Ich hatte heute früh absolut keine Lust darauf, zur Uni zu dackeln und zu üben, also dachte ich mir, das Wetter ist toll - mach mal nen Tag blau und geh dir die Stadt anschauen. Schließlich bin ich hier nicht nur zum studieren! Außerdem hatte ich richtig Lust darauf, etwas zu unternehmen, und das war ja bei mir in den letzten Wochen des Öfteren auch mal gar nicht der Fall, weil ich mich hier so total ausgelaugt fühle.
Ich liebe es, wie hier mittendrin einfach manchmal ein paar Palmen stehen und einem das Kalifornienfeeling verleihen...Also schnappte ich mir meinen Rucksack und zog zum zweiten Mal an diesem Wochenende los nach Downtown. Heute auf dem Plan: Auf jeden Fall Cable Car fahren. Und dann vielleicht noch Lombard Street und/oder Fishermans Wharf. Je nachdem, was die Zeit sagen würde und worauf ich dann Lust hatte. Aber an der Market Street angekommen dachte ich mir, es wäre erst mal schlau, Mittagessen zu essen. Da es mittlerweile schon drei Uhr war... nicht, bevor ich dann unterwegs Hunger kriege und nicht weiß, wo ich was her bekomme. Hier wusste ich nämlich, wo der nächste Burger King war, also gabs mal wieder ziemlich ungesundes Mittagessen. Ich nahm mir was zum mitnehmen und lief die ersten zwei, drei Stationen der Cable Car Strecke, um nicht unten an der Touri-Schlange anstehen zu müssen.
Auch an den weiteren Haltestellen standen Leute, aber noch lange nicht so viele wie unten. Als ich an einer ankam war ich die erste, und die meisten Leute nach mir stellten sich auch brav in eine Schlange hinter mir. Nur ein Tourigrüppchen schien das nicht zu verstehen - oder wollte nicht. Ich vermute eher letzteres, denn eigentlich war das ziemlich offensichtlich, weswegen wir da so standen.Das erste "Auto" fuhr an uns vorbei, schon zu vollbepackt, aber das zweite dahinter, nach insgesamt zirka 6, 7 Minuten Warten hatte dann Platz für mich (und die Drängler und 6 weitere Personen hinter mir). Und da ich (abgesehen von den Dränglern ;) und den Leuten, die schon damit fuhren) die erste war, die das Gefährt bestieg, hatte ich Glück - ich fand nämlich Platz auf dem Trittbrett draußen, und zwar gleich ganz vorne. Loge! :) Ich hatte meine Monatskarte, mit der man auch gratis Cable Car fahren kann, schon in der Hand, damit ich sie dem Kontrolleur reichen konnte. Der hatte mich aber irgendwie vergessen oder wollte mich nicht kontrollieren, vielleicht sehe ich so vertrauenswürdig aus :D Oder schon wie eine echte San Franciscanerin. Wobei, eher ersteres.
Die Monatskarte stopfte ich nach ein paar Haltestellen also wieder in meine Hosentasche, um mich richtig festhalten zu können. Denn auch wenn dieses Ding nicht total schnell fährt, langsam ists nun auch wieder nicht. Wenn man da runterfällt tut das sicher böse weh... Festhalten ist also definitiv ratsam. Mit einer Hand hielt ich mich also fest, mit der anderen machte ich Fotos und Videos :D

Und kaum war ich an Bord begann bei meiner Kamera schon mein Akku aufzuleuchten. Mist... ich hatte zwar noch einen zweiten dabei, aber auf dem Trittbrett Akku wechseln ist... hm... nicht so geschickt, würde ich mal sagen. Wenn nicht sogar unmöglich. Der Akku musste also unbedingt reichen, bis die Fahrt zu Ende war! Aber mein Karma oder die Macht waren mit mir, der Akku hielt sogar noch relativ lang bis nach der Fahrt. Nur, das konnte ich vorher ja nicht ahnen, also vermutete ich bei jedem Foto oder Video, dass es das letzte sein könnte. Cable Car fahren war das coolste, was ich hier bisher erlebt habe. Es hat sooo viel Spaß gemacht! Normale Leute fahren Achterbahn, ich fahre lieber Cable Car :D Die Wellen und das Tempo sind gerade richtig für mich. Zumindest auf dem Trittbrett. Und für die Achterbahn muss ich noch nicht mal was zahlen. Perfekt :D Wir fuhren auch an der Lombard Street vorbei, wo wir mehrere Minuten hielten. Erst fragte ich mich, warum wir so lange anhielten, auch wenn ich mich freute, denn die Aussicht war atemberaubend.

Als ich das dann irgendwann kapierte, dass ich gerade oben an der berühmten Lombardstreet stehe, überlegte ich, ob ich aussteigen sollte und mit dem nächsten Cable Car weiterfahren. Denn von meiner Position sah ich gleich mal gar nichts von der Straße. Aber meinen Logenplatz wollte ich nicht aufgeben, also beschloss ich, einfach noch einmal irgendwann her zu kommen. Gibt mir die Möglichkeit, noch mal Cable Car zu fahren :D
Nach der Fahrt, an der Endstation, wartete ich, bis alle Leute weg waren, dann fragte ich den Fahrer, ob er von mir noch ein Foto machen würde. Ich glaube, das ist der schön gewöhnt :D Er war super nett, und ich finde, das Foto ist auch wirklich was geworden. Hier gibts das natürlich aber nicht zu sehen ;)
An dieser Endstation gab es erst mal nicht so viel zu sehen. Meer, ein Souvenierladen, ein paar Schiffe weiter hinten. Alles war relativ ruhig, auch wenn einige Touristen unterwegs waren. Aber es gab kein Gedränge, es ging alles irgendwie gemütlich zu. Im Souvenierladen kaufte ich ein paar Kleinigkeiten (unter anderem ein Mini-"Auto"-Schild mit meinem Namen drauf, das musste ich einfach ausnutzen - in diesem Land gibts meinen Namen auf Schildern! JA!), dann machte ich mich auf zum Pier und besah mir die Böötchen.





Es war schön, da im Sonnenschein ohne Sorgen und Zeitdruck herumzuschlendern und einfach nichts zu tun. Außer ein paar Fotos zu schießen. Und Möwen zu beobachten. Sowieso, kurzer Einschub, nachdem ich es hier vor ein paar Tagen oder so von den Vögeln hatte - hier gibts anstelle von Amseln und Tauben eben Möwen :D Und Krähen. Die hocken dann eben auf dem Campus rum, so wie bei uns Tauben. Das ist man gar nicht gewöhnt, so große Viecher, und Möwen so nah :D
Ich wanderte dann weiter am "Fishermans Wharf" entlang, Ziel: Pier 39.


Je näher ich kam, desto kommerzialisierter wurde alles. Souveniershops tauchten auf, nach und nach wurde alles zur Touristenzone. Ich fühlte mich ein bisschen wie in Spanien früher - Touristen, Läden mit Souveniers und Kleinigkeiten, Trubel, Meergeruch. Ich trödelte ein wenig in den Läden herum, kaufte mir Ohrringe und Souveniers für die Leute zu Hause. Und Postkarten, die waren hier ja so schön günstig :DUnterwegs kaufte ich mir noch ein Mini-Baguette bei einer Bäckerei, bei der man außen in die Produktionsräume spickeln konnte. Alles schön brav Zucker- und Milchfrei. Yeah. Kein Abendessen bei irgendeinem Fastfood-Restaurant nötig.
Irgendwann war ich dann beim Pier 39 angekommen - der Höhepunkt des Touristenstädtchens.

Da gab es alles, was das Herz begehrt - ein Karussell, einen Linkshänderladen, Hard Rock Café, eine kleine Bühne, einen Hut-/Kappenladen, einen Sockenladen, Schmuckläden, Badesalz in Fässern, Süßigkeiten und Restaurants. Im Hutladen entdeckte ich einen Indiana Jones-Hut (der mir exzellent stand!) und Harry Potter-Mützen und -Schals.

Leider etwas teuer. Ich bummelte etwas durch die Läden, einfach so. Die Gerüche zogen mich magisch an, aber naja, das geht ja nicht. Dabei gab es sogar einen Karamellladen! Oh mein Gott. Gut, dass ich das nicht essen darf ;) Ich hätte viel Geld verloren. Irgendwann bemerkte ich, dass die Sonne am Untergehen war, also ging ich ans Meer, um von da den Sonnenuntergang zu sehen. Es war einfach wunderschön! Wunderwunderschön.
Ich schoß Foto auf Foto, nahm mir aber auch immer wieder die Zeit, um die Aussicht einfach nur zu genießen. Neben mir stand ein Pärchen, ich tippe auf Schweizer. Denn allzuviel verstand ich nicht von dem, was sie sprachen :D Nicht, dass ich gelauscht hätte. Aber man kriegt ja ein bisschen was mit, wenn man nebeneinander steht. Er hatte eine Superkamera dabei, zumindest vom Aussehen her stach die sogar die meines Vaters aus, welcher ja immerhin auch keine schlechten Kameras besitzt. Sie knipste hingegen mit einer Kompaktkamera, wie ich. Irgendwann konnte ich nicht mehr mit ansehen, wie die beiden sich gegenseitig fotografierten und bot, auf englisch, ich war mir mit der Schweiz ja nicht ganz sicher, meine Hilfe an. Ich dachte, sie würden mir die Kamera der Frau geben, Pustekuchen. Ehe ich mich versah hielt ich das Riesending da in der Hand. Völlig perplex musste ich erst mal rausfinden wie man hier zoomt - denn hier musste man am Objektiv drehen. Dass es diese Variante auch noch gibt viel mir erst im zweiten Moment ein. Immerhin fiel sie mir noch ein, so dass ich mich nicht total blamierte. Hach, macht das fotografieren mit so einer Kamera Spaß! Sie machte dann auch noch ein Foto für mich, als Ausgleich.Nachdem die Sonne weg war wurde es ziemlich schnell kühl. Ich hatte nur meine Jeansjacke dabei, den Fleece hatte ich nicht mitschleppen wollen. Also musste ich langsam an den Heimweg denken, immerhin war ich ja aber auch langsam erschöpft.

Fishermans Wharf am AbendAuf dem Weg entdeckte ich aber noch einen ganz besonderen Laden, hier gab es Weihnachtsartikel. In Hülle und Fülle. In Deutschland stehen ja schon die Lebkuchen in den Regalen, hier merkt man davon eigentlich noch nichts. Daher war es ein Schritt in eine ganz andere Welt. Und was es da alles gab! Weihnachtsdörfer, Christbaumschmuck (wenn auch nicht solchen, wie ich ihn gewöhnt bin), Deko für die Kleinen in Form von Winnie Pooh oder Disney, Fensterbilder und und und. Nach zehn Sekunden in diesem Laden hatte ich unerwarteterweise einen Kloß im Hals - Weihnachten. Für mich besonders stark Fest der Familie, und dieses Jahr würde ich alleine sein. Nicht bei meinen Lieben zu Hause, womöglich sogar einsam in meinem Zimmer, wenn ich Pech habe. Ich wusste, das wird hart für mich, wie hart beginne ich aber erst jetzt langsam zu begreifen. Um mich abzulenken begann ich einfach, alles mögliche im Laden zu knipsen.
Dummerweise war meine Kamera noch aus Sonnenuntergang gestellt, was ich erst gegen Ende bemerkte, so dass die meisten Fotos ziemlich schlecht geworden sind. Sorry, Leute ;)Übrigens hatte auch mein zweiter Akku, der eigentlich hatte geladen sein sollen, schon ziemlich bald angefangen zu blinken. Noch hielt er, aber naja. Womöglich nicht mehr lange. Auf dem weiteren Heimweg erblickte ich noch eine schöne Aussicht auf den Coittower, die ich versuchte einzufangen. Dummerweise hatte ich nicht mehr viel Akku übrig, um mit Belichtungzeit und ähnlichem zu spielen, so dass da nichts daraus wurde. Aber während ich da so stand und fotografierte trat eine Frau an mich heran, vielleicht so um die 30. Eher jünger. Und fragte mich, ob ich wüsste, ob sie bei ihrem Telefon im Fotografiermodus einen Zoom hätte. Ähm... naja. Keine Ahnung :D Was ich ihr auch so sagte, und gemeinsam erkundeten wir das Ding. Sie (!) fand dann schließlich heraus, wo der Zoom war und bedankte sich überschwenglich bei mir. Bitte, gern geschehen :D Beim nächsten Satz aber, den sie dann erfreut zu ihrem Partner sagte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte: "Sie hat mir geholfen, wir habens gefunden. Tja, weißt du, Kinder kennen sich eben mit so was aus!" Kinder. Sie hat mich tatsächlich ein "Kind" genannt. Ich weiß, dass ich jung aussehe, verdammt, und ja, dass ich mich nicht schminke hilft dabei nicht. Aber mal ehrlich, KIND? Vielleicht interpretiere ich das englische Wort "kid" ja auch falsch, vielleicht kann man das allgemein mit "jüngere Leute als ich" übersetzen. Keine Ahnung. Aber bis ich das weiß gehe ich einfach mal vom naheliegenden "Kind" aus. Oh man. Willkommen im Land der Möglichkeiten, wo 23jährige wieder zu Kindern werden.
Jetzt wurde es aber wirklich kühl, also ab zum Bus. Ich wusste nicht wirklich, wie ich heimkommen würde, aber der nächstbeste Busfahrer half mir bereitwillig weiter und so wartete ich auf den nächsten Bus. Mit dem ich sogar hätte heimfahren können, in einem großen Umweg, aber ich musste noch meine Monatskarte aufladen, was eben am einfachsten in Downtown beim nächstliegenden Wallgreens oder an der Munihaltestelle geht. Als das erledigt war fuhr ich dann mit der Muni nach Hause und hielt noch nebenbei beim Trader Joes - ja, ihr wisst schon, Wasser und so... ;)
Der Tag war wirklich schon gewesen. Auch wenn ich alleine unterwegs war, aber es war echt toll. Und vor allem einfach: Ich liebe Cable Car fahren! JA!
Sorry, das lange Video ist leider zu groß...



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