Dienstag, 8. November 2011

Tag 93 (08.11.)

Heute Nacht träumte ich zum ersten Mal, seitdem ich hier bin, davon, heimzufliegen. Keine schlechte Bilanz. Allerdings war der Traum ziemlich seltsam, denn anstatt mich zu freuen dachte ich die ganze Zeit daran, dass ich irgendwo meinen Handkoffer verloren hatte - bis mir irgendwann mit großem Schrecken einfiel, dass da ja auch mein Laptop drin war! Als meine Familie mich dann schon beim Zwischenstop in Deutschland und nicht am Zielflughafen überraschte freute ich mich immer noch nicht wirklich, obwohl ich das Gefühl hatte, dass ich mich freuen sollte...? Ja, ganz seltsam. Ich meine, ich genieße meine Zeit hier wahnsinnig. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Wirklich. Auch wenn das manchmal vielleicht nicht so rüberkommen sollte - es ist halt doch sehr anstrengend, neu und manchmal auch frustrierend und einsam. Aber ja, ich bereue es nicht. Ich habe auch Spaß hier und ich lerne eine Menge - und wenn es nur Englisch und Klavier sind. Immerhin kann ich mittlerweile auf englisch fernsehen und lesen und verstehe das meiste, das konnte ich vor drei Monaten noch nicht. Und auch, dass das Klavierspielen mit wieder Spaß macht ist eine tolle Sache. Ja, es hat sich wirklich gelohnt.
Und dennoch - ich freue mich, in zweieinhalb Monaten wieder heimzufliegen. Dann ists auch genug mit Abenteuer - das reicht dann erst mal. Daher, ja, keine Ahnung, was dieser Traum mir sagen wollte. Ich erwachte dementsprechend mir einem seltsamen Gefühl, das aber hoffentlich bald verschwinden würde.
Im Chor heute früh hatte ich dann wieder Kopf- und Halsweh. Ich frage mich, ob das irgendwie an dem Raum liegt, oder am singen, oder... keine Ahnung. Nach dem Mittagessen fragte ich im Frauenchor gleich mal nach, ob jemand nicht Tickets fürs Gospelkonzert kaufen möchte...? Bisher keine Reaktion, aber wer weiß. Vielleicht tut sich ja noch was.
Ich gönnte mir eine kurze Pause und ging in den Bookstore, um mir einen großen Wunsch zu erfüllen - einen Star Wars USB-Stick. In Deutschland kostet der nun mal so viel... und hier im Bookstore hab ich den neulich relativ günstig entdeckt. Und ja, ich habe mir schon seit Jahren einen gewünscht. Da finde ich, dass ich mir den zulegen darf ;) Mal schauen wie viel ich den benutze, aus Angst, ihn zu verlieren... ;)
Danach wurde es Zeit zu üben, denn in der letzten Woche habe ich ja fast nur mein Stück fürs Konzert gestern geübt. Und vor meinem Unterricht wollte ich zumindest den Rest doch noch mal anspielen. Was auch gut war. Ganz bestimmt. Oh ja... Meine Lehrerin überreichte mir heute dann meine CD, ich hatte mich schon gefragt, wo ich die abholen soll und vor allem wann. Der Tonmeister hatte da wohl mitgedacht und sie ihr in die Hand gedrückt. Glück gehabt!
Nach meinem Unterricht unterrichtete ich wie immer selber, und danach - durfte ich mich endlich auf den Heimweg machen. Kein Yoga heute! Das fiel aus, da unsere Dozentin eine Besprechung hatte. Juhu! Das tat meinem Körper ganz gut, sich auf zu Hause zu freuen (und wo ich gerade von "zu Hause" schreibe - ja, irgendwie fühle ich mich in diesem Zimmer schon ein wenig zu Hause. Nicht so wie "daheim", aber ja. Wohl :) ). Allerdings war der Bus auf dem Heimweg so überfüllt dass Menschen mit Platzangst da wohl durchgedreht wären. Man konnte sich kaum bewegen... und es brauchte eine ganze Weile bis ich mich da bei meinem Ausstieg rausgequält hatte. Zum Glück kam ich raus ;) Aber die Stimmung war eigentlich ganz lustig und keiner meckerte rum, von dem her... Alles okay.
Zu Hause ruhte ich erst einmal ein bisschen aus, und dann raffte ich mich auf, mein Yoga-Protokoll zu schreiben. Das muss nächste Woche abgegeben werden und ich habe bisher erst ein bisschen mehr als eine Seite... was sich aber bald änderte. Ich weiß nicht mehr sicher wie viele Wörter Voraussetzung für eine eins sind, es war irgendwas mit 2000... momentan bin ich bei 2.100, ich muss mal morgen in der Uni nachsehen wie viel mir noch fehlt. Mir fehlen auch noch die letzten drei Dienstage, ich denke, wenn ich das schön ausschmücke könnte ich auf die dreitausend kommen. Es fühlt sich komisch an auf englisch zu schreiben und sicher mache ich viele Fehler, aber was solls. Ich gebe mein Bestes. Und in unserer Beschreibung steht auch drin, Rechtschreibung und Grammatik sind nicht das, was zählt, sondern der Inhalt. Da hoffe ich einfach mal auf ein bisschen Nachsicht. Und wenn nicht, wie gesagt - ich habe mein Bestes gegeben. Mehr geht nicht.
Ich wartete bis elf Uhr, um dann meine Oma in Deutschland anzurufen. Die hat nämlich heute beziehungsweise morgen Geburtstag, je nach Zeitrechnung eben. Ich weiß, sie ist normalerweise schon recht früh wach, aber aus dem Bett klingeln wollte ich sie dann doch auch nicht. Also wartete ich bis acht, da müsste sie definitiv schon aufgestanden sein. Und richtig, sie hatten sogar schon gefrühstückt und mein Opa war auf dem Weg, die Zeitung zu holen. Dank Skype konnte ich in Ruhe mit ihr über das normale Telefon telefonieren und zahlte auch für die halbe Stunde gar nicht viel. Ich habe mir ja vor meiner Abreise extra 10 Euro Guthaben gekauft, damit ich im Notfall immer nach Deutschland telefonieren kann. Die nutzte ich jetzt erstmals - gut, dass ich das gemacht habe! Mensch, von einer so günstigen Möglichkeit über Kontinente hinweg zu telefonieren wurde vor 20 Jahren noch geträumt. Dank Internet ist das jetzt kein Problem mehr... schon toll, die Technik heutzutage :)

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