Der heutige Tag begann schon mal gleich ziemlich schön, endlich telefonierte ich nämlich mal wieder mit meiner Schwester. Das gestaltet sich normalerweise nämlich als ziemlich schwierig, nachdem wir beide im absoluten Stress sind und dazu noch die Zeitverschiebung kommt. Aber Schulferien sei Dank atmet sie gerade minimal durch, und so konnten wir mal wieder ein bisschen plaudern.
Ich hatte beschlossen, heute noch einmal nach Downtown zu fahren. Gestern hatte es nicht mehr gereicht, die Handy-Umtausch-Sache anzuleiern, also dann eben heute. Ich schnappte mir also meine nagelneuen Schuhe und meine nagelneue Handtasche und zog bei schönstem Sommerwetter los. Ich fand die Filiale wegen des Umtausches sofort, erfuhr dann da allerdings, dass ich das neue Handy in frühstens drei Tagen abholen könnte, man müsse es bestellen. Sie würden mich dann anrufen. Na toll, hätte man mir das nicht früher sagen können? Dieses Gespräch hätte man doch sicher auch am Telefon führen können... Grr. Na gut. Dann muss ich nächste Woche eben noch mal her...
Als ich den Laden verließ fiel mir ein, dass ich mein Display ja noch gar keiner Überprüfung unterzogen hatte. Ich sah es mir also einmal genauer an, und richtig - zwei schöne Kratzer drin. Von mir sind die garantiert nicht, mein Handy ist immer geschützt in der Socke und ich selber gehe da nie mit Fingernägeln ran. Ich mag ja unordentlich sein, aber meine Displays schütze ich wie meinen Augapfel. Dass immer noch die Schutzfolie an meinem Laptop ist dürfte Beweis genug sein... ;)
Ich hatte noch ein paar Stunden Zeit, bis ich heute abend zu meiner Klavierlehrerin aufbrechen würde. Also betrat ich noch einmal den Halloweenshop und stellte mich tatsächlich an. Dauerte auch nur 25 Minuten....
Danach ging ich zum Ross, ich hatte nämlich fest vor, mir heute einen Koffer zu kaufen. Ich war ja nicht vollbepackt und hatte etwas Zeit. Dummerweise war die Schlange zur Kasse, als ich den Laden betrat, so lang wie nie zuvor, und sie ist sonst schon nicht gerade kurz. Ich schaute mir die Koffer dennoch an, und stellte fest, dass ich mich nicht entscheiden konnte zwischen zwei Größen. Sie waren ungefähr gleich schwer und sie kosteten gleich viel, der kleiner war wohl etwas bessere Qualität. Aber ich habe keine Ahnung, wie groß mein Koffer sein muss... ich beschloss also bis Dezember zu warten. Bis dahin weiß ich ungefähr, was in den Koffer muss und kann das besser einschätzen. Ich will Mitte Dezember ja eh schon mal Probepacken.
Also gings Richtung nach Hause. Unterwegs machte ich noch Halt, um etwas größer einzukaufen. Natürlich vergaß ich mal wieder, meine Gutscheine für mein Müsli einzulösen, verdammt. Das passiert mir andauernd... Genauso, wie ich in Deutschland immer vergesse, die Pfandcoupons abzugeben. Geht das nur mir so oder bin ich nicht die einzige Verschusselte?
Jetzt wollte ich aber schnell nach Hause, denn langsam taten mir meine Füße weh von den neuen Schuhen. Ich war ja auch schon eine Weile unterwegs... Mal abgesehen davon, dass ich jetzt nicht mehr viel Zeit hatte und mich bald auf den Weg zum Treffpunkt machen musste, damit unsere Fahrerin A. und mich aufgabeln konnte. Unsere Dozentin wohnt nämlich in Oakland, da fährt man dann eben doch am Besten mit dem Auto hin.
In den zwanzig Minuten zu Hause wollte ich schnell essen und eine e-Mail schreiben, dummerweise funktionierte aber das Internet mal wieder nicht. Und unsere Vermieter waren nicht zu Hause. Mist. Dann eben morgen... Ich futterte schnell was, dann brach ich wieder auf. Diesmal aber mit dem Bus... meine Füße haben heute schon genug ertragen. An der Uni, unserem Treffpunkt, wartete und wartete ich. Ziemlich bald tauchte A. auf, aber unsere Fahrerin ließ auf sich warten. Stau. Irgendwann kreuzte sie dann aber auf und wir fuhren also nach Oakland. Die Gegend, in der meine Dozentin wohnt, sieht eigentlich gar nicht schlecht aus. Nicht alles in Oakland ist also schlecht ;) Sie wohnt in einem wirklich sehr schönen Haus, und ich glaube, das liegt an zwei Sachen. Erstens, es ist hell. Und zweitens, alles ist ein bisschen breiter als üblich. So hat sie eine breite Vortreppe, eine breite Tür und auch im Haus selbst gibt es manchmal breitere Maße. Das macht irgendwie alles... größer. Muss ich mir merken. Sollte ich jemals mein eigenes Haus bauen lassen. ;)
Sie hatte alles schön Halloween-mäßig dekoriert, außen ein paar Lichter und dezente Deko, innen genauso. Gerade im richtigen Maß, nicht übertrieben, aber geschmackvoll. Richtig schön. Sie freute sich sehr über meinen Halloween-Kochlöffel, der passte sehr gut zu ihrem restlichen Halloween-Geschirr.
Leider war es etwas kühl bei ihr Zuhause, das war das einzige Problem. Und ich friere ja so leicht... Auch das Essen half nicht dabei, warm zu werden. Es gab Hühnchen mit Reis und Salat, für mich hatte sie sogar extra Hühnchen und Reis gekocht. So lieb! Dabei hatte ich ihr gesagt, dass mir reiner Reis vollkommen ausreicht.
Wir quatschten viel, und dann gab es noch Nachtisch - Geburtagskuchen. Wir waren übrigens "nur" fünf Klavierschüler, meine Dozentin und ihr Mann. Das mal so am Rande.
Geburtstagskuchen deshalb, weil eine am nächsten Tag Geburtstag haben sollte. Und hier kommt jetzt mal ein Einschub:
Geburtstag haben in Amerika
Diese Woche wurde ich damit gleich drei Mal konfrontiert. In Deutschland ist es ja so, zumindest in meiner Umgebung, dass man sich keinesfalls vor dem Geburtstag gratuliert. Am Tag selbst, am Tag danach, meinetwegen auch noch eine Woche später. Aber nicht davor. Nie. Irgendwo hab ich mal gehört, das bringe Unglück...
Hier allerdings ist das anders. Mittwoch erzählte uns unser Theater-Dozent beiläufig, dass er morgen Geburtstag habe. Am Ende der Stunde sangen wir ihm ein Ständchen - ich nur halbherzig, denn ich war irritiert. Vor dem Geburtstag? Hä? Nun gut.
Donnerstag beim Mittagessen fragte ich ein Mädel aus dem Chor, wie das denn hier so sei. Die Antwort: Man gratuliert an dem Tag, der am nächsten am Geburtstag dran ist. So ungefähr. Also wenn ich meine Freundin heute sehe, sie morgen Geburtstag hat und ich ihr erst in vier Tagen wieder über den Weg laufe, dann gratuliere ich ihr heute. Auch wenn sie erst morgen Geburtstag hat. So einfach ist das. Ich fand das ja ein wenig seltsam, aber gut. Im Chor nach dem Mittagessen erwähnte ein Mädel, dass sie morgen Geburtstag hätte, und einige gratulierten ihr prompt. Einen Tag zu früh. Hilfe! :D Das fühlt sich einfach nicht richtig an. Scheint aber hier wirklich Gang und Gebe zu sein. Da werde ich mich wohl arrangieren müssen!
Zurück zum Samstag. Wir wissen jetzt, das Mädchen hatte am nächsten Tag Geburtstag, wir saßen aber heute zusammen, also bekam sie heute von unserer Dozentin einen Geburtstagskuchen und wir sangen ihr "Happy Birthday". (Super übrigens, dass wir das in Deutschland auch machen, so gibts keine peinlichen Momente... :D )
Der Kuchen roch wundervoll, und zum ersten Mal seit langem war ich wahnsinnig, wahnsinnig traurig, dass ich nichts essen konnte. Er roch so verdammt gut. Richtig gut. Und es war ziemlich schwer, daneben zu sitzen und einfach nichts zu essen. Und so zu tun, als wäre alles normal und gut.
Aber auch diese Minuten gingen vorbei und wir gingen zurück ins Wohnzimmer, wo auch das Klavier stand. Einer spielte etwas auf dem Klavier vor, dann war ich an der Reihe, da ich normalerweise nicht in den Vorspielstunden der Klavierklasse teilnehmen kann, weil ich da Unterricht habe. Dementsprechend keine Vorspielerfahrung habe ich, und meine Dozentin hatte wiederholt gefragt, ob ich nicht bei ihr... na gut. Letzten Endes spielte ich also. Nicht wirklich gut, aber ich war auch nicht eingespielt oder emotional vorbereitet. Wenigstens weiß ich jetzt, woran ich noch arbeiten muss.
Gegen elf fuhren wir dann nach Hause, was eine ganze Weile dauerte, denn in unserem fünf-Personen-Auto war ich die letzte, die heimgebracht wurde. Ich war wahnsinnig froh, im Auto etwas aufgewärmt worden zu sein, zu Hause brauchte es aber noch eine Weile, bis ich meine Jacke ausgezogen hatte. Aber irgendwann war mir dann doch warm genug, so dass ich in mein Bett schlüpfen konnte. Ohne Mantel.

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