Ich finde, ich hab das mit meinem Stundenplan gar nicht so schlecht gemacht. Immerhin habe ich Dienstags und Donnerstags erst um elf Uni, so dass ich da ein bisschen ausschlafen kann. Ich habe keine Ahnung, wie ich das machen würde, wenn ich wie A. jeden morgen um 9 oder 10 da sein müsste... Puh.
Im Chor läuft gerade der Endspurt. In weniger als zwei Wochen haben wir unser Konzert, und das Gloria steht noch nicht wirklich. Es hatte geheißen, wir sollen in den Ferien hart arbeiten und alle Noten sicher können, damit wir musikalisch arbeiten können. Habe ich, ehrlich gesagt, nicht gemacht, aber aus dem einen einfachen Grund: Ich kann alle Noten schon sicher. Ich brauch das nicht mehr üben. Wirklich. Ich kann das Werk immer noch im Schlaf, vollkommen. Das Einzige Problem welches ich habe, ist die andere Aussprache, eben italienisches Latein und kein deutsches. Und eben das musikalische, aber das arbeiten wir ja zusammen.
Dementsprechend ist es vielleicht ein bisschen anmaßend von mir, sich über meine Kommilitonen zu beschweren. Aber ja, das was ich schlimm finde ist nicht, dass kaum einer sich vorbereitet hat - das kann ich als faule Studentin ja sehr gut verstehen :D Was mich ärgert ist, dass die falschen Sachen immer und immer wieder falsch gesungen werden. Herrje... das merke ich doch, wenn ich falsch singe! Und kringele mir das ein. Und wenn ich beim nächsten Mal wieder falsch singe dann kringele ich mir das noch fetter ein. Und halte mich beim dritten Mal in dem Part zurück und höre zu, wie es denn richtig klingen soll. Oder so. DAS ist es, was ich nicht verstehen kann... mir wäre das ehrlich gesagt ziemlich peinlich, wenn ich andauernd den gleichen Fehler machen würde. Fehler machen ist menschlich, und oh mein Gott, ich mache hunderte. Nicht unbedingt in dem Werk, aber sonst überall :D Aber ja... man sollte halt so sensibel sein und merken, wenn man einen Fehler macht. Damit es nicht das ganze Werk auseinanderhaut.
Nach dem Mittagessen hatten wir Frauenchor. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber - verdammt, das werde ich vermissen. Und ja, ich gebe zu - ich hatte, wie alle anderen, mich hierfür nicht vorbereitet. Wie gesagt, faule Studentin... Ehrlich gesagt hatte ich es vergessen. Eine Entschuldigung ist das aber nicht, das weiß ich selber. Und ja, ich schäme mich dafür. Und ja, für nächstes Mal bereite ich mich vor.
Es war aber nicht ganz so schlimm. Auch wenn unser Chorleiter darüber natürlich nicht erfreut war, dass das Ganze nicht so klappte wie er wollte - er riss uns nicht die Köpfe ab. Oder erstach uns mit dem Dirigentenstab. Oder so. Dummerweise bekam ich ziemlich stechendes Kopfweh - keine Ahnung wieso und aus welchem Grund. Es hielt zum Glück nur zwei, drei Stunden an. Vielleicht noch irgendwelche Nachwirkungen von der Erkältung. Die ist ja immer noch nicht ganz weg, mein Schnupfen hält sich sehr hartnäckig. Obwohl er seit gestern bedeutend besser ist und ich eigentlich dachte, er wäre verschwunden. Aber denkste.
Nach dem Chor übte ich mal wieder, war ja irgendwo nötig... Schließlich hab ich in zwei Wochen meine Prüfung! Das gestaltete sich aber irgendwie als schwierig, denn ich war todmüde und gleichzeitig nervte dieses Kopfweh wahnsinnig. Das ließ dann zum Glück im Laufe meines Unterrichtes nach, so dass ich den noch einmal richtig nutzen konnte. Schließlich war das meine vorletzte Klavierstunde hier :( Das werde ich ebenfalls richtig vermissen. Das hier war richtig guter und aufbauender Unterricht - und ich habe momentan noch gar keine Angst vor der Prüfung, ich fühle mich sehr gut vorbereitet. Wenn man bedenkt, dass mir für meine Abschlussprüfung nächstes Jahr dann nur noch zwei Sätze Mozart fehlen - super. Wenn jetzt indem kommenden halben Jahr zurück in Deutschland mein Stil nicht komplett umgeworfen wird und meine deutsche Lehrerin/mein deutscher Lehrer, wer auch immer, nicht meint, dass das alles katastrophal ist, was ich hier gelernt habe - dann werde ich hoffentlich halbwegs beruhigt in meinen Abschluss gehen können. Ich selbst bin zwar zum Beispiel mit meinem Liszt momentan überhaupt nicht zufrieden, meine Lehrerin allerdings schon - und sie meinte, ich solle ihr einfach vertrauen, sie mache das schon seit ein paar Jahren. Na gut. Dann versuche ich das einfach mal.
Ich wartete dann wieder mal auf meine Dienstagsschülerin, die zum dritten Mal hintereinander nicht auftauchte. Ohne sich abzumelden. Ganz toll... wenn sie kein Bock mehr hat, dann sollte sie mir das doch zumindest vorher sagen. Na gut, dafür ging ich etwas früher mein zweites Mittagessen/erstes Abendessen essen. Ich hatte mittags nicht so viel gegessen, ich war noch nicht so hungrig gewesen. Dafür jetzt umso mehr. Ich traf A., die auch gerade gegessen hatte, und kurze Zeit später waren an unserem Tisch noch vier weitere Personen versammelt. Die Themen waren jetzt nicht so interessant, so dass ich mich, ehrlich gesagt, etwas langweilte, da ich nicht wirklich mitreden konnte. Aber es wurde ohnehin bald Zeit, zu meiner allerletzten Yogastunde aufzubrechen. Allerletzte deshalb, da ich nächste Woche, zu der tatsächlich letzten Stunde, nicht gehen kann, denn da haben wir Orchesterprobe mit dem Chor. Schade... Heute damit also meine erste letzte Unterrichtsstunde hier. Das heißt eindeutig, meine Tage sind gezählt. Netterweise hatte sich in meiner allerletzten Stunde jemand anderes meinen angestammten Platz geschnappt. Ja, niemand hat hier reservierte Plätze oder so, aber mittlerweile hat doch eigentlich jeder seinen Stammplatz... Menno.
Ich war wieder einmal ziemlich müde, aber ich schlief nicht ein. Zumindest nicht richtig. Immerhin machten wir heute keine "Moon Pose" - die kann ich nicht leiden. Und wir machten heute erste richtig fortgechrittene Übungen - die ich natürlich nicht auf die Reihe brachte. Zwar versagte ich nicht völlig, aber wirklich funktionieren wollten die Positionen nicht. Ich bin anscheinend absolut untalentiert für Yoga. Was aber nicht heißt, dass ich das nicht doch weiterhin probieren möchte, wenn die Zeit in Deutschland dafür ausreichen wird. Neben meinem Studium, Aufnahmeprüfungen, arbeiten und meinen Plänen, mit Töpfern und Fitnessstudio anzufangen. Wha.
Am Ende durften wir dann noch Bewertungsbögen für den Kurs ausfüllen - hm ja. Die Fragen haben irgendwie oftmals gar nicht so sehr zu einem Yogakurs gepasst, kein Wunder, waren ja allgemein gehalten für alle möglichen Kurse. Aber na gut, wenn sie das wollen... von mir aus.
Ich fuhr nach Hause. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich deprimierte Laune. Kommt hin und wieder mal vor, schätze ich ;) Der Tag war eben lang gewesen, trotz des Ausschlafens, und das Kopfweh hatte nicht gerade zur Launensteigerung beigetragen. Daheim gönnte ich mir dann Frustpizza - also keine richtige Pizza natürlich, aber mein Gebilde aus Pita, Ketchup, Schinken und Käse. Mit richtig schön viel Fruktosin und Laktrase. Aber was sein muss muss sein!
Beim üblichen Eltern-Telefonat dann sprachen wir noch einmal über meinen Plan, im Februar und März bei meinem Vater in der Firma zu arbeiten und entschieden uns schlussendlich dafür, dass ich mich gar nicht erst bewerben würde. Gründe gibt es dafür mehrere. Wegen meiner Finger will ich vor meinem Abschluss nicht gerade an schweren Maschinen arbeiten, was die Stellenanzahl reduziert. Außerdem aber habe ich, wenn ich mich denn bewerbe, was ich vorhabe, im Februar unter Umständen Aufnahmeprüfungen. Erschwerend hinzu kommt auch noch, dass ich momentan ziemlich ausgebrannt bin. Nicht Burn-out-mäßig, aber einfach erschöpft. Dieses Semester hier war/ist schon ziemlich anstrengend, und ich hatte seit April keine Ferien mehr (die Tage zwischen meinem Semester in Deutschland und dem Abflug hier her zählen kaum, da ich da nicht wirklich Zeit zum erholen hatte sondern nur mit den Planungen für den Abflug beschäftigt war). Davor habe ich Diplomarbeit geschrieben und nebenher war da noch diese Opernsache - also ja, ich sehne mich nach ein paar Tagen Ruhe. Wenn möglich auch nach ein paar mehr. Und unter Umständen finde ich ja eine kleine Stelle in meinem Berufsfeld, so ein, zwei Tage die Woche. Das wäre super. Träumen darf man ja mal. Klar, damit habe ich bei meinen Eltern dann doch länger Schulden als geplant, aber kann halbwegs erholt in mein letztes Semester gehen. Das ist Luxus, den sich nicht viele leisten können, das weiß ich, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich möchte einen guten Abschluss hinlegen - wäre doch arg doof, wenn bisher die Noten gar nicht so schlecht gewesen sind und der Abschluss total in die Hose geht (wobei das trotzdem immer passieren kann, bei meiner Nervosität bei Bühnenauftritten - egal, wie erholt und ausgeruht und vorbereitet ich vorher war). Aber damit ist jetzt zumindest mal auch der Gedanke, dass ich ja noch eine Bewerbung schreiben muss, erst mal vom Tisch. Natürlich wartet da noch die Bewerbung für die Schauspielschule, aber ja... die kann erst mal warten. Bis mein Semester in 15 Tagen hier beendet ist. Dann sehen wir mal weiter.
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