Freitag, 25. November 2011

Tag 110 (25.11.)

Nach ein bisschen ausschlafen und der Erkenntnis, dass der blöde Schnupfen jetzt wohl anscheinend auf dem Rückzug wäre beschloss ich, mich nach dem Mittagessen wirklich in das Getümmel des Schwarzen Freitags zu stürzen. Zwar hatte ich wahnsinnig stechende Halsschmerzen - aber hoffte einfach, dass die vergehen würden. Vorher rief ich noch meine Schwester an, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren, dann aber machte ich mich bereit für den Einkaufsrummel
Gegen eins zog ich also los, nur um fünf Minuten später festzustellen, dass ich mein Handy daheim hatte liegen lassen. Kurz war ich versucht, einfach weiterzugehen - man wirds ja wohl mal einen Tag ohne Handy aushalten? Dann fiel mir aber ein, dass da auch meine Monatskarte dabei lag, nix also mit einfach weiterlaufen. Ich drehte um und machte mich dann zum zweiten Mal endgültig auf den Weg. Erste Station war die Bücherei auf dem Weg zur Innenstadt, wo ich meine DVD und ein paar CDs einwarf. Für die letzten paar hundert Meter dachte ich, ich nehme den Bus, anstatt noch einmal zur U-Bahn runterzulaufen. Wegen einer Station... Der Bus kam nämlich auch gerade und ich stieg ein. Die Fahrt war allerdings kurz, gerade einmal eine Busstation. Und dann gings nicht weiter. Wir standen für fünf Minuten oder so, dann brummelte der Busfahrer irgendwas in den Lautsprecher und wir stiegen alle aus. Die Ursache war bald gefunden: Ein Unfall. Glaube ich zumindest, man sah nichts außer einem Polizei- und einem Krankenwagen mitten auf der Fahrbahn, daher vermute ich das jetzt einfach mal. Ich lief also die restliche Strecke, und gerade als ich am Zielpunkt ankam fuhren an mir lauter aufgestaute Busse und Straßenbahnen vorbei. Egal, ich bin ja nicht faul, nicht wahr?
Erste Station war die Bank - zum Einkaufen braucht man schließlich Geld. Direkt daneben ist eine große Filiale eines "Forever 21", das ist ja quasi der hiesige H&M. H&M gibts zwar auch, aber Forever 21 ist doch irgendwie mehr ... "in". Im ersten Moment, als ich den Laden betrat, war es knüppeldicke voll - nach den ersten Metern aber lichtete sich das Ganze. Es war zwar immer noch voll, aber es war akzeptabel voll, vor allem in den beiden oberen Etagen. Ich würde sagen, es war wie in meiner Heimatstadt an einem Samstag in einem H&M. Noch nicht einmal wie in der Weihnachtszeit. Selbst an der Umkleidekabine und an der Kasse musste ich nicht jeweils länger als fünf Minuten warten.
Im H&M erstand ich ein Beatles-Shirt für ein paar Dollar - die Angebote waren teils ja schon nicht schlecht. Eigentlich gab es das nur noch in 32 (gibts diese Größe in Deutschland überhaupt?), kurz vor der Kasse fand ich aber zum Glück eine 34, welche dann zu Hause auch prima passte. Das mit den Größen ist echt verrückt, manchmal passt einem 34 super und mal ist eine 38 zu eng... können die sich mal einigen?
Außerdem sah ich im H&M noch eine Jacke, die ich mir wahnsinnig gerne schon vor ein paar Wochen gekauft hätte - für 50 Dollar war mir das aber weitaus zu viel. Heute kostete sie aber weniger als die Hälfte. Das war schon eine große Versuchung, allerdings gab es sie nur noch in Größe 32 und 40. Und diesmal passte mir beides nicht, das wusste ich schon ohne eine Anprobe. Na gut, dann eben nicht. Das Schicksal hat entschieden ;)

Weihnachtsbaum am Union Square

Nächste Station war Macys - ich musste ja noch ein Kleid zurückgeben. Im nächsten Wallgreens dann kaufte ich die letzte Kerze, die mir für meinen Adventskranz fehlte. Jetzt habe ich vier, juhu! Fehlen nur noch Tannenzweige. Dann kann ich loslegen und mir was improvisiertes zusammenschustern.
Letzte Station war das Westfieldcenter - und hier der Spielzeugladen. Ihr wisst ja, ich bin einfach noch ein kleines Kind... Verwundert war ich allerdings davon, dass die Hälfte des Ladens plötzlich von Büchern besiedelt war. Huch? Ich habe nicht wirklich kapiert, weshalb... Wirklich was besonderes gab es hier aber nicht, also machte ich mich auf den Heimweg. Welcher, um aus dem Center rauszukommen, an einem H&M vorbeiführt. Ihr ahnt es schon, nicht wahr?
Schon vom Schaufenster aus konnte ich Jacken und Mäntel sehen, und naja. Ich dachte mir, ich nehme die Jacke mit und frage meine Mutter, was sie von ihr hält.... ich kann sie ja dann immer noch zurückbringen. Was ich, wie ich mich kenne, eh nicht machen werde... aber naja. Und ja, ich weiß, langsam werden meine Koffer wirklich voll. Ich hab schon fast Alpträume von der Vorstellung, mein ganzes Zeug nach Hause zu schaffen... keine Ahnung, wie das gehen soll. Wirklich nicht. Wie soll ich nur mit zwei Koffern und einem Rucksack auskommen? Das sind sicher nicht mehr als 60 kg... Hui. Und dabei wollte ich im Dezember noch ein bisschen was kaufen, ich hab da noch eine ziemlich lange Liste rumfliegen... von der ich zwar nie im Leben alles kaufen werde, ich bin ja kein Millionär, aber ein bisschen was wäre schon nett. Wisst ihr eigentlich, wie günstig manche Sachen, vor allem CDs, hier sind?
Naja, danach ging ich wirklich nach Hause. Zumindest so halbwegs, denn ich hatte vor, unterwegs noch ein paar Lebensmittel einzukaufen. Netterweise standen wir sicher zehn Minuten an der Haltestelle vorher herum, und keiner wusste, wieso. Irgendwie hatte ich es heute mit den öffentlichen Verkehrsmitteln! Im Safeway dann versuchte ich in der Blumenabteilung ein paar Tannenzweige aufzutreiben, die Dame berichtete mir aber, das bereits alle ausverkauft seien. Hmpf. Ich solle es nächste Woche noch einmal probieren... bäh. Da ist doch der erste Advent schon vorbei! Nachdem aber auch meine Würstchen nirgendwo aufzufinden waren war mir klar, dass ich es morgen einfach mal im anderen Safeway probieren würde.
In der Bahn stellte ich fest, dass mein MP3-Player die ganze Zeit gelaufen war - wunderbar, denn jetzt war der Akku fast leer. Er hielt noch bis einige Minuten vor der Tür, immerhin. Aber schon ärgerlich, da ich ihn eigentlich ausgemacht hatte um auf dem Heimweg entspannt Musik hören zu können. Anscheinend sollte ich das mit dem ausmachen aber noch mal üben.
Rückblickend lässt sich sagen, ich hab mir das Chaos bei einem "Black Friday" größer vorgestellt. Vielleicht ist es nachts größer, vielleicht war dieses Jahr ausnahmsweise nicht so viel los - oder ich bin aus Deutschland einfach schlimmeres Chaos gewöhnt. Ich tippe auf Letzteres, denn wenn ich jetzt mal so darüber nachdenke war hier vor den Umkleiden eigentlich bisher fast nie eine Schlange (mal abgesehen vom Ross). So was kenne ich aus meiner Heimatstadt eigentlich nicht.
Zu Hause dann erwartete mich eine Überrschung - eine Adventskarte von meiner Oma. Total lieb, ich mag es doch so, Post zu bekommen, und hier erst Recht - ich kriege hier ja nicht einmal Rechnungen ;) Dann freut man sich über eine so liebe Karte natürlich doppelt so viel.
Eigentlich hatte ich ja auch noch Briefpapier kaufen wollen, um meiner Freundin zu antworten, deren Brief ich ebenfalls vor ein paar Tagen erhalten habe - hatte aber keines gefunden. Dann muss ich eben auf ordinärem Papier antworten, bleibt mir wohl nichts anderes übrig.

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