kommen die Tränen einfach wie von selbst. Und so gings mir hier auch. Es war mir peinlich, schließlich bin ich kein siebenjähriges Kind mehr, welches die Eltern ausgeschimpft haben, weil es sein Zimmer nicht aufgeräumt hat. Ich sollte mit so was eigentlich umgehen können. Aber manchmal kann man einfach nicht mehr.
Unsere Stimm-Führerin war auch wahnsinnig lieb, sie hatte das ja gar nicht böse gemeint, und wollte mich trösten - das wollte ich aber gar nicht, schließlich waren diese Tränen ja einfach nur vor lauter Erschöpfung da, was ich ihr auch versuchte zu erklären. Sie meinte dann, wir sollten nach der Stunde mit dem Pianisten reden, nicht mit dem Chorleiter - der sei nämlich genauso wenn nicht mehr für den Chor verantwortlich. Aha? Wusste ich gar nicht... Das würden wir dan wirklich gleich mal ausprobieren. Aber bis ich nicht sicher wissen würde ob ich am Konzert teilnehmen würde würde ich kein Geld für die Tickets abgeben. Sicher ist sicher.
Irgendwann versiegte das Salzwasser und ich konnte mich wieder auf den Unterricht konzentrieren. Und was war das? Trotz Kopfweh und Erschöpfung - diese Stunde war die allerbeste Gospelchorstunde die ich jemals hatte. Es machte einfach Spaß, so hätte ich es mir immer gewünscht. Ich hatte das Gefühl, unser Chorleiter war wie ausgewechselt. Er bedankte sich bei uns, er entschuldigte sich für seine Fehler, und trotzdem war er gleichzeitig immer noch strikt und zog sein Programm durch. Es war einfach toll, es gab keinen megagroßen Druck, und ja, es klappte auch alles wunderbar. Keine Ahnung, warum das nicht immer so sein konnte? Heute fühlte ich mich wirklich als Studentin respektiert und nicht mehr als kleine Grundschülerin - und wir arbeiteten genauso hart wie sonst auch. Ich brachte es trotz allem sogar fertig, richtig mitzuarbeiten, also mit Körpereinsatz und Gesichtsausdruck, einfach, weil es so viel Spaß machte dass ich während dem Singen meine Kopfschmerzen mit aller Kraft in den Hintergrund drängte. Was wiederum auch unser Chorleiter bemerkte und mir einmal anerkennend zunickte - das hatte er auch noch nie gemacht. Während vorne unsere Solistin ihr Solo sang saß er auch plötzlich auf einem freien Stuhl hinter mir (das war aber Zufall) und legte mir (mein Kopf war in meinen Händen vergraben, Dunkelheit war einfach toll) tröstend seine Hand auf meine Schulter. Was war denn heute los?
Genau so hatte ich mir diesen Unterricht vorgestellt. Harte Arbeit, aber gleichzeitig Spaß, Respekt und gegenseitige Achtung. Was mich wieder einmal in meinen Gedanken bestätigt - unser Chorleiter ist an sich sicher ein ganz toller Kerl. Also Privat. Aber beim Unterrichten... da klappts irgendwie nicht. Keine Ahnung wieso, ich bin ja kein Psychologe. Irgendwie ziemlich schade...
Wie dem auch sei, nach dem Unterricht unterhielten wir uns mit dem Pianisten, welcher auch Verständnis zeigt und uns (wie schon vermutet) erklärte, dass sie diesen Druck ausüben müssen, damit wir überhaupt welche Tickets verkaufen. Zwei war ich immerhin an B. und ihren Freund losgeworden (hab ich das hier schon geschrieben?), aber das wars auch. Er meinte, er möchte nur sehen, dass wir es versuchen, dann ists auch okay. Genau wie eben schon gedacht.
Aber ich finde das ziemlich doof. Dieser Druck wirkt doch meist nur auf die Leute, die sich ohnehin Gedanken wegen so etwas machen, den Leuten, die das egal ist nützt auch dieser Druck nichts. Aber gut, wie gesagt - bin kein Psychologe, vielleicht hilfts ja doch...
Ab gings endlich nach Hause. Man, das tat so gut. Ein bisschen Erholung... dummerweise wusste ich, dass ich morgen, obwohl Dienstag, mal ausnahmsweise nicht ausschlafen kann, denn ich muss morgen um neun zu einem Abschlusstreffen für die Austauschstudenten. Es gab drei Termine, dummerweise habe ich bei den anderen beiden Unterricht. Bleibt also nur der Termin morgens um neun, bäh. Dabei hätte das sicher gut getan, ein bisschen länger zu schlafen...
Heute abend machte ich nicht mehr viel. Ich telefonierte wie immer mit meinen Eltern, wo meine Mutter mir erzählte, dass sie mal auf der Post nachgefragt habe, was mit dem Brief sein könne. Als sie ihn abgegeben hat hatte man ihr etwas von 5-10 Tagen gesagt, jetzt hieß es plötzlich, ja jetzt in der Weihnachtszeit könnte das um einiges länger dauern... Hmpf. Das hätte man ja auch mal früher sagen können, dann wäre ich nicht jeden Tag voller Hoffnung nach Hause gekommen, ob denn endlich der Brief da wäre.
Und noch eine Postgeschichte um die ich mich kümmerte, ich schaute nach, wie es denn mit dem Verschicken per dritter Klasse aussahe. Schlecht - ich hatte es also noch richtig gewusst. Verschiffen wurde 2007 (oder so) abgeschafft. So ein Mist, unglaublich. Dabei bin ich sicher nicht die Einzige, die günstig Pakete verschicken will und der es egal ist, wie lange es dauert. Bleibt die Frage, was nun. Mein Projekt ist zu groß, um in eine der Flatrateboxen zu passen, da bin ich mir fast sicher. Eine Flatratebox kostet 60 Dollar, und man kann bis zu 20 Pfund darin verschicken. Zwei, drei Teile passen da sicher rein... aber nicht mein Projekt. Dabei will ich ja gerade das mitnehmen... so ein mist.
Keine Ahnung, was ich jetzt machen werde. Auf jeden Fall erst mal ein paar Nächte darüber schlafen..


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