Gestern Nacht hatten wir hier ja Zeitumstellung, eine Woche später als in Deutschland. Interessanterweise werden die Handyuhren hier zentral gesteuert, wie ich herausfand. Denn wir waren uns in der WG keinesfalls sicher, ob die Umstellung heute Nacht sein würde - ich bin ja neu in diesem Land und muss mich aufs Internet verlassen, und E. - naja, sie hatte sich nicht darum gekümmert. Dank unserer Handys wussten wir das dann in der Nacht aber sicher ;)
Ich nutzte die überzählige Stunde, indem ich rechtzeitig aufstand um zur Kirche zu gehen. Das "Vater Unser" kann ich zwar immer noch nicht auf englisch, aber mir gefällts hier eigentlich ganz gut. Vor allem der Pfarrer scheint mir sehr freundlich zu sein - außerdem kann er sehr gut predigen. Ich schweifte nur äußerst selten mit meinen Gedanken ab und wurde dann eigentlich immer sehr schnell zurückgeholt, und das, obwohl es eine fremde Sprache war. Es war zwar tiefgründig, aber gleichzeitig auch witzig. Mir sind nur zwei Sachen im Kopf geblieben, das waren aber nicht die Einzigen. Es ging darum, dass man nicht aufgeben soll, wenn es schwer wird - Zitat: "Jesus hat auch nie gesagt 'Vater, beam mich hoch!'" - was im englischen irgendwie witziger rüberkommt, weil das "Beam me up, father" doch irgendwie originaler klingt. Außerdem brachte er ein Beispiel aus irgendeiner alten Familienfernsehserie, von der ich noch nie was gehört hatte. Er meinte, die Meisten hier würden diese Serie wohl kennen, und als keine Reaktion kam (vielleicht war doch die halbe Gemeinde eingeschlafen? Kann ich mir aber eigentlich nicht vorstellen) reagierte er gespielt entrüstet und meinte, dabei auf eine Person in den vorderen Reihen zeigend, "Ich weiß ganz genau, dass zumindest du weißt, wovon ich rede." Na, die scheinen sich ja zu kennen. Situationskomik, aber ja, es brachte die Kirche mehrmals zum lachen (bzw. diejenigen, die in ihr saßen). Nach dem Gottesdienst wollte ich kurz mit dem Pfarrer reden um ihn nach einer Gastfamilie zu Weihnachten oder einer Möglichkeit für mich, irgendwas aktiv zu tun zu fragen, leider aber musste er sofort weiter. Er bot mir an, nächste Woche nach dem Gottesdienst zu reden (ich hatte ihm noch gar nicht gesagt, worum es geht), nur dummerweise habe ich nächste Woche Sonntag ein Gospelchorkonzert... hm. Muss ich mal schauen, wie ich das mache. Ich hätte das nämlich schon gerne bald geklärt, die Zeit vergeht ja jetzt immer schneller. Es gibt noch eine Messe Samstag Nachmittag - mal schauen, ob ich da Zeit habe. Er schien mir aber sehr, sehr nett zu sein, ich habe gute Hoffnungen, dass sich da irgenwas ergeben wird.
Nach dem Gottesdienst telefonierte ich mit meinen Eltern und machte mich dann Nachmittags auf den Weg zum Üben. Muss ja sein, wenn morgen Konzert ist, nicht wahr? Ich nahm meine neuen Schuhe mit, da ich die morgen anziehen würde - und ich habe bisher ja noch nie mit Pfennigabsatzschuhen Klavier gespielt. Normale Absätze, ja, aber nicht solche. Das wird sicher nicht ganz so einfach, ich hoffe, der Boden ist nicht allzu rutschig. Außerdem nutzte ich gleich meinen neuen Schal, denn draußen war es richtig kalt. Wie gesagt, keinen Tag zu früh... Gegen halb fünf war ich dann wieder zu Hause, natürlich mit meinen Schuhen, anstatt sie einfach für morgen in meinem Schließfach zu lassen. Darauf kam ich erst auf dem Heimweg. Dabei wäre das wirklich praktisch gewesen, hmpf. Dann halt eben nicht, selbst schuld, wenn man nicht mitdenkt... Ich brannte schnell eine DVD mit Fotos für B., ich hatte ihr meine ganzen Bilder noch gar nicht gegeben und aß noch schnell eine Portion Müsli, bevor ich dann aufbrach. Lieber früher als später, die Verkehrsmittel sind hier ja unberechenbar... dementsprechend war ich auch eine Viertelstunde zu früh da, aber naja, B. hats schon verstanden. Und irgendwie auch zum Glück, denn B. hatte ein veganes Abendessen vorbereitet, was für mich natürlich eine Katastrophe ist. Zum Essen, meine ich jetzt ;) Gefahrlos konnte ich da nämlich rein gar nichts essen, sie hatte völlig vergessen, etwas extra für mich zu besorgen. Was ich ja auch nicht verlangen kann und möchte, schließlich hat sie genug damit zu tun, sich um das Essen für alle anderen zu kümmern. Ein bisschen traurig war ich aber schon, schließlich hatten alle so leckeres Essen (Pizza und wahnsinnig lecker aussehendes Obst, unter anderem), nur ich halt eben nicht. Ich mache nicht B. dafür verantwortlich, um Gottes Willen, versteht mich bloß nicht falsch. Sie kann ja nichts für diese bescheidene Krankheit ;) Und ich will ja eigentlich auch gar nicht, dass man immer Extrawürste für mich besorgt... aber ein bisschen traurig sein darf man ja trotzdem. Schlussendlich gabs dann noch Reis, welcher schnell für mich gekocht wurde, wie gut, dass ich rechtzeitig da war. Das dauert ja immer eine Weile, und so konnte ich auch pünktlich mit allen anderen essen. Zum Glück hatte ich vorher aber noch mein Müsli gegessen... irgendwie machte mich der Reis heute Abend nämlich nicht wirklich satt. Keine Ahnung, normalerweise funktioniert das recht gut. Die meisten Gäste gingen dann gegen neun wieder, A. und ich blieben noch eine Weile und testeten B.s neues Klavier, obwohl ich schon wahnsinnig müde war und eigentlich nur noch nach Hause wollte. Morgen wartete schließlich ein anstrengender Tag auf mich mit dem Konzert, und außerdem hatte ich ja noch mein benotetes Schauspielzeug direkt danach. Für das ich eigentlich noch mal den Text durchgehen sollte. B.s wahnsinnig lieber Freund erbot sich, A. heimzufahren und mich zumindest bis zur Haltestelle zu bringen, und so brachen wir gegen zehn auf. Dummerweise würde mein Bus erst in einer Viertelstunde kommen, und so fuhr er mich, noch viel viel lieber, unter meinen Protesten nach Hause. Ich muss zugeben, ich war ja schon sehr dankbar dafür, da ich wirklich todmüde war, aber ein schlechtes Gewissen hatte ich schon auch. Sein Tag war nämlich sicher anstrengender gewesen als meiner und er musste morgen auch zur Arbeit...
So war ich dann doch aber schon um halb elf zu Hause und hatte ncoh genug Zeit um mein Skript für morgen durchzulesen. Eigentlich sollte das ja schon klappen, auch wenn da noch ein, zwei Sätze dabei sind, die ich einfach andauernd vergesse. Seis drum, dann wird eben improvisiert. Wird schon irgendwie werden.
Daheim unterhielt ich mich dann noch ein wenig mit E., so dass es leider doch ein wenig später wurde. Aber wer weiß, wie lange sie noch da ist - da muss man das ja schon noch ausnutzen. Zumindest ein bisschen. Und immerhin packte ich auch noch mein ganzes Zeug für morgen zusammen, so dass ich morgen früh nicht in Panik verfalle, weil ich irgendetwas vergessen könnte. Ich kenne mich doch...
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