Freitag, 14. Oktober 2011

Tag 68 (14.10.)

Ja, die letzte Nacht war eindeutig zu kurz. Weckerklingeln um acht, und das nach so einem Nervenfressenden Abend inklusive einer Nacht, bei der man kaum geschlafen hat und wenn, dann mit schlechten Träumen? Whä. Aber schließlich musste es sein, für den Fall, dass T. das Auto nicht kriegen würde. Ich traf mich mit E. in der Küche, wir beide noch nicht wirklich wach, und frühstückten. Und warteten auf einen Anruf von A., der uns mitteilen würde, was wir tun sollten. Um neun öffnete die Autovermietung Plan B und wir riefen an, ob sie denn im Falle eines Falles ein Auto für uns hätten. Ja, hätten sie, aber es kostete 400 Dollar Kaution. Auweia. Die hatten wir nicht wirklich... Und das Risiko war uns auch irgendwie zu groß. Was, wenn die total pingelig sind und wir das Geld nie wieder sehen?
Glücklicherweise hatte T. das Auto am Flughafen bekommen, eine Sorge weniger also. Aber schon Sekunden später ging es weiter mit dem Chaos, denn plötzlich hatte unsere ehemalige Fahrerin es sich überlegt und wollte vielleicht doch mitkommen. Allerdings ohne Uni zu schwänzen, dementsprechend müssten wir bis halb vier warten. Um dann noch mindestens 5 Stunden durch die Gegend zu fahren. Ne, ehrlich gesagt, darauf hatte ich absolut keine Lust. E. genausowenig. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis A. und T. schließlich bei uns auftauchten. E. hatte mittlerweile noch mal geschlafen, ich war sinnlos am Computer gesessen und machte mir immer noch Sorgen. Hoffentlich würde das alles klappen, auch mit dem Führerschein und so... Hm.
Um halb eins trudelten sie schließlich ein. Schon ziemlich spät, eigentlich wollte ich vor der Dunkelheit im Park sein, und die würde zwischen 6 und halb sieben sein. Und wir mussten ja noch vorher einkaufen... Da T. dachte, dass wir nur zu viert sein würden hatte er nur ein kleines Auto gemietet.

Unser Gepäck passte da gerade so rein, aber noch Gepäck für eine fünfte Person? Und zusätzlich Einkäufe? Ich sah da ja, ehrlich gesagt, schwarz, aber nun gut. Am Ende entschied sich Person Nummer fünf ohnehin dafür, dass sie nicht schwänzen konnte und außerdem ja genug zu tun habe am Wochenende, so dass wir wieder nur zu viert fuhren. Dummerweise jetzt eben teurer für uns, aber dafür konnten wir im Auto atmen... Meine Laune war immer noch im Keller. Ich versuchte, mich auf den Trip zu freuen, aber mittlerweile war so viel passiert, dass ich kaum noch Spaß dran haben konnte. Und ich hatte das Gefühl, zumindest den anderen Mädels erging es ähnlich. Kann mich aber auch täuschen... Ich versuchte aber verzweifelt, mir selbst gute Stimmung einzuheizen, gut möglich dass ich die anderen damit total nervte. Ich hoffe, nicht zu arg... Wir brachen dann endlich auf, erste Station: Safeway. Diese Filiale war ziemlich klein und hatte nicht mal mein übliches Brot, aber ich fand ein anderes. Zum Glück. Ohne Brot würde ich wohl verhungern! Ich kaufte gleich drei, auch wenn ich mir dachte, dass ich wohl kaum mehr als zwei brauchen würden. Aber sicher ist sicher, wer weiß, ob ich dort im Park Brot für mich finde... Die Halloween-Deko überall bringt mich übrigens wirklich langsam um den Verstand. Überall hängen eklige riesige Pseudo-Spinnen herum, die sehen teils total echt aus! Oh man, ich finde das total schrecklich... Nur noch zwei Wochen, dann ist der Spuk aber im wahrsten Sinne vorbei. Durchhalten! Und einfach nicht so oft einkaufen gehen...
Endlich hatten wir es geschafft. Einkäufe im Auto verstaut, los konnte es gehen! Gepäck für eine fünfte Person wäre nun wirklich nicht mehr reingegangen. Beim besten Willen nicht. Das Auto war schon so voll bis obenhin... Glücklicherweise kamen wir noch nicht in die Rush Hour, so dass wir Staufrei über die Baybridge raus aus San Francisco fahren konnten. Mein zweiter Ausflug raus aus der Stadt! (Ikea in Oakland zähle ich einfach mal nicht). Das Wetter heute war übrigens wahnsinnig... Hitze ohne Ende. Wir suchen uns natürlich ein wunderschönes Wochenende aus, um raus aus der Stadt zu fahren. Typisch.
Während wir auf der Brücke waren erzählte E. mit, dass George Lucas sich angeblich von den komischen Lastkränen im Hafen hatte für die AT-ATs inspirieren lassen. Als sie mir das so sagte sahen die Dinger tatsächlich so aus. Eine gewisse Ähnlichkeit ist durchaus vorhanden...
Wir fuhren also so durch die Gegeng. Schneller als 65 Meilen darf man hier auf dem Highway ja nicht fahren, das sind in etwa 104 km/h. Nicht besonders schnell also. In Deutschland hätten wir für die Strecke weitaus weniger Zeit gebraucht, so aber hatten wir genug Zeit, uns die Landschaft anzusehen. Weitesgehend war es Wüste. Hin und wieder Ortschaften, und wir entdeckten auch eine ganze Ansammlung von Windrädern.


Mittagessen (verspätet) hatten wir dann beim "In-n-out - Burger", einer kalifornischen Fast Food-Kette mit billigem, guten Essen. Angeblich. Groß war die Auswahl da nicht - Hamburger, Cheeseburger, Pommes. So in etwa. Ich wagte es also und bestellte mir einen Hamburger ohne alles, nur Brot und Fleisch. Ich war schon wahnsinnig hungrig... und dazu noch eine Pommes. Das "Lokal" sah wirklich ganz nett aus, es war leer, und die Bedienungen waren sehr freundlich. Und dann kam, was mich wirklich schockte. Mir fiel ein, dass es möglich war, dass im Hamburgerbrötchen High-Fructose-Corn-Syrup sein könnte. Ist hier meistens in den Hot Dog-Brötchen drin und so... Daran hatte ich gar nicht gedacht. Fiel mir aber erst nach der Bestellung auf. Macht nix, ich frag trotzdem mal nach, dachte ich mir. Zucker kann ich mit meinen Kapseln verdauen, bei dem Sirup wirds aber kritisch. Das reicht nicht. Die Dame an der Kasse wusste es nicht, fragte aber nach. Dort wusste es auch keiner, also teilte sie mir mit, Achtung, dass sie kurz wo anrufen würden. Wahnsinn. Normalerweise ernte ich genervte Blicke, wenn ich diese Frage stelle, und hier waren sie alle super zuvorkommend. Es stellte sich heraus, dass da kein Sirup drin war, super. Endlich war unser Essen fertig, und als ich schon am Tisch saß kam noch mal ein Koch zu mir her und fragte, was genau ich bestellt hatte. Ich sagte es ihm, er nickte zufrieden und meinte, er wollte nur noch mal sicher gehen, dass bei mir kein Sirup drin wäre. Wahnsinn! Hallo? Und das in einer Fast Food-Kette! Da können Burger King und Co., selbst viele Restaurants, sich ruhig mal eine Scheibe abschneiden. So zuvorkommend habe ich selten jemanden erlebt. Hut ab!
Die Pommes schmeckten ehrlich gesagt nicht so sonderlich. Hungerstillend, aber nicht schmackhaft. Zu gesund wohl, die werden frisch zubereitet. Der Hamburger aber... Oh man. Selbst ohne Ketchup und ähnliches, ein Genuss. Mag auch daran liegen, dass ich seit Jahren keinen mehr gegessen habe, aber.... Mjammi. Lecker.
Übrigens sind die oben aufgelisteten Dinge nicht das Einzige, was es hier gibt. Auch wenn es das Einzige ist, was auf der Menükarte an der Kasse steht. Es gibt noch den "Animal-Style" (fragt mich nicht, warum das so heißt), ganz kapiert was das ist habe ich irgendwie noch nicht. Da gibts dann noch Soße extra und ganz viel anderes extra Zeug. Geht sowohl auf Pommes als auch auf die Burger. Und irgendwie auch die Vegetarische Variante mit gegrilltem Käse auf dem Burger. Man muss ein Insider sein um das alles zu wissen.
Nach einem kurzen Abstecher zum Starbucks (Kaffevorrat im Blut auffrischen) gings weiter, zum Bankautomaten. Der war noch dringend nötig... wir fuhren also durch das kleine Städtchen, und da hatte ich irgendwie total das Amerika-Gefühl. Es sah genauso aus wie in den Filmen. Keine Ahnung wieso. Ich weiß nicht, woran ich das festgemacht habe, es war wohl einfach das Gesamtgefühl. Fühlte sich auf jeden Fall toll an :)
Endlich gings weiter, diesmal weniger durch Wüste als durch Felder. Apfelbäume, Kürbisfelder, Mais. Ein bisschen wie in Frankreich, ohne die Kürbisse, natürlich. Ich döste ein wenig, dann fings aber auch schon an, steiler zu werden. Und steiler. Und noch steiler. Uaaaaaah! Das ging richtig steil abwärts da neben der Straße, ich bekam ehrlich gesagt ein bisschen Panik. Augen zu und durch, sagte ich mir, warum sollte ausgerechnet uns jetzt etwas passieren... Hier sind schließlich schon tausende anderer Leute entlang gefahren! Und ich sollte auch Recht behalten, natürlich passierte nichts.
Wir tankten dann noch mitten im Niemandsland, als die Sonne langsam begann, unterzugehen. Getankt wird hier übrigens andersrum als in Deutschland: Erst zahlen, dann tanken. Sollte man zu wenig getankt haben muss man eben noch mal rein und das Rückgeld abholen. Ist wohl schon ein bisschen sicherer, wenn auch umständlicher. Es ging dann noch eine ganze Weile weiter, mittlerweile war die Sonne dann auch schon ganz weg. Die Vorfreude bei uns allen stieg, und ja, tatsächlich - da waren wir endlich, an der Parkgrenze. Wir bezahlten unsere 20 Dollar Eintritt (gilt pro Auto) und stürmten den Park. Endlich da!!! Ja!
Aber auch im Park mussten wir noch eine ganze Weile fahren, bis wir schließlich unser Ziel, unsere Halbzelte, gefunden hatten. Das dauerte sicher noch einmal eine Dreiviertel Stunde... Auf dem Weg sahen wir übrigens auch einen Hirsch. Oder ein Reh. Ich weiß gar nicht mehr :D Unterwegs entdeckten wir noch einen Supermarkt, ausgestattet mir so gut wie allem - Mist, da hätten wir uns das zeitaufwendige Einkaufen in SF sparen können. Es war nämlich auch nicht teurer als sonst hier. Angegliedert war der Supermarkt an einen Souvenierladen. Der würde sich sicher auch noch eine nähere Betrachtung von uns gefallen lassen müssen.
Im Camp dann lief zum Glück alles glatt. Ich mietete mir noch ein Bettlaken für ganze 75 Cent pro Nacht, denn daran hatte ich irgendwie nicht gedacht. Aber selbst wenn, das wäre die Mühe wohl nicht Wert gewesen. Die 1,50 Dollar leiste ich mir dann doch, wenn mir das Waschen erspart bleibt ;) Auch hier gab es noch einen kleinen Laden, allerdings wirklich sehr klein. Tante Emma mäßig. Das Nötigste also (Bier, Feuerholz, Kekse ;) ), aber nichts Besonders. Hätten wir das mit dem Bier übrigens gewusst hätten wir keines von SF mitnehmen müssen, welches jetzt im Auto sicher nicht gerade kühl geblieben war. Aber hinterher ist man ja immer schlauer... Unser Häuschen war nicht weit weg, überhaupt war die Anlage kleiner als vorgestellt. Richtig angenehm! Wir hatten einen kleinen überdachten Vorplatz, auf dem ein Tisch mit Bänken stand sowie einen Grill außerhalb.

Das große Ding draußen ist der Bärensichere Essensschrank

In der Hütte mit den drei festen Wänden und einer Plane war dann ein Doppelbett (eher ein breites Einzelbett, aber für ein paar Nächte zu zweit kein Problem) und zwei Einzelbetten, übereinander an der Wand montiert. Wir machten es uns sofort mit Kalifornienflagge bequem und bezogen unser Quartier - ich war ausnahmsweise mal besitzergreifend und schnappte mir die eine Hälfte des Doppelbettes. Irgendwie habe ich da ein besseres Gefühl, als ob mich jemand vor den Spinnen und Insekten beschützen könnte ;) Außerdem schlief ich lieber außen als an der Wand, wo die Viecher hochkrabbeln könnten... Buah.


Mittlerweile war es eisig kalt geworden. Klar, wir waren in den Bergen, und die Sonne war weg. Wir versuchten uns am Feuer machen, aber irgendwie wollte es nicht so recht. Es dauerte und dauerte, irgendwann aber hatten wir es geschafft und schmissen unsere Würstchen in Alufolie gewickelt in die Flammen. Nicht gerade übliches Grillen, aber der vorhandene Rost war einfach zu niedrig, da wäre eh alles in den Flammen gelegen. Außerdem hatten wir viel zu viel Hunger um Geduld zu haben. Während wir da so standen und warteten hatte ich Zeit, mir die Umgebung anzusehen. Die Bäume waren wahnsinnig hoch, und wären die nicht gewesen hätte man einen perfekten Blick auf die Sterne gehabt. So sah man allerdings nur vereinzelt welche. Ich blickte also in Gedanken versunken nach oben und grübelte, woher mir diese Aussicht so bekannt vorkam. Schon vorher hatten A. und ich festgestellt, dass es hier ein bisschen wie im Schwarzwald war - Bäume eben ;) Aber nein, das war es nicht. Es sah anders aus, bekannter, als ob ich schon mal hier gewesen... Bingo. Endor. Tatsache. Kein Witz. Und da fiel es mir wieder ein, klar, die Endor-Szenen waren ja in Kalifornien gefilmt worden! Und GENAU SO sah es auch aus. Ihr kennt die Szene am Ende von Episode 6, als Luke am Scheiterhaufen steht und dann der Kameraschwenk nach oben geht? Und später wieder runterkommt, aufs Ewokdorf? Ja. Genau das. Total. Ich war auf Endor, wahnsinn! Juhu!
Später beim Essen (auf Kinderpapptellern, die wie Tiere bemalt waren, total süß :) ) sah ich sogar noch einen Waschbär, der direkt an unserer Hütte vorbeilief. Zwar realisierte ich das erst, als nur noch der Schwanz zu sehen war, aber egal. Ein Waschbär!!!
Mittlerweile wars wirklich eisig kalt, und ich hatte alles an, was ich dabei hatte. Naja, fast, nur eine Hose. Die zweite war noch im Rucksack. Und nicht mein Sommerspaghettiträgertop, das wäre vermutlich nicht soo hilfreich gewesen. T. jedoch saß immer noch Barfuß und mit Flip Flops am Tisch. Versteh einer die Männer...
Gegen halb 12 gings dann ins Bett. Dankbar zog ich die Thermoleggins und -longsleeves von A. an, die zum Glück ihren Gefrierpunktsicheren Schlafsack dabei hatte. Genau wie alle anderen auch einen Schlafsack hatten, nur ich natürlich nicht. Ich kauf mir ja nicht deshalb extra einen... ich hatte mir meine normale Zudecke mitgenommen. Die ist ja schließlich Kingsize, also eigentlich ziemlich warm, wenn man die doppelt nimmt. Aber nicht warm genug... Anfangs war mir zwar recht warm, im Laufe der Nacht aber zitterte ich doch ein klein wenig. Nicht viel, nicht schlimm, aber genug um zu wissen - eine Schicht weniger an und du erfrierst. Zumindest Gefühlstechnisch. Zum Glück gehöre ich zu dem Typ Mensch, der schnell einschläft wenn er mal wach ist, und auch Abends beim Schlafengehen. Da war das Ganze dann nicht ganze so schlimm :)

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