Ich war gut in der Zeit, so gut, dass ich eine Station früher ausstieg als gebraucht und im Restaurant zum goldenen M einkehrte, um essenstechnisch ein bisschen gewappneter zu sein. Nicht, dass ich da großen Appetit drauf gehabt hätte. Absolut nicht.
Trotzdem war ich immer noch zu früh da. Um halb drei nämlich. Andererseits war uns gesagt worden, dass wir halb drei anpeilen sollen, denn wer zu spät kommen würde würde nicht singen. Und ich bin ja bekanntlich pünktlich :D
Bisher war nur die Band da, welche aufbaute. Und unser Chorleiter natürlich. Also setzte ich mich mit meinem Kindle (welcher immer noch keinen Namen hat) in den Raum und las. Und schaute mich ein bisschen um. Irgendwie war der Raum kleiner, als ich es mir vorgestellt hatte... Er hatte aber einen Balkon. Immerhin :D Der untere Raum war aufgeteilt in zwei Absätze, es gab Tische mit vier Stühlen und auch welche am "Sofa". Irgendwie so ein typisch amerikanischer Showraum, wie ich ihn immer im Fernsehen gesehen habe. Vielleicht gibts das ja auch in Deutschland. Keine Ahnung.
Ja, meine Kamera bräuchte mal ne Säuberung...
Ich wartete also - und begann, zu frieren. In dem Raum wars irgendwie ziemlich kühl... Irgendwann begannen dann die anderen einzutrudeln und ich packte meinen Kindle wieder weg. Wir quatschten und warteten, und ich wartete auch auf C., die aber irgendwie nicht auftauchte. Irgendwann bekam ich eine sms von ihr - sie war in den falschen Bus gestiegen und musste jetzt alles wieder zurückfahren. Mist.
Gegen zwanzig vor vier gabs dann den Anwesenheitscheck, und kurz darauf trudelte auch C. ein. Mit dem Auftritt würde es wider Erwarten keine Probleme geben, obwohl sie so arg zu spät war. Wieder mal eine Abschreckungstaktitk. Wir erfuhren, dass um 5 unser Soundcheck sein sollte und wir bis dahin quasi frei hatten. Ähm, ja. Super. Zwei Stunden rumsitzen für nichts und wieder nichts.
C., S. und ich beschlossen also, auf Grund des schönen Wetters draußen ein bisschen spazieren zu gehen. Was sollten wir hier drin auch rumsitzen... Wir besuchten einen Secondhand-laden (die hier übrigens weit verbreiteter sind als in Deutschland) und ich holte mir noch ein bisschen was zum essen beim Burger King (was sich später als goldrichige Entscheidung herausstellte). Pünktlich waren wir dann wieder zurück. Und warteten weiter, bis wir irgendwann tatsächlich auf die Bühne konnten um unseren Soundcheck durchzuziehen. Ich stand, wie es mein Glück mal wieder will, neben einem Mädel, welches ziemlich viel Platz für sich beanspruchte und mich andauernd (unbeabsichtigterweise, aber leider vermutlich auch unbemerkterweise) mit ihrer Hüfte wegschubste. Na das konnte ja heiter werden. Wir hatten noch nicht einmal Zeit für alle Songs, denn wir waren schon viel zu spät dran. Runter gings von der Bühne, und jetzt hieß es wieder - na? Genau. Warten.
Ich nutzte die Zeit, um mir mein Make-Up zu machen und um S. zu bitten, mir eine kleine Frisur zu machen. Nichts besonderes, aber ich hab dafür ja zwei linke Hände. Das muss ich echt mal ändern... Ich verstaute meinen Rucksack im Hinterzimmer und lief fortan völlig stillos mit einer Plastiktüte in der Hand herum, in der die wichtigsten Sachen waren - Schuhe, Make-Up, Trinken und mein Brot. Das heißt, viel lief ich damit nicht herum, denn das Meiste der zwei Stunden Wartezeit verbrachten wir hinter der Bühne in einem kalten Steingang. Und warteten. Und warteten. Und froren, und warteten. Jetzt bekam ich auch tatsächlich wieder hunger, meine Güte, zum Glück hatte ich unterwegs noch mal was gegessen! S., C. und ich saßen also auf C.s Jacke (bezeihungsweise der Jacke ihrer Schwester O:-) ) auf dem Boden und quatschten. Und warteten ;) Eigentlich wars aber auch ein bisschen interessant, gezwungenermaßen so viel zu quatschen, mein erster Eindruck war wirklich richtig - ich glaube, C. ist mir ziemlich ähnlich. Und hab ich schon erwähnt, dass wir immer noch warteten? Es nervt euch? Ja, dann stellt euch mal vor, wie es uns nervte... Jedes Mal, wenn wir auf die Uhr blicken, waren erst ein paar Minuten vergangen. Die Zeit verging soooo langsam...
Irgendwann war es aber, oh Wunder, so weit. Wir stellten uns auf, was natürlich bei ~80 Leuten erst einmal zu einem großen Chaos führte. Irgendwann standen wir dann aber bereit, und schon bald konnten wir endlich raus auf die Bühne. Ich sah, dass B. gerade den Raum betrat und gemeinsam mit ihrem Freund einen der letzten Platze belegte, direkt vor der Bühne.
Das Konzert selbst machte wirklich Spaß. Auch wenn ich blamablerweise zwei Fehler ziemlich direkt hintereinander machte... Oh man. Was ist nur los mit mir in letzter Zeit? Beim Klavierspielen Fehler zu machen ist für mich ja irgendwie normal, aber nicht bei anderen Konzerten. Oh je.
Das Einzige, was mich bei diesem Konzert ziemlich störte, war das Mädel neben mir. Und da keiner von euch wissen kann, wer das war oder wie sie aussieht, kann ich das hier ja auch schreiben. Denke ich mal. Sie nervte nämlich. Unglaublich viel. Erst mal, sie hatte unglaublich lange Haare, die sie umherschleuderte wie sonst noch was. Und damit oftmals MEINE Haare erwischte, so dass meine "Frisur" andauernd sehr chaotisch aussah. Sie wippte auf den Stufen, auf denen wir standen so auf und ab, dass ich Angst hatte, dieselbigen würden zusammenkrachen. Die sind ja schon nicht sehr stabil, aber wenn da jemand draufrumhüpft wirds sicher nicht besser. Dass sie sich bewegte als würde sie alleine auf der Bühne stehen habe ich ja schon erwähnt. Das beste kommt aber noch - ihre Schuhe.
Wir alle waren komplett in schwarz gekleidet, außerdem pinkene Accessoires. Sie hatte wohl aber keine bequemen schwarzen Schuhe, was weiß ich. Also hatte sie zwei Paar dabei, Ballerinas in einer anderen Farbe und todschicke, megahohe Absatzschuhe in schwarz. Ich laufe ja auch selten in Absatzschuhen, weils eben für ungeübte nicht ganz so leicht ist. Aber, ich kaufe mir keine Megaabsatzschuhe, weil ich schon weiß, dass ich ihn denen nicht laufen kann. Also bleibe ich bei meinen zwei, in Ausnahmefällen drei Zentimetern. Da kann ich mich dann auch drauf verlassen, mich nicht zu blamieren. Aber anscheinend denken nicht alle so.
Sie zog nämlich in allerletzter Sekunde erst diese super unbequemen Schuhe an, in denen ICH auch nicht laufen könnte. Und mit allerletzter Sekunde ist eigentlich zu spät gemeint, denn jedes Mal, wenn wir auf die Bühne mussten, war vor ihr eine riesige Lücke. Gut, das ist mir eigentlich egal. Was mir aber nicht egal war, war die Tatsache, dass sie auf der Bühne ihre Schuhe wechselte. Wir standen in der letzten Reihe und es dauerte, bis sich die Reihen vor uns gefüllt hatten, also hatte sie Zeit. Da oben war es aber eng. Und sie brauchte sehr viel Platz, um sich zu bücken und dann umständlich die Schuhe zu wechseln. Jedes mal nach dem Aufgang. Wha! Nun gut. Damit könnte ich auch noch leben. Was dem ganzen aber dann den Vogel abschoß war folgende Story:
Wir standen da so schön auf der Bühne und warteten auf unseren Abgang. Die vorderen Reihen liefen schon raus, da hörte ich neben mir plötzlich , sinngemäß, folgende Worte: "Also, so funktioniert das Ganze jetzt: Ich stütze mich auf dich ab und dann kann ich die Stufen runtersteigen." Ich traute meinen Ohren und meinen englischkenntnissen nicht. Bitte?!? Erstens: Hätte sie mir das nicht vorher sagen können? Zweitens: Hätte sie mich nicht wenigstens fragen können anstatt das einfach so vorauszusetzen? Drittens: Schon mal dran gedacht, dass ich selber auch Absatzschuhe trage? Und letztendlich viertens: Verdammt noch mal, wenn ich in Schuhen nicht laufen kann dann kaufe ich die auch nicht - und wenn ich das schon muss, dann übe ich in denen laufen bis ich das kann!
Mir blieb aber ja nichts anderes übrig als nett zu lächeln und sie machen zu lassen. Mitten aud der Bühne einen Zickenkrieg zu beginnen ist nicht gerade die feine Art, egal in welchem Land. Diese Prozedur wiederholte sich dann auch noch die nächsten drei Male, als wir von der Bühne abgingen, und ich kam mir wirklich vor wie ein Spazierstock. Zwischendurch hinter der Bühne hatte ich keine Lust auf Stress und wollte das nicht ansprechen. Ja, mag vielleicht komisch klingen, hier so mega aufregen und dann aber nicht den Mumm haben, um was zu sagen. Ists vielleicht aucht. Andererseits finde ich das auch nicht so falsch, denn es war das letzte Konzert, und da muss man nicht unbedingt noch schlechte Stimmung verbreiten. Wäre ich da noch ein paar Monate würde das vielleicht anders aussehen. So aber: Lächeln und Winken.
Wie dem auch sei. Während unseres Konzertes gab es auch ein Solo von einer auswärtigen Künstlerin und die Band wurde vorgestellt, und währenddessen waren wir eben wieder hinter der Bühne und warteten. Es dauerte ziemlich lang, irgendwann hatten wir aber auch das hinter uns und konnten zum zweiten Mal auf die Bühne. Unser vorletzter Song war wirklich sehr emotional, und das Einzige, was mich an diesem Abend eigentlich störte war die Tatsache, dass unser Chorleiter immer so viel redet. Herrje, das ist doch ein Konzert und keine Talkshow ;) Und man muss auch ein bisschen bedenken, dass, obwohl wir Gospellieder und damit religiöses singen, unter Umständen auch Leute im Publikum sitzen, die wegen der Musik und der Stimmung da sind, und nicht wegen Gott. Allzuviel Religiöses sollte da meiner Meinung nach nicht geredet werden. Dafür ist die Kirche da.
Ansonsten gefiel es mir aber ganz gut. Und auch musikalische war es, denke ich, nicht schlecht. ;)
Es war schön, nach dem Konzert nicht einfach dumm rumzusitzen und aufs nächste zu warten, sondern raus in den Zuschauerraum zu gehen und da jemanden begrüßen zu dürfen. Das fehlt mir schon ein wenig... Konzerte gut und schön, aber was nützen sie, wenn alle meine Lieben sie nicht hören oder sehen können? Diesmal war ja aber B. mit ihrem Freund da, das war einfach toll. Sie meinten, es müsse ja super viel Spaß gemacht haben, in diesem Chor zu singen... Ähm, ja. *hust* Das habe ich dann mal diplomatisch umschifft und das Thema gewechselt.
Hinter der Bühne stellten wir dann fest, dass wir nur noch 15 Minuten bis zum nächsten Auftritt hatten. Ups. Und vorher hatten wir uns noch gefragt, wie unser Programm für eine Stunde reichen könnte... jetzt waren es fast zwei geworden. Kein Wunder aber, wenn man so viel redet und die Band mehr als zehn Minuten lang vorstellt ;) In der Pause gabs sogar was zu essen, ich hatte auch schon riesigen Hunger und knabberte an meinem Brot.
Das zweite Konzert begann viel später als geplant, sicher 15 Minuten zu spät. Es war seltsam, so direkt aufeinander noch mal das gleiche Programm durchzuziehen. Aber es war trotzdem ein bisschen anders - intensiver, emotionaler. Und anstrengender. Denn mittlerweile taten meine Füße weh. Ich konnte aber problemlos aus einem Schuh rausschlüpfen, dafür brauchte ich keine 5 Minuten, keine zehn Quadratmeter und ich wette, nicht mal die zwei neben mir haben was davon gemerkt. Selbst meine Größe änderte sich nicht, weil ich einfach auf Zehenspitzen stehenblieb... Ich schlüpfte auch immer nur aus dem rechten raus. Der linke tat nämlich kaum weh. ;) Es wurde noch viel emotionaler als beim ersten Konzert, und schlussendlich war auch dieses vorbei. Gegen Mitternacht schnappre ich mir dann blitzschnell mein Zeug und zog mich im Zuschauerraum um. Nicht wirklich ;) Aber meine Schuhe, was habt ihr denn schon wieder gedacht. Und ich zog meinen Mantel an und machte mich Nordpolsicher, denn draußen wars schon ziemlich, ziemlich kalt geworden. Eigentlich war ich mit einem anderen Mädel auf den Weg zum Bus, diese blieb aber in der Lobby noch stehen, um sich von jemandem zu verabschieden. Das dauerte ein wenig, ich hatte Abstand gehalten um sie nicht zu stören. Währenddessen kam ein anderes Mädchen auf mich zu, wo ich hinmüsse. Sie hätten noch Platz im Auto frei.
Nach mehrmaliger Anfrage von mir, ob das auch wirklich ok ging zerrte sie mich einfach mit - so gehts auch. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich schon gegenüber dem Mädchen, mit dem ich zum Bus wollte, aber naja. Wenn sie auch so lange quatschen muss...
Im Auto fühlte ich dann zum ersten Mal seit Stunden wieder Wärme, denn auch auf der Bühne war es mir ziemlich kalt gewesen. Verrückt, normal schwitze ich unter den Scheinwerfern schon. Macht ja jeder. Seis drum, das Auto wärmte mich auf, und gegen viertel vor eins war ich endlich zu Hause.
Das Konzert hatte schon Spaß gemacht. Aber es war auch wahnsinnig anstrengend gewesen, und diese ewige Warterei VOR dem Konzert hätte man sicher anders lösen können. Meine Stimme war etwas angeschlagen, ich war hungrig und waaaaahnsinnig müde. Immerhin: Ich hatte kein Kopfweh mehr! *auf Holz klopf* Ich habe keine Ahnung, wann ich heute im Bett gewesen bin. Aber nachdem ich erst mal noch was essen musste wird das sicher nicht um eins gewesen sein ;) Und das war erst der Anfang von diesem Konzertwochenende...


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