Samstag, 1. Oktober 2011

Tag 54 (30.09.)


Jaja, der freie Freitag ;)
Der tendiert bei mir langsam dazu, zum Trödeltag zu werden. Heute bin ich erst um halb eins (!) losgezogen, um in der Uni zu üben. Ziemlich spät... Es war wieder schönes Wetter, der Nebel von gestern war wieder weg. Was heißt das? Ausflug, schönes Wetter nutzen! Los los!
Naja, aber erst kommt eben die Pflicht in Form von Klavierüben. Zwischendurch aß ich natürlich mittag, und gegen drei hörte ich auch schon wieder auf. Sonst würde die Zeit nicht mehr reichen, denn um sechs hatte ich schon den Termin im Goethe-Institut für "German for Hire", das Botschafter-Programm. Ich schaute im PC-Raum noch kurz nach, wie ich denn nun am Besten zum Alamo Square kommen würde, und dann zog ich los. Erst mit der Muni, dann mit dem Bus. Ich hatte ja wie immer etwas Angst, den falschen Ausstieg zu erwischen, aber es ging alles glatt. Auch wenn eine Haltestelle früher auch möglich gewesen wäre... das ist aber googles Schuld, nicht meine.
Als ich dann am berühmten Alamo Square ankam sah ich - Touristen.

Ziemlich viele. Und als ich mich dann umdrehte sah ich auch die Objekte der Begierde, die "Painted Ladies", die wohl zu den am meist fotografiertesten Häusern in den USA zählen und die manchen vielleicht noch aus dem Intro von "Full House" bekannt sind... :D

Und irgendwie... wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, warum sie so bewundert werden. Soo besonders sahen die nun auch nicht aus. Ja, war nett mal dagewesen zu sein, aber unterwegs hatte ich schon oft schönere Häuser gesehen, auch aus der gleichen Stilrichtung. Naja, gut. Ich machte also die obligatorischen Bilder, und es war ja nicht so, dass es nicht schön war, hier zu sein. Der Alamo Square selbst war nett, mit der Wiese und dem Spielplatz (von dem ich glaube, dass hier die Painted Ladies nachgezeichnet wurden). Vor allem bei dem Sonnenschein war es schön.


Im Park begegnete ich einem Herrn mit einer Hündin, der mich fragte, woher ich denn sei. Er war auch schon öfters in Deutschland gewesen und erzählte mir ein bisschen davon, bevor er dann mitsamt seiner Hündin weiterzog.
Nach einer halben Stunde hatte ich genug gesehen und nahm den Bus zur Market Street. Ich fand es ganz interessant mal andere Teile San Franciscos zu sehen, wenigstens aus dem Bus. Jede Straße hier ist anders.
Ich hatte noch etwas Zeit, also ging ich in das große Einkaufszentrum um nach Schuhen und Kleidung zu schauen. Ich brauche ja bald Konzertkleidung. Leider fand ich nicht wirklich was, aber okay. Ich hab ja noch ein paar Wochen Zeit.
Irgendwann wurde es wirklich Zeit zum Goethe-Institut zu laufen. Hätte man mir gesagt, dass es direkt in der Straße vor Chinatown ist dann hätte ich es schneller gefunden :D Aber auch so war ich nach deutscher Pünktlichkeit rechtzeitig da - fünf Minuten vorher. Drei waren schon da, aus Berkeley. Mir wurde gesagt, dass zumindest noch einer aus meiner Uni kommen würde, na hoffentlich :D Im Endeffekt tauchte der aber nie auf, es kamen nur immer noch mehr aus Berkeley. Ich glaube, am Ende warens dann sieben oder acht. Und ich. Na ich danke... wir wurden freundlich begrüßt und bekamen jeder eine Art Turnbeutel mit ein paar Goodies - einem T-Shirt, einem Mousepad, einer Mappe und einem Notizblock jeweils mit dem Logo von "German for Hire". Nett :D Das Mousepad gefällt mir... Außerdem gabs, wie schon angekündigt, Pizza und Bier. "Deutsches" Becks :D Dummerweise gab es eigentlich nur exotische Pizzasorten - Vegetarisch, irgendeine komische ohne Käse, weiß nicht mehr was drauf war, Salami mit Gemüse und Hawaii mit Paprika. Für Hawaii würde ich ja normalerweise vieles tun, aber Ananas ist nun mal in meinem Zustand nichts mehr für mich. Naja, ich pulte sie eben runter. Sah zwar nicht so lecker aus, aber was solls! Die Paprika ließ ich drauf, die machte den Kohl auch nicht mehr fett, dachte ich mir.
Während wir aßen wurde uns das Programm ein wenig vorgestellt. Eingeführt wurde es nach Amerikanischem Vorbild in Deutschland (Tübingen), da gehen nämlich Amerikaner in deutsche Schulen. Es ist noch relativ neu, wir sind die dritte Garde. Viele Amerikaner lernen in den Schulen nur das "alte" Deutschland vor 1945, Ziel soll eben sein, ein anderes Deutschlandbild zu schaffen und ihnen auch nahe zu bringen, die deutsche Sprache in den Schulen zu lernen. Das ist nämlich überhaupt keine Pflicht, also keine Sprache. Sprachen sind Wahlfächer. Uns wurde auch ein bisschen Verständnis über die Kultur im allgemeinen erläutert, warum zum Beispiel die amerikanischen Schüler irgendwie weniger selbstständig erscheinen wie wir deutschen. Liegt wohl zum Großteil daran, dass sie so behütet aufwachsen - einerseits wegen der Kriminalität, man versucht sie zu beschützen und überall hinzubringen. Und andererseits weil es oft nicht anders geht, das öffentliche Verkehrsnetz ist viel zu schlecht ausgebaut und ohne Auto kommt man oftmals nirgendwo hin. Es waren auch drei deutsche Lehrerinnen da, die ein bisschen aus ihren Schulen erzählten.
Es war ein ganz netter Abend, mit vielen tollen allgemeinen Informationen - nur irgendwie was wir eigentlich tun sollen, das fehlte ein bisschen. Ich glaube, wir sollen uns ein Thema heraussuchen und dann darüber reden und auch was praktisch machen - eine hatte zum Beispiel mal als Thema die vielen Kulturen in Deutschland und hat dann mit der Klasse Döner gemacht :D Hm, da muss ich mir was einfallen lassen... vielleicht nehme ich Fußball oder so. Ist am naheliegendsten... allerdings weiß ich nicht, was man da praktisch machen soll, denn kicken kann ich im Klassenraum schlecht :D
Nach ein bisschen mehr als zwei Stunden wars dann auch schon rum, und gesättigt verließen wir das Institut. Die Berkeleyer wollten, glaube ich, noch ausnutzen, dass sie hier in SF sind und ein wenig feiern und shoppen gehen. Ich wollte nur nach Hause, denn ich war schon sehr müde. Unterwegs machte ich aber noch Halt beim Safeway, was mich wieder mal eine Stunde kostete, aber einkaufen muss halt sein :D Als ich dann gegen halb elf zu Hause war war ich wirklich müde wie schon lange nicht mehr. Es war so ein richtiges schönes Erschöpft-weil-was-getan-müdesein. Nichtsdestotrotz, müde :D Allerdings hatte ich heute abend endlich mal wieder Gelegenheit, länger mit meinen Eltern zu telefonieren, was ich dann auch tat.
Ich muss sagen, irgendwie hat sich bei mir diese Woche ein kleines bisschen Heimweh eingeschlichen. Es ist nicht so, dass ich deprimiert auf dem Bett liegen würde und heule - nein, es ist wirklich eher schleichend. Es sind die kleinen Dinge. Der andauernde Gedanke, dieses oder jenes mit den Lieben zu Hause teilen zu wollen. Die Erinnerung der Flugzeuge, wie weit weg man ist. Die smarts auf den Straßen. Der Gedanke, wie schön es wäre, jetzt zu Hause auf dem Sofa mit den Eltern zu kuscheln. Oder in meinen eigenen Büchern zu schmökern. Oder einfach den Fernseher zum zappen anzuschalten. Oder den Heimatradiosender beim Spiel des Heimatfußballvereins zu hören. Oder Mamas Streuselkuchen zu essen. Es sind wirklich die kleinen Dinge, die mich momentan belasten. Alleine ist das alles nicht so schlimm, aber es drückt doch immerhin ein bisschen aufs Gemüt. Wenn mir jemand gerade ein Ticket anbieten würde, ich glaube, ich würde heimfliegen.
Ich bin hier nicht unglücklich, versteht das nicht falsch. Im Gegenteil, ich habe tolle Erfahrungen gemacht und tolle Sachen erlebt. Aber dennoch, ich fühle mich hier nicht zu Hause. Und wer mich kennt weiß, wie wichtig mir mein zu Hause ist. Und das fehlt dann halt manchmal schon...

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