Diese Nacht war eindeutig zu kurz. Und das, wo ich heute den Führerschein machen will! Noch dazu verrechnete ich mich morgens, irgendwie dachte ich, ich muss erst um 11 an der Uni sein und stellte mit Schrecken um viertel nach 10 fest, dass ich ja doch schon los muss. Ich war aber dann doch noch pünktlich da, mit ein bisschen Eilschritt geht alles.
Ich unterrichtete und aß noch zu Mittag, während ich mir das Handbuch mit den Verkehrsregeln hier durchlas. So ein, zwei Stunden vor meiner Prüfung ;)
Dann saß ich auch schon im Bus. Ich fand die Führerscheinstelle sofort und betrat sie so gegen eins. Ich hatte mich darauf eingestellt, mindestens zwei, drei Stunden warten zu müssen, bis ich den Test mache. Genug Zeit, um das Handbuch also durchgelesen zu haben. Pustekuchen! Irgendwie hatte ich Glück oder Pech, zumindest war kaum etwas los. Es ging alles wahnsinnig schnell. Ich musste mich auf eine Augenfarbe einigen (blaugrün ließ sie nicht gelten... jetzt steht da blau, aber ich finde nicht, dass meine Augen blau sind...) und einen Sehtest machen. Außerdem die 31 Dollar Gebühren zahlen. 31 Dollar für den Führerschein... na, davon träumt man hier in Deutschland ;) Ich checkte auch gleich mal ab, was ich den mit diesem vorläufigen Führerschein machen dürfte, sofern ich den schriftlichen Test bestehe. Und Tatsache - da ich einen deutschen Führerschein habe darf ich damit schon ohne Begleitung fahren. Also waren wir am Wochenende überhaupt nicht illegal unterwegs, in keiner Weise. Puh! Man, hätte ich das mal vorher gewusst ;) Aber die Internetseite ist da wirklich nicht eindeutig und man hört von jedem etwas anderes. Ich habe das jetzt bei der Führerscheinstelle von zwei Leuten gesagt bekommen und kann damit 200 % versichern: Mit deutschem Führerschein ist das Fahren mit dem vorläufigen kalifornischen Schein möglich. Basta. Die Dame fragte mich, ob ich den Test in Deutsch oder Englisch machen wöllte, ich überlegte kurz und meinte "Deutsch". Zurück kam ein verzweifelt-geschockt-bemitleindenes "Wirklich?" Auf meine Nachfrage, ob ich das lieber nicht tun sollte kam aber keine wirkliche Antwort. Hm.
Ab gings zum Foto, keinerlei Warteschlange. Klick! und schon durfte ich weiter. Zum Test. AAAH! Das Ganze hatte gerade mal insgesamt vielleicht eine halbe Stunde gedauert, und gewartet hatte ich gerade einmal 5-10 Minuten. Und war immer noch nicht durch mit dem Handbuch. Uh oh... ich meine, klar, viele Sachen sind gleich, aber eben doch nicht alle. Verkehrszeichen zum Beispiel... Aber na gut. Ich kann den Test ja zwei Mal wiederholen, also ab gehts mit dem Blindversuch!
Der schriftliche Test läuft ganz anders ab als in Deutschland. In der Führerscheinstelle, in dem ganz großen Raum mit dem Fotomachen und den Schaltern zum Anmelden, gibt es einen kleinen Bereich, wo man den Test macht. Hier gibt es 15 kleine "Schalter", abgetrennt, im Stehen. Und da schnappt man sich einen Stift und kreuzt an. Kein Zeitlimit, jeder beginnt und endet unterschiedlich. So wies eben gerade passt. Und dann stellt man sich mit seinem Bogen an und lässt ihn vorne korrigieren. Und erfährt gleich das Ergebnis. Verrückt, nicht wahr?
Der Herr an der Testausgabe fragte mich genau das Gleiche im gleichen Ton wie die Dame vorher - ob ich den Test wirklich auf Deutsch wolle? Und genauso gab es auf meine Rückfrage keine Antwort. Na toll.
Und dann hielt ich das Zeug auch schon in der Hand. Hilfe... 36 Fragen auf dem einen Bogen, 15 auf dem anderen. Bei ersterem durfte ich 6 Fragen falsch beantworten, was mit dem zweiten war wusste ich nicht. Dieser bestand aus Verkehrsschildern. Eine Aussage über ein Verkehrsschild, und man musste aus drei Vorgaben das richtige ankreuzen.
Mich packte erst mal die Verzweiflung bei diesem Anblick, aber dann legte ich los. Manche Fragen waren einfach, manche musste ich raten. Eine Antwort konnte ich eigentlich immer ausschließen, schwankte dann aber manchmal hin und her. Besonders gut war die Übersezung übrigens nicht, und ich bereute schon ein wenig, die deutsche Variante genommen zu haben.
Ich stellte mich an, um mein Zeug korrigieren zu lassen. Hier stand ich wohl am Längsten bisher an, sicher 10-15 Minuten. Wow ;) Und sah jetzt auch, wenn ich mich im Raum umblickte, dass mittlerweile viel mehr Menschen da waren. Jetzt wartete man sicher ziemlich lang, um überhaupt bis zum Testbereich zu kommen. Da hatte ich echt Glück gehabt... Oder auch nicht, wie auch immer.
Meine Tests wurden ausgewertet. Einmal wahnsinnig knapp bestanden, einmal 3 Fehler im Zeichentest. Zwei waren erlaubt. Durchgefallen. Mist. Und nun? Der Herr sagte irgendetwas zu mir, ich hatte keine Ahnung was genau - ich verstand so viel wie, ich solle mir "das" noch mal ansehen und mich dann noch mal anstellen. Verwirrt stellte ich mich an und bekam einen zweiten Schildertest ausgeteilt. Gleich noch mal den zweiten Versuch? Warum nicht. Schwer war das eigentlich wirklich nicht, ich hatte nur etwas Pech gehabt. Beim zweiten Versuch war ich schon etwas ruhiger und stellte jetzt auch fest, dass die Übersetzung wirklich miserabel ist. Vielleicht hatte ich deshalb vorher auch Probleme gehabt, keine Ahnung. Aber gleich zwei Mal wurde im Test anstatt "können" "müssen" verwendet (oder andersrum... bin mir grad nicht sicher). Das ist schon ein klitzekleiner Unterschied und verändert die Aussage eines Schildes ja irgendwie total. Zum Glück war ich mir sicher, welches Schild es sein musste und ließ mich davon nicht beirren, aber ja, die Übersetzung ist miserabel. Daher also mein Tipp: Sofern ihr irgendwie des englischen mächtig seid, nehmt bloß nicht den deutschen Test! Auf keinen Fall!
Beim zweiten Mal hatte ich null Fehler im Zeichentest, das heißt - bestanden! Ich darf Auto fahren, juhu! Ich bekam zwei Papiere in die Hand gedrückt, an welche meine Tests getackert waren. Auf dem einen Schein ist die normale vorläufige Fahrerlaubnis abgedruckt, die jeder bekommt, auf dem zweiten die Erlaubnis, auch ohne Begleiter mit Führerschein fahren zu dürfen. Wahnsinn :) Das Ganze gilt jetzt fast zwei Monate, bis dahin muss ich den praktischen Test gemacht haben. Mal schauen, ob ich jemanden finde, der mir seine Zeit und sein Auto leiht...
Nach nicht einmal eineinhalb Stunden und zwei Testversuchen verließ ich dann das Gebäude. Wahnsinn, wie schnell das ging! Und schon habe ich einen Führerschein :) Es war noch nicht einmal drei Uhr, ich hatte mit viel mehr Zeit gerechnet. Was nun? Die Führerscheinstelle ist direkt neben der berühmten Haight-Street, Mittelpunkt der Hippie-Bewegung. Heute gibt es dort einige Läden, teils kommerzialisiert, teils relativ normal. Vom Bus aus sah das immer sehr interessant aus... da wollte ich schon immer mal hin. Aber als ich dann auf der Straße stand hatte ich irgendwie keine Lust zum Bummeln. Vielleicht schlägt mein schlechtes Gewissen wegen des Geldes schon zu :D Ich betrat trotzdem ein paar wenige Läden, einfach so. Ich erstand einen Rock von "Banana Republic" Second Hand für sieben Dollar - eigentlich überhaupt nicht mein Stil, aber gerade deswegen hatte er mich so angelacht. Außerdem noch eine alte Star Wars Figur von Kenner im Super 7. In einem weiteren Laden entdeckte ich ganz Halloween-Konform eine Leia-Perrücke - daran hatte ich gar nicht mehr gedacht! Hier in den USA kann ich mir die ja jetzt problemlos zulegen. Ohne Versandkosten :D So zur Sicherheit. Falls ich mal meine Haare abschneide oder keine Lust habe, diese aufwändige Frisur machen zu lassen... oder schlicht und einfach niemanden da habe. Muss mal gucken, wo ich die jetzt am günstigsten her kriege!
Außerdem entdeckte ich einen wahnsinnig tollen Supermarkt. In dem fühlte ich mich total wohl... es gab Biozeug, aber auch normales und künstliches. Ich erstand unter anderem günstigen weißen Pfeffer - den hatte ich bisher ja vergeblich gesucht. Also günstig ;) Außerdem entdeckte ich ein Erfrischungsgetränk in der Dose, gesüßt mit Stevia. Na das wird doch gleich mal mitgenommen und irgendwann ausprobiert... Ich glaube, ich wurde drei Mal angesprochen, ob ich nach etwas suchen würde oder man mir helfen könne. Aber nicht auf die nervige aufdringliche Art, sondern auf die nette, zuvorkommende. Ich fands toll da :)
Schlußendlich war ich jetzt aber doch am Verhungern, so dass der Weg zum goldenen M leider nicht verhindert werden konnte.
Mein letzes Ziel für heute war noch der Safeway, mal wieder meine Nahrungsmittelvorräte aufstocken. Mein Müsli geht ziemlich zur Neige... Und ohne mein geliebtes Müsli geh ich nicht mehr aus dem Haus. Oh man, was mach ich nur in Deutschland! Ich kaufte wahnsinnig viel ein, so viel habe ich hier noch nie eingekauft. Wahnsinn. An der Kasse dann beim Zahlen stand auf meinem Display, ob ich etwas gegen Brustkrebs tun möchte. Das war mir schon ein paar Mal aufgefallen, dieses Mal aber fragte ich nach, was das zu bedeuten habe. Die Kassiererin meinte, wenn ich möchte, könnte ich einen Dollar spenden. Ich überlegte kurz, und dann beschloss ich - ich habe heute so viel Geld für mich ausgegeben, da ist der eine Dollar auch nicht mehr weiter schlimm. Also meinte ich "Warum nicht?" und klickte auf ja. Es erschienen drei Auswahlmöglichkeiten - 1, 3 oder 5 Dollar. Die Dame sprach aber immer wieder nur von einem Dollar, ich glaube, sie erwartete gar nicht, dass jemand mehr spenden könnte... Sie bedankte sich dann hundert Mal bei mir, rief sogar zu ihrer Kollegin freudestrahlend, dass jemand gespendet hätte (und die Kollegin freute sich auch wahnsinnig) und gab mir dann sogar als Dankeschön einen halben Liter Wasser mit. Ähm... okay. Ich kam mir nach dem zweiten Danke ja schon etwas seltsam vor. So eine große Sache war das nun auch wieder nicht... Ich hatte echt das Gefühl, die würden mir jetzt am Liebsten den roten Teppich ausrollen. Wegen einem Dollar Spende. Oh man.
Ein bisschen fluchtartig verließ ich dann vollkommen vollgepackt den Laden. Meine Füße schmerzten mittlerweile ziemlich und ich schleppte mich und meine Sachen nach Hause. Übrigens fiel mir heute wieder mal was auf - hier trifft man andauernd Deutsche. Kalifornien ist besiedelt von Deutschen... Ich glaube, wirklich nur Deutsche machen hier Urlaub oder so. Oder zumindest deutschsprachige ;) Wobei ich eigentlich schon immer auf Personen aus Deutschland getippt hätte (obwohl... ein paar waren aus Bayern ;) ). Heute waren mir schon wieder drei Mal deutschsprachige begegnet. Hilfe, selbst in Kalifornien wird man die nicht los ;)
Während ich dann am Abend gemütlich an meinem Laptop saß und Blog schrieb (*hust*) fing der Laptop plötzlich an zu zittern. Im ersten Moment dachte ich ja noch, ich wäre an den Tisch gestoßen, aber der Boden wackelte auch. Und die Lampe. Und überhaupt alles. Erdbeben! Angeblich hatte es heute Nachmittag schon mal eines gegeben, Stärke 4. Ich hatte das nicht bemerkt, aber das hier, Stärke 3,9, nahm ich ziemlich deutlich wahr. Irgendwie fühlte sich das aber ein bisschen cool an, muss ich ja schon zugeben. Alles wackelte so lustig... Ich finde das sicher nicht mehr lustig, sobald es mal ernst wird, keine Frage, aber im ersten Moment war das ein witziges Gefühl. Ich hoffe nur, es hat nichts zu sagen, dass es zwei Mal am Tag relativ starke spürbare Erdbeben gegeben hat. Aber ich gehe davon aus, dass das Zufall ist, und eine Erdbebenexpertin bin ich ja gleich drei Mal nicht. Wird schon schief gehen ;)
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