Das Unterrichten machte wie jeden Donnerstag wieder viel Spaß, danach machte ich mich auf zum Chor. Letzte Probe vor dem Benefizkonzert! Plötzlich aber hatte ich wahnsinnige Kreispaufprobleme, ich muste sogar einmal kurz rausgehen und frische Luft schnappen. Das ist mir schon länger nicht mehr passiert, aber heute war ich wohl einfach nicht so auf dem Damm.
Nach dem Mittagessen im Frauenchor ging es mir dann schon besser, mir war aber klar, dass ich heute Abend nach dem Konzert kaum würde zur Party gehen können. So ein Mist.
Nach dem Chor ging ich dann mit N., mit der ich Dienstags und Donnerstags zwischen den beiden Chören auch immer Mittagesse, nach Hause. Für sie reichte es in der Zeit nicht zu sich nach Hause zu fahren, also gingen wir gemeinsam zu mir. Einerseits hätte ich mich gerne schlafen gelegt, andererseits fand ich es schön, einfach mal jemandem zum quatschen bei mir zu Hause zu haben. Ich stellte fest, dass wir sogar mehrere Gemeinsamkeiten haben - sie liest auch gerne Fantasy- oder Science-Fiction-Bücher. Na wenn das mal nichts ist. Ehrlich gesagt, das hätte ich bei ihr nie vermutet... wie man sich täuschen kann! Wir redeten und redeten also über dieses und jenes, irgendwann kochte ich uns Reis mit Würstchen (mein Klassiker...) und am Ende waren wir dann doch wieder in Eile. Ist doch irgendwie meistens so, erst hat man wahnsinnig viel Zeit und dann hetzt man. Fünf Minuten bevor wir das Haus verließen meinte ich noch zu N., dass ich bloß nicht meinen Ordner mit den Noten vergessen dürfe. Wir singen zwar fast alles auswendig, aber eben nur fast. Und richtig, ihr braucht keine drei Mal um zu erraten was mir dann an der Haltestelle auffiel - der Ordner lag noch zu Hause, direkt neben der Tasche, wo ich ihn mir extra hingelegt hatte um ihn nicht zu vergessen. Aaaah! Wie kann man nur so doof sein? Noch nie habe ich meine Noten irgendwo vergessen, wie auch, das ist doch das Wichtigste! Ich geriet fast in Panik, N. beruhigte mich aber ein wenig, da sie zwei Ordner hat - zwar nur einmal mit den Noten, aber wenigstens konnte ich so tun, als hätte ich Noten darin und würde schon einmal nicht auffallen. Den Mendelssohn kann ich außerdem so gut wie auswendig, ist für mich als deutsche auch nicht so schwer. Das Ave Maria allerdings... Uf. Teilweise, ja. Aber nicht alles. Okay, dann werde ich mich da einfach zurückhalten müssen und zeigen, was ich hier im Schauspielunterricht gelernt habe. Einfach so tun, als wüsste ich alles. Wird schon gut gehen, irgendwie. Wir stiegen pünktlich an der richtigen Haltestelle aus, und jetzt verstanden wir auch, weshalb unser Chorleiter uns gebeten hatte, nicht alleine zu kommen. Die Kirche lag im Castro-Bezirk - ich schätze, wirklich passiert wäre uns da nichts, aber es war schon ein wenig unheimlich. Da ist nachts bzw. abends einfach viel los, und man fühlt sich einfach wohler zu zweit. Die Kirche selbst war schnell gefunden. Sie war nicht so groß wie ich sie mir vorgestellt hatte, und auch vorne schien nicht allzuviel Platz für den Chor zu sein. Au weia... konnte das funktionieren? Es konnte.
Sorry für die Qualität, war ohne Blitz um nicht zu stören.
Das da vorne ist das mittelgroße Ensemble, bei dem ich nicht mitsinge.
Beim Unichor wurde es doch recht voll.
Das da vorne ist das mittelgroße Ensemble, bei dem ich nicht mitsinge.
Beim Unichor wurde es doch recht voll.
Zwischendurch wollte ich meine Rose in meine Haare klipsen, die zum Outfit des Frauenchors gehört, aber oh weh - der Klipser war ab. Ich hielt nur noch die Rose in der Hand, mist. So musste ich das dann also ohne Spiegel und nur mit Zuhilfenahme einer Glasscheibe mit Haarnadeln festklemmen. Sie saß etwas locker und ich hatte die ganze Zeit, auch während des Konzertes später, Angst, sie würde mir runterfallen. Es klappte aber alles gut. Das war dann aber der Punkt wo ich mir dachte - ist heute alles gegen mich? Will jemand nicht, dass ich heute abend singe? Erst die Halsschmerzen, dann der vergessene Ordner und jetzt die Rose. So ein Mist. Heute ist einfach nicht mein Tag! Nicht aus der Ruhe bringen lassen, heißt dann aber die Devise.
Das Konzert selber klappte dann auch ganz gut. Ich schielte immer wieder zur Tür weil ich mich fragte, wann A. auftauchen würde - die aber letztendlich gar nicht mehr kam. Schade... Ich bekam, wie immer bei längerem Stehen, schon bald Schulterprobleme und, das ist aber neu, Rückenschmerzen. Wie gesagt, jemand ist gegen mich... Außerdem tat mein rechter großer Zeh weh. Seit Montag tut er das, seitdem ich meine neuen Schuhe für die eine Stunde zum Konzert anhatte. Keine Ahnung wieso. Es fühlt sich fast ein wenig verstaucht an... aber ich kann mich an nichts erinnern. Meistens ists auch okay, aber manchmal, wenn ich viel laufe, schmerzt es irgendwie. Sehen kann man da auch nichts. Abwarten und Tee trinken...
Außerdem hatte ich beim Unichor die ganze Zeit Angst, von dem Podest runterzufallen, auf dem wir standen. Das sind solche Art Treppen, ich stand auf der zweiten Stufe ganz am Rand. Während dem Singen kann man natürlich nicht mal eben kontrollieren wie viel Platz da noch ist, also hoffte ich einfach nur, dass ich nicht fallen würde. Was ich auch nicht tat. Zum Glück. Die Blamage blieb mir also erspart... Gegen Ende des Konzertes zeigte sich auch meine fehlende Konzentration. Hatte ich den Mendelssohn und das Ave Maria noch gut hinter mich gebracht (übrigens ohne Ordner, denn es war so eng, dass ich lieber in den Ordner meiner Nachbarin reinschaute) so bekam ich gegen Ende beim Auswendigsingen Probleme. Normal kann ich die Lieder, heute aber wollte mein Kopf einfach nicht so wie ich. Die Noten haben immer gestimmt (hoffe ich mal...), aber der Text war wohl manchmal ein bisschen falsch. Na gut, ist hoffentlich nicht so sehr aufgefallen.
Trotz allem hat es mir großen Spaß gemacht, ich liebe Chorauftritte einfach. Nur - nach dem Konzert fühlte ich mich schon etwas einsam. Es war ein Benefizkonzert, dementsprechend umsonst gegen eine Spende, also hatten alle ihre Freunde und Familie eingeladen. Ich hatte auch ein paar Leute eingeladen, aber ich kenne hier nun mal nicht so viele, dementsprechend war die Wahrscheinlichkeit auch groß, dass keiner kommen kann. Es war schon ein wenig traurig, da dann dazustehen und zu beobachten, wie alle von ihren Lieben umarmt und beglückwünscht wurden - und ich packte eben inmitten dieser Szenerie nur stillschweigend meine Sachen vor mich hin. Wie gesagt, ich liebe es, hier zu sein. Aber manchmal gibt es eben diese Momente in denen man sich wünscht, nicht alleine hier zu sein. Das jemand da ist, der einen unterstützt und in den Arm nimmt, oder sagt "Das hast du toll gemacht!". Ich weiß, viele in Deutschland unterstützen mich, wir telefonieren oder chatten oder schreiben e-Mails. Aber - es ist nun einmal nicht das Gleiche. Manchmal fehlt einfach eine feste Umarmung oder ein Schulterklopfen. Aber nun ja, so ist es nun mal.
Draußen stellte ich dann auch fest, dass ich doch nicht die Einzige ganz alleine hier bin - das deutsche Mädchen aus meiner Heimatstadt stand draußen und wartete auf eine Freundin. Ich gesellte mich zu ihr, und als die Freundin beschlossen hatte, den Abend noch irgendwo außerhalb ihres Zuhauses ausklingen zu lassen liefen wir beide zurück zur Bahn. Zum Glück musste ich nur ein paar Minuten warten, bis meine Bahn kam - ich hatte schon Schlimmstes befürchtet nach meinem Glück heute. Total erschöpft und ein klein wenig frierend kam ich dann zu Hause an und hatte nur noch einen Wunsch - ein bisschen vor dem Computer entspannen, mit meinen Eltern telefonieren und dann nichts wie ab ins Bett. Noch ein weiteres Hindernis gabs da allerdings zu überwinden - mein Internet war mal wieder nicht da. Es war zwar schon nach halb elf, ich hörte aber, wie bei meinen Vermietern noch herumgetobt wurde und klopfte da dann gemeinsam mit E. auch an. Selbst schuld, wenn sie das Internet nicht gscheid zum Laufen kriegen... ein paar Minuten später war es dann auch da und meine Wünsche erfüllten sich. Lange nicht mehr hatte ich mich so ausgezehrt gefühlt wie heute Abend - gar nicht mehr so arg krank, obwohl mein Hals noch kräftig weh tat, sondern einfach erschöpft. Heute Nacht würde mir eine gute Portion Schlaf sicher viel helfen, also beschloss ich, morgen einfach mal so lange zu schlafen wie möglich. Mal sehen, wie lange ich das noch kann...

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen