Mittwoch, 5. Oktober 2011

Tag 58 (04.10.)

Morgens um halb sechs aufzuwachen weil man ins Bad muss ist schon mal keine so tolle Sache. Im Bett ists doch eigentlich viel gemütlicher... aber okay. Licht in der Küche um diese Uhrzeit bedeutet dann, dass irgendwas komisch ist, aber da E. letztens schon einmal durchgemacht hat... na gut. Vom Bad zurückkommen und eine müde, genervte und verzweifelte Mitbewohnerin vorfinden - weniger gut. Morgens um halb sechs erfahren, dass bei ihr wieder ein Haufen Ameisen im Zimmer gesichtet worden sind - genug Schock um halbwegs aufzuwachen.
Ich war zwar nicht wach genug, um micht verständlich auf englisch auszudrücken, aber verstehen konnte ich es gut. Ungefähr 30 Ameisen in ihrem Zimmer. Na wunderbar, genug, dass sie sprühen musste. Ich bot ihr an, bei mir zu schlafen, sie meinte aber, dass sie wohl einfach aufbleiben würde. Auch eine Möglichkeit... Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich endlich wieder eingeschlafen war, nachdem ich mein Zimmer nach Ameisen bei mir abgesucht hatte. Und wirklich schlafen konnte man das auch nicht nennen, es war sehr unruhig. Ganz toll also. Verdammte Ameisen!
Heute ist auch noch Dienstag, das heißt, abends Yoga. Na da bin ich mal gespannt ob ich da wieder schier einschlafe... Jetzt hieß es aber erst einmal Chor, Mittagessen und dann wieder zum Frauenchor. Viel zu erzählen gibt es da nicht, das läuft eigentlich ganz gut da und macht mir auch großen Spaß. Ich mag unseren Chorleiter und wie er das alles schmeißt, einerseits mit Disziplin, aber auch mit Witz und Charme. Genau richtig. Ich muss mich nur langsam um schwarze, konservative Kleidung für die Konzerte kümmern. Und um die passenden Schuhe dazu. Da das erste Konzert schon in zwei Wochen ist muss ich mich da aber ranhalten!
Nach dem Unterricht machte ich endlich mal ein paar Kopien für meine Klavierschüler, damit ich nicht immer meinem Buch hinterherrennen muss, und dann gings ab zum üben. Noch ein letzter verzweifelter Versuch vor dem Unterricht... Es lief nicht gut, ich fühlte mich schlecht. Und noch dazu total verspannt. Na das konnte ja was werden! So fand mich dann auch A. kurz vor meinem Unterricht, und netterweise verpasste sie mir noch eine kleine Massage. Dann wurde es aber Ernst.
Im Unterrichtsraum hingen schon Zettel für unsere Vorspiele. Wir haben drei Stück, je 50 Minuten. Nicht viel bei der Menge an Studenten, es wird wohl jeder nur zu 5-10 Minuten Spielzeit kommen. Ich entschied mich für Konzert Nummer eins, dann habe ich es wenigstens bald hinter mir. Der Unterricht selber verlief eigentlich ganz gut, meine Lehrerin lobte mich sehr und meinte, meine Stücke haben sich sehr verbessert. Hm, okay... dafür, dass ich kaum geübt hatte sehr gut :D Das kenne ich aber auch schon. Oft wird das Zeug besser, wenn man es eine Weile liegen lässt. Nur merke ich das normalerweise dann, dieses Mal merkte ich davon rein gar nichts. Hmpf. Zumindest die Stücke für das Vorspiel funktionieren ganz gut, die sind aber auch relativ einfach. Es ist noch nicht klar, ob ich beide spielen werde, aber wenn, dann werden es die "Montagues" und "Mercutio" von Prokofieff. Olé. Die kann ich wenigstens schon fast auswendig.
Nach meinem Unterricht unterrichtete ich selber, es läuft mittlerweile einigermaßen okay. Auch wenn ich es irgendwie seltsam finde, nicht wirklich etwas aufbauen zu können, denn es sind nur noch acht (!) offizielle Wochen bis zum Unterrichtsende. Dann eine Woche Prüfungen vor den Ferien, aber da werde ich kaum unterrichten. Eher meine Freizeit genießen, denn vermutlich werde ich nur die Klavierprüfung haben und sonst nichts, so wie ich das gerade abschätze.
Ich wollte danach endlich mal mit dem Music Department über die Raumsituation sprechen und ob ich irgendwelche Räume kriegen kann, denn in den ganz kleinen Übezellen zu unterrichten ist echt Mist. Da gibts halt nicht mal nen zweiten Stuhl für mich... Allerdings ist die Verantwortliche gerade im Urlaub. Morgen ist sie aber vermutlich wieder da, wenigstens etwas.
Ich hatte jetzt noch etwas Zeit, und so schnappte ich mir meinen Pulli, den mit dem Faden, und ging rüber zum Bookstore. Ich war schon mal dagewesen, aber auf Grund des Computerabsturzes wegen des Stromausfalls war alles sehr konfus gewesen. Ich erläuterte mein Problem, erfuhr aber - ohne Kassenbeleg geht gar nichts. Ich erwähnte, dass ich das ja auf meinem Studentenausweis gespeichert habe, aber es würde mich 10 Dollar kosten, dass die das für mich raussuchten. Na wunderbar. Das ist jetzt ein Witz, oder... Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was ich machen sollte. Und hinterher habe ich mir jetzt gedacht, dass er mir gar nicht klar und deutlich gesagt hat, dass ich den Pulli wirklich umtauschen kann. Oder er dachte, ich will mein Geld zurück. Ich hab keine Ahnung. Ich fragte dann schließlich, warum es nicht ohne Beleg gehen würde - schließlich konnte ich den Pulli ja nirgendwo anders gekauft haben! Seine Antwort: ich hätte ihn ja gestohlen haben können. Nicht, dass er das unterstellen würde, aber... da blieb mir dann echt die Luft weg und ich war wütend ohne Ende. Warum sollte jemand einen kaputten Pulli klauen? Oder so doof sein, einen Pulli zu stehlen und ihn dann, wenn er kaputt geht, umtauschen wollen? Ganz ehrlich, wenn ich stehlen würde dann würde ich einfach noch mal einen stehlen. So einfach ist das. So aber bleibt alles wieder an den ehrlichen Leuten hängen, vielen Dank auch. Wütend wie ich war wollte ich nicht länger diskutieren, wer weiß, was mir da rausgerutscht wäre. Also sagte ich durch zusammengebissene Zähne "Danke" und verließ den Laden. Mit Wut- und Verzweiflungstränen in den Augen. Es ist nun mal nicht ein kleines Fädchen, was sich da zieht, sondern mindestens einen Meter. Nicht übertrieben. Und ich bin nun einmal eine absolute Nähniete, ich habe zuletzt in der Grundschule genäht. Da traue ich mich an einen solchen Pulli nicht ran. Und irgendwie finde ich auch, dass das gar nicht meine Aufgabe ist, denn der Pulli war schweineteuer und sollte gar nicht nach ein paar Stunden tragen und vor dem ersten Waschen (!) kaputt sein! Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen werde, aber es kotzt mich ziemlich an.
Wütend und traurig wie ich war tröstete ich mich mit einer Portion essen und begann mal, was für den Yogatest nächste Woche zu lesen. Zumindest ein bisschen, denn bald schon hatte ich ja praktisches Yoga. Ich war nicht ganz so müde wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht ganz so wach wie letzte Woche. Irgendwas zwischendrin. Müde genug, um hin und wieder zu denken "Ach, schlaf doch einfach ein bisschen, wer braucht schon Yogaübungen..." Letzten Endes konnte ich mich aber immer wieder aufraffen. Ein bisschen brachte mich Yoga von dem Ärger mit dem Pulli weg, aber im Kopf geisterte das Problem immer noch herum.
Endlich durfte ich Heim, wo ich einer müden E. begegnete. Sie ging tatsächlich um acht ins Bett - kein Wunder, die Nacht war kurz gewesen und außerdem ist sie andauernd krank in letzter Zeit. Freitag hat sie aber endlich, endlich einen Arzttermin, hoffentlich sagt der nicht das gleiche wie der letzte ("Sie müssen das aussitzen...").
Heute schaffte ich es endlich, meinen neuen Tisch einzuweihen, in dem ich meinen Laptop drauf abstellte. Und anfing, am Tisch sitzend dran zu arbeiten, und nicht wie sonst auf dem Bett. Irgendwie hatte ich heute das Verlangen danach, nicht krumm auf dem Bett, sondern gerade am Tisch zu sitzen. Und das bei mir. Wow, da muss schon einiges passiert sein, dass ich das will :D Mal sehen, wie lange ich das hier am Tisch aushalte. Besonders bequem ist der Schreibtischstuhl nämlich nicht, aber nun gut.

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