Donnerstag, 24. November 2011

Tag 109 (24.11.)

Thanksgiving! Das vermutlich wichtigste Fest neben Weihnachten hier, wenn nicht sogar wichtiger.
Heute schlief ich erst einmal ein bisschen aus - was ein Fehler war, denn ich frühstückte und aß Mittagessen innerhalb von zwei Stunden. Somit brachte ich bei letzterem kaum etwas runter. Ganz schlecht. Dabei wollte ich doch gerüstet sein, ich hab doch keine Ahnung, wie viel ich da beim großen Essen essen kann. Denn das ist Thanksgiving im Großen und Ganzen: Essen mit Familie und/oder Freunden.
Ich hatte keine Ahnung, wie festlich das heutige Essen sein würde, also zog ich mich halbwegs festlich an - mein neues Wollkleid über Jeans und hübsche Ohrringe. Wie sich herausstellte war ich damit fast ein bisschen overdressed, die meisten kamen mit Alltagsklamotten. Aber lieber so rum als andersrum, nicht wahr? Außerdem zog ich heute zum ersten Mal meinen neuen Mantel an, denn es war schon ziemlich kalt draußen und meine Fleecejacke passte nicht ganz zu meinem Outfit.
Ich ging ein wenig früher los, denn ich wollte noch beim Wallgreens vorbei. Meine Lippen brauchen wegen des Schnupfens ein bisschen Pflege, und außerdem wollte ich noch mein Gastgeschenk vervollständigen. Ich hatte mir ja aus Deutschland eine Packung bester Spätzle mitgenommen, um sie irgendwann mal jemandem zu schenken. Original Deutsch ;) Jetzt zu Thanksgiving war es dann so weit, ich finde, das passt recht gut, oder? Allerdings wollte ich nicht nur mit einer Packung Spätzle auf tauchen, das fand ich irgendwie zu wenig. Einen Wein oder Pralinen oder so sollten da noch dazu. Ich hatte zuerst eine Tafel Schokolade von Lindt in der Hand (ja, das gibts hier auch!), fand dann aber eine Tafel Werthers passender gefunden, da direkt aus Deutschland. Lindt ist ja aus der Schweiz... Und die sah auch edel aus. Außerdem kaufte ich mir den allerersten Lippenbalsam in meinem Leben (ja, Tatsache, ich benutze so was wie Labello nie, brauch ich nicht...). Eigentlich wollte ich ja irgendeine lindernde Salbe, um die auch für meine Nase verwenden zu können (außen, versteht sich) - aber ich blickte da nicht so ganz durch, was ich da jetzt kaufen könnte. Das gleiche Problem hatte ich ja auch schon bei meinem Zeh gehabt, als der angeknackst gewesen war. Beziehungsweise immer noch ist, denn manchmal tut er noch weh und ich wünschte, ich könnte irgendwas draufschmieren. Aber ich hab nichts wirklich passendes gefunden. Entweder es gibt hier so was nicht oder aber ich blicke da nicht durch. Ich tippe ja auf Letzteres. Scheint mir irgendwie naheliegender.
Ich nahm wieder die Bart. Und nutzte die Gelegenheit, einmal von den Kränen am Hafen Fotos zu machen und zum anderen ein Video von der Bart. Ich finde es so faszinierend, dass sie quasi kein Vorderteil hat...
Wofür die wohl Inspiration waren?



Einfuhr einer "Bart"

Es hatte gehießen, ich solle so gegen halb vier da sein, und ich war überpünktlich - zwanzig nach drei kam meine Bahn am Zielbahnhof an. Ich rief also meine Klavierlehrerin wie abgemacht an und ihr Mann kam, um mich abzuholen. Während wir dann unangenehm schweigend im Auto saßen (wobei ich glaube, dass es nur mir unangenehm war) kam ein Anruf - und wir drehten wieder um, um noch jemanden vom Bahnhof abzuholen. Es war faszinierend. Ich glaube, wir waren sicher länger als fünf Minuten unterwegs gewesen, aber innerhalb von 30 Sekunden waren wir wieder am Bahnhof. Keine Ahnung, wie das funktioniert hatte... Wir gabelten also die zwei Chinesinnen auf und fuhren diesmal endgültig zum Hause meiner Lehrerin.
Noch war kaum jemand da, nur drei weitere Studenten und zwei Herren, die ich nicht kannte. Ich machte es mir im Sessel am stilechten Kaminfeuer gemütlich - ja, das Kaminfeuer war echt, wenn allerdings auch mit Gas betrieben. Also nur halb echt ;) Ich wusste nicht, wann es das Essen geben sollte, aber jetzt noch nicht, das war klar. Denn ich wusste, es würden noch mehr Leute kommen. Die kamen auch, und mit ihnen mein Hunger. Ich wusste, dass ich es bereuen würde, das Meiste vom Reis wieder in den Kühlschrank zurückgestellt zu haben... Aber jetzt blieb mir nichts anderes übrig als zu warten und zu hoffen, dass das Essen nicht allzu lange auf sich warten lassen würde. Bald überkam mich auch eine starke Müdigkeit und ich war kurz davor, in meinem behaglichen Sessel einzunicken. Ich kannte ja niemanden, daher hielten sich die Gespräche, die ich führte, in Grenzen.
Gegen viertel vor sechs war es dann so weit, das Essen war aufgetragen. Mittlerweile waren etwa 20-25 Leute da - nicht wenige also. Meine Dozentin hatte mir von der Tradition erzählt, dass jeder vor dem Essen, wer möchte, erwähnen würde, wofür er dieses Jahr dankbar war - aber dieses Jahr ging das wohl unter. Denn als ich mir was zu essen nahm waren viele schon am mampfen. Es gab zwei Sorten von Fleisch - Truthahn und Schwein. Dazu den traditionellen Kartoffelbrei und Cranberrysoße. Außerdem noch ganz viel buntes Zeug wie Gemüse, das ich aber gleich mal ausblendete. Keine Ahnung, was es da so gab, ehrlich gesagt. Zusätzlich gab es noch Maccaroni mit Käse - ich glaube, das ist hier mittlerweile auch eine Art Tradition. Die Amerikaner lieben Maccaroni mit Käse, und daher gibt es das vermutlich fast überall bei Thanksgiving.
Ich nahm mir vom Fleisch, Karotoffelbrei und etwas Fleischsoße, damit es nicht so trocken wäre. Und stopfte mich dann mit Laktrase und Fructosin voll. Am Haupttisch war kein Platz mehr, also nahm ich am Tisch in der Wohnküche Platz, gegenüber von den zwei Chinesinnen, welche wir vom Bahnhof abgeholt hatten. Ich unterhielt mich mit ihnen während des Essens ganz gut, sie waren nett und offen. Und trotz der Tatsache, dass ich während meinem Studium wahnsinnig vielen Asiaten begegnet bin erfuhr ich heute doch zum ersten Mal ein bisschen mehr aus erster Hand über ihre Kultur. Das war ganz schön spannend... Vor allem, nachdem die beiden schon fast vier Jahre in den USA leben und daher schon ein paar westliche Züge angenommen haben.
Das Essen war nicht schlecht, irgendwie war es natürlich schön, mal wieder was "gscheides" zu essen, allen voran leckeren Kartoffelbrei. Ein bisschen mehr Salz hätte es aber sich besser gemacht - aber lieber so rum als andersrum. Ganz ehrlich. Es schmeckte trotzdem gut und ich wurde satt. Zum Nachtisch gab es mehrere Kuchen und einen Flan - der dann, traditionallerweise, flambiert wurde. Ich nahm mir davon natürlich nichts, das Essen alleine war schon Risiko genug gewesen.
Die beiden Mädels gingen so gegen Viertel vor acht, und ich dachte mir, ich gehe einfach mal mit. Erstens musste dann der Ehemann meiner Lehrerin nicht zwei Mal zum Bahnhof fahren und zweitens... naja, ich war müde. Und das war eine gute Gelegenheit zu gehen, da war ich nicht alleine. Wir unterhielten uns auf dem Rückweg noch so gut es der Lärm in der Bahn zuließ, und dann fuhr ich alleine weiter. Gegen neun war ich dann zu Hause - und irgendwann wurde mir schlecht. Richtig schlecht, so als hätte ich Ei gegessen. Ich frage mich aber, wo das drin gewesen sein soll... aber man weiß ja nie. Naja, ich überstand den Abend in dem ich einfach ins Bett ging. Und mir mal eine Papiertüte neben das Bett stellte, nur zur Sicherheit (Anmerkung: aber ich brauchte sie nicht. Nur mal so zur Beruhigung ;) ).
Mal sehen, was ich morgen machen werde. Der Tag nach Thanksgiving ist hier traditionell ein großer Einkaufstag, viele Läden öffnen schon ziemlich früh, manche sogar schon um Mitternacht. Überall gibt es besondere "Black Friday" (schwarzer Freitag)-Angebote - so heißt der Tag nach Thanksgiving nämlich. Ich habe erzählt bekommen, dass hier dann die Hölle los sein soll, ich stelle mir das so ein bisschen vor wie der Schlussverkauf früher bei uns. Mal schauen, ob ich mich da reinstürze oder einfach mal nur zu Hause bleibe. Eigentlich hätte ich nämlich ganz schön viel zu tun hier... allerdings fiel mir heute auf, dass eine meiner DVDs aus der Bücherei fällig sind, das Hause werde ich also auf jeden Fall verlassen müssen.
Mal gucken.

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