Tag 84. Wow. Wisst ihr, was das heißt? Das heißt, das ich es, bis auf eine Ausnahme von einem Tag, den ich hoffentlich noch irgendwann nachholen werde, tatsächlich geschafft habe, die Hälfte meiner Zeit hier täglich einen Tagebucheintrag zu schreiben. Ehrlich gesagt hätte ich das am Anfang nicht für möglich gehalten, da hatte ich das auch gar nicht vor... Ich dachte, ich mache das einfach mal so lange wie ich es schaffe. Und irgendwann war ich dann so weit, dass sich mein Sportlerinstinkt meldete - jetzt erst Recht. Und nun bin ich mittendrin in dem Schlamassel ;)
Das Ganze bedeutet, dass die Hälfte meiner Zeit hier aber auch vorbei ist. Das hätte ich anfangs ebenfalls nicht für möglich gehalten. Ja, die Zeit verging einerseits sehr langsam - aber andererseits auch sehr schnell. Wenn man daran denkt, was ich hier noch alles sehen will... ui. Ich werde vieles vermissen, wenn ich heimgehe - mein Müsli und das Chemiezeugs zum Beispiel ;) Aber auch wichtigere Dinge wie Personen - meine Klavierdozentin, B., meine Mitbewohnerin, um nur mal drei zu nennen. Auch das Töpfern macht mir riesigen Spaß, genauso wie der Uni- und der Frauenchor. Andererseits vermisse ich natürlich auch vieles aus Deutschland. Meine Familie und Freunde, das Essen, mein eigenes Zimmer, den Fernseher... ;) Mal sehen. Ich bin ja noch ein bisschen hier, ich kann noch genug finden, was ich in Deutschland dann vermissen werde :D Was gibts sonst noch zur Halbzeit zu berichten... ach ja. Die Parties. Als ich hierherkam hatte ich fest vor, mein Leben zu ändern. Fällt ja auch am einfachsten, wenn einen niemand hier kennt, nicht wahr? Dummerweise hatte ich nicht im mindesten die Kraft dafür. Anfangs die Probleme mit der Wohnung, dann der Unibeginn, und es nahm einfach kein Ende. Jeder Tag ist stressig, ich bin dankbar für jede Sekunde zu Hause. Parties, ausgehen, abfeiern? Klar, könnte ich machen, wenn ich dann Uni schwänzen würde und so... viele mögen jetzt sagen, dass ich das doch machen soll. Dummerweise fundieren viele Noten hier auf Anwesenheit, teilweise bis zu 60, 70 Prozent. Andauernd fehlen? Ist nicht. Manchmal ist man nach drei Mal fehlen schon durchgefallen. Mir fehlt einfach die Kraft, um auf den Putz zu hauen, und ich habe beschlossen, dass es mir das nicht wert ist. Ich bin immerhin im Urlaubssemester, da sollte ich nicht mit Burn-Out nach Hause fahren. Wäre ne schlechte Idee. Ich finde es ein bisschen schade, aber ich kann es nicht ändern. Ich habe meine Prioritäten gesetzt - und so werden sie vermutlich auch bleiben. Womit wir beim Thema Zeit wären. Viel zu wenig. Für das alles hier. Ich hatte mir die Uni etwas stressfreier vorgestellt, dagegen ist zu Hause ja nichts. Man merkt, das üben ist meiner Meinung nach nicht wirklich in den Stundenplan eingeplant. Wenn ich mir vorstelle, noch jeden Tag mindestens vier Stunden zu üben... Puh. Keine Chance. Ich habe jetzt noch ein paar Wochen, um zumindest meine absoluten-muss-ich-sehen-Ziele zu besuchen. Ich hoffe, das kriege ich hin. Notfalls heißts eben Auto mieten und hin fahren. Kann ich ja jetzt :)
Was das Essen angeht, da habe ich doch viel mehr Probleme als ich gedacht hatte. Vorher hatte ich es verdrängt, dachte, es würde schon irgendwie gehen. Ja, irgendwie gehts schon. Aber glaubts mir, ich werde allen Mächten danken, wenn ich wieder in Deutschland bin und mehr als drei Gerichte essen kann. Das ist wirklich eine Sache, die ich gerne anders hätte. Andere Länder, andere Sitten, ja, klar, aber für mich ist das doch schon ein hartes Stück, hier keinen Mangel zu bekommen. Noch funktionierts, ich hoffe meine Reserven reichen bis zum Januar. Wird schon schief gehen :)
Ich habe außerdem schon viel zu viel eingekauft. Oh je, und das will alles mit nach Deutschland? Klar, es sind immer nur Kleinigkeiten, aber das häuft sich... ich bin wirklich gespannt, wie das aussieht, wenn ich dann mal Probepacke. Wie viel ich dann noch einkaufen darf. Denn das habe ich mir vorgenommen - ich warte bis zum Probepacken und kaufe dann noch richtig ein. Ich habe schon eine Liste angelegt an Zeug, was ich auf jeden Fall/unter Umständen haben möchte, und das wird dann abgeklappert. Beziehungsweise bestellt. Je nachdem, was Koffer und Geldbeutel dann noch hergeben. Man kommt ja nicht alle Tage in die USA...
Erinnert sich noch jemand an den Anfang, als ich schrieb, Shampoo und Co. seien hier so teuer? Also ich muss sagen, teuer ja, aber wenigstens ergiebig. Zumindest mein Shampoo und das Duschgel. Bei beiden werde ich wohl locker bis zum Ende mit einer Flasche durchkommen (und ja, ich dusche regelmäßig ;) ). Die Spülung wirds wohl nicht schaffen, eine Flasche ist schon leer, zwei weitere werde ich wohl noch brauchen. Aber das ist hoffentlich verkraftbar.
Auch mit meiner "Heimweh-Rate" bin ich zufrieden. Ja, ich habe immer wieder Heimweh, quasi leichtes Dauerheimweh. Aber damit kann ich leben, es ist okay, und ich habe hier trotzdem meinen Spaß. Ich hatte seit dem Heimwehzusammenbruch ganz am Anfang, als ich umgezogen bin, keine solche Attacke mehr, und das verwundert mich ja schon fast *auf ganz viel Holz klopf*. Da bin ich ja fast ein bisschen stolz drauf. Ich gebe zu, ich bin noch immer ein ganz klitzekleinesbisschen am daran denken, ob ich nicht umbuchen und zu Weihnachten heimfliegen soll. Aber ich hoffe, ich bleibe stark. Denn in den nächsten zehn Jahren komme ich hier nicht mehr her - wenn nicht sogar nie mehr. Da will ich ja ein bisschen was vom Land gesehen haben. Und es ist ja "nur" Weihnachten. Zweieinhalb Tage im Jahr. Das werde ich schon irgendwie verkraften müssen. Ich habe bisher auch "erst" drei Zettel aus meiner "Öffne-mich-wenns-dir-schlecht-geht-Box" meiner lieben Freunde gelesen - ebenfalls eine gute Rate, wie ich finde. Genug übrig für die Weihnachtszeit ;)
Ich denke, die Zeit wird jetzt außerdem schneller vergehen. Das ist doch meistens so - die erste Hälfte schleicht, die zweite rennt. Mal sehen, wie das jetzt aussehen wird. Denn auch wenn ich mich nach Hause sehne und am liebsten ins nächstbeste Flugzeug in Richtung Heimat steigen würde - ich genieße meine Zeit hier dennoch sehr. Ein ganz komisch zwiegespaltenes Gefühl. Es ist sehr schwer zu beschreiben...
Aber kommen wir zum heutigen Sonntag. Ausschlafen war angesagt, dann beschäftigte ich mich mal mit meinem Trip nach Los Angeles. Ich fand ein relativ günstiges Hotel, welches ich gleich mal buchte - ich kann bis einen Tag vorher zurücktreten. Das ist super, denn ich weiß ja wirklich nicht, ob ich definitiv fahre. Da will ja noch viel organisiert sein bis dahin.
Ich schaute auch mal nach einem Transport nach Disneyland, vom Flughafen kommt man da hin und zurück für 32 Dollar hin mit dem Bus. Nicht schlecht, für eine Fahrt von 45 Minuten in eine Richtung. Sieht also alles super aus - wäre da nicht das Problem, nach LA selbst kommen zu müssen. Das scheint mir momentan unmöglich und unbezahlbar. Flug kostet minimum 200 Dollar - Klar, Wochenende vor Thanksgiving. Busse konnte ich keine finden, was irgendwie seltsam ist, aber nun gut. Da muss ich noch mal schauen, aber das hat mich heute schon genug Zeit und Nerven gekostet. Nächstes Wochenende dann. Gut möglich, dass ich also doch noch ales absagen muss... wäre schon schade.
Es wurde dann ziemlich schnell Zeit zu gehen - Richtung Kino nämlich. Die drei Musketiere warteten! Ich wollte mich mit A. an der Uni treffen, erhielt jedoch eine sms, dass sie sich verspäten würde. Ich fuhr also schon mal voraus und kaufte die Tickets. Just in dem Moment als ich auf die Tickets wartete bekam ich eine sms von ihr, wo ich sei: "An der Kasse" schrieb ich zurück, und die Antwort: "Ich verspäte mich noch mehr, vielleicht sollte ich mein Ticket lieber selbst kaufen." Mist. Blöde öffentliche Verkehrsmittel hier. Hier hat man ja freie Platzwahl im Kino, prinzipiell kein Problem also, dass A. sich ihr Ticket selbst kauft. Wenn ich es nicht schon gerade bezahlt hätte. Ich ging also zurück zur Kasse und fragte nach, ob man es hinterlegen lassen könnte. Nein, das dürften sie nicht... auf meine Frage, ob sie das Ticket denn zurücknehmen dürften kam allerdings ein Ja. Ich finde letzteres ja viel umständlicher, aber nun gut, soll mir Recht sein... Ich gab die Karte also zurück und rief A. an, um sie über alles zu informieren. Es sah so aus, als würde sie es ganz knapp schaffen. Allerdings fror sie ziemlich, die Arme war gerade am krankwerden, so wies es aussah... sie bat mich, ihr einen Tee zu kaufen, was ich dann auch tat. Im Kino gibts nämlich einen Starbucks. IM Kino. Also vor dem Vorführräumen, aber im Gebäude, nur für Ticketinhaber zugänglich. Verrückt.
Ich begab mich inden Kinosaal, welcher verblüffend leer war - gerade einmal vier, fünf Leute saßen da. Allerdings natürlich auf den besten Plätzen. Ich setzte mich drei Mal um, bis ich einen Platz gefunden hatte, der mich zufriedenstellte (und der war auch wirklich nicht schlecht, wie ich dann während dem Film bemerkte). Pünktlich um 17:10 Uhr, also der Filmbeginnzeit, begann die Kinovorschau. Ich finde das super, hier läuft die Werbung schon, wenn man den Raum betritt, und zur richtigen Uhrzeit gibts nur Vorschau. Das Prinzip gefällt mir.
Ich wusste, dass vor diesem Film ein gewisser Trailer gezeigt werden sollte (nein, das war nicht der Grund, warum ich in den Film wollte, das wollte ich schon vor Monaten, bevor ich das mit dem Trailer wusste ;) ). Ich hoffte, dass sie ihn auch wirklich zeigen würden, und ja, wirklich, da kam er - der Trailer für Episode 1 in 3D. WUHU! Ich hatte ihn schon in klein auf dem Laptop gesehen, aber so in groß und wirklich in 3D - das ist schon was anderes. Hach, ich freue mich darauf. Ich weiß, viele verfluchen das Ganze, aber ich freue mich. Star Wars auf der Kinoleinwand, das kann nur gut werden. Punkt.
A. schaffte es tatsächlich, den Saal zwanzig Sekunden vor dem Filmstart zu betreten, das nenne ich Timing. Der Film an sich war, wenn man ihn unabhängig von Buch und Story betrachtet, eigentlich nicht schlecht. Einzig die Besetzung von Till Schweiger (ne, mal ehrlich, das konnte ich nicht ernst nehmen) und Orlando Bloom fand ich etwas misslungen. Bloom wirkte für mich eher wie ein halber Jack Sparrow, nicht wirklich passend. Hingegen fand ich Milla Jovovich im Gegensatz zu vielen Kritiken, die ich gelesen habe, gar nicht schlecht. So können die Meinungen auseinandergehen...
Wenn man den Film aber mit dem Buch vergleicht - nun ja, also da wären die Musketiere und dieverse andere Figuren, aber das war es dann auch schon. Teilweise handeln und benehmen sich die Figuren völlig anders als im Buch, Buckingham ist zum Beispiel völlig verzerrt. Ich weiß, dass das Ganze schon zig Mal verfilmt wurde, und neue Gedanken einzubringen finde ich nicht schlecht. Die Sache mit den Luftschiffen zum Beispiel. Aber naja. Man kann es auch übertreiben. Als "Verfilmung" also ein völliger, absoluter Reinfall, als Film aber durchaus ansehbar, gutes Popcornkino. Finde ich.
Nach dem Kino hatten wir Hunger, aber nicht sonderlich viel Zeit. Heute Abend war schließlich noch mein letztes Fußballmatch! Wir beschlossen, uns eine Pizza zu kaufen, auch wenn das ziemlich teuer war. Und wir mussten eine Weile warten. Aber es reichte zeitlich gerade so, und wir kamen rechtzeitig an der Unisporthalle an. Irgendwie tauchten mit der Zeit aber nicht gerade viele Leute auf, zur Anstoßzeit waren wir aber immerhin fünf. Reicht also gerade so zum spielen. Wir spielten in rot, was vollkommen perfekt war, denn ich hatte heute mein rotes VfB-Trikot an. In genau dem gleichen Farbton. Heißt: Ich musste keines der Leibchen überziehen, juche! Es machte viel Spaß zu spielen, war aber auch anstrengend, so ohne Auswecheln. Schade, dass es unser letztes Spiel war, hat mir jetzt am Ende doch sehr großen Spaß gemacht. Andererseits vielleicht auch gut, so sind meine Sonntage jetzt nicht mehr so sehr vom Sport dominiert. Und ich muss nicht nachts um zehn noch durch die Weltgeschichte traben. Hat alles seine Vor- und Nachteile :)
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