Oh man. So müde bin ich morgens schon lange nicht mehr gewesen... Ich war so fertig, dass ich ganze zehn Minuten brauchte um zu entscheiden, was ich anziehen wollte. Und wer mich kennt weiß, dass das in etwa 20 Mal länger ist als normalerweise... Schrank auf und gut ist. Also ja - ich war müde ;)
Ich lief noch gerade rechtzeitig los um pünktlich zu kommen. Die Sonne schien, wie die letzten Tage andauernd - das ist richtig tolles Wetter hier. Nicht gerade warm, keine 20 Grad mehr. Aber auch nicht eisig kalt, zumindest nicht tagsüber, so lange die Sonne da ist.
Heute war mein letzter Tag im Töpfern. Getöpfert wird nicht mehr, und auch sonst nicht mehr viel mit dem eigentlichen Fach gearbeitet. Aber der Raum will wieder in seinen Ausgangszustand von vor dem Semester hergestellt werden, und da muss jeder ran. Wir waren die erste Klasse und hatten die Aufgabe, einige (und damit meine ich eine Menge) Bretter, die Unterlagen für die Töpferscheiben, die Tische und einige Stühle zu "spongen" - also mit dem Schwamm abzuwischen und sauber zu bekommen. Mein Wasser sah schon nach dem ersten Brett aus wie Schlamm... also ja, da hat sich in den vier Monaten ganz schön was an Dreck angesammelt. Ton ist natürlich nicht gerade das sauberste Material - irgendwie ja logisch :D
Nach eineinhalb Stunden waren wir fertig. Ich packte meine restlichen (also das Meiste) Tonsachen zusammen und verabschiedete mich. Es ging ziemlich schnell, die meisten waren in Nullkommanichts verschwunden. Meinem Dozenten versprach ich, von zu Hause eine Karte mit möglichst modernem Töpfermaterial ans Department zu schicken. Hab zwar keine Ahnung an welche Adresse, aber das wird sich schon noch zeigen. Und ja, ich bin traurig, dass es das jetzt war. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber das Töpfern und die Leute dort sind mir schon ans Herz gewachsen. Und entschuldigt, meine lieben Leserinnen und Leser - aber vermutlich werdet ihr solche schwülstigen, traurigen Worte in der nächsten Zeit öfters lesen ;) Aber das heißt ja irgendwie auch nur, dass es mir hier gefallen hat und sich der Trip gelohnt hat, oder?
Dann kam der schwierigste Teil: Ich musste das ganze Zeug heimschleppen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sauschwer das war. An der Bushaltestelle angekommen war ich erst mal völlig durchgeschwitzt und total außer Atem. Der Bus war zum Glück nicht überfüllt, und den Hügel abwärts war das Zeug dann auch nicht mehr ganz so schwer, obwohl leicht natürlich was anderes ist.
Ich telefonierte ein bisschen mit meinen Eltern, gestern wars ja nicht mehr dazu gekommen, und präsentierte ihnen stolz meine Machwerke. Ja, da bin ich schon stolz drauf. Etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen ist einfach das tollste, was es gibt. Oder zumindest eine der tollsten Sachen. Danach kochte ich mir was zum Mittagessen, während E. und ihr Freund fleißig am Auszug waren. Ein Kumpel war gekommen und half ihnen dabei, und sie packten jetzt alles ins Auto. Inklusive des großen Sofas aus der Küche. Ohne das ist die Küche so leer...
Ich ging sogar ein Mal noch meinen Monolog durch, bevor ich mich dann auf den Weg zur Uni machte. Wir mussten mal wieder den Raumwechseln, das ist echt unglaublich. Vier Male musste ich einen Monolog oder eine Szene sprechen, und jedes Mal war ich in einem anderen Raum, weil wirklich jedes Mal in unseren Raum Vorsprechen waren. Im Gegensatz zu anderen hatte ich da echt wahnsinniges Pech. Aber nun gut, als Schauspieler muss man ja flexibel sein, ne?
Diesmal konnte ich nicht als erste an die Reihe kommen, vor mir war noch eine Szene dran, die letztes Mal nicht dagewesen waren. Dann aber schaffte ich es, mich als erste zu melden. Ich hasse es wirklich, lange zu warten. Nichts ist schlimmer...
Ich fand mich heute ziemlich gut. Sicher, ich habs nicht gesehen, vielleicht würde ich dann anderes sagen, aber verglichen zum ersten Mal fühlte sich das alles irgendwie richtig und gut an. Also ja, der Tipp mit dem "mehr Bewegung" war also wohl doch nicht so falsch gewesen. Auch von einem Studenten, der normalerweise relativ ehrlich ist, bekam ich bescheinigt, dass er das als eine große Steigerung ansah. Mein Dozent fand es auch besser, meinte aber immer noch, ich solle aggressiver sein. Zumindest so zusammenfassend. Ich finde, das passt überhaupt nicht zur Rolle, zumindest nicht so, wie ich sie mir vorstelle. Aber gut, war ja das letzte Mal, von dem her, was solls.
Netterweise hatte mein Kopfweh gewartet, bis ich meinen Monolog hinter mir hatte, jetzt aber schlug es wieder unbarmherzig zu. So verbrachte ich die Zeit bis zum Ende des Unterrichts wieder einmal damit, meinen Kopf zu halten und das Ende herbeizusehnen. Welches länger dauerte als normalerweise, denn wir überzogen um fünf Minuten. Ich stürmte gleich als erste ais dem Raum, denn ich habe ja Mittwochs meinen Klavierschüler. Während ich so unserem Treffpunkt entgegeneilte kam mir ein Mädchen entgegen, sprach mich mit meinem Namen an und fragte kurz um Hilfe, wie man einen deutschan Namen aussprach - sie war wohl gleich beim Vorsprechen dran. Ich half ihr schnell und fragte mich dann hinterher, wer zum Vader sie gewesen war. Sie kam mir ja schon bekannt vor... ich tippte dann auf den Unichor. Ich kenne da einfach nicht alle, aber alle natürlich mittlerweile mich, so oft wie ich vor dem letzten Konzert mit dem Deutsch geholfen habe.
Mein Klavierschüler tauchte aber nicht auf, alle Eile war umsonst gewesen. Genervt ging ich zum Bus und schrieb ihm unterwegs eine sms - er hatte es mal wieder vergessen, es tat ihm wohl aber wenigstens Leid. Gnargh. Na gut, dann eben nicht, seine Sache. Aber das kommt davon, wenn man etwas umsonst anbietet - würde ich Geld für den Unterricht verlangen dann würde man viel weniger einfach mal nicht auftauchen.
Der erste Bus war dann auch noch zu voll, so dass er einfach weiterfuhr und seine Türen nicht öffnete. Na klasse. Noch einmal eine Viertelstunde warten, und das, wo es langsam schon richtig kühl wurde. Obwohl erst halb sechs. Auch der zweite Bus fuhr weiter mit der Aussage, dass hinter ihm gleich einer kommen würde. Ja, da kam einer, aber auch der brauchte noch ein paar Minuten. Der dritte dann aber ließ uns rein, und mit dem fuhr ich gleich weiter zur Bücherei um ein paar Dinge abzugeben. Zum Ausleihen war ich aber irgendwie nicht in der Stimmung - zumindest nicht für Bücher. Dabei gehen meine zu Hause jetzt doch tatsächlich dem Ende zu... Vielleicht nächste Woche. Und zur Not habe ich ja immer noch meinen Kindle. Der im Übrigen noch einen coolen Namen braucht... Vorschläge?
Mein Hunger war mittlerweile groß, und ich nahm den nächsten Bus zurück nach Hause. Die Wohnung war jetzt leer. Vollkommen leer. So gut wie alles war hier von E. gewesen, sogar die Mülleimer in Küche und Bad. Zum Glück kriegt man hier ja bei jedem Einkauf Papiertüten mit, so dass das kein Problem darstellen dürfte. Davon hab ich nämlich noch Unmengen zu Hause, weil ich dann doch des Öfteren vor allem in den ersten Wochen meine Einkaufstasche vergessen habe.
E.s Zimmer und die ganze Wohnung sehen jetzt so seltsam aus, so kalt, so leer. Und es sieht nicht nur kalt aus, es ist jetzt schon kälter. Ob drei oder eine Person in einer Wohnung leben ist wohl schon ein Unterschied... und dann noch die fehlenden Möbel. Hach, das ist schon seltsam. Und ja, in meiner ersten Nacht hatte ich dann doch ein bisschen Angst. Ich habe noch nie im Erdgeschoss gewohnt - selbst daheim schlafe ich direkt unterm Dach, das ist ein ganz anderes Gefühl. Zum Glück haben manche der amerikanischen Schlösser so tolle von-innen-abschließbar-ohne-Schlüssel-Systeme - einfach einen Knopf eindrücken und schon kann niemand von außen rein, zumindest nicht einfach so. Ich denke, das werde ich in Zukunft einfach machen, wenn ich schlafen gehe. Einfach, damit ich mich besser fühle. Denn einen Grund dafür gibts ja eigentlich nicht.
Aber ja, Paranoia und so...
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