Sonntag, 2. Oktober 2011

Tag 56 (02.10.)

Ich habs tatsächlich getan. Anstatt heute auszuschlafen habe ich meinen Wecker gestellt und bin heute in die Kirche gegangen. Fast hätte ich verschlafen, aber ich schaffte es doch noch, rechtzeitig halbwegs fit zu sein. Ich hatte keine Ahnung wie viel Wert hier auf der Äußere während einer Messe gelegt wird, also zog ich meine schwarze Jeans an und oben drüber einen legeren Blazer, und zum ersten Mal die neuen schwarzen Schuhe, die mir meine Mutter noch zwei Tage vor Abreise angedreht hat ;) So ausgestattet sah ich dann doch ganz festlich aus. Problem: Ich habe hier immer noch keine Handtasche. Wohin also mit Geldbeutel, Schlüssel und Co.? Ich kam dann zum Schluss, dass ich nur zwei meiner Schlüssel mitnehmen und einfach neben ein paar Münzen in die Hosentasche stecken würde. Ich fühlte mich irgendwie nackt, so ganz ohne allem anderen, aber mit nem Rucksack wollte ich dann doch auch nicht in die Kirche spazieren.
Die Kirche sah innen sehr schön aus, modern, aber irgendwie trotzdem ein bisschen altmodisch. Als ich die Kirche betrat fiel mir sofort ein wunderschöner Brunnen mit dem Weihwasser ins Auge, der vor sich hinsprudelte. Außerdem fiel noch etwas auf - die Leute redeten. Zugegeben, ich bin in einer sehr konservativen katholischen Gemeinde aufgewachsen, zumindest was das Verhalten in der Kirche angeht. Es wäre undenkbar, dass sich die Leute dort unterhalten würden. Hier taten sie es aber, und es war ganz und gar nicht störend. Es war nicht allzu laut, auch wenn ebenfalls ganz und gar nicht geflüstert wurde. Es war einfach angenehm. Die Leute standen im Gang, begrüßten einander und tauschten Neuigkeiten aus. Am Eingang lagen Zettel zur heutigen Messe, mit dem Messtext, der Anzahl der Spenden vom letzten Sonntag und so weiter. Die Messe begann nicht wirklich pünktlich, das bin ich auch so gar nicht gewöhnt :D Leider verstand ich nicht allzuviel, da die Akustik nicht die Beste war und auch nicht sonderlich deutlich gesprochen wurde. Vorne in der Bank steckte eine Art "Messplan", da stand drin, wie die Messe abläuft und alle wichtigen Gebete und Antworten. Sehr geschickt, kenne ich doch nur alles auf deutsch... Die Liederbücher waren auch nicht so, wie ichs gewöhnt bin, ich glaube, sie kaufen jedes Jahr Neue, denn auf den aktuellen stand irgendwas von 2011. Der Pfarrer sprach dann aber zumindest bei der Predigt sehr schön deutlich und langsam, da kam ich immerhin mit :D Auch sonst gab es noch einige Unterschiede: Beim Abendmahl durfte, wer wollte, aus dem Becher Wein trinken, und beim Zeichen des Friedens gingen tatsächlich viele aus ihren Reihen heraus zu Leuten in anderen Reihen, und auch die MinistrantInnen beteiligten sich stark daran. Außerdem wurde auch viel umarmt, nur unter Leuten die sich kannten, aber immerhin. Es gab auch eine Vorsängerin, die bei Gospels dann eben diese Rolle übernahm und ansonsten immer am Mikro mitsang. Noch ein Unterschied: Keine Orgel. Keine Ahnung ob es hier allgemein weniger Orgeln gibt... auf jeden Fall stand vorne in der Kirche ein Flügel, an dem alles begleitet wurde. Außerdem sang immer ein kleiner Chor mit, so dass manche Lieder zweistimmig waren. Witzig fand ich, dass die Amerikaner ganz ihrer Sprache gemäß das "Amen" natürlich anders aussprachen, wird wohl so was in die Richtung "Äimen" sein. Das taten sie aber nicht, wenn sie "Amen" sangen, dann sprachen sie es lateinisch aus. Faszinierend.
Übrigens habe ich mich jetzt verewigt, denn im Kirchenblättle stand drin, dass im Oktober Zählungen durchgeführt werden, wie viele Leute in die Kirche gehen, und dass man fleißig erscheinen soll. Keine Ahnung, ob das der Kirche irgendwie mehr Geld einbringt oder einfach nur so ;) Jedenfalls, tadaaaa - durch mich hat die Kirche jetzt offiziell eine Besucherin mehr ;)
Nach der Messe kamen vor der Entlassung noch die üblichen Gemeindeeigenen Angelegenheiten. Während da bei uns kurze Erwähnungen kommen wurde das hier noch zu einer wirklichen Angelegenheit. Erst wurden die Spenden verlesen, dann brachte die Vorsängerin der Gemeinde einen neuen Gesang bei, der neu eingeführt werden sollte. Und dann wurden auch noch drei Gemeindemitglieder erwähnt, denen jeweils einzeln ein "Happy Birthday" wegen ihres Geburtstages gesungen wurde. Krasse Sache. Erst DANN wurde die Gemeinde offiziell entlassen.
War schon ganz interessant der Besuch, und trotz der vielen Unterschied war dennoch vieles auch vollkommen gleich (ach ja: Die Kniebänke waren viel bequemer ;) ). Mal schauen, ob ich noch irgendwann mal die Kraft aufbringe, Sonntags rechtzeitig aufzustehen. Insgesamt hatte der Aufenthalt in der Kirche ungefähr 60 Minuten gedauert - ist also im Rahmen.
Zu Hause aß ich dann Mittag, und eigentlich wollte ich mich danach zu einem Picknick im Park aufmachen, vom Internationalen Komitee organisiert. Das Wetter war auch super passend, richtig schön. Aber als ich schon fast zur Tür raus war viel mir plötzlich ein, was ich noch alles erledigen musste. Zwei Gospelsongs lernen und einen wiederholen, Yoga Tagebuch schreiben, in Theater ebenfalls. Das klingt zwar gar nicht so viel, aber wenn man den ganzen Tag weg ist und abends zum Fußball geht wird die Zeit knapp. Also ließ ich das schweren Herzens sausen - hin und wieder muss ich eben doch an die Uni denken hier.
Ich schrieb gleich mal meine zwei Seiten Theaterzeug und fing dann mit Yoga an, als plötzlich das Internet weg war. Ganz schlecht. Ohne Wörterbuch, das ich im Internet nutze, kann ich nur schwer einen englischen Text schreiben. Ich versuchte mich also an den Gospelsongs, aber es war mir unmöglich, den Text herauszuhören. Denn: wir kriegen nur eine Aufnahme zugeschickt, alles andere müssen wir uns selbst erarbeiten. Es klappte also nicht wirklich, und ich war schon recht frustriert, als E. an meiner Tür klopfte. Ob mein Internet auch weg sei? Sie brauchte für ihre Hausaufgaben auch dringend das Internet, also klopften wir mal wieder bei unseren Vermietern. Der Sohn war da und machte einmal auf unser Anraten hin den Router an und aus, und siehe da, da war das Internet wieder. Wie ich schon vermutet habe, es liegt vermutlich nicht an der Telefongesellschaft sondern am Router selbst. Na wunderbar. Ich bin gespannt, wie oft das noch passieren wird...
Als das Netz wieder da war war leider meine Motivation von dannen gezogen. Ich surfte ein bisschen, arbeitete immerhin viel am Blog und eierte ein bisschen bei Yoga herum, aber viel brachte ich nicht mehr zu Stande. Schon bald war es dann Zeit, um zum Fußball aufzubrechen. Wieder waren wir heute neun Leute, aber heute klappte das mit dem Auswechseln ja mal so gar nicht. Von den 30 Minuten spielte ich nicht einmal acht... bei aller Liebe, das finde ich schon etwas wenig. Ich war noch nicht einmal rot beim Abpfiff, und das will bei mir was heißen! Zugegeben, der Gegner war schwer. Aber ich dachte eigentlich, es geht vorrangig darum, auch Spaß zu haben, und den habe ich nicht, wenn ich draußen am Feldrand friere. Besonders frustrierend ist es, wenn da jemand auf dem Feld steht der einen Fehler nach dem anderen macht, aber fast durchspielt. Nichts gegen Fehler - ich mache selber genug. Aber ich versuche auch fair zu sein und weiß, dass jeder ungefähr 15 Minuten spielen kann. Und das versuche ich auch normalerweise einzuhalten. Und wenn ich gerade eine schlechte Phase habe geh ich raus und versuche es später noch mal. Als ich Anfang von Halbzeit zwei ein bisschen erzwingen wollte auf dem Feld zu stehen klappte das auch nicht. Wir hatten davor unsere Taktik besprochen und ein bisschen umgestellt, das war alles sehr logisch. Unlogisch fand ich, dass für die Flügelpositionen jetzt plötzlich zwei Männer gebraucht wurden. Es ging um Manndeckung - ich finde, da ist jemand nötig, der flink ist und schnell reagieren kann. Ich maße mir nicht an, die schnellste zu sein, aber ich bin hartnäckig und einigermaßen beweglich. Ich sehe nicht, wo Männer da Vorteile haben - erst Recht nicht, wenn dieser Mann groß gebaut ist und andere Vorteile hat als "flink und wendig" (ihm mache ich da aber gar nicht so unbedingt einen Vorwurf). Mit der Aussage, dass da Männer notwendig seien wurde ich also höflich vom Platz bugsiert - "Ist das okay für dich?" (ähm, mal ehrlich, soll ich da wirklich nein antworten?). Und kam dann tatsächlich noch mal für die letzten drei Minuten aufs Feld. Yey. Immerhin fiel nicht nur mir auf, dass wenig gewechselt wurde, unser vermutlich bester Spieler ist nämlich so korrekt auch immer rechtzeitig auszuwechseln. Obwohl er wirklich sehr gut ist. In der zweiten Halbzeit merkte er auch einmal an, dass die anderen irgendwie wenig wechseln würden. Wenigstens bin ich nicht die Einzige oder sehe das irgendwie kleinlich oder so... Ganz ehrlich, nach dem Spiel war ich schon etwas angepisst. So macht das nämlich keinen Spaß, zudem verloren wir auch 3:7. Ich habe nichts gegen verlieren, ich habe jahrelang in einer Mannschaft gespielt, die fast nur verloren hat. Das ist okay. Ich hab was dagegen, wenn das Spiel keinen Spaß macht. Und das hatte es heute definitiv nicht.
Frustriert lief ich also zur Bushaltestelle, und entdeckte, dass mein Bus wohl noch zehn Minuten brauchen würde. Ich hatte absolut keine Lust zu warten, also lief ich mal ausnahmsweise heim. Ich brauche in etwa 20 Minuten auf dem Rückweg (Bergsteigung ;) ), das war also keine sonderliche Zeitverschwendung. Die letzten zwei Busstationen joggte ich dann noch, denn heute hatte mir eindeutig der Sport und das Auspowern gefehlt. Vor allem nach dem Nachmittag zu Hause. Ich hoffe wirklich, das wird nächstes Mal wieder besser!
Daheim machte ich mich daran, jetzt endlich definitiv die Gospelsongs zu lernen. Vor dem Fußball hatte ich schon den Text aus dem Internet rausgesucht und versucht einzuprägen, aber wirklich erfolgreich war ich nicht gewesen. Der zweite Versuch klappte auch nicht besser. Immerhin weiß ich jetzt genug, um morgen nicht total aus der Reihe zu fallen. Aber wirklich, die Methode finde ich ein bisschen doof. Ich bin froh, dass ich nicht Alt singe, denn die Stimmte hätte ich aus den Aufnahmen nie im Leben heraushören können! Irgendwie finde ich, der Unterricht ist auch dafür da, die Stimmen zu lernen, zumindest grob oder zumindest mal angesprochen und vorgesungen, so dass man dann zu Hause mit dem Text das Ganze auswendig lernen kann oder so. Aber so völlig auf sich alleine gestellt finde ich das schon schwer. Na, mal schauen, ob ich morgen die Einzige bin, die solche Probleme hatte, oder ob sich das durch den ganzen Chor zieht...

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