Nicht zu fassen. Kaum sind die Prüfungen vorbei schlafe ich. Nicht wie ein Baby, das wäre dann doch zu viel verlangt, aber immerhin lange. Und halbwegs gut. Bis halb eins hab ichs heute geschafft, das ist für mich sanfranciskanischer Rekord. Da sieht man dann doch, dass Uni und Prüfungen mich doch nicht so wenig belastet haben wie ich gedacht habe. Eigentlich hatte ich sogar meinen Wecker auf 12 gestellt - aber mal wieder das mit "am" und "pm" vergessen. Die Amerikaner kennen ja kein "13 Uhr", hier gehts um 12 ja wieder bei 1 los, dann aber mit dem Vermerk "pm"(post meridiem). Ich hab damit ja kein Problem - nur wenn ich den Wecker auf 12 stelle muss ich ihn eben schon auf "pm" einstellen. DAS vergesse ich dann immer, für mich geht "pm" irgendwie immer erst um eins los :D
Ich frühstückte schnell und musste mich dann schon bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zur Uni machen. Dort angekommen drapierte ich das Geschenk wieder schön und machte mich erneut auf die Suche nach meiner Lehrerin. Die letzte Prüfung sollte jeden Moment enden, da musste sie doch bald irgendwo auftauchen?!? Hm. Tat sie aber nicht. Komisch... Ich packte also alles wieder in meinen Rucksack. Da würde ich halt doch bei ihr vorbeifahren müssen oder es A. geben... mist. Nach Weihnachten würde das aber wenig Sinn machen. Echt doof.
Ich hatte aber Glück. Gerade als ich das Gebäude verlassen wollte trat meine Lehrerin aus einem Zimmer. Und begrüßte mich, indem sie mir meine Note von gesten mitteilte - ein A! Was so viel ist wie eine eins. Wow! Ich fiel tatsächlich aus allen Wolken. Ich war mir bewusst, dass ich nicht schlecht gespielt hatte. Aber dennoch waren da zu viele Fehler gewesen, meiner Meinung nach, als dass man mir die Bestnote geben könnte. Ich beschwer mich aber nicht sondern freue mich sehr darüber :D
Ich packte meine Geschenkchen also wieder aus. Sie schien sich zumindest darüber zu freuen und meinte, ich wüsste ja genau, was sie mag... Ach, ich glaube, sie ist mir einfach sehr ähnlich in diesen Dingen und kann das deswegen relativ gut einschätzen. Ich hab eigentlich nur Sachen gekauft, die ich auch für mich gekauft hätte. Ganz einfach. Ich verabschiedete mich von ihr, obwohl sie meinte, dass wir uns ja vermutlich noch einmal sehen, wenn B.s Sohn über Weihnachten herkommt. Ich habe aber gelernt, mich auf so was nicht mehr zu verlassen - Pläne ändern sich oft ziemlich schnell. Lieber zwei Mal verabschieden als kein Mal.
Ich machte mich auf den Weg und rief unterwegs A. an, die sich heute noch mit mir an der Uni treffen wollte. Ich erreichte aber nur die Mailbox, sprach ihr also drauf und lief weiter zur Bushaltestelle, wo ich den Bus gerade so erwischte. Kurz nachdem ich eingestiegen war kam dann der Rückruf von A., und da mein Bus nicht direkt nach links abbiegen kann sondern erst immer nach rechts fährt, eine Runde dreht und dann geradeaus weiterfährt konnte ich quasi gegenüber von meinem Einstieg wieder aussteigen und zurück zur Uni laufen.
Wir quatschten eine gaaanze lange Weile und schrieben auch endlich ein paar Postkarten an gemeinsame Freunde. Das dauerte eine ganze Weile, denn wir hatten unsere ganz besondere eigene Methode... Irgendwann, nach ein paar Stunden, bekam ich aber dann doch einigen Hunger und holte mir eine Pommes. Danach aber verabschiedeten wir uns voneinander. Ich habe keine Ahnung, wie spät es mittlerweile war, aber die Sonne war schon stark am untergehen.
Ich wollte heute noch in die Bücherei und ein paar Sachen beim Wallgreens besorgen, was ich dann auch tat. Auf dem Heimweg kam ich an einem sehr schön geschmückten Haus vorbei, wie ich fand. Alle Lichter waren blau, und dadurch sah das Haus so aus als sei es voller Eis. Ich fands zumindest schick und musste es dann auch gleich fotografieren.
Gestern schon habe ich darüber geschrieben, wie schnell die restliche Zeit vergehen wird. Aber schon alleine Weihnachten kommt in riesigen Schritten, so schnell wie noch nie. Setsamerweise, oder vermutlich eher verständlicherweise, freue ich mich dieses Jahr nicht so wirklich drauf. Ich bin ja normalerweise ein absoluter Weihnachten-Liebhaber, ich liebe die Advents-und die Weihnachtszeit und alles, was damit zusammenhängt. Am meisten aber liebe ich Heiligabend und den ersten Weihnachtstag, wenn unsere ganze Familie zusammen ist. Und genau das wird dieses Jahr eben nicht passieren.
Ich habe nicht mehr so viel "Angst" vor Heiligabend wie noch vor ein paar Wochen, wo ich kurz davor war, extra noch heimzufliegen. Aber richtig freuen kann ich mich auch nicht. Mal sehen, wie es letztendlich wird, vermutlich einfach ein Tag wie jeder andere. Vielleicht ein bisschen trauriger. Andererseits aber sehe ich dann online meine ganze Familie wieder, meinen Bruder habe ich seit meinem Abflug nicht mehr gesehen (schon verrückt, meine Omas habe ich gesehen, meinen Bruder nicht :D Blöde Doktorarbeit). Und darauf freue ich mich dann doch schon :)
Seit ein paar Wochen habe ich ein ziemlich ernstes Problem mit meinem Laptop (im Folgenden Ludwig genannt). Er will nämlich nicht mehr so, wie ich will. Gut, Ludwig war schon immer ein bisschen eigensinnig, aber so faul wie jetzt war er früher nicht. Wenn ihm alles zu warm oder zu viel wird schaltet er sich mittlerweile nämlich gerne einmal aus. Und das kann an einem Tag durchaus des Öfteren passieren. Ich habe herausgefunden, dass es oft geschieht, wenn ich DVDs schaue, also versuche ich, das jetzt ein wenig einzuschränken. Das scheint Ludwigs Gehirn doch arg zu überanstrengen. Für mich ist das insofern ärgerlich, dass ich erstens Angst habe, dass Ludwig noch hier in den USA das zeitliche regelt. Nicht nur, dass ich dann mit einem leblosen Etwas nach Hause fahren müsste, nein, das Hauptproblem ist doch, dass Ludwig meine einzige Kontaktmöglichkeit nach Europa ist. Mir geht es hier mittlerweile ja ziemlich gut, und vor allem nachdem ich weiß, dass mein Heimflug immer näherrückt kann ich meine Zeit hier endich richtig genießen (klingt verrückt, aber es ist so...). Dennoch, wenn meine täglichen Heimtelefonate (klingt auch verrückt, aber die brauche ich einfach) wegfallen würden wäre das schon hart. Ganz zu schweigen von der Frage, was ich denn sonst den ganzen Tag machen soll. Lesen schön und gut, aber nach zwei, drei Stunden brauche ich da ein wenig Abwechslung... Und ich kann ja nicht nur die ganze Zeit in San Francisco herumrennen. Das wird irgendwann auch langweilig. Oder kalt. Oder anstrengend. Was mich zum zweiten Punkt bringt. Ich will Ludwig ja nicht in den Tod treiben, also muss ich ihn hin und wieder ausruhen lassen. Da stellt sich dann schon manchmal die Frage, was ich denn jetzt so mache. Und es wird unheimlich still in meinem Zimmer, wenn weder Radio noch Winamp noch ein Film laufen. Ich kann Stille nicht ausstehen, vor allem nicht, wenns draußen dunkel ist. Ja, ich bin manchmal noch ein kleines Kind.
So eine Situation hatte ich auf jeden Fall dann heute Abend. Ludwig war wieder einmal alles zu viel geworden (Mensch, so schlimm ist Janeways Frisur dann doch auch wieder nicht...) und hatte sich ausgemacht. Ich wollte ihm seine Ruhepause gönnen und stand somit in meinem Zimmer herum. Was nun? Ich beschloss, das als Zeichen zu nehmen, dass ich endlich mal mit dem Probepacken fertig werden sollte und machte mich an die Arbeit. Anfangs hatte ich keine Ahnung, wo ich anfangen sollte und war völlig verzweifelt. Irgendwann begann ich dann einfach, alle meine Klamotten in die Koffer zu schmeißen und es lief. Am Ende sah es gar nicht so schlecht aus. Klar, in meinem Zimmer fliegt noch so einiges rum, aber wenn die Waage stimmt dann kann da noch ein bisschen was rein. Und den Rucksack habe ich ja auch noch. Vielleicht kann mein Töpferzeug ja doch noch mit? Das wäre so toll!
Gut, der eine Koffer ist voll, aber wirklich gut gepackt habe ich auch nicht. Wie gesagt - einfach mal alles reingeschmissen. Da geht also noch was! Drückt mir die Daumen :)
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